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1 Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R.-Pjennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Pretse: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off. -Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda fein.

" -" Druck ua6 Setfag der Fuldaer Actlendruckeret. Bertagsort Fulda......-......

Wochenkalender.

Sonntag. 21. Oktober. 21. Sonntag nach Pfingsten. Hitarian, Bek., t 321. Ursula und Gefährtinnen, Mart., f 451.

Montag, 22. Oktober. 53am Tage.

Dienstag, 2-3. Oktober. Vom Tage.

Mittood), 24. Oktober. Raphael, Erzengel.

Donnerstag, 25. Oktober. Chrysanchus und Daria, Mart., t 284.

Freitag, 26. Oktober. Evaristus, Papst, Mart., f 112.

Sanistag, 27. Oktober. Vigil der Apostel Simon und Jârs.

21. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel: Epheser 6, 1017.

Bruder! Seid stark im Herrn und in der Macht feiner Kraft. Ziehet an die Rüstung Gottes, damit ihr bestehen könnet gegen die Nachstellungen des Teufels: benn wir haben nicht (bloß) zu kämpfen wider Fleisch Md Blut, sondern wider die Oberherrschaften und Mächte, wider die Beherrscher der Welt in dieser Fin- fternis, wider die Geister der Bosheit in der Lust. Da- nim ergreifet die Rüstung Gottes, damit ihr am bösen ^age widerstehen und in allem unerschütterlich aushalten to-nnet. Stehet denn, eure Lenden umgürtet mit Wahr- Wi und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, und schuhet an den Füßen mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens: vor allem ergreifet den Md des Glaubens, mit welchem ihr alle feurigen theile des Bösewichts auslöschen könnet und nehmet den Häm des Heiles und das Schwert des Geistes (welches 'N das Wort Gottes).

Evangelium: Matthäus 18, 2335

Entwurzelte Bäume.

mir

em Brief des hl. Jakobus, den in letzter Lesung vollendet haben, lasse ich den Brief des hl. Judas folgen. Da begegne ich gl^ch fra­genden Mienen: ist denn Judas m - nicht der Verräter? Ist er nicht Z ^emohner der Hölle? Und nun soll Judas zu >, A^'ligen gehören und sogar unter Beistand d-»,^ '.Wistes einen Brief geschrieben haben. mit t ®'r uns beschäftigen sollen? Sei guten Mu- Kn'm ^. Freund. Deine Befürchtungen sind h J ^ hinfällig. Denn es gibt zwei Judas. Mit af»r ®Ta^r haben wir es nicht zu tun. Wohl W .seinem Namensvetter. Der Verräter heißt auch Judas Jskariot; unser Judas , s.,^ den Beinamen Judas Thaddäus, oder be", » ?^r Eiferer, oder auch Judas, der Bruder flenh Man sieht in mancher Kirche in ir= ^hadböi^m Winkel eine Statue des hl. Judas ihm in Wele andächtige Seelen nehmen zu Auch g«."m^èifelten Anliegen" die Zuflucht. Denn k-^^bNeumdungen wird er gern angerufen, äu kihp r ^ite Judas unter seinem Namen viel ^ttwrz.i.s?"" wurde bisweilen mit dem Verräter Wlt verwünscht und verflucht. So komnit

ten sich selbst zugrunde. Selbst die Liebesmahle mißbrauchen sie zur Prasserei und sind ein Schand­fleck bei den Versammlungen. Wasserlose Wol­ken sind sie, die vom Winde hin und her getrieben werden, herbstliche Bäume ohne Frucht, doppelt erstorben, entwurzelt, wilde Meereswogen, die ih­ren eigenen Unflat ausschäumen, Jrrsterne, denen das finstere Dunkel auf ewig aufbewahrt ist." ~

Nicht wahr, unser Judas führt eine fräst ge Spruche und nimmt kein Blatt vor den Mund. Mit sichtlichem Schmerz und heiligem Unwillen be­klagt er die Mißstände, die im Schoß der jungen Christengemeinde bereits Wurzel gefaßt hatten und zu einem Krebsgeschwür auszuarten drohten. Judas hat dabei die Irrlehren eines Simon Ma­gus. sowie die der Gnostiker und Nikolaiten jm Auge. Sie faßten die christliche Religion als ei­nen Freibrief für jegliches Laster auf. Weil Chri­stus die Menschheit von der Jüdischen Buchstaben­sklaverei erlösen wollte, weil er die Gesinnung und den Geist als Hauptursache erklärte, weil Paulus die Erklärung gab:alles ist mir erlaubt", so wag­ten es solche wahnwitzige Jrrlehrer, den Begriff der Sünde aufzuheben, der Unzucht, dem Fraße und der Völlerei, dem Ungehorsam unb der Unge* bundenheit Tür und Tor zu öffnen. Mit Recht entrüstet sich Judas über einen solchen Freiheits­taumel. Allerdings soll der Christ die Freiheit in Anspruch nehmen; aber die Freiheit der Kinder Gottes, dis sich sorgfältig davor hüten, den lieben Gott zu beleidigen oder eines seiner Gebote auch nur im geringsten zu verletzen. Für Christen, die zu dieser Freiheit, zu dieser Heiligkeit sich auf- geschwungen haben, braucht es in der Tat kein Gesetz als die Liebe. Jene Querköpfe aber hatten von der Freiheit nur den Schatten, den Namen und die Anmaßung. Unter dem Deckmantel der Freiheit erhoben sie das Fleisch auf den Altar. Kein Wunder, daß sieentwurzelten Bäumen" glichen, die Blätter und Früchte verloren haben und nur auf das Feuer warten.

Hüten wir uns vor solchem Schicksal. Seien und bleiben wir festgewurzelt im hl. Glauben nach den Grundsätzen, Auslegungen, Traditionen, Er- llärungsn, Geboten und Räten unserer hi. kathol'- chen Kirche. Und das beste Mittel, den Glauben zu erhalten ist dieses: den Glauben propagieren, )en Glauben verbreiten durch Eifer für die Mis- ionen. Der Burgpfarrer. von der seelischen Not unserer HamMe.

Manchmal, wenn wir in einem alten Hause die Stiege emporsteigen, knarrt und knistert es im Holz, raschelt der mürbe gewordene Mörtel hinter der Tapete. Das Haus ist eben alt. Wohl steht es äußerlich noch fest. Aber es bedarf der aus­bessernden Hand, damit es nicht langsam verfällt und vielleicht gar durch ein plötzliches Unglück zu»

es in diesem buntgewürfelten Leben manchmal vor, daß ein ganz Unschuldiger für den Schuldi­gen angesehen wird, daß er unter diesem Verdacht schwer leidet. So ist es zu erklären, daß der hl. Judas Patron derer geworden ist, die unter ei­nem schweren Verdacht oder unter einer schwarzen Verleumdung unschuldig leiden. Das Fest des bl. Judas wird am 28. Oktober, Heuer aber am 29., zusammen mit dem Fest des hl. Simon gefeiert. Um so mehr ein Grund, daß wir heute und am folgenden Sonntag dem Brief des hl. Judas un­sere Aufmerksamkeit widmen. Der Brief umfaßt nur ein einziges Kapitel, von dem ich heute die erste Hälfte in freier Uebersetzung darbieten möchte.

Judas, Knecht Jesu Christi, Bruder des Ja­kobus, an die berufenen Christen, die vom Baker geliebt und für Jesus Christus aufbewahrk sind: Erbarmen, Friede und Liebe werde euch in rei­chem Maße zuteil!

Geliebte! Eifrig bestrebt, euch über euer ge­meinsames Heil zu schreiben, habe ich mich genö­tigt gesehen, euch durch ein Schreiben zu ermah­nen, daß ihr weiter kämpft für den Glauben, der euch ein für allemal überliefert worden ist.

Es haben sich nämlich gewisse Verführer bei euch eingeschlichen, die schon längst von den Pro­pheten als Gottlose gekennzeichnet sind. In fal­scher Auffassung von der christlichen Freiheit miß­brauchen diese die Gnade Unseres Heilandes zur Zügellosigkeit und leugnen unsern Herrn Jesus Christus als alleinigen Gebieter. Obwohl ihr in der Heilslehre bereits beschlagen seid, will ich doch an so manche Strafgerichte erinnern, welche die Frevler getroffen haben. So hat der Herr zunächst fein Volk aus Aegypten errettet; allein diejenigen, die in der Wüste nicht an ihn glaubten, hat er ver­nichtet. Wie ist es sodann den Engeln ergangen? Weil sie ihre Würde als Diener Gottes nicht wahrten und die himmlischen Wahnplätze verlie­ßen, hält er sie in ewigen Fesseln und bewahrt sie in der Finsternis der Hölle zum großen Eenchts- lag. Und was hat sich mit Sodoma und Gomorrha zugetragen? Weil sie sich der Unzucht und der widernatürlichen Wollust ergaben, sind sie als ab­schreckendes Beispiel zum ewigen Feuer verurteilt. So haben sich jetzt manche Jrrlehrer nvt ihrem Anhang allerhand Träumereien hingegeben, be­flecken den Leib, verachten die Herrschaft des Herrn und lästern seine himmlische Verherrlichung. Und doch wagte es nicht einmal der hl. Erzengel Mi­chael eine Lästerung auszusprechen. Als er näm­lich mit Satan um den Leib des Moses kämpfte, da er ihn dem Götzendienst entreißen wollte, hat er nur zu ihm gesagt:Der Herr gebiete dir". Die e Jrrlehrer aber lasiern, was sie nicht verste­hen Was sie jedoch wie das unvernünftige Vieh durch den Naturtrieb kennen, das mißbrauchen sie ihrem Verderben, indem sie der Genußsucht und der Fleischeslust fröhnen. Wehe ihnen' Wie Kain wandeln sie auf schlechten Wegen; wie Ba- laam sind sie von der Habsucht geblendet wie Kore oerivickeln sie sich in Empörung und Aufruhr rich­