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vorgeschlagene Liste würbe vom Parteitag einstim­mig gut geheißen.

Die stellvertretenden Vorsitzenden sollen von dem neuen Parteivorstand selbst gewählt werben Die Kommission wird dem neuen Parteioorstand vorschlagen, die bisherigen fünf stellvertretenden Vorsitzenden, Dr. Klöckner, JustizrSt Mönnig, Dr. Schöfer, Dr. Stegerwald und Frau Weber wieder­zuwählen und den Abg. Joos neu hinzuzuwählen. Daneben wird ein Geschäftsführender Vorstand von höchstens 10 Mitgliedern gewählt, von denen höchstens 5 Abgeordnete sein dürfen. Dieser Ge­schäftsführende Vorstand soll die laufenden, drin­genden Geschäfte verwalten und erledigen.

Es folgten darauf die Berichte über die Tätig­keit der Kommissionen. Die verschiedenen An­träge, die sich auf die allgemeine Staatspolitik, auf die Wahlrechtsreform, auf die Wirtschafts- und Finanzpolitik, auf das Reparationsproblein und die Grenzlandfragen beziehen, werden ohne Dis­kussion angenommen. Zur Durchprüfung des non dem Abgeordneten Dessauer ausgearbeiteten Wirt­schaftsprogramms wird eins Kommission eingesetzt.

Gegen 5.30 Uhr spricht Prälat Kaas

das Schlußwort:

„Ich glaube, feststellen zu können, daß dieser Par­teitag einen bedeutsamen Einschnitt in die Nachkriegs- entwickelung der Jentrumspartei bedeuten wird und cme Etappe, die in ihrer weittragenden Wir- fungeM in späterer Zeit ganz verstanden und überblickt werden kann."

r, ®er . Vorsitzende sprach dann allen denienigen, die sich um ote Vorbereitung und glückliche Durchführung des Parteitages verdient gemacht haben, den Dank aus. Insbesondere dankte er den Referenten, dem Aba. Ste­gerwald (Stürmisches Bravo!) und den Herren Rae- derscheidt Dessauer und Perlitius. Ich danke Sott, so e/ fort, daß es gelungen ist, gerade in dieser schicksalsschweren Stunde der Partei die Grundgedan­ken unserer Arbeit mit dieser Klarheit herauszustellen. Namentlich das Referat Stegsrwald müßte in jedem politischen Fortbildungskursus zum Grundstudium gs- macht werden, damit man sieht, welche Distanz be- st^ht zwischen dem alten und dem neuen Zentrum.

Ein kostbares Erbe haben wir zu verwalten Nie­mand denkt daran, die Kämpfe der Veraanaenheit ir­gendwie zu verkleinern. Aber die Partei hat längst den Rahmen gesprengt, der der Zentrumspartei von ehemals gezogen war. Der Hinweis auf das alte Zentrum hat gar keine Beweiskraft, wenn man uns das Zeugnis ausstsllen wollte, daß wir nicht mehr die Zugkraft von ehedem hatten. Wir sind im wesentlichen auch heute Kulturell trennt uns nichts. Letzten Endes das Charakteristikum unserer gesamten Kulturpolitik, 1 E aggressiv, sondern Selbstbehauptung ist. Nichts liegt uns ferner, als den Trennungsstrich gegenüber denen, die den Glauben an Christus mit uns teilen, Wetter 3it ziehen, als das friedliche Verhältnis der m m e^ubt- Der deutsche Katholizismus ist. nin)t aggrestiv. Ich wurde es bedauern, wenn er es wäre. Das sage ich absichtlich in dieser Stunde, um die Sorge fern zu halten, als ob das Kleid, das ick, Ankündigung einer Akzentuierung nach dieser Ricküung hm wäre. Wer heute in enaber- .„Geschlossenheit die christlichen Konfessionen in Frontstellung gegeneinander bringen wollte, würde den, deutschen Vaterlands nichts nützen

Jch habe auf diesem Parteitag besonders eines als Charakter, stckum empfunden: das Vordringen der wirt- fchaftliwen Fragen und das ernste Streben der w'r'- fchaftsvolitischen Köpfe der Partei, mit diesem ichicksals-

bummer Junge, beide sind wir wir noch bumme Jungen Kuhnert, mach' keine Dummheit! Du bist zu schwerfäl­lig. Du verbrennst dir die Flügel wie ein dicker Nacht­schmetterling am offenen Licht. Denk dran, was ich dir gesagt habe, obgleich ich ein dummer Junge bin wie du!" Damit machte er Kehrt und stakte mit seinen langen langen Semen davon.

Wir kannten es gar nicht anders, als daß mein Vater seinen Urlaub auf die großen Ferien verlegte. Zu ei­ner regelrechten Ferienreise langten die pekuniären Mit­tel freilich nie, und es war immer so gewesen, daß die ganze Familie nur Tagesausflüge in dis nähere oder weitere Umgebung unternahm.

Nie aber hatten Cordula und ich Ursache, mit Neid auf unsere Klassengenossen zu blicken, die bei Schulbe­ginn von Nord- und Ostsee, von Rhein und Eifel, von Bodensee und Alpen zu erzählen wußten, das heißt eigentlich nichts anderes zu erzählen wußten, als daß sie eben dort gewesen waren. Eine Wanderung mit meinem Nater aber war ein hoher Genuß. In Geschichte und Sage der ganzen Gegend wußte er Bescheid. — Da war eine Dorfschenke, in der vor Jahrhunderten Cistercien- sermönche gebetet; kaum daß die Dorfbewohner emo Ahnung davon hatten, mein Vater wußte es. — Dort standen mitten im Felde, mit Schlehenbüschen umwach­sen, verwitterte Mauerreste; eine Marienkapelle war es im Mittelalter gewesen, ein berühmter und vielbesuchter

schweren Problem zu ringen, um im Geiste des christli­chen Glaubens auf dieser Grundlage die wirtschaftspoli­tischen Probleme zu gestalten. Der Appell an die So­lidarität der Stände allein macht es nicht. Man muß auch den Mut haben, im gegebenen Falle au^ Kosten der Interessen des eigenen Standes den allgemeinen Notwendigkeiten Rechnung zu tragen. Wir müssen uns entschließen, entweder eine ehrliche, korporative Wirtschaftspolitik zu verwirklichen oder aber wir wer­den auf diesem Gebiete eine Revolution erleben, um aus einem unbefriedigenden Heute zu einem besseren Morgen zu kommen. Darum hoffe ich, daß die Gedan­kengänge, die heute auf diesem Gebiete entwickelt wur­den, der Ausgangspunkt für große und männliche Ent­schlüsse sein werden.

An den Führer der Bayerischen Volkspartei, Dr. Leicht, gewandt, sagte Dr. Kaas: „Deine Gefühle, dis einer einigen Zentrumspartei gewidmet sind, leben auch in unseren Herzen. Auch wir sehnen den Tag herber, wo wir Dich und Deine Gesinnungsgenossen als Brü­der im alten Vaterhaus begrüßen können."

(Stürmischer, lang anhaltender Beisall).

Nach einem kurzen Schlußwort von Justizrat Mönnig ging der Narteitag mit dem Liede „Deutschland, Deutschland über alles" auseinander. Damit hatte die denkwürdige Tagung ihr Ende erreicht.

Dr. Herfchel-Rreslau f. In Breslau verstarb nach langer Krankheit der dortige Bürgermeister Dr. Hans Herschel. Dr. Herschel war ein verdienter Mitarbeiter der Deutschen Zentrumspartei und hat namentlich aut dem Gebiet der Kommunalpolitik in einer Reihe von wichtigen Stellungen viel geleistet. Er war 1675 zu Oppeln als Sohn eines Handwerksmeisters, der sich auch schon kommunalpolitisch in der Zentrumspartei hervor­ragend betätigte, geboren. Hans Herschel studierte Jura und trat als Student führend im C- V. hervor. Er wurde dann Anwalt am Oberlandesgericht in Breslau. Gleich­zeitig widmete er sich den kommunalpolitischen Aufga­ben. 1908 wurde er Mitglied der Stadtverordnetenver­sammlung in Breslau, deren stellvertretender Vorsitzen­der er 1917 wurde. 1918 wählte man ihn als Provin­ziallandtagsabgeordneten von Schlesien. Ferner wurde er damals in die deutsche Nationalversammlung gewählt. 1924 wurde er zweiter Bürgermeister in Breslau. Er war ein ausgezeichneter Redner und ist schriftstellerisch vielfach hervorgetreten und so in westdeutschen Zen­trumskreisen bekannt geworden. Sein Tod im 53. Le­bensjahre erregt tiefes Bedauern.

Nationalsozialisten und Rautboldkum. Aus Berlin wird gemeldet: In der Uhlandstraße und in der Bran­denburgischen Straße kam es am 5. Dez. nachts gegen 1 Uhr zu einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, wobei der 23jährige Mechaniker Walter Bergmann erheblich am Kopfe verletzt wurde, sodaß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Sechs an der Schlägerei Beteiligte wurden dem Polizeipräsidium zu­geführt. — Gleichfalls zu einem Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten kam es um die gleiche Zeit nach einer Versammlung der Nationalsozm- listen in den Hohenzollern-Sälen in der Berliner Straße in Charlottenburg. Auch dort gab es mehrere Verletzte, die sich aber ebenso wie die Täter ihrer Feststellung ent­zogen. — Kann ein vernünftiger Mensch glauben, daß Leute, die sich alle Augenblicke mit andersgesinnten

Wallfahrtsort. Mein Vater rekonstruierte auf Papier die Einrichtung des Kirchleins. — Auf jenem Hügel der Trupp Linden, von niemand beachtet; dort stand in grauer Vorzeit ein Tempel des Ziu; dort hatten die Söhne der Hermunduren dem Mars Thingsus, wie die Römer ihn nannten, durch den Goden opfern lassen, da­mit er den Sieg an ihre Waffen hefte; und in friedlichen Zeiten hatten sich an den Dienstagen die Landsassen zum Ding versammelt, später aber der Graf mit seinen Schöppen Gericht gehalten. — Und gabs keine Gelegen­heit zu einem Colloquium in heimatlicher Geschichte dann fehlte sie sicher nicht zu einem solchen in Botanik, Zoolo­gie, Geologie oder Paläontologie. — Ganz gleich, ob wir in der den gewöhnlichen Sterblichen einförmig er­scheinenden Thüringer Ebene von Dorf zu Dorf mar­schierten, ob wir auf den dem Thüringer Wald vorgela­gerten Hügeln dahinschritten, oder im Gebirge die Höhen erkletterten u. die Täler durchschritten, ob wir unterwegs waren ober lagerten, oder in einem bescheidenen Gast­höfe Einkehr hielten, immer fand sich irgend etwas, das mein Vater benutzen konnte, um den Augenblick zu ei­nem Gewin zu gestalten.

Kein Wunder, wenn Gustav Kühnert, durch unsere Schilderungen gereizt, scharf darauf mgr, unsere Ferien­wanderungen einmal von A—Z mitmachen zu können. Kein Wunder, wenn er mich veranlaßte, mich hinter mei­nen Vater zu stecken und ein ungeheurer Jubel aus-

Volksgsnossen in die Haare geraten, das deutsche Soll die richtigen politischen Wege zu führen in der Lage sind?

Der Duell-Anfug. Am vorigen Dienstag fand in der Reitbahn eines Warschauer Regimentes ein Pistolenduell zwischen einem Schriftsteller und dem Hauptmann der Reserve Alexander Zawadzki, Sizebirettor der Allgemei- nen Kreditbank, statt. Zawadzki wurde mit einem Kopf, schuh ins Militärspital gebracht und starb, ohne das wußtsein wiedererlangt zu haben Zeugen des Duells waren drei Offiziere. Direktor Zawadzki hinterläßt eine Frau und zwei Kinder.

23ei einer Mensur die Schädeldecke gespalten. Wie aus Konstanz gemeldet wird, ist im Laufe der vergangn, nen Woche bei einer schweren Säbelmensur (Zweikampf) zwischen Mitgliedern von zwei Verbindungen des Soin ranker Technikums der schwächere Gegner durch einen Kopfhieb, der die Schädeldecke spaltete, schwer verletzt wurden, so daß er sofort ins Krankenhaus llbergesührt werden mußte.

Der Note Frontkämpferbrrnd hielt am Sonntag einen Umzug durch Karlshorst-Berlin. In einer Haustür stand der Referendar Schaffer und schaute ihnen zu. Da ent­deckten einige der Roten Frontkämpfer, daß Schaffer das Abzeichen des Jungdo (Jungdeutschen Ordens) trug, wei- ßes Schildchen mit schwarzem Kreuz. Die Roten fielen über ihn her, schlugen ihn nieder und versetzten ihm einen Stich, der durch Lunge und Milz ging. Ins Kran­kenhaus eingeliefert, starb er alsbald. Der Ermordete ist der Sohn einer Witwe, der Vater ist im Kriege gefallen. — Wann werden endlich in einem vernünftig gewordenen Deutschland die Frontkämpferbünde und Jungdo-Abzei- chen verschwinden?

Kleins Kirchliche Uachrichisn.

Münster. Vor dem hiesigen Schöffengericht hatte sich kürzlich der 31jährige Bildhauer Breitholz zu verantwor­ten, der vor einiger Zeit aus dem hiesigen Dom zwei Elfenbeinkruzifixe gestohlen hatte. Ferner wurde ihm zur Last gelegt, in der Kirche zu Kreuznach eine wert­volle Nikolausfigur entwendet zu haben. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr Gefängnis.

Freiburg i. Dr. Der durch die Emeritierung des Geh. Rats H. Finke an der Universität Freiburg i. B. erledigte Lehrstuhl der Geschichte ist dem ordentlichen Professor Dr. Philipp Funk an der Staatlichen Akademie zu Brauns­berg angeboten worden. Prof. Funk ist ein geborener Württemberger (geb. 1884 zu Wasseralfingen). Er stu­dierte in Tübingen bei Heinrich Günter, Walter Goetz und Heinrich Maier und erwarb 1908 den Doktorgrad mit der Dissertation „Jakob von Vitrys Leben". Zunächst am historischen Atlas für Bayern tätig, wurde Funl 1910 Hilfsbibliothekar an der Stadtbibliothek in Stettin, betätigte sich später als Schriftsteller und Mitarbeiter von Zeitungen und seit 1916 als wissenschaftlicher Hilfs­arbeiter an der Politischen Abteilung beim Generalgou­verneur in Belgien und später in Rumänien. 1920 über­nahm Funk die Stelle als wissenschaftlicher Berater des Verlags Kösel u. Pustet in München. Zu Anfang des Jahres 1926 habilitierte sich Funk in der Münchener PH-' losophischen Fakultät und folgte im gleichen Jahre einem Rufe als Ordinarius für Geschichte und Literaturwissen­schaft nach Braunsberg als Nachfolger von Geheimrat Röhrich. Funks Sondergebiete sind Geistes- und Kultur­geschichte, besonders Mittelalter, Renaissance und 18.=19. Jahrhundert.

brach, als der Herr Pfarrer auf die solchergestalt ausge­löste, über den Gartenzaun ausgesprochene Anregung meines Vaters erklärte, er und sein Haus schlöffen

in diesem Jahre uns gern an. Ja, fügte er seiner Zu­sage hinzu, er habe bereits in seinem Innern ernstlich er­wogen gehabt, von sich aus diesbezügliche Schritte emM- leiten. Nun mein Vater an ihn herantrete, fühle er um zu ganz besonderem und innigstem Dank oerpflnW • Nur solle der Herr Gerichtssekretär und seine Verehrung» würdige Gattin nicht etwa denken, daß der, atleromg nicht wegzuleugnende, sondern aus nicht näher zu er ternden Zufällen und Umständen tatsächlich vorhanv ■ Mangel an dem nötigen Kleingeld ihn und die ® nen abhielten, wie in anderen Jahren, entferntere filde aufzusuchen. Nein. Einzig und allein der Wun unter Führung eines getreuen und, wie er wohl w - berufenen Mentors die Heimat bis in alle Winkel Ecken kennen zu lernen, bewöge ihn, schnell und „Ja", zu sagen. — Und es wurde eine herrliche Zeii.

Wenn ich so zurückdenke, erscheint es mir, ast' wenn wir sieben Menschen ein vier Wochen anhaltende 0 gefeiert hätten. Ein Fest im weiten Gottessaal, zu ^ der Himmel mit seiner blendenden Sonnenfackel v>e,^ einen Tag versagende Festbeleuchtung, mit süßem ^nl schlag und luftigem Lerchengetriller und sthme ^ Häherruf die Musik lieferte. Und unsè^ Seele st^rie- mit. Ein Iubellied stand auf allen Gepchtern emzevy^ ben. Auf allen, ohne Ausnahme. Sch lags oa drücklich. Worts,