Kassel, den 6. Januar $929.
39. Zahrg
r : Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A40 N.-Psennig 3 45 R.-Pfenntg (Zustellgebühr «jt»), Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Pretse: Colonelzelle im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzelle im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofs.-Teb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Artlendruckerel in Fulda fein.
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wochenkalsnder.
Sonntag, 6. Jan. F e st der Erscheinung des
H e r r n. Heute Kollekte f ii r die Missionen in Afrika und für den Winfriedbund.
Montag, 7. Jan. 2. Tag in der Oktav von Epipd.
Dienstag, 8. Jan. 3. Tag in der Oktav von Epwh.
Mittwoch, 9. Jan. 4. Tag in der Oktav von Epiph Donnerstag, 10. Jan. 5. Tag in der Oktav von Epiph. Freitag. 11. Jan. 6. Tag in der Oktav von Epiph. Hyginus, Papst, Mart., f 142.
Samstag. 12. Jan. ' Fest der hl. Familie Jesus, Maria und Joseph.
Zest der Erscheinung des Herrn.
Epistel, Isaias 60, 1—6.
Evangelium, Matthäus 2, 1—12. Die Anbetung der
Weisen.
Als Jesus in den Tagen des Königs Herodes zu Bethlehem in Judäa geboren war, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenlande nach Jerusalem und fragten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern im Morgenlande gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten." Als der König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und legte ihnen die Frage vor, wo Christus sollte geboren werden. Sie erklärten ihin: „Zu Bethlehem "in Judäa. Denn so steht beim Propheten geschrieben: Du Bethlehem im Lande Juda, bist kewes- wegs die geringste unter Judas Fürstenstädten: denn aus dir wird hervorgehen der Fürst, der mein Volk Israel regieren soll." Da ließ Herodes die Weisen heimlich zu sich kommen und erkundigte sich bei ihnen genau nach der Zeit, da der Stern ihnen erschienen war. Dann wies er sie nach Bethlehem mit den Worten: „Ziehet hin und forschet sorgfältig nach dem Kinde. Wenn ihr es gefunden habt, so meldet es mir, damit auch ich komme, ès anzubeten." Als sie den König gehört hatten, machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, zog vor ihnen her bis er über dem Orte stehenblieb, wo das Kind war. — Als sie den Stern lahen, empfanden sie eine überaus große Freude. Sie traten in das Haus, fanden das Kind mit Maria seiner Mutter, fielen nieder und beteten es an. Dann öffneten sie ihre Schatzbehälter und brachten ihm Geschenke dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe. In einem Traum erhielten sie die Weisung, nicht mehr zu herodes zurückzukehren. Darum zogen sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.
Ein unfehlbarer Wegweiser.
n Rom sah man öfter einen Ordensmann zum gestirnten Himmel aufblicken. Lange, lange blieben seine Augen haften am glitzernden Firmament. Während aber seine Augen die geschaffenen Lichter be-
'rachteten, erkannte sein Glaube den lieben Gott, Schöpfer der Lichter, den Herrn des Himmels und ter Erde, erkannte die Herrlichkeiten der ewigen
Seligkeit, die Gott denen vorbehält, die ihn lieben. Dann hörte man ihn ausrufen: Wie ekest mich die Erde an, wenn ich an den Himmel denke.
Aus Rom wollen wir uns mit einem Ruck der Phantasie ins Morgenland versetzen. Dort starrten vor mehr als achtzehnhundert Jahren drei Augenpaare zum Himmelszelt. Da bemerkten sie einen Stern von seltsamer Pracht und Gestalt. Innerlich aber sagte eine Stimme zu ihnen: „Das ist der Stern eines großen Königs; soeben hat er das Licht der Welt erblickt; er ist euer Erlöser und Gott Gehet hin und betet ihn an." —
Du kennst diese Männer aus dem Morgenland, die hl. drei Weisen oder Könige, deren Andenken wir heute mit Freude und Dank begehen. Und diese Männer waren in der Tat Männer des Glaubens, die auch nach oben schauten wie jener Ordensmann in Rom. Und der Glaube ist ihnen zum Wegweiser geworden. Denn sie folgten der inneren Stimme, folgten dem inneren Licht, folgten dem Antrieb, der Gnade. Keinen Augenblick trugen sie Bedenken, Weib und Kind, Haus und Hof, Palast und Bequemlichkeit zu verlassen und sich den (Strapazen einer weiten Reise auszusetzen. Auf nach Palästina, war ihre Losung; dort ist der König geboren. Mochte auf dem Weg die Sonne noch so heiß auf ihren Scheitel niederbrennen, mochte die Dürre der Wüste noch so sehr ihren Gaumen austrocknen, mochten Räuber oder Bestien ihren Weg kreuzen — sie ließen sich nicht irre machen, sie kehrten nicht um, sie setzten ihren Weg weiter und kamen glücklich nach Jerusalem.
„Wo ist der neugeborene König der Juden?" Herodes erschrak auf diese Frage; mit ihm erschraken die Schriftgelehrten, die Priester, die Professoren, die Bürger. Doch die Weisen kamen nicht aus dem Gleichgewicht. Und auf ihre Frage kam der Bescheid: „Zu Bethlehem im Lande Juda. Nun hatte alles andere keinen Reiz und keinen Wert für die Männer aus dem Morgenland. Der Tempel, der Palast des Herodes und die übrigen Prachtbauten konnten ihnen gestohlen werden.
Des Königs Hof sie lassen stehn Geschwinde sie zur Krippe gehn.
Der Glaube sagt ihnen, daß die Anbetung des göttlichen Kindes wichtiger und gnadenbringender sei als einige Tage der Neugier und des schlacasten- lebens in Jerusalem. Und der Stern zag vor ihnen her, bis er stillstand über dem Ort, an welchem das Kind war. Und was war das für ein Ort? Ein schöner Palast? ©ine hübsche Villa? Ein zierliches Landhaus? Wo denkst du hin! Nein; das war ein ganz erbärmlicher, zerfallener Stall. Und sie nahmen kein Aergernis? Und sie machten nicht Kehrt? Nein. Denn der Glaube zeigte ihnen den Weg Sie öffneten die Türe und traten ein. Und was sehen sie? Einen glänzenden Thron? Emm Troß von Dienern? Eine silberne Wiege, Em Kind in Samt und Seide? Wohin verirrt sich deine Phantasie! Nein, sie sehen nackte Wände,
die von Nässe triefen und von Spinngeweben überzogen sind. Sie sehen ein kleines Kind, das zwischen Ochs und Esel in einer Krippe liegt und in Windeln eingewickelt ist. Und wieder weist ihnen der Glaube den Weg. Sie erkannten in dem Kind den neugeborenen König, den Reformator und König der ganzen Welt, den Stifter einer neuen Zeit, den Schlüssel des Glückes und der Ewigkeit. Sie fallen nieder und beten das Kind an und bringen ihm Geschenke dar.
Und sie kehrten auf einem andern Weg wieder in ihr Land zurück Wiederum auf Eingebung des Glaubens. Denn es war an sie die Weisung ergangen, auf einem andren Weg die Rückkehr zu nehmen. Auch dort blieben sie ihrem Glauben treu; wurden Prediger und Märtyrer ihres Glaubens. Jetzt sind sie in ewiger Liebe mit dem Kinde vereint, dessen liebenswürdige Menschheit sie einst angebetet und dessen herrliche Gottheit sie jetzt mit seligen Augen schauen. So ist ihnen der ©taube zum Glück geworden.
Folgen wir den Fußtapfen dieser heiligen Märtyrer. Schauen wir gern nach oben. So haben es die erleuchteten Männer allzeit gemacht. So lese ich auch von Simon, dem Säulensteher, einen dahingehörigen, schönen Zug in seinem Leben. Dieser Mann brachte nicht weniger als dreißig Jahre auf einer Säule zu, die vierzig Ellen hoch war und oben nur so viel Raum hatte, daß er stehen konnte. Er konnte sich nicht hinlegen und nicht einmal niedersitzen. Auch war kein Dach darüber, so daß er die Strahlen der afrikanischen Sonne und den wochenlangen Tropenregen schutzlos über sich ergehen lassen mußte. Wie hat er ein solches Leben âusgehalten? Durch den Blick nach oben, durch den Blick zu den Sternen, durch den Blick nach dem Himmel, durch den lebendigen Glauben. Und diesen Wegweistr hat er auch andern aufgestellt. Es kamen zu ihm Reiche und Arme, ©ute und Böse, Christen und Heiden; ganze Prozessionen zogen vor seine Säule, um den hl. Einsiedler zu bewundern und ihn um seine Fürsprache anzuflehen. Täglich hielt er an die Scharen zwei Predigten. Und der Kern und die Summe all seiner Ermahnungen ist dies gewesen: die Leute möchten recht oft den Himmel anschauen und an ihr letztes Ziel und Ende denken.--
Meine lieben Leser! Wir haben ein neues Jahr angetreten und stehen vor so vielen Geschehnissen und Geheimnissen, die es uns verbirgt. Aber einen Wegweiser möchte ich an seiner Pforte aufstellen, einen sicheren, untrüglichen, treuen, unfehlbaren. Und das ist der Glaube. Es ist doch etwas ganz anderes, sagte mir dieser Tage ein Postbeamter, wenn man Glauben hat. Da hat man immer das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Ja, so ist es. Steht dein Glaube noch auf starken Füßen, so danke Gott. Denn es ist der Glaube das höchste, kostbarste Gut; aber ein unverdientes Gul, ein freies Geschenk. Steht aber dein Glaube infolge