Wochenkalender.
Sonntag, 19. August. 12. Sonntag nach Pfingsten.
Montag, 20. August. Bernhard von Clairvaux, Bek., Kirchenlehrer, t 1153.
Dienstag, 21. August. Oktav des Festes der Weihe der Kathedralkirche. Johanna Franziska von Chantal, Witwe, t 1641.
Mittwoch, 22 .August. Oktav von Mariä Himmelfahrt. Timotheus und Gen., Mart.
Donnerstag, 23. August. Philippus Benitius, Bek., f 1285. Vigil des Apostels Bartholomäus.
Freitag, 24. August. Bartholomäus, Apostel.
Samstag, 25. August. Ludwig IX., König, Bek., f 1220.
Zwölfter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel: 2. Kor. 3, 4—9.
Brüder! Ein solches Vertrauen haben wir durch Chri- stus zu Sott, nicht als ob wir tüchtig wären, von uns etwas (Gutes) zu denken, als aus uns selbst; sondern unsre Fähigkeit kommt von Gott, der uns auch fähig gemacht hat, Diener des Neuen Bundes nicht dem Buchstaben, sondern dem Geiste nach zu sein; denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. Wenn nun das Amt des Todes, das mit Buchstaben in Stein eingegraben war, eine solche Herrlichkeit hatte, daß dis Söhne chraels das Angesicht des Moses nicht schauen sonnten ®egen des Glanzes seines Antlitzes, der doch vergänglich war, wie sollte nicht vielmehr das Amt des Geistes Herr- uchkcit haben? Denn wenn das Amt der Verdammnis Herrlichkeit hat, um wieviel mehr hat Herrlichkeit das Amt der Rechtfertigung!
Evangelium: Luk. 10, 23—37
Das gerupfte Huhn.
n einem Städtchen lebte eine Frau mit einer tapfern, wohlgeschlisie- nen Zunge, so scharf wie ein frisch abgezogenes Rasiermesser. In allen Gassen hat sie unermüdlich » .. -^ die Saat der Zwietracht und der
^en ausgesät. Endlich ist ihr dieses 'Reiben ff.?. ?R das Gewissen gefallen und sie hat sich n un9 gesucht in der hl. Beicht. Durch Gottes tons ?g ^!^ sie einem Kapuzinerpater in die er n/' ^S. ^r den Star gestochen hat. Nachdem abiiH^ ermahnt, das Laster der bösen Zunge teo c 9"b er der verblüfften Frau folgende ein Lk ®ef)t auf den Markt und kauft euch unterm^ ^ trägt es nach Hause und rupft ihm in bi» m9« ^ Federn aus und streut die Federn etw^d^c? te die Frau über diese seltsame Buße ihr ohh»n .pf geschüttelt haben. Aber, was ist oet5 ubria Geblieben. als den Auftrag des
Beichtvaters zu erfüllen? Als sie nun wieder zu demselben Beichtvater zurückkehrte, fragte er sie, ob sie die Buße verrichtet habe. Ja, gab sie zur Antwort. Und wie habt ihrs denn gemacht? Ich habe halt das Huhn getauft und auf dem Weg nach Hause gerupft und die Federn in die Gassen gestreut. Ihr habt recht getan, erwiderte unser Kapuziner; aber jetzt kommt erst die Hauptsache! Da riß die Frau die Augen auf und spitzte die Ohren. „Die Hauptsache!" Jetzt geht ihr nochmals durch all die Gassen, in die ihr die Federn gestreut und leset die Federn sorgfältig bis auf die letzte wieder zusammen! Hochwürden, sprach atemlos dis Frau, das kann ich nicht. Denn der Wind hat sie alle fortgetragen. Da fuhr der Beichtvater mit großem Nachdruck weiter: „Ebenso wenig ihr die Federn wieder einsammeln könnt, die der Wind fortgetragen, ebenso wenig könnt ihr die bösen Reden wieder gut machen, die ihr geführt; denn das Gerücht hat sie bereits in alle Häuser getragen!" —
Ist diese Geschichte nicht auch zur Lehre für uns alle? Sehen wir nicht alle Tage, welch große Uebel die böse Zunge, besonders die Ehrabschneidung, alle Tage anrichtet? Darum hat der hl. Jakobus in seinem Brief diesem Uebel ein besonderes Kapitelchen gewidmet und uns davor ernstlich gewarnt. Hören wir seine Worte:
„Meine Brüder! Setzt einander nicht herab. Wer seinen Bruder herabseht oder seinen Bruder richtet, der schmäht und richtet das Gesetz. Wenn du aber das Gesetz richtest, bist du kein Befolget des Gesetzes, sondern machst dich zum Richter. Es gibt aber nur einen Gesetzgeber und Richter: den, der Macht hat zu retten und zu verderben. Wer bist du aber, daß du den Nächsten richtest?" Jak. 4, 11 12.
Vor welchen Fehlern warnt uns also Jakobus? Hauptsächlich vor zwei: vor der Herabsetzung und vor dem Richten. Von den schlimmen Ausläufern dieses Sündcnastes will ich einige namhaft machen Die Herabsetzung besteht zum Beispiel darin, daß man die guten Eigenschaften eines Menschen oder einer Sache entweder überhaupt ignoriert oder aber sie verringert und daran kritisiert und nörgelt. Ein klassisches Beispiel dafür sind die Kundschafter. Moses hatte sie ausgeschickt nach Palästina, um das „gelobte Land" zu bereisen. Als sie zurückkehrten, brachten sie Früchte des Landes mit. Granatapfel, Feigen und eine Trmibe, die zwei Männer an einer Stange trugen. Das tano ist wunderbar, erzählten die Kundschafter; es fließt tatsächlich von Milch und Honig. Aber — — — k"ine Städte sind ummauert und uneinnehmbar und seine Bewohner Riesen, gegen die mir nur Heuschrecken sind." (Num. 13.)
Und die Folge dieser „Herabsetzung"? Den Israeliten siel das Herz in die Hosen und am liebsten mären sie umgekehrt nach Aegypten!
Solche Nörgelei und Ehrabschneidung haben auch die Pharisäer und Schriftgelehrten dem Heiland gegenüber betrieben. Als sie sahen, daß er esse und trinke wie gewöhnliche Menschen, da schleuderten sie die Worte ins Volk: dieser Mann ist ein Fresser und Säufer! Auch seine Wunder haben sie herabgesetzt und mit Schmutz beworfen: „Mit Beelzebub", sprachen sie, „dem obersten der Teufel, treibt er die Teufel aus." —
Hierher gehört das Aburleilen über den Nebenmenschen, sein Tun und seine Absichten. Als Paulus nach Kreta gekommen war und eine giftige Schlange ihm an die Hand sprang, waren die Bewohner fertig mit dem Urteil: „Dieser Mensch muß ein Mörder sein".
Im täglichen Löben stoßen wir oft auf solche Lieblosigkeiten und Herabsetzungen. So gibt vielleicht ein Herr reichliche Almosen, schickt den Armen Kleider und Speisen, den Kranken Leckerbissen und Wein. Da hört man einen überzwerchen Menschen sagen; „Dieser Mann kann es machen; der hat Geld in Hülle und Fülle. Welche Aufwendungen wird er erst für sich selber machen!" 0 du törichter, liebloser Mensch! Wenn dem auch so wär, verdient dann sein Wohltun kein Lob? Würdest denn du im gleichen Fall ebenso handeln? Dabei kann es aber ganz gut sein, daß jener angeblich so reiche Herr vielleicht gar keinen Ueberfluß besitzt, daß er sich die Bissen vom Munde abspart, daß ihm das Geld von einer dritten Person zur Verfügung gestellt wurde, daß er persönlich arm und bedürfnislos lebt, daß er keine Feste mitmacht und keinen Tropfen Wein trinkt! Ich wundere mich tatsächlich, daß Menschen noch Gutes tun, wo sie vor Verleumdung iind Entstellung nicht sicher sind.
Selbst die Uebungen der Tugend weiß die „Verkleinerung" und „Herabsetzung" mit Schmutz zu bewerfen. So wird ein frommer Mann, der fleißig die hl. Messe besucht, oft die hl. Sakramente .empfängt, ein „Betbruder" genannt. Der sparsame, der nicht alle Feste und Tanzereien mitmacht, wird „Knicker" tituliert; der ehrliche, der nicht zur Lüge die Zuflucht nimmt, der seine Steuern richtig angibt, wird als „Idiot" gebrandmarkt. Laßt euch nicht irre machen, ihr alle, die ihr die Tugend erwählt habt; seid wie die Sonne, die trotz allem Staub, den die Erde aufwirbelt, hell und warm ihres Weges zieht. Hüten wir uns alle vor dem argen Laster der Verkleinerung, der üblen Nachrede. Merken wir uns das Beispiel des großen Kirchenlehrers Augustinus, dessen Gedächtnis wir am 25. dieses Monats begehen. Im Eßzimmer, wo er mit feinen Freunden die bescheidene Mahlzeit einnahm, hatte er ein Plakat angebracht mit der Inschrift:
„Es haben diesen Tisch zu meiden,
Die andern gern die Ehr' abschneiden."
Der Buravsarrer.