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Ausgabe B

Sonntag, tO Februar 1(929

Nr. 6

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für die katholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe ^ 40 R.-Pfennig 3 45 R.-Pfennig (Zustellaebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Coloneizeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofs.-Teb. 0,10 Goldmark. Porio extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actlendruckerel in Fulda len.

-----Druck und Verlag der Fuldaer Acliendruckerei. Verlagsort Fulda.-----

Wochenkalender.

Sonntag, 10. Februar. Quinquagesima. Scholastika, Jgfr., f 543.

Montag, 11. Febr. Erscheinung der sel. Jungfrau Maria in Lourdes.

Dienstag, 12. Febr. Sieben Stifter des Servitenordens, Bek. im 13. Jahrh. 7. Jahrestag der Krö­nung unseres Hl. Vaters Pius XI.

Mittwoch, 13. Febr. Aschermittwoch. Gregor II., Papst, Bek., f 731.

Donnerstag, 14. Febr Valentinus, Bischof, Mart.; Va- lentinus, Priester, Mart.

Freitag, 15. Febr. Vom Tage. Faustinus u. Jovita. _ Mart-, t 122.

Stamstag, 16. Febr. Vom Tage.

Sonntag Guinquagesima.

Epistel. 1. Korinther 13, 113.

Evangelium. Lukas 18, 3143. Das Geheimnis des

Leidens.

In jener Zeit nahm Jesus die Zwölf zu sich und sprach zu ihnen:Seht, wir gehen hinauf nach Jerusa­lem, und alles wird in Erfüllung gehen, was die Prophe­ten über den Menschensohn geschrieben haben: Er wird den Heiden ausgeliefert, verspottet, gegeißelt und ange­spieen werden; und nachdem sie ihn gegeißelt haben, werden sie ihn töten; doch am dritten Tage wird er auf­erstehen." Sie verstanden aber nichts davon; die Rede war für sie dunkel, und sie begriffen nicht, was damit gemeint war. Als er sich Jericho näherte, saß ein Blin­der am Wege unb bettelte. Er hörte, wie das Volk uor* deizvg, und fragte, was das bedeute. Man sagte ihm. Jesus von Nazareth ziehe vorbei. Da rief er:'Jesus, Davids, erbarme dich meiner!" Die voraus gin­gen, fuhren ihn an, er solle schweigen. Doch er rief nur "och lauter:Sohn Davids, erbarme dich meiner!" Da blieb Jesus stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er herangekommen war, fragte er ihn:Was soll ich dir tun?" Er bat:Herr, daß ich sehe!" Jesus sprach zu 'M:Sei sehend! Dein Glaube hat dich gesund gemacht." ,Äuf der Stelle konnte er sehen, pries "Gott und folgte uw nach. Und alles Volk, das dies gesehen hatte, lobte Gott.

Roß und Reiter?

ie Ameisen sehe ich jetzt so manche Menschen durch die Straßen hu- wW schon. Ihr Sinnen und Trach- ten geht nur dahin, den Lüsten ' zu fröhnen und möglichst viel . " ^. dem Leibe zu opfern, der doch em Fraß der Verwesung und der Würmer sein wird.

Dir Kirche aber schaut bereits auf die hl. Fa- sl?"âeit, in die wir nach drei Tagen eintreten, ^chon sehe ich das Tor geöffnet; es ist der Ascher­mittwoch.

Welches aber der eigentliche Sinn des Fastens der eigentliche Zweck der Fastenzeit ist, das ,^^t der hl. Papst Leo in einer Rede mit folgen* »en Worten an:

Zügeln wir den Widerstreit zwischen Geist und Fleisch. Der Geist, der unter Gottes Führung gestellt ist, soll Lenker seines Körpers sein; der Geist soll die Würde seiner Herrschaft wieder er* langen."

Papst Leo spielt in diesen Worten auf einen Anspruch des hl. Paulus an. Das Fleisch, sagt dieser Apostel, gelüstet wider den Geist, und der Geist gelüstet wider das Fleisch. So kommt es, daß ich manchmal etwas tue, was ich nach dem bes­seren Menschen nicht tun wollte.

Es ist der alte Kampf um die Vorherrschaft zwischen Körper und Geist, zwischen Lech und Seele. Wenn wir die Begierden des Körpers ge­gen die gesunde Vernunft, gegen den Widerspruch des Gewissens, gegen die Aussprüche der Religion befriedigen, dann ist die richtige Ordnung um­gekehrt. Der Herr ist zum Diener geworden, der Diener zum Herrn. Reiter sollst du sein und siehe, du bist zum Rotz geworden. Dein besseres Selbst soll den Körper in Zucht und Ordnung hal­ten, soll das Verlangen nach Speise und Trank, nach Ruhe und Behaglichkeit, nach Befriedigung der Naturtriebe in den richtigen Schranken halten.

Und da ist nun das Fasten gerade am rechten Matz.

Der Körper, der Gaumen, der Appetit sagt: ich will noch mehr essen, ich will noch mehr trinken. Dein Wille aber sagt: es ist Schluß. So hast du die Oberherrschaft des Geistes durchgeführt. Du bist Reiter gewesen und hast die Zügel stramm in der Hand gehabt. Zügeln wir nun die Eßlust, so werden wir auch, wie die Nachfolge Christi schreibt, alle andern Begierden leichter bemeistern.

Und es ist ganz nach der Meinung der Kirche, daß nicht in der Beschränkung der Nahrungsauf­nahme allein das ganze Fasten besteht. Denn, st sagt der hl. Leo, das Fasten ist nicht die Haupt­sache in der Fastenzeit. Der Kampf gegen das Fleisch und die Sinnlichkeit muß vielmehr auf al­len Flanken geführt werden. Es gibt auch ein Fa­sten in Gesprächen, in der Unterhaltung, im Ver­gnügen, in Schlafen, im Zorn. Dazu gesellt sich der Eifer im Gebet, im Besuch der hl. Messe, im Empfang der hl. Sakramente, im Almosen und in Werken der Liebe.

In einem uralten Hymnus, den die Priester in der Matutin der Fastenzeit zu beten haben, findet die Uebung des Fastens folgenden poetischen Aus­druck:

Laßt uns in diesen vierzig Tagen

Des Fastens Wühe willig tragen,

Wie von der Kirche selbst bewährt Ein heiliger Gebrauch uns lehrt.

Die Schar der Väter und Propheten

Hat einst schon diese Bahn betreten, Und Christus selbst, der Herr der Zeit, Hat durch sein Beispiel sie geweiht.

So laßt uns denn vor allen Dingen Zuerst fürs Heil der Seele ringen Und in Gesprächen, Speis und Wein, In Schlaf und Scherz enthaltsam sein.

Daß nicht durch seine falsche Tücke

Der Feind der Menschen uns berücke: Daß wir der Sünde Reiz entfliehn, Die sicher uns zum Abgrund ziehn.

Wenn vor dem Richter wir erscheinen,

Laßt uns der Reue Zähren weinen; Zerknirschet laßt uns zu ihm gehen, Von Schmerz durchdrungen zu ihm flehen:

Wir sind des Bösen Pfad gewandelt,

Wir haben lasterhaft gehandelt;

Eslarmer! Sieh uns gnädig an

Und laß Vergebung uns empfahn.

Vom heiligen Romuald, dessen Andenken wir am siebten Februar begingen, erzählt sein Biograph, daß dessen Leben ein beständiges Fasten gewesen sei. In allen Bequemlichkeiten und Genüssen einer reichen, adeligen Familie aufgewachsen, begab er sich mit 20 Jahren in die Einsamkeit. Eine Hand­voll Erbsen oder einige gesottene Krämer waren sein Mittag- unb Abendessen, besonders zur Zeit der 40tägigen Fasten, die er nicht bloß einmal, sondern zweimal des Lahres hielt. Bemerkte er eine besondere Lust nach einer Speise, so ließ er sie von den Mönchen, die sich ihm angeschlossen hatten, aufs feinste zubereiten und sich vorsetzen. Hatte er dann seinen Appetit aufs höchste gestei­gert, so gab er die Speise einem Kranken oder Armen So war fein Sieg über die Gaumenlust um so größer. Aris den Lebensbeschreibungen der Heiligen entnahm er verschiedene Arten von Ab­tötungen rind Strengheiten, um sie ebenfalls zu beobachten.Das Leben der Heiligen", pflegte er zu sagen,geht mir durch Mark und Bein; und wenn ich es betrachte und mein eigenes Leben da­neben halte, so meine ich, ich müßte vor Scham sterben»

Solche Strengheiten werden von der Kirche nicht vorgeschrieben. Die Heiligen haben sie unter dem Antrieb der Gnade aus freien stücken ge« übt. Was wäre aber das für ein Christentum, wenn man alles Fasten verachtet und sich davon grundsätzlich dispensiert? Wenn man noch respek- tierlich von solchen Einrichtungen redet, als wären sie altmodisch, überlebt, unvernünftig und unge* fund! Das wäre ein Christentum ohne Saft und Kraft, ein Christentum ohne Mark und Knochen. Besser gesagt, da hätte das Christentum Bankrott gemacht. Denn unser Heiland, der Stifter der christlichen Religion, hat durch sein Beispiel das Fasten geheiligt und seine Kirche hat es allezeit be­obachtet und ihren Gläubigen vorgeschrieben. Sollte es denn über unsere Kräfte gehen, bei dieser oder jener Mahlzeit etwas weniger zu genießen? Diese oder jene Lieblingsspeife uns zu versagen? Die