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Kassel, den |6, Dezember (928.

58. Zahrg.

Nr. 5i

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig 3 45 R.-Pjenntg (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Pretse: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bet Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda fein.

Stu« uns Verlag Str Fuldaer Aetiendruckerei. Verlag-ort Fulda. . .

wochenhaiender.

Sonntag, 16. Dez. 3. Adventssonntag.

Montag, 17. Dez. Sturmius, Abt zu Fulda, S e f., f 779.

Dienstag, 18. Dez. Vom Tage.

Mittwoch, 19. Dez. Vom Tage. Quatembermitt- w o ch.

Donnerstag, 20. Dez. Vom Tage. Vigil des hl. Apo­stels Thomas.

Freitag. 21. Dez. Thomas, Apostel. Quatember- k re i t a g.

Samstag, 22. Dez. Vom Tage. Quatembersams- ta g.

Dritter Sonntag im Advent.

Epistel. Philipper 4, 47.

Evangelium. Johannes 1, 1928. Der Herr ist da.

In jener Zeit sandten die Juden von Jerusalem Priester und Leviten zu Johannes mit der Frage:Wer bist du?" Er bekannte u. leugnete nicht, sondern er be­kannte:Ich bin nicht Christus." Da fragten sie ihn: Was bist du denn ? Bist du Elias?" Er antwortete:Ich bin es nicht."Bist du der Prophet?"Nein" entgeg­nete er. Da sprachen sie zu ihm:Wer bist du denn? Wir müssen doch denen. die uns gesandt haben, Antwort bringen. Für wen gibst du selbst dich aus?" Er ant­wortete:Ich bin die Stimme des Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! wie der Prophet Jfaias gesagt hat." Die Abgesandten gehörten den Pharisäern nn. Sie fragten ihn nun weiter:Warum taufst du benn, wenn du nicht Christus bist, nicht Elias und nicht der Prophet?" Johannes erwiderte ihnen:Ich taute Wasser. In eurer Mitte aber steht der, den ihr wcht kennt, der nach mir kommt und mir doch voraus ist. bin nicht würdig, seine Schuhriemen zu lösen." Dies geschah zu Bethanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

Sonnenstrahlen.

S ist ja von Sonne nichts zu sehen in diesem dunkelsten, sonnenarm- sten Mona: des ganzen Jahres. Und wenn sie sich ein wenig blik- ken läßt, ist sie so blaß und mager, als ob sie krank wäre, und hält

es nicht lange aus und geht bald zu Bett und steht spät wieder auf wie eine alte Frau, welcher Lebenskraft ausgegangen ist und die Müdig- keit in allen Knochen steckt.

Und dennoch: Sonnenstrahlen. Ja, warme, Wohltuende Sonnenstrahlen. Welche Sonne ich aber meine, das sagt uns der Psalmist im 84. sei- Lieder, das unsere hl. Kirche so fleißig in die Adventsliturgie einstreut:

, "®ominus dabit benignitatem"Der Herr iPenbet Güte" und unsere Erde gibt ihre Frucht, m. -; der Herr selber, der gütige Schöpfer des o°m - bngeschlechtes, ist die Sonne, und seine Frei- di- h seine Barmherzigkeit, sein Wohltun sind fr. Strahlen. Nicht zu reden von Himmel und e, von den Gestirnen und Wolken, von den

Blumen und Pflanzen, von den Nahrungs- und Genußmitteln, die er alle erschaffen und uns zur Verfügung gestellt bat; was hätte das alles ge­nutzt, wenn wir undankbar den Schöpfer beleidigt, wenn wir ohne Erlöser geblieben wären. Der größte Beweis der Liebe ist nun gerade der, daß uns Gott nicht dem verdienten Schicksal überließ, sondern seinen eingeborenen Sohn sandte, um uns zu erlösen. Und nun erwäget das Wort des Herrn:Erhebet -eure Häupter: sehet, eure Er­lösung naht." Ja, nahe ist das Fest der Erlösung, das Fest der Güte, das Fest der Liebe, das Fest Emanuels, das hl. Weihnachtsfest.

Sonnenstrahlen! Und diese Liebe Gottes wirkt ansteckend. Diese Liebe Gottes strahlt hinein in un­sre Herzen und macht sie warm und teilnehmend gegen die Brüder und Schwestern. Und darum feiert zu keiner Zeit des Kirchenjahres die L'ebe solche Triumpfe wie eben in der hl. Weihnachts­zeit.

Arme und Reiche, Eltern und Kinder, Herr­schaften und Dienstboten, Gesunde und Kranke wetteifern miteinander, sich an Weihnachten irgend eine Freude zu machen, sich mit irgend einem Ge­schenk, irgend einer Aufmerksamkeit zu überraschen Das ist eine wirklich christliche Idee, das ist ein wirklich christlicher Gedanke. Nur muß dieser Ge­danke auch wirklich christlich sein. Deine Gabe und dein Geschenk dürfen nicht seelenlos, nicht ober­flächlich, nicht geschäftsmäßig, nicht weltlich oder hochmütig und protzenhaft sein. UnserChristkind" muß wirklich ein Christkind sein, eine Gabe und eine Freude, die wir machen um Christi willen, gleichsam als Sinnbild der großen Weihnachts­frei'!'?, daß Christus gekommen ist, unser Emanuel, unser Erlöser, unser Freudenspender, unser Him­melspförtner.

Vorbilder solcher sonnigen, barmherzigen Liebe zeigt uns schon die Bibel des Alten Testamentes. Da ist Job, der noch vor dem Gesetze gelebt hat, der nicht einmal die Beschneidung trug, der ein Stammesfürst in Arabien war, zugleich aber auch ein Vorbild des Erlösers im Wohltun und so auch ein Vorbild der Christen in den Uebungen der Caritas. Hören wir seine eigenen Worte:

Versagt ich einen Wunsch den Schwachen Und ließ der Witwe Augen schmachten. Verzehrte ich alleinig meinen Vissen.

Und durfte nicht die Waise essen mit;

Sah ich den nackten Bettler

Und einen Armen ohne Kleid,

Wenn seine Hüften keinen Dank mir wußten Und er sich nicht von meiner Lämmer Wolle wärmte, Dann falle meine Achsel aus der Schulter, Aus dem Gelenk werd' mir der Arm gerissen. (Job 31)

Wie bei Job, so sollen auch bei uns in der Rei­henfolge der Liebe die Bedürftigen den ersten Platz einnehmen Daß in unsern Tagen die Ar­menpflege so sehr verweltlicht, laisiert und verstaat­

licht ist, tut der Caritas manchen Eintrag. Den­noch darf auch die freiwillige Carilas nicht zurück­treten und muß gerade in der Weihnachtszeit ihre alte Kraft aufs neue bewähren. Und ivenn manche untere Güte mißbrauchen, soll uns dieser Umstand das Wohltun nicht verekeln. Als einmal der hl. Martin den Teufel beschenkt hatte, den er nicht kannte, und vom Teufel ausgelacht wurde, sprach er zu ihm:

Ich habe Christus beschenkt und von ihm er­warte ich meinen Lohn". Und der hl. Kirchen­lehrer Johannes Chrysostomus schreibt darüber die beherzigenswerten Worte:Besser ist es, zu ir­ren in der Milde als in der Strenge; denn wo der Hausvater so freigebig ist, da darf auch sein Ver­walter nicht knauserig sein!"

Im Wohltun senkt sich der Himmel auf die Erde nieder. Die Barmherzigkeit und Güte Gottes nehmen Wohnung unter den Menschen: die Erde wird zum Paradies. Verloren durch die Sünde, kehrt es zurück in der Liebe. Und nicht bloß die­jenigen werden glücklich, die Almosen und Liebe empfangen, sondern in höherem Maße noch die­jenigen, die Almosen und Liebe spenden. Da trifft das Wort -es Heilandes zu:

Geben ist seliger als Nehmen."

Ein Pfarrer hatte einmal über den Himmel gepredigt. Einem reichen Mann wollte das nicht in den Kopf. Und als er eines Tages dem Pfarrer begegnete, sprach er zu ihm: Herr Pfarrer. Sie haben am Sonntag so schön über den Himmel ge­predigt; nur haben Sie vergessen zu sagen, wo denn eigentlich der Himmel ist! Da sprach der Pfarrer' zu ihm: lieber Herr, sehen Sie dort jene? Häuschen? Darin wohnt eine arme Witwe mit ihren Kindern; sie haben nichw zu essen und leiden Not; schicken Sie ihr Lebensmittel, Kleider und Geld ins Haus, und Sie werden bald wissen, wo der Himmel ist. Der Reiche tat so. Als er bald darauf dem Pfarrherrn wieder begegnete, sprach er zu ihm:Herr Pfarrer, jetzt weiß ich, wo der Himmel ist: seitdem ich Almosen gebe, ist ex mir so wohl, als ob ichim Himmel wäre".

Der Burgpfarrer.

Der Wegweiser.

Wir würden weder den Speisezettel noch dir Kleidcrordnung des Bußpredigers Johannes zur unsrigen machen. Das Gewand von Kamelhaaren wäre uns zu rauh, Heuschreckenkost zu unappetitlich Aber wenn wir auch seine Lebensweise nicht nach­zuahmen vermögen, das müssen wir zugeben: Der war ein Mann! Ein Großer in der Weltgeschichte, vor dem so viele andere Großen arme Zwerge sind.

Warum bleiben mir ewig Zwerge, warum wachsen wir nicht? Weil wir nicht Hinaufschanen zu unsern wirklich Großen aus alten und neuen Tagen. Es ist richtige Advents- und Bußarbeit.