Ausgabe B
Kassel, den (6 September (928.
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W 38. Zahrg.
Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr extra).
Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.»Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aeliendruckerei In Fulda sein.
Druck unb Verlag Mr Fuldaer AcUendruckerel. Verlageort Fuld»
Wochenkalender.
Sonntag, 16. Sept. 16 Sonntag nach Pfingsten. Kornelius und Cyprianus, Mart., f 258.
Montag, 17. Sept Einprägung der Wundmale des hl. Franz von Assisi. Hildegardis, Jgfr., Aebtissin zu Eibingen im Rheingau, f 1179.
Dienstag, 18. Sept. Joseph von Cupertino» Bek. f 1663.
Mittwoch, 19. Sept. Januarius, Bischof, u. Gen., Bek., Mart. Quakemberfasilag.
Donnerstag, 20, Sept. Eustachius u. Ges., Mart., t 118. Vigil des Apostels Matthaeus.
Freitag, 21. Sept. Matthaeus, Apostel. Quakemberfast- tag.
Samstag, 22. Sept. Thomas von Villanova, Bischof, Bek., f 1553 Mauritius, Mart. Ouakemberfasttag.
Sechzehnter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel: Eph. 3, 13—21.
Brüderl Ich bitte euch, werdet nicht mutlos wegen b« Drangsale, die ich für euch leide; sie sind ja euer Nuhm. Darum beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, von dem jede Vaterschaft im Himmel und auf Erden ihren Namen hat; er möge Mch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit verleihen, durch seinen Geist am inneren Menschen gekräftigt zu werden. Christus möge durch den Glauben in euren Herzen wohnen, und ihr möget in der Liebe Wurzel und Krund fassen, damit ihr mit allen Heiligen begreifen lötinet, welches die Breite und Länge, die Höhe und -tiefe (der göttlichen Auserwählung) sei. So sollet ihr dann auch die Liebe Christi verstehen, die alles Erkennen übersteigt, um so mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt zu werden. Dem aber, der alles vollbringen kann, überschwenglich mehr, als wir erflehen oder erdenken können, wie es sich geigt an der Kraft, die er an uns wirksam Mn läßt, ihm sei Ehre in der Kirche und in Christus smus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Evangelium: Luk. 14, 1—11.
ast du schon die Hand müssen, um zu schwören? Wenn es dir bislang noch nicht wider- fahren ist, so bist du doch keinen Tag sicher, vor den Schranken des
mit erhobener Hand.
erheben
. _ Gerichtes stehen und schwören zu sm ’ ^- Da ist es eine Notwendigkeit und eine
• 3um voraus schon Bescheid zu wissen (trfuL^r f° wichtige Einrichtung in der mensch- Gesellschaft.
a^i^°"tlich und streng genommen, sollte unter i0T[Jtert ew Schwur gar nicht nötig sein. Oder Sw”10” denn mit der Möglichkeit rechnen, einen an biA-^ °n unsern Herrn Jesus glaubt, der Ekrü-m^ - '^ Allwissenheit und an ein künftiges
1 glaubt, als Lügner betrachten zu dürfen?
Darum ist der hl. Jakobus der Ansicht, das Schwören solle unter Christen überhaupt nicht vorkommen. Hören wir seine Worte:
„Vor allem, meine Brüder, schwöret nicht, nrjber beim Himmel, noch bei der Erde, noch schwöret sonst einen Eid. Eure Rede sei „Ja, ja nein, nein“, damit ihr nicht dem Gericht verfallet." Offenbar muß St. Jakobus die schmerzliche Wahrnehmung gemacht haben, daß leichtsinnige Elemente unter den Neuchristen in die jüdische Ge. wohnheit häufigen Schwörens zurückfielen. Darum erinnert er sich an die Bestimmung des Meisters 'n der Bergpredigt:
„Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt worden ist: du sollst nicht falsch schwören und: du sollst die Schwüre halten, die du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage euch: ihr sollt überhaupt nicht schwören; weder beim Himmel: denn er ist Gottes Thron; noch bei der Erde denn sie ist der Schemel seiner Füße; noch bei Jerusalem: denn sie ist die Stadt des großen Königs. Auch bei deinem Haupte sollst du nicht schwören; denn du vermagst nicht ein einziges Haar schwarz oder weiß zu machen. Eure Rede sei vielmehr „Ja, ja; nein, nein. Was darüber hinausgeht, ist vom Bösen."
Jakobus wandelt also bezüglich des Schwörens ganz und gar in den Fußstapfen des Herrn: unter Christen sollte eigentlich das Schwören überflüssig sein. Es sollte genügen, etwas zu behaupten oder zu verneinen, um bei aller Welt Glauben Zu finden. Was darüber ist, sagt der Herr, ist vom Bösen. Dieser Böse ist der Geist der Finsternis, der Geist der Lüge, der Vater des Irrtums, der Teufel. Unter seinem unheilvollen Einfluß kommt es dahin, daß auch Christen zur Lüge die Zuflucht nehmen. Um dann der Wahrheit auf die Spur zu kommen, mußten die Menschen auf den Schwur, auf den Eid als auf das letzte Auskunfismittel die Zuflucht nehmen
Trotz aller Anstrengung der Kirche, der Bischöfe und der Prediger ist es bis heute nicht gr- lungen, den Eid unter den Christen abzuschasfen Der hl. Johannes Chrysostomus hat einmal eine ganze Serie von Predigten gehalten, die sogenann- „Säulenhomilten", um das Schwören aus der Stadt Konstantinopel mit Stumpf und Stil auszurotten. In einer dieser Predigten lese ich die folgende goldene Ermahnung:
„Bisweilen habe ich von Menschen gehört, kue sich entschuldigen wollen wegen ihrer schändlichen Gewohnheit zu schwören, indem sie sagen: wenn ich nicht schwöre, glaubt man mir nicht! Daran bist bu selber schuld, weil du eben leichtsinnig schwörst Tätest du das nicht, sondern wäre es allgemein bekannt, daß du nicht schwörst, glaube mir nur, bu würdest für deine Aussagen mehr Glauben finden als diejenigen, die tausend Eide verschlucken "
Was steckt nun eigentlich hinter dem Schwur? Welches ist fein Kern und Wesen? Der Schwur
ist eine Berufung auf den allwissenden Gott, daß man die Wahrheit sagen oder sein Versprechen halten wolle. Demgemäß unterscheiden wir zwei Arten von Schwur oder Eid: den Eid der Bekräftigung und den Eid des Versprechens.
Nach dem Propheten Jeremias braucht es drei Beengungen zur Erlaubtheit des Eides: zuerst die Ueberiegvng. Nicht leichtsinnig darf man sich für eine Aussage auf Gottes Allwissenheit berufen, sondern nach reiflicher Ueberlegung und bei völliger Sicherheit. Das zweite ist die Gerechligkeik. Nur eine gerechte, eine gute, eine sittlich einwandfreie Sache darf Gegenstand eines Versprechungseides sein. Das dritte ist die Wahrheit. Ich muß den festen Willen haben, die reine und volle Wahrheit zu sagen.
Da beim Eide der Name Gottes genannt wird, da man sich ausdrücklich auf seine Allwissenheit unv Allmacht bezieht, so ist klar, daß der Eid in das Gebiet der Religion schlägt. Daher hat es die Kirche von jeher für ihr Recht unb ihre Pflicht gehalten, über die Heiligkeit des Eides zu wachen. Deshalb mußten die Geistlichen in früheren Jahren denjenigen, die eine Eidesaussage mack)en mußten, eine eigene Eidesbelehrung geben. Jetzt wird- eie „Eidesvsrmahnung" unmittelbar vor der Eidesablegung vom Richter vorgenommen. Unmöglich kann die Belehrung eines weltlichen Richters einen solchen Eindruck machen wie die des Priesters. Außerdem wurde der Schwur ehedem in feierlicher Weise abgenommen. Ein Kruzifix und zwei Lichter wurden aufgestellt, und so der Eid in dieser frommen Umgebung abgelegt. Im übrigen ist die alte Eidesformel jetzt noch in Gültigkeit. Der Schwörende erhebt die rechte Hand, streckt die drei Finger beim Daumen aus und spricht die Worte, die der Richter ihm vorspricht:
„Ich schwöre bei Golt, dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ich die reine Wahrheit sagen und nichts verschweige und nichts hinzusetzen werde; so wahr mir Gott helfe." Bei Menschen, die sich hinter ihren Unglauben verschanzen, kann sich her Richter mit einem Handschlag oder mit „Versicherung an Eidesstatt" begnügen. Die Folgen sind aber genau dieselben wie bei einem wirklichen und richtigen Eid. Wer nun unter Eid wissentlich eine falsche Aussage macht, der hat einen Meineid auf sem Gewissen geladen, mit der Allwissenheit Gottes ein Spiel getrieben, das letzte Bollwerk der Wahrhaftigkeit mit frecher Hand weggerissen. Darum geschieht es ihm Recht, wenn ihm ein Paar Jahre Zuchthaus aufgebrummt werden. Sollte aber der Meineid nicht ans Tageslicht kommen, so bleibt er iresmegen nicht ungestraft. Denn „der Fluch sott kommen in das Haus dessen, der falsch schwört in meinem Namen, spricht der Herr-, und der Fluch soll darin bleiben und soll es verzehren, das Holz mitsamt den Steinen "
Darum die Augen auf bei einem Vorkommen- den Eid. Der Burgpfarrer.