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Ausgabe B.

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Religiöses Wochenblakk

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Redaktion^

diOkakholischen Gemeinden Kassels

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" "' Druck und Sertag 6er Fuldaer Slctiendruckerrl. Berfagsort Fulda.

Nr. 55

Wochenkalender.

Sonntag, 30. Dez. Sonntag in der Oktav vor Weih­nachten.

Montag, 31. Dez. Silvester, Papst, Bek., t 336.

Dienstag, 1. Jan. Fest der Beschneidung des 5 e r r n. (Neui ahrstag.)

Mittwoch, 2. Jan. Fest des hl. Namens Jesu.

Donnerstag, 3. Jan. Oktavtag des hl. Apostels Iohan­nes.

Freitag, 4. Jan. Oktavtag der Unsch. Kinder. Herz- Jesu- Freitag.

Samstag, 5. Jan'. Vigil von Epiphanie. Telesphorus, Papst, Mart., f 139.

Sonntag nach Weihnachten.

Epistel. Galater 4, 17.

Evangelium. Lukas 2, 3340. Simeon und Anna.

In jener Zeit waren Joseph und Maria, die Mutter Jesu, voll Verwunderung über das, was von ihm gesagt wurde. Simeon pries sie selig. Dann sprach er zu Maria, seiner Mutter:Siehe, dieser ist bestimmt zuin fall und zur Auferstehung vieler in Israel und zu crem eichen, dem man widersprechen wird. Und auch deine Seele wird ein Schwert durchdringen, auf daß die Ge­danken vieler Herzen offenbar werden." Da war auch eine Prophetin, Anna, die Tochter Phanuels, aus. dem Stamme Äser. Sie war hochbetagt; nach ihrem Jung­frauenstande hatte sie sieben Jahre mit ihrem Manne gelebt, und nun war sie nahezu vierundachtzig Jahre Witwe. Sie ging nimmer vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Auch sie fand sich zur gleichen Stunde ein, pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Israels narrten. Nachdem sie alles nach dem Gesetze des Herrn erfüllt hatten, kehrten sie nach Galiläa in ihre Vaterstadt Na­zareth zurück. Das Kind wuchs heran und erstarkte; es war voll Weisheit, und Gottes Wohlgefallen ruhte auf ihm ____________

Hm Strom der Zerr.

le ein Strom rauscht die Zeit da- hin. Aus dem Born der Ewig-

1 keit bricht er ungestüm hervor unb fließt ohne Aufenthalt durch die ganze Welt. Bisweilen still Jes', und geräuschlos, daß man nichts von ihm merkt. Zeitweilig aber mit Wucht und viel Getöse, daß einem fast die Ohren zufallen.

Ein solcher Augenblick der Stromschnelle ist eben jetzt gekommen. Denn das alte Jahr geht zu Ende. Heute und Morgen schreiben mir noch 1928; über­morgen aber 1929. Da werden wir inne, und es schlägt uns auf die Nerven, daß ein ganzes Jahr mit zwölf Monaten, zwei und fünfzig Wochen, drei Hundert fünf und sechzig Tagen, acht Tarnend sie­ben Hundert sechzig Stunden vorüber sind.

Wir" alle stehen mitten in diesem Strom und werden von ihm fortgerissen und fortgetrieben wie ein Baumstamm. Wie rasch die Zeit verrinnt und wie ohnmächtig wir der Zeit preisgegeben sind,

das merken wir besonders am Jahresschluß und am Lebensende.

Als der König Ezechias erkrankte und der un­erbittliche Tod ihm vor Augen stand, da machte er sich allerhand Gedanken über des Lebens Unbe­ständigkeit, über des Todes Schreckgewalt, über der Sünde unheilvolle Auswirkung, über ein Pro­gramm für die Zukunft, falls ihm Gott eine Zu­lage gäbe. Seinen Gedanken und Stimmungen hat er poetischen Ausdruck verliehen in Gestalt eines Liedes, das uns der Prophet Jfaias im 38. Kapitel seines Buches geschenkt hat.

Sterbelied des Königs Ezechias.

In meines Lebens voller Kraft Soll ich zum Tor der Unterwelt eintreten Und mich beraubt des Restes meiner Tage sehn. Ich soll den Herrn nicht wiedersehn In der Lebendgen Land Und nimmer Menschen schaun.

Weilen soll ich bei des Totenreichs Bewohnern. Mein Zelt soll abgebrochen werden, Mir weggenommen wie ein Hirtenzelt.

Zusammenrollen soll ich das Gewebe meines Lebens.

Abschneiden will man mich vom Faden.

Bevor die Nacht dem Tage folgt, Bringst du mein Ende.

Ich soll dem Löwen bis zum Morgen

So preisgegeben werden,

Daß er mein ganz Gebein zermalmt.

Bevor die Nacht dem Tage folgt, Bringst du mein Ende.

Wie eine Schwalbe ächze ich, Seufz' wie die Taube.

Nach oben schmachten meine Augen: Tritt, Herr, doch für mich ein!

Ich bin so hart bedrückt." Wo soll ich Worte finden? Was er mir angekündigt, tut er auch Ich denke aller meiner Jahre voll Bitterkeit. Bestimine ihretwegen, Herr, mein Geistesleben Und auch um dessentwillen, was darin geschah. Mach mich gesund und laß mich weiter leben". Zum Heile dient mir dann die Bitternis, Bewahrst du meine Seele vor dem sichern Unter­gang,

Dieweil du hinter deinen Rücken

AU meine Sünden wirfst.

Die Unterwelt lobpreist dich nicht;

Dich lobt auch nicht der Tod.

Nicht rühmen deine Treue, Die in die Grüfte sanken. Nur wer noch lebt. Nur wer noch lebt, der kann dich lob.::, so wie ichs heute möchte tun.

Der Vater wurde dann den Söhnen Deine Treue künden.

Zu Hilf mir, Herr!

Wir wollen alle Tage unsres Lebens

Die Saitenspiele in dem Haus des Herrn rühren.

So wollen auch wir zum Abschied vom Jahr 1928 unsere Gedanken fassen. Dem König Ezechias gleich wollen wir die Jahre unseres Lebens be­trachten. Konnte nicht im letzten Jahr der Faden unseres Lebens abgeschnitten werden? Konnte nicht unser schwaches Leben vom körnen des Todes zerdrückt und zertrüminert werden? Daß dies nicht geschah, ist ein Werk der göttlichen Allniacht und Güte. Bedenke, wie viele Tausende nach längerer oder kürzerer Krankheit eines natürlichen Todes gestorben sind Bedenke, wie viele Hunderte an einem Herzschlag oder an einem Unglück oder durch ein Verbrechen plötzlich und unvorbereitet aus dem vollen Leben abgerufen und vor Gottes Richte c- ftutjl gestellt wurden. Waruin bin ich und du nicht dabei gewesen? Warum sind wir von der Axl des Todes bewahrt worden? Mit dem Propheten müssen wir bekennenNur Erbarmen des H.'rrn ist es gewesen, daß wir nicht umgekommen sind.' Und haben wir dem Schöpfer genügsam gedankt? Haben wir vielleicht seine Güte mißbraucht und un­sern größten Wohltäter mit Sünden gekränkt und beleidigt? Mit Ezechias wollen mir dos cerga,.= gene Jahr in der Bitterkeit des Herzens und Ge­mütes überdenken und mit einem Akt des Dances und der Reue das alte Jahr abschließen.

Ezechias hat aber auch hochherzige Vorsätze auf die Schwelle der Zukunft gelegt.Unsere Psal- , men und Saitenspiele will ich darbringen alle Tage i meines Lebens."

I Und diese Vorsätze hat er auch ausgeführt. Dec -Allwissende hat des Königs reuige Gesinnung er- iannt, sein Vertrauen auf Gottes Allmacht und Hilse belohnt. Denn Ezechias ist damals an seiner - rankheit nicht gestorben, obwohl seine Zeit eigent- Jch abgelaufen war. Wunderbar wurden ihm noch fünfzehn Jahre angelegt. Zum Zeichen, daß der Herr dieses Wunder wirken würde, ließ er den Zei. ger an der Sonnenuhr um zehn Grade zurückgehen.

Legen auch wir gute Vorsätze nieder an dec Schwelle des neuen Jahres. Die Richtung dieses Vorsatzes hat der hl. Paulus angedeutet im Brief an die Epheser:

Brüder, handelt vorsichtig und weise und er­kaufet die Zeit, denn die Tage sind böse."

Ja, ersaufen wir die kostbare Zeit, inbem mir sie gut benützen. Die Tage sind böse. Denn die i Hölle mit dem Satan und seinen Helfershelfern I machen alle Anstrengungen, unsern Herrgott aus i bem Leben auszuschasten, den Glauben mitsamt der ! Wtirzel auszurotten, den guten Sitten den ^Todes­stoß zu versetzen. Da gilt das Wort der «chrisl: Wenn dich die Sünder locken, so folge ihnen nicht". Bleibe aufrecht wie Noe in den Tagen der Sünd- nit Halte fest am Glauben, an den Geboten, an den christlichen Sitten, halte fest im Anschluß an die Kirche und ihre Priester, halte fest am Besuch des Gottesdienst-, und am Empfang der hl. Sakra­mente. So wirst du die Zeit erlösen und erkau­fen. Da konunk das Glück von selber. Denn an