Ausgabe B.
6t ElWeth-Mt
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
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■'■—'"■' "■- Dnllk und Verlag Der Fuldaer Acriendnxksrel. Verlagsort Fulda. -
Nr. 2
Kassel, de» 15, Januar 1929,
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wochenkalender.
Sonntag, 13. Januar. 1. Sonntag nach Epiph. Dt» tao des Festes der Erscheinung des Herrn.
Montag, 14. Jan. Hilardus, Bisch., Kirchenlehrer, t 336' Felix von Nola, Mart.
Dienstag, 15. Jan. Paulus, Einsiedler t 342.
Mittwoch. 16. Jan. Marzellus I., Papst, Mart., t 310.
Donnerstag, 17. Jan. Antonius, Abt., Einsiedler, f 356. Freitag. 18. Jan. Stuhlfeier St. Petri zu Rom. Prisca, Jgfr.., Mart, im 1. Jahrh.
Samstag, 19. Jan. Marien-Samstag. Marius und Gen. Mart., Kanut, König, Mart., t 1086.
NB. Vom 18. bis 25. Januar Gebetsoktav um Wiedervereinigung der im Glauben getrennten Christen.
Erster Sonntag nach Erscheinung des Herrn.
Erster Sonntag nach Erscheinung des Herrn. Epistel. Römer 12, 1—5.
Evangelium. Lukas 2, 42—52. Der zwölfjährige Jesus im Tempel.
Als Jesus zwölf Jahre alt war, gingen feine Eltern der Festsitte gemäß hinauf nach Jerusalem. Nachdem die Tage vorüber waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem zurück, ohne daß seine Eltern es bemerkten. In der Meinung, er sei bei der Reisegesellschaft, gingen sie eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. Da sie ihn aber nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel. Er sah mitten un- terben Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen an sie. Alle, die ihn hörten, staunten über sein Verständnis und seine Antworten. Als sie ihn erblickten, verwunderten sie sich, und seine Mutter sprach zu ihm: „Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!" Er erwiderte ihnen: „Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet Ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?" Doch sie verstanden nicht, was er ihnen damit sagen wollte. Dann zog er mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan. Seine Mutter bewahrte alle diese Dinge in ihrem Herzen. Und Jelus nahm zu an Weisheit, an Alter und an Wohlgefallen vor Gott und den Menschen.
Der Kinbermörber Aerobes und feine Nachfolger.
der Geburtsgrotte zu Bethlehem
“ schlug wie eine Bombe die War- nung des Engels ein: „Joseph, - steh' auf, nimm das Kind und seine .âEâ^ Mutter und fliehe in das Land ' Aegypten; denn herodes wird das Kind suchen, um es zu lösen.“ Und richtig, der blutdürstige Wolf in Jerusalem schickte ein Bataillon Mordbuben nach Bethlehem und ließ alle Knaben der Stadt und der ganzen Umgebung nieder- / metzeln Auf den Straßen floß das Blut unschuldiger Kr in Strömen und vermischte sich mit
den Tränen unglücklicher Mütter. Damals erfüllte sich die Weissagung des Propheten Jeremias: „Eine Stimme ward gehört in Rama; Weinen und viel Wcheklagen; Rachel weint um ihre Kinder der und will sich nicht trösten lassen, west sie nicht mehr sind." —
Hat Herodes mit seinem entsetzlichen Kindermord Schule gemacht? Hat er in seinem traurigen Handwerk Rachfolger gefunden? Gibt es auch in unsern Tagen vielleicht noch einen Herodes?--
Ach, möchte es doch keinen einzigen geben! Möchten doch alle Kinder als Segen und Reichtum von Gottes Hand angenommen, mit Jubel und Freude begrüßt, in das sonnige Licht des Lebens eingeführt, von erleuchteten Eltern gut erzogen und ihrem Hernr unb Schöpfer zurückgegeben werden, daß sie ihn in des Himmels Herrlichkeit ewiglich loben und in seiner Anschauung mitsamt ihren Eltern ewig glücklich sein möchten!
Aber ach! Nicht nur einen, nein Hunderte und Tausende von Herodes gibt es in unsern Tagen. Da will ich gar nicht reden von jenen Unmenschen, die den Kindern, die bereits auf dem Wege der Geburt sind, das Lebenslicht vorher schon ausblasen, auch nicht von jenen Rabenmüttern, die ihre Kinder nach der Geburt umbringen oder verelenden lassen. Es gibt noch einen andern Kindermord, der sich mit dem Mantel der Heuchelei bedeckt, der mit allerhand törichten Redensarten sein Dunkelwerk noch zu rechtfertigen sucht.
„Wozu so viele Kinder", höre ich manche lagen; „Sollen wir sie in die Armut und in das Elend setzen? Sollen wir sie für das Pulver, die Granaten und das Giftgas aufziehen? Sollen wir uns solche Lasten und solche Verantwortung aufladen?"
Mit solchen Redensarten ichlagen manche Eheleute ihr Gewissen tot und üben eine Praxis, die zwar die Kinder nicht mordet, wohl aber ihnen das Dasein abschneidet und verweigert. Sie werfen sich auf die vom Teufel erfundene, ruchlose und unnatürliche Kunst, die Rechte der El)e in Anspruch zu nehmen, den Kindersegen aber nach Willkür zu beschränken. Das ist ein „Mißbrauch", der durch die Auktorität der Bibel, der unfehlbaren Kirche und ärztlicher Aussprüche einmütig und entschieden mißbilligt und verurteilt wird.
Mit Schauder erzählt die Hl. Schrift von einem gewissen Onan, der mit Fleiß und Hinterlist die Empfängnis eines Kindes hintertrieb. Der Herr ergrimmte über ihn und schlug ihn mit plötzlichem Tode, weil er etwas „abscheuliches", etwas unerhörtes in Israel trieb. Diese Praxis bedingt eine Fleischessünde niedrigster Art, welche dem hl. Paulus die Zornesröte ins Gesicht treibt und ihm folgendes in die Feder diktierte: „Der Leib ist nicht für die Unzucht, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib. Wißt ihr nicht, daß eure Glieder Glieder Christi sind? Sollte ich also die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern der llnzucht machen? Fliehet die Unzucht. Oder wißt ihr nicht, daß
eure Glieder ein Tempel des hl. Geistes sind, der in euch ist, den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid um hoh n Preis erkauft: darum verherrlichet und traget Gott in eurem Leibe!"
Und wollen wir nicht noch das Urteil der Bischöfe hören, welche der hl. Geist gesetzt hat, die Kirche Gottes zu regieren? Von allen Kanzeln sind die Weisungen der deutschen Bischöfe verkündet worden. Darin lesen wir die erschütternden Sätze:
„Schwere Sünde ist es, die Vermehrung der Kinderzahl dadurch verhüten zu wollen, daß man die Ehe zu bloßer Lust mißbraucht und dabei mit Wissen und Willen ihren Hauptzweck vereitelt. Das ist die schwere Sünde sehr schwere Sünde, mit welchen Mitteln und auf welche Weise es immer geschehen mag. Keine Not kann so drückend, kein Vorteil so groß, keine Begierlichkeit so zwingend sein, daß dadurch eine solche Verletzung des natürlichen und göttlichen Sittengesetzes gerechtfertigt werden könnte. Die ungläubige Welt mag dies als Klugheit und Lebensweisheit anpreisen; aber hier trifft das Wort des hl. Apostels Jakobus zu: „Das ist keine Weisheit, die von oben kommt, sondern irdische, sinnliche, teuflische Weisheit, ja es ist so recht eine Erfindung des Teufels, der ein Menschenmörder ist von Anbeginn. Wehe den Eheleuten, die sich mit ihm einlassen, die nach dem Wort des Propheten einen Bund schließen mit bem Tod und einen Vertrag eingehen mit der Hölle. An ihnen wird das Psalmwort wahr: „Sie haben den Fluch geliebt, und der Fluch wird über sie kommen; sie haben den Segen von sich gewiesen, und der Segen wird fern von ihnen bleiben; sie haben den Fluch umgetan wie ein Gewand, und er ist wie Wasser in ihr Inneres gedrungen und wie Oel in ihr Gebein. Wie furchtbar wirkt oft solcher Fluch sich aus in den Familien."
Soll ich noch eine kompetente ärztliche Auktorität ins Feld führen? Professor Dr. Gruber, ein Fachman von Ruf und Praxis, schreibt den Eheleuten folgende Worte ins Stammbuch:
„Ein Volk, ein Staat, dessen Mitglieder Nicht mehr den Lebensmut haben, die Erziehung der Kinder auf sich zu nehmen, dafür Opfer zu bringen, dafür zu wagen, dessen Bürger die Zahl der Kinder aufs äußerste beschränken, nur um ein schlaffes Wohlleben führen zu können, ist früher ober später dem Untergang geweiht." — Eine Mutte: hat mir erzählt, man habe ihr bei Erwartung bes: fünftenKindes allerlei teuflische Ratschläge gegeben Im Vertrauen auf Gott und aus Gewissenhaft^ keit ließ sie aber der Natur ihren Lauf. Und war geschah? O welche Freude! Nach vier Knaben kam ein Mädchen zur Welt. Vater und Mutte» und Brüder, alle waren glücklich. Liebe Eltern! Handelt gewissenhaft und naturtreu; schändet nickst das Heiligtum der Ehe. Gottes Wille über alle-r Gar keine, wenige, viele Kinder — alles nach Gottes Willen und ohne unberechtigten, eigenmächtige«