I 39. Jatzrg. O
Kassel, den 20, Januar H929.
M.3
für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 H.-PHennig 3 45 R.-Psennig (Zustellgebühr extra). Redastionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklametèll 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunst und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda sein.
Druck und Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei. Verlagsort Fulda. — ■■
Wochenkalender.
Sonntag, 20. Ian. 2 Sonntag nach Epiphanie. Fabian und Sebastian, Mart., t 3. Ihrh.
Montag, 21. Ian. Agnes, Jgfr., Mart., t 304.
Dienstag, 22. Ian. Vinzentius (f 309) und Anastasius (618), Mart.
Mittwocb, 23. Ian. Raymund v. Pennafort, Bek., 1" 1275. Emerentiana, Jgfr., Mart.
Donnerstag, 24. Ian. Timotheus, Apostelschüler, Bisch.,
Freitag, 25. Ian. Bekehrung des hl. Paulus.
Samstag, 26. Ian. Polykarpus, Apostolschüler, Bisch.,
Zweiter Sonntag nach Erscheinung
des ^errn.
Epistel Römer 12,6—16.
Evangelium. Iohannes 2,1—11. Die Hochzeit zu Sana,
In jener Zeit mar'eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Die Mutter Jesu war zugegen, und auch Jesus und seine Jünger wurden zur Hochzeit geladen. Als der Wein ausging, sprach die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben keinen Wein mehr." Jesus erwiderte ihr: „Was willst du von mir, Frau? Noch ist meine Stunde nicht gekommen." Da sprach seine Mutter zu den Dienern: „Tut alles, was er euch sagt!" Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie sie bei den Juden für die Reinigungen üblich waren. Jeder von ihnen faßte zwei bis drei Maß. Jesus gebot ihnen: „Füllet die Krüge mit Wasser!" Sie füllten sie bis zum Rande. Und Jesus sprach zu ihnen: „Schöpfet jetzt und bringet davon dem Speisemeister!" Sie brachten es ihm Der Speisemeister kostete nun das Wasser, das zu Wein geworden war Er wußte aber nicht, woher der Wein kam: nur die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wußten es. Da rief der Speisemeister den Bräutigam und ragte zu 'hm: „Jedermann jetzt zuerst den guten Wein vor i nb erst, wenn die Gäste genug getrunken haben, den geringeren. Du aber hast den guten Wein bis ;egt -mf- bewahrt." So machte Jesus zu Kana in Galiläa den Anfang mit seinen Wundern. Er offenbarte dadurch seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ibn.
Ehrenvolle plä^e.
elch schönes Zusammentreffen bet der Hochzeit zu Kana. Jesus ist bei dieser Hochzeit, der Sohn der Jungfrau, der König der Jungfrauen. Aus freiem Willen und aus Liebe zu seinem Beruf,
aus Liebe zu seinem himmlischen Vater, aus Liebe zu den Seelen, denen er sich in mystischer Liebe vermählen wollte, hat er auf Ehe, Familie und irdische Nachkommen verzichtet.
Und dennoch beehrt er eine Hochzeit mit seiner Gegenwart, würzt die Festlichkeit durch seine liebereiche, geistvolle Unterhaltung, macht diesen Tag unvergeßlich durch ein Wunder, verwandelt Wasser in Wein, eröffnet seine Laufbahn als Wundertäter und Messias, sichert dem Ehestand einen ehrenvollen Platz in seinem Reiche. - - ,
Und auch Maria ist bei dieser Hochzeit. Die Königin der Engel, die Krone der Jungfrauen, die Mutter Christi, auf deren Stirn zwei Edelsteine glänzen, die Ehre der Jungfräulichkeit und die Würde der Mutter. Denn „ein Wunder ist Maria in der Tat", schreibt der hl. Chrysostomus, „ein großes Wunder: denn sie allein ist Magd und Herrin, Jungfrau und Mutter zugleich". Auch drirch ihre Gegenwart ist diese Hochzeit geheiligt. Als Jungfrau weilte sie unter vielen Gästen, unter denen auch Väter und Mütter waren; als Jungfrau ehrt sie die Brautleute, die im Begriffe stehen, die Gemeinschaft der Seele und des Leibes einzugehen und das Gebot des Schöpfers zu vollstrecken: „Wachset und mehret euch und erfüllet die Erde."
Und so haben im Reiche Gottes, im Reichs Christi und der katholischen Kirche sowohl die Jungfräulichkeit als auch der Ehestand ehrenvolle Plätze. Sowohl der ledige als auch der verheiratete Stand haben ihre gottgewollte Aufgabe und ihre hohe Weihe und Würde. Eine Zeit lang ist die Jungfräulichkeit Pflicht für alle ohne Unterschied: für die Kinder, für die Söhne, für die Töchter, für die Brautleute, für alle, die nicht im Ehesakrament die Elternweihe erhalten haben. Unter den Augen der Eltern sollen im Kreis der Familie Jungfrauen erblühen wie Rosen und Lilien. So gehen in Erfüllung die Worte des Psalmisten: „Die Mutter ist wie eine fruchtbare Rebe inmitten des Hauses."
Keine größere Sorge sollen die Eltern kennen als die Sorge um die Unschuld, die Reinheit, die Keuschheit ihrer Söhne und Töchter. Einen solchen Vater hat die Schrift im Auge, wenn sie sagt: „Die Sorge um die Tochter raubt dem Vater den Schlaf, dan' r:-> nicht in Schande komme." Gärtner sollen ! . r und Mutter sein und in den Beeten der Familie schneeweiße Lilien ziehen. Eltern, die es mit dieser Sorge leichtsinnig nehmen, haben eine große Verantwortung. Höre darüber die Worte des hl. Paulus: „Wenn jemand für seine Hausgenossen nicht Sorge trägt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Heide". Paulus will sagen, daß die Kraft des Glaubens, des Christentums vor allem in der Sorge für die „Hausgenossen" sich auswirken muß. Wo also diese Sorge fehlt, da besteht das Christentum höchstens noch dem Namen nach; in Wirklichkeit herrscht dort krasses Heidentum. Ach, wie viele Katholiken sind sich der Größe und Verantwortung ihres Glaubens nicht bewußt. Kein Wunder, daß wir den Ungläubigen manchmal zum Gespött werden. Jüngst hatte ein Sowjetbeamter ein Gespräch mit einem katholischen Ordensmann. In seiner Begeisterung für die Sowjetrepublik äußerte der Beamte die Ansicht, der Bolschewismus werde bald auch Deutschland erobern. Der Pater indes entgegnete, der Bolschewismus werde seine Wogen ân den deutschen Katholiken brechen. Die fürchten wir nicht, sagte la
chend der Sowjetmann; denn zwei Drittel davon sind Leichname!
Dieses Urteil ist hart, ist beschämend, ist vernichtend. Aber es hat den Vorzug der Wahrheit. Viele sind in ihrem Glaubensleben tot. Und Leichname sind nicht bloß die Katholiken, die nicht in die Kirche gehen, die nichts wissen wollen von Beicht und Kommunion; Leichname sind auch diejenigen katholischen Eltern, die keine Acht haben auf das Tun und Lassen, die Lektüre und den Umgang ihrer Söhne und Töchter. Daher kommt ein großer Teil des sittlichen Elends und Zerfalls, die mir an unserer Jugend zu beklagen haben.
Wie manche Mutter wagt es nicht, zu Bett zu gehen, wenn auch nur ein einziges Huhn sich noch außerhalb des Hühnerstalles befindet. Es könnte ja sein, daß ein Fuchs oder sonst ein Feind das Huhn erwischt und zerreißt. Wenn aber Sohn und Tochter noch außerhalb des Hauses sind, wenn sie sich in Kinos, Tingeltangeln, Lokalen oder in Winkeln und Wäldern herumtreiben — was kümmert es die Eltern!
Von dem heidnischen virginius, der 400 Jahre vor Christus lebte, lesen wir, daß er seine Tochter mit eigener Hand ermordete, um sie vor Schändung zu bewahren. Da ist der Vater gewiß zu weit gegangen. Aber zeigt uns nicht diese Tat die Sorge eines heidnischen Vaters um die Unschuld der Tochter? Ihre Unschuld war ihm mehr wert als ihr Leben. Dina, Jakobs Tochter, fiel bei einem leichtsinnigen Ausgang einem heidnischen Stammesfürsten in die Hände, der ihr die Ehre raubte. Da haben Dinas Brüder nicht eher geruht, als bis sie die Stadt des Fürsten in Trümmer gelegt, ihn selbst und all seine Mitbürger ermordet hatten. Gewiß sind da die Brüder in ihrer Rachsucht zu weit gegangen. Immerhin aber sehen wir bei ihnen die Hochschätzung vor der Ehre ihrer Schwester, die man nicht ungestraft verletzten durfte.
Mögen die Söhne und Töchter später den hl. Ebestand ergreifen und darin glücklich werden. Die beste Vorbereitung auf diesen erhabenen, gottgewollten, verantwortungsreichen Beruf und Stand ist und bleibt die unbedingte, allseitige, makellose, unberührte Reinheit. Und wenn Hunderte und Tausende aus Idealismus, aus Rücksichten der Religion und Caritas dem Ehestand grundsätzlich entsagen, so besitz: die Welt sichtbare Enael, zu denen wir mit Verehrung aufblicken und die wie ein fruchtbarer Strom die Kirche Gottes erfreuen und erquicken.
Der Burg Pfarrer.
Gebetsoktav um Wiedervereinigung im Glauben.
Die acht Tage vom 18. bis zum 25. Januar jedes Jahres haben für uns Katholiken, eine besondere Bedeutung. Die deutschen Bischöfe hasten nämlich auf ihrer Zusammenkunft in Fulda be»