Maffei, Sen U Oktober <928,
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Religiöses Wochenblatt
für die kakholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-stfennig 3 45 R.-Psennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzelle im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzelle im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens Im Besitz der Fuldaer Attlendruckerel in Fulda fein.
' Druck und Bettag Der Fuldaer Actlendnickerei. Berlageort Fulda. ■,.
Wochenkalender.
Sonntag, 14 .Oft. 20. Sonntag nach Pfingsten. Kallistus, Papst, Marè., + 233. Burkhard, Bischof, Bek. 1- 752.
Montag, 15. Okt. Therdlia, 9gfr., t 1582.
Di-nstag, 16. Okt. Lullus, Bischof, Bek., f 786.
Mtwoch, 17. Okt. Hedwig, Ww., t 1243.
Donnerstag, 18. Okt. Lukas, Cv.
Freitag, 19. Okt. Petrus von Alcantara, Bek., t 1502.
Samstag, 20. Okt. Johannes von Kanti, Bek., t 1473.
Wendelinus, Abt. Bek., t 617.
Zwanzigster Sonntag nach Pfingsten.
Epistel: Eph. 5, 15—21.
. Brüder! Seht zu, daß ihr vorsichtig wandelt, nicht »» Toren, sondern wie Weise, und erkaufet die Zeit; denn die Tage sind böse. Werdet darum nicht unoer- Mdig, sondern verstehet, was der Wille Gottes ist. Berauschet euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung liegt, »erdet vielmehr voll im Heiligen Geiste. Redet zuein- onder in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Lie- «ern, singt und spielt dem Herrn in euren Herzen; dankt Wit für Gott dem Vater im Namen Jesu Christi. Seid kinander untertan in der Furcht Christi.
Evangelium: Joh. 4, 46—53.
Ein doppelter Gewinn.
„Eine schöne Menschenseele finden Ist Gewinn; ein schönerer Gewinn ist Sie erhalten; und der schönst' unö schwerste, Sie, die schon verloren war, zu retten." —
it dieser Stropize leitet Herder die Legende vom geretteten Jüng- % ling. ein.
Einst übergab nämlich Sankt Iohannes. jener Apostel voll Glut ^itstè)^r. unö gjebe, âm Jüngling einem Diester zur Hut. Als aber der Priester in seiner Wcht über den Jüngling nachließ, wurde dieser umahljch von der Fleischeslust und Herrschsucht mgarnt, entfloh in das Gebirge und wurde — "chuberhauptmann!
m ^b nun der Bischof nach einiger Zeit wieder m p ^'gend kam, erkundigte er sich nach seinem M »Er ist gestorben", sprach weinend der g^ r^ »Gott abgestorben, auf Irrwege geraten, narh" .ptmonn geworden." „Ich muß ihm »No-ln^^'^erte der greife Johannes. Im Walde ; ben Mt- wurde er gefangen genommen und vor J8„^,,^uberhauptmann gèftihrt. Als nun der : et vn?^^'^" geistlichen Vater erblickte, wollte Steif“» ^âiam und Verzweiflung die Flucht er= ' „bieho ""leibe, mein Sohn", rief Johannes; I Ereil-» ^?rum Hiebst du vor einem waffenlosen ! ' 34 habe mich bei Gott für deine Seele
verpfändet und muß Rechenschaft darüber ablegen. Kehre zurück, mein Sohn, kehre zurück!" —
Von der Gewalt dieser Liebe hingerissen, schlang der Jüngling seine Arme um den Hals des lieben Vaters, gelobte unter Tränen Besserung, verließ das Räuberhandwerk, führte einen ehrsamen Lebenswandel und wurde gerettet für Gott und die Ewigkeit. —
In ergebenden Bildern sah ich diese liebliche Legende in Turin an die Decke gemalt. Das ist in der Kirche S. Giovanni (St. Johann), zu der ein Salesianerkolleg gehört, das mehrere hundert Jünglinge im Geist des hl. Johannes und im Geist des edlen Don Bosco heranbildet.
Ja, ein „großer Gewinn" ist es, eine Seele wieder zu Gott zurückzuführen und ihr die Türe des Heils zu erschließen. Aber nicht ein einfacher nein ein zweifacher, ein „doppelter Gewinn". Wenn du nämlich die Seele eines Mitbrulders rettest, so hast du damit deiner eigenen Seele Gutes getan. Das nenne ich doppelten Gewinn.
Mit dem Ausblick auf diesen schönen Doppelgewinn schließt unser Iakobusbrief mit folgender Mahnung:
„Meine Brüder! Wenn jemand einen ans euch, der von der Wahrheit abirrt, bekehrt, so wisse er: Wer einen Sünder von seinem Irrweg zurücksührt, der rettet dessen Seele vom Tod und deckt eine Menge von Sünden zu."
Du wirst bemerkt haben, daß Jakobus diesen kurzen Abschnitt, der den Schluß des ganzen Briefes bildet, mit dpn Worten einleitet: „Meine Brüder!" Gewiß nicht ohne Absicht, nicht ohne Bedeutung. Jakobus will offenbar nochmals all seine Liebenswürdigkeit, all feine Freundlichkeit, all leinen Seeleneiser spielen lassen in einer so wichtigen Sache. Außerdem will es mir scheinen, daß er uns den Gedanken der gegenseitigen „Verbrüderung" wieder ins Gedächtnis rufen will. Derjenige, der im Begriff steht, ewig verloren zu gehen, will Jakobus sagen, ist nicht etwa ein Mensch, der dich mit Haut und Haaren nichts angeht; für den du keinerlei Verantwortung trägst; nein; es ist dein Bruder in Gott und in Christus; auch wenn er nicht im gleichen Mutterschoß gebll- det war, auch wenn nicht das gleiche Dach sich über ihm wölbt, auch wenn er nicht an derselben Tafel speist. Vielmehr ist es dein Bruder, der wie du aus Gottes Hand hervorging, der wie du mii demselben Kreuzblut erkauft ist, der wie du sicher zur nämlichen Seligkeit berufen ist. Wenn du nun sicherlich an den Löscharbeiten dich beteiligen würdesh falls des Nachbars Haus in Flammen stünde, wie du sicherlich einen ins Wasser Gefallenen herausziehen würdest, falls es in deiner Möglichkeit läge, so mir ft du doch nicht so grausam lein und die Seele des gefallenen Mitbruders dem T-u'fel und der Hölle überlasten! —
Wann ist denn ein Bruder „abaeirrk von der Wahrheit"? Wenn er keiner hl. Kirche den Rucken
kehrt, wenn er den freien Bilrelforfchern, den Sa- batisten, der Heilsarmee oder einer andern Sekte nachläuft, wenn er sich nicht kirchlich trauen läßt, wenn er den Besuch des Gottesdienstes, den Empfang der hl. Sakramente in den Ruhestand ersetzt, wenn jemand im Ehestände „Seitenwege" geht, wenn rechtmäßige Eheleute sich mit Gedanken der Ehescheidung und Wiederverheiratung tragen, wenn jemand im Spital der Unsittlichkeit, der Trunkenheit, der Ungerechtigkeit oder Unversöhnlichkeit darniederliegt, wenn jemand am Glauben oder an den guten Sitten Schiffbruch gelitten hat. Soll man eine solche Seele ungewarnt der Hölle zutreiben lassen? Nein; wir sollen sie suchen und wiederfinden. Wie kann dieses große Werk aber instand gefetzt werden? Vor allem durch Gebet. Darum die'— in der letzten Lesung — enthaltene Mahnung: „Betet für einander, damit ihr das Heil erlangt." Zum andern eine liebevolle Ermahnung, eine ernstliche Rüge; endlich Gefälligkeiten, Aufmerksamkeiten, Liebesdienste. Denn das Werk der Bekehrung und Seelenrettung muß in der Liebe verankert sein. Jeder Eigennutz, jede Selbstsucht muß sorgfältig ausgeschaltet sein. Niemals dürfen wir dabei unsern eigenen Vorteil suchen, sondern einzig und allein den Vorteil des Bruders.
So kannst auch du, wenn du auch nicht die Priesterweihe empfangen hast, wenn du auch nicht zur Höhe der Kanzel emporsteigst, wenn du auch nicht in der Tiefe des Beichtstuhls verschwindest, dennoch Priester sein, Seelenjäger sein, Menschenfischer sein und kannst teilnehmen an der „katho- lischen Aktion", die der hl. Vater so dringend emp-. stehlt. Hast du auch nur eine einzige Seele wieder ins rechte Geleise gebracht, wieder auf den Weg zum Himmel gestellt, so hast du auch deiner eigenen Seele einen großen Dienst erwiesen und so in Wahrheit einen „doppelten Gewinn" erzielt.
Der Burgpfarrer.
Sd)lie6t die Reiben !
Der Bolschewismus führt den Kampf gegen beA Gottesglauben mit einer unerbittlichen Konsequenz und einer geradezu höllischen Energie. Ueber diesen Kampf gegen alle Religion niacht ein Moskauer Brief der „Germania" beachtenswerte Mitteilungen. Nachdem festgestellt ist. daß das erste Jahrzehnt nicht den vollen Erfolg gebracht hat, heißt es: Was aber das erste Jahrzehnt mcht erreicht hat, soll wenigstens das zweite vollbringen. Die atheistische Kampforganisatlon hat sich in eine straffere Organisation umgeschaffen, and) eine rührige Pressestelle und Publikationsmöglichkeil gegründet, und ist jetzt entschlossen, die Arbeit wieder neu aufzunehmen. In einem großen „atheistischen Museum", dem ersten dieser Art, hat man jetzt alles Material gegen Gott zusammengetragen. In diesem Museum geht do» Volk Tag für Tag am»