Haftel, den 2 Dezember 1928.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatttch Ausgabe A 40 «.-Pfennig B 45 «.-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Pretse: Tolonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colanelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerel in Fulda sein
-■' 1 Druck und Hering o« Fuldaer AcUeadruckem. 8«fag»ort Fulda. ......
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wochenKalenLer.
Sonnlag, 2. Dez. 1. Adventssonntag. Bibiana, 3gfr., Mart., f 343.
Montag, 3. Dez. Franziskus Xaverius, Patron des Werkes der Glaubensverbreitung, f 1552.
Dienstag, 4. Dez. Petrus Chrysologus, Bek., Kirchenlehrer, 450. Barbara, Jgfr., Mart., t 233.
Mittwoch, 5. Dez. Sola, Bek., Sabbas, Abt, t 532.
Donnerstag, 6. Dez. Nicolaus, Bisch., Bek., f 327.
Freitag, 7. Dez. Vigil des Festes Mariä Enipfängnis.
Ambrosius, Bischof, Kirchenlehrer, f 397.
Samstag, 8. Dez. Fest der Unbeft. Empfang- n i s Mariä.
Erster Sonntag im Advent.
Epistel. Römer 13, 11—14. Der Herr kommt.
Bruders Ihr wißt, es ist die Stunde da, daß wir nun vom Schlafe aufstehen. Denn jetzt ist unser Heil näher als damals, da wir zum Glauben gekommen sind. Die Nacht ist vorgeschritten, der Tag herangekommen. So lasset uns ablegen die Werke der Finsternis und anle- gen die Waffenrüstung des Lichtes! Lasset uns ehrbar wandeln wie am Tage: nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Wollust und Ausschweifung, nicht in Streit und Eifersucht! Ziehet vielmehr an den Herrn Jesus Christus. ________
Evangelium. Lukas 21, 25—33.
Die Wiederkunft Christi zum Gericht.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Es werden Zeichen auftreten an der Sonne, am Mond unb an den Sternen, und auf Erden wird eine gewal- nge Bedrängnis unter den Völkern entstehen vor Rat- wslgkeit ob des Brausens des Meeres und der Fluten. Die Menschen werden vergehen vor banger Erwartung "er Dinge, die über den ganzen Erdkreis kommen wer- °en; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert ' Dann wird man den Menschensohn auf einer âlke kommen sehen mit großer Macht und Herrlich- reit. Wenn das anfängt einzutreten, dann schauet auf und erhebet eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.
Er sagte ihnen noch ein Gleichnis: Betrachtet den wigenbaum und alle andern Bäume. Wenn sie schon milcht ansetzen, dann wißt ihr, daß der Sommer nahe » V®° misset auch, wenn ihr dies kommen seht, daß das Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch, dieses ^Miecht wird m^t vergehen, bis alles sich vollzieht, -lminel und Erde werden vergehen, aber meine Worte w-rden nicht vergehen."
Ueber den Sternen . .
3 bvent! Ankunft des Erlösers in der Vergangenheit. Ankunft des Richters in der Zukunft! Anbruch einer neuen Zeit; Anbruch der Ewigkeit. Ueber den Sternen der No- •• V ^ Endlichkeit, über den Sternen der lsanglichkeit, über den Sternen der Dunkelheit..
Ueber den Sternen da wird es einst lagen! di- fehles helle Licht, um diese Aufklärung über -aatl-l her ßWrhichfe unh h»r Nnri-buna batet
schon inbrünstig der Psalmist mit den Worten, die die Kirche mir und dir heute in der hl. Messe aus die Lippen legt:
Vias tuas Domins notas fac mihi et semitas tuas edoce me: „Mit deinen Wegen, o Herr, mache mich bekannt, und über die Pfade deiner Vorsehung gib mir Aufklärung.---
Jm Hofgarten zu Ansbach in Bayern wurde am 14. Dezember 1833 ein junger Mann ermordet, namens Kaspar Hauser. Der Volksmund munkelte, es sei ein tveggeschaffter badischer Prinz gewesen. Doch niemand konnte bis zu diesem Tag etivas Sicheres erfahren. An der Stelle des Mordes steht ein Denkmal mit der Inschrift:
Hic iacet
Casparas Hauser
Aenigma
Sui temporis
Ignota nativitas
Occulta Mors MDCCCXXX1II
Auf deutsch:
Hier ruht
Caspar Hauser.
Das Rätsel seiner Zeit.
Unbekannt seine Geburt, Dunkel sein Tod.
1833.
Siehe also ein Rätsel, an dem sich Geschichtsforscher und Skandalchronik die Zähne ausbeißen. Wird etwa die Zukunft dieses Rä-iel lösen? Wiro es unter diesen bleichen, dunklen Sternen hell werden? Wir wissen es nicht. Aber
„Ueber den Sternen da wird es einst tagen." — Komm mit mir weit weg vom Bayerlaud, weil weg vom Badnerland, weit weg vorn Hessenland, weit weg vom Deutschenland, weit weg von Cu- ropaland, weit weg vom Westland hinein m das fernste Ostland bis an die Grenzen von China.
Wir schreiben das Jahr des Herrn 1552, den 2. Dezember. Auf der Insel Sancian. sechs Meilen von der chinesischen Hafenstadt Kanton, liegt in einer elenden Hütte ein abgematteter, fieber« geschüttelter Mann von 46 Jahren. Es ist der hl Aran; Xaver. Heldentaten liegen butter ihm; „öch neuen Heldentaten dürstet sein gottbebendes Herz „Gib mir Seelen", ruft er aus; „das übrige nimm weg". Ueber 200 000 Heidenköpfe hat er mit eigener Hand das Wasser der hl Taufe aus« grossen. Viele Königreiche hat er mit nackten Hüften durchwandert. Kranke hat er geheilt, Teufel ausgetrieben, Tote anferrveckt. Auch in Japan hat er mitten unter den Bonzen das Kreuz aufge- vilanzt Das alles genügt seiner Heldensecie nicyt. Zu neuen Triumphen für Christus will er aus« Men Dort drüben dehnt sich China aus, das I N„>m her Mitte mn 400 Millionen Menüben vor
Götzenbildern sich in den Staub werfen. O wie dürstet seine Seele nach diesen unsterblichen Seelen. Wie fleht er den Heiland an um ihre Rettung. Wird er ihm nicht die Gesundheit wieder schenken? Wird er nicht zu dieser herrlichen Mission seinen Segen geben? Wird er nicht diese Riesenernte aus der Hand seines Dieners Franz eut- gegennchmen?
Doch nein; der Himmel verstummt. Einsam und verlassen haucht der große Franz Xaver seine Seele aus, nur noch imstande, von fern einen Blick der Sehnsucht in das heißbegehrte Land zu schicken.
Ist das nicht ein Rätsel, 311 dem diese bleichen Sterne schweigen? Aber
„Ueber den Sternen, da wird es einst tagen“.
Noch ein Bild aus dem täglichen Leben. Zu Frankreich in der Spitzenstadt Aten^on lebte ein ebenso tüchtiger als religiöser Kaufmann Marti». Seine Frau war ihm an Frömmigkeit mindestens ebenbürtig. Nun nannten sie bereits mehrere Töchter ihr eigen. Da flehten sie 3um Himmel um einen Sohn. Priester, Missionär, Seelenhirt sollte er werden. Ihr Gebet wurde erhört. Dock) nach 5 Monaten, nachdem der herzige Knabe kaum Zeit gehabt, seine Mutter anzulächeln, flog seine Seele wieder in den Himmel. Ihm folgte ein zweites Brüderlein in die Wiege — und in das Grob. Stehen mir da nicht vor einem Rätsel? Allerdings wurde der Verlust ausgeglichen. Denn das eine Töchterlein wurde die hl. Theresia v. Kinde Jesus. Indes ist der Fall doch typisch. Die einen Eltern verzweifeln fast unter der Last einer zahlreichen Nachkommenschaft — während andere um ein einziges Kind flehen — umsonst. Das sind Rätsel, die diese stummen und dunklen Sterne nicht lösen. Aber
„Ueber den Sternen da wird es einst tagen“. — Spritzt uns nicht das schäumende Meer des Lebens täglich solche Rätsel in das Gesicht? Da ist eine Familie, die in allen Straßen eine Wohnung sucht für Vater unb Mutter und fünf Kinder. Doch nirgends eine Wohnung; oder vielmehr nirgends eine Einsicht, nirgends ein Mitleid, nirgends eine wahre Nächstenliebe. „Wir können euch leider nicht brauchen; wir wollen Ruhe im Hause haben!" ! ! !--— Und mag dehnt sich hier für eine große, feine Villa? Mit behäbigen Hallen und Salons? Mit weiten Anlagen von Park und Blumen? Und rver wohnt darin? Nur eine kleine Herrschaft mit zwei Kindern, einem SienftmiiMjen und dem „Wolf", der jeden lästigen Besucher am knurrt.
Und das alte Lied vom Kapitalisten und vom Proletarier, es dröhnt weiter und zerreißt mit fei« neu schrillen Dissonanzen Ohren und Herzen. Aber „Ueber den Sternen ---"
Drum sei uns willkommen, heiliger Advent, der du uns das Kommen des Herrn verkündest, der Aufklärung. Licht. Gerechtigkeit und Frieden brm«