Kassel, den 9 September (928,
Nr. 37
38.3al)rg.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr cxlra). Redaktionsschluß Montag. Anzelgen-Pretse: Colonelzeile im Llnzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzelle im Reklametell 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerel kn Fulda len.
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Wochenkalender.
Sonntag, 9. Sept. 15. Sonntag nach Pfingsten. Geor- gonius, Mart., | 303.
Mmitag, 10. Sept. Nicolaus von Tolentino, Bek., | 1308.
Dienstag, 11. Sept. Protus u. Hyazinchus, Mart., f 257.
Mittwoch, 12. Sept. Fest des hl. Namens Mariä.
Donnerstag, 13. Sept. Vom Tage.
Freitag, 14. Sept. Kreuzerhöhung.
Samstag, 15. Sept. Fest der 7 Schmerzen der fel. Jgfr. Maria. Nicomedes, Mart.
5ünfzehnter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel: Gal. 5, 25—26 u. 6, 1—10.
Brüder! Wenn wir im Geiste leben, laßt uns auch im Geiste wandeln. Laßt uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander herausfordern, einander beneiden, Brüder! Wenn auch ein Mensch von einer Sünde übereilt worden wäre, so unterweiset einen solchen, ihr, w ihr den Geist habt, im Geiste der Sanftmut. Hab «ât auf dich selbst, damit nicht auch du versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Denn wenn jemand sich ein- tuldet, etwas zu sein, da er noch nichts ist, so betrügt ", sich selbst. Ein jeder prüfe sein eigenes Tun; dann er in sich selbst Ruhm haben und nicht in einem andern: denn ein jeder wird seine eigene Bürde tragen, -wer in der Lehre Unterricht erhält, teile von allem Gu- den, mit, der ihn unterrichtet. Täuscht euch nicht! läßt seiner nicht spotten. Denn was der Mensch m, das wird er auch ernten. Wer auf fein Fleisch sät, b m®m Fleisch auch Verderben ernten; wer aber auf en Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten, sei . ^^ also Gutes tun und nicht ermüden; denn zu lag" 3^ werden wir ernten, wenn wir nicht nach- ' ^"^ llns also, da wir Zeit haben, Gutes tun n' vorzüglich aber den Glaubensgenossen.
Evangelium: Luc. 7, 11—14.
Huf dem Aug zum Himmel.
schreibe diese Sonntagslesung am 28. August, dem Feste des gro- ßen Bischofs und Kirchenlehrers Augustinus. Es ist interessant, die Ansicht eines so erleuchteten Man- ues über ein Problem kennen zu hp ‘ "V' nn dem so viele Menschen straucheln, an da- .!^r gute Christen Aergc-ms nehmen. Und vorü>"p ^^ Leiden, an denen nun einmal keiner der in nimmt'.. Aun fällt mir ein Gebet ein, das Träi.-b âugnfnnus bei jedem Schmerz, bei jeder wiirNa»'.-» jeder Anfechtung, bei jeder Wider- Pileofp „•' m! jedem Mißerfolg zu verrichten um^O'» Gebet, das jedem guten Gebetbuch als io vi -? ^^ ®ut einverleibt ist, ein Gebet, das e ^eidensgenosten dem Bischof von Hippo
nachgesprochen, durch das sie sich getröstet, ja sogar für das Leiden begeistert haben.
„Hier brenne, s Gott, und hier auf Erden schneide; aber schone meiner in der Ewigkeit!"
Jener erleuchtete Büßer aus dem Bischofsstuhl betrachtete demnach das Leiden und die im Leiden bewiesene Geduld als einen Flug zum Dimmst Jede Sünde muß gestraft werden, lese ich in seiner Erklärung zum 55. Psalm. Entweder müssen wir sie selber strafen durch Buße, durch freiwillige Leiden, durch Geduld in Arbeit und Widerwärtigkeit. Oder aber Gottes Gerechtigkeit wird uns züchtigen. Bleibt die Strafe in dieser Wut aus, so folgt sie in der andern Welt nach. Bleibt uns die Strafe in der Zeitlichkeit erspart, so müssen wir sie nachholen in der Ewigkeit. Wenn wir aber auf dieser Welt schon durch freiwillige Buße und Geduld in Leiden unsere Sünden abbüßen, wenn wir auf diese Weise der göttlichen Gerechtigkeit Genugtuung leisten, wenn wir auf diese Weise dem Bilde des gekreuzigten Erlösers uns gleichförmig machen, dann ist uns die Strafe des Jenseits erlassen; dann ist uns der Eintritt, der sofortige Eintritt in den Himmel gewiß. Muß -uns im Lichte dieser Wahrheit das Leiden nicht angenehm und wünschenswert vorkommen? Müssen wir nicht ein übernatürliches Verlangen darnach haben? Müssen wir wenigstens nicht eine heilige Ergebung in den Leiden, die der gerechte Gott uns zusendet, an den Tag legen? Müssen wir nicht mit dem Gebet des großen Büßers uns aussöhnen und es als beliebtes Stoßgebet recht oft in unsern Mund nehmen:
„Hier brenne, o Gott, und hier auf Erden schneide, aber schone meiner in der Ewigkeit?" . . .
Im Buche Gottes, in der hl. Schrift, ist diese Wahrheit vom Nutzen der Leiden eine Binsenwahrheit, die bei jeder Gelegenheit sowohl im Stilen als auch im Neuen Testament in unzähligen Wendungen wiederholt wird. Auch der hl. Jakobus, dessen Brief uns nun schon einige Wochen beschäftigt, hat schon zu Beginn seines Schreibens sich mit dem Leiden auseinandergesetzt und kommt nun im fünften Kapitel gegen Schluß seines Schreibens nochmals darauf zurück, indem er die bedrängten Christen zur Geduld ermahnt.
„Geduldet euch, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn. Siehe, der Landmann wartet auf die köstliche Tracht der Erde; er harrt in Geduld, bis sie den Früh- und Späkregen empfängt. So geduldet auch ihr euch und richtet euer Herz auf; denn die Ankunft des Herrn ist nahe. Murret nicht gegen einander, Brüder, damit ihr nicht gerichtet werdet; siehe, der RidtSer steht vor der Tür! Meine Brüder, nehmt euch im Leiden und Dulden die Propheten'zum Vorbild, die geredet haben im Bamen des Herrn. Siehe, wir preisen jene selig, die ausgeharrt haben. Von der Geduld Jobs habt ihr gehört und kennt das Ende des Herrn." —
Wie ein goldener Faden zieht sich durch diese apostolische Lehre, die Mahnung zur Geduld. Jakobus kannte die Drangsale, denen" die damaligen Christen ausgesetzt waren; die Verfolgungen der Juden und der Heiden; die Uebergriffe der Reichen, die Spöttereien dec Philosophen. Er kannte auch den Widerspruch des Menschenherzens gegen Leiden und besonders gegen langandauernde Leiden. Darum die Mahnung zum Ausharren, zur Standhaftigkeit, zur Geduld. Und welches sind denn die Motive, die er beizieht? Zunächst eine Vergleichung mit der Landwirtschaft. In Palästina hängt die ganze Fruchtbarkeit am Regen, der in zwei Perioden niedergeht: im November nach der Aussaat und im März oder April zur Vorbereitung der Ernte. Außerhalb dieser Regenperiode fällt im Orient in der Regel kein Regen. Bleibt eine Regenperiode aus oder verschiebt sich um eine bedeutende Zeit, so ist eine Mißernte nicht zu umgehen. Da muß nun der Landwirt in aller Geduld auf diese Regenfälle warten. So soll auch der Christ auf die Tröstung von oben in Geduld und Schweigen warten.
Als zweiten Beweggrund zur Geduld führt Jakobus die Ankunft des Herrn, die „Parusie" ins Treffen, und zwar die baldige Ankunft. Ich laße es dahingestellt, ob Jakobus und die damaligen Christen mit der Nähe des Weltgerichtes gerechnet haben. Auf alle Fälle aber ist der Herr immer nahe, um uns durch den Tod abzurufen ins Jenseits und uns dort die Krone der Herrlichkeit auf das Haupt zu setzen als Entschädigung und Belohnung für die kurzen Tags der Leiden. „Der Richter steht schon vor der Tür", sagt Jakobus in einem so zutreffenden Bild. Denn wie ein Mann, der schon vor der Türe steht, nur zu öffnen braucht, um einzutreten, so steht auch unser Herrgott jederzeit parat, von uns Rechenschaft zu verlangen, uns den verdienten Lohn oder die verdiente Strafe auszuzahlen. Wie unsere Seele in der Todesstunde aussehen wird, so auch beim Weltgericht. Und das Schicksal des besonderen Gerichtes ist das gleiche wie das Schicksal des jüngsten und all. gemeinen.
Der dritte Beweggrund ist das Beispiel bet Propheten. Nennen wir einen, David. Welche Flut von Leiden, Verfolgungen, Schmähungen sind auf diesen frommen Mann niedergegangen. Aber welche Geduld hat er ihnen entgegengesetzt. Sein größter Todfeind war sein eigener Sohn Absolom. Und dennoch, David wollte ihn schonen. Und als trotz aller Vorsicht Absolom umgekommen war, war David ein Bild des Jammers. „Absolom, mein Sohn, ach, daß ich für dich gestorben wäre!" Einen Helden der Geduld nennt Jakobus ausdrücklich mit Namen: Job. Wie ein Trommelfeuer ging das Unglück über fein Haupt. Doch aus seinem gebenedeiten Munde kamen jene herrlichen Worte: „Der Herr hat es gegeben; der Name des Herrn sei gepriesen!" Als letztes Beispiel erwähnt