Ausgabe B
Kassel, den p. Huguji <928.
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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig 3 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr ejim) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Osf.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens Im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
Druck und Settag der Fuldaer Actiendruckerei. Berlagsort Fulda
Wochenkalender.
Sonntag, 12. Aug. 11. Sonntag nach Pfingsten. Klara 3gfr., t 1253.
Montag, 13. Aug. Oktav des Festes der Verklärung , Christi. Hippolytus und Vassranus, Mart.
Dienstag, 14. Aug. Fest der Weihe der Kathedral- kirche. V ! g i l f a st t a g.
Mittwoch, 15. Aug. Mariä Himmelfahrt.
Donnerstag, 16. Äug. Joachim, Vater der seligsten Jgfr. Maria. Rochus, Bek., t 1327.
Freitag, 17. Aug. Hnacinthus, Bek., t 1257.
Samstag, 18. Aug. Wigbert, Bek. (sonst 13. August).
Agapitus, Mart., i 274.
Elfter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel: 1. Kor. 15, 1—10:
Stüber! Ich tue euch das Evangelium kund, das ich euch gepredigt habe, das ihr auch angenommen habt, nun rin ihr auch beharret, wodurch ihr auch selig werdet, wenn,ihr es so fest battet, wie ich es euch gepredigt habe, es wäre denn, daß ihr vergebens gläubig geworden leid. Denn ich habe euch zuvörderst mitgeteilt, was ich auch empfangen habe, daß Christus für unsere Sünden ge= störten ist, wie geschrieben steht, daß er begraben worden und am dritten tage wieder auferstanden ist, wie schrieben steht, daß er dem Petrus erschienen ist und darnach den Elfen. Nachher ist er mehr als fünfhun- Rrt Brüdern auf einmal erschienen; von ihnen leben viel« bis auf den heutigen Tag, einige aber sind rtWafen. Hierauf ist er dem Jakobus erschienen, «um allen Aposteln, zuletzt, unter allen, ist er auch mir, gleichsam einer Fehlgeburt, erschienen; denn ich vm Der geringste unter den Aposteln und nicht würdig, Ä"itrl zu heißen, weil ich die Kirche Gottes verfolgt .Aber durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin, feine Gnade ist in mir nicht unwirksam gewesen.
Evangelium: Mark. 7, 31—37.
Eine gefährliche Freundschaft.
wie hoch ist sie der Welt entrückt, die allerseligste Gottesmutter Maria, erhöht in ihrer Himmelfahrt über alle Engel und Erzengel, Cherubim und Seraphim, «im».. T » Mit heiligem Neid blicken wir £ur" Throne ihrer Herrlichkeit und rufen ‘ srommbervegter Stimme:
"us dem Himmel deiner Freuden uns herab mit Mutterblick,
im Tal der Zähr und Leiden uns sehnen nach des Himmels Glück. —
GrbbohmV1^ beiden Füßen noch auf diesem siezogen !„ °^"'^" werden wir leicht auch hinein- UnAmor/t ^K Freuden und Güter dieser Welt, und febt ^ in unsere Seele der Weltgeist Baburrt barm fest wie eine Klette am Kleid. Gott hi« 5n wir in eine schiefe Stellung gegen ^aft Qy ™[ ^ Seit in offenen Bruch und Feind-
nicht sein Inhalt Gesundheit, langes Leben, Wohl- stand, gute Versorgung? So wird von Räubern erzählt, die zur Mutter Gottes gebetet haben, daß sie bei ihren Räubereien nicht erwischt werden! Von Bäuerinnen, die gebetet haben, daß ihre Milchfälschungen nicht ans Tageslicht kommen! Wie viel weniger wird gebetet um die Güter des Geistes und der Ewigkeit: um Bewahrung im Glauben, um Fortschritt in der Tugend, um Beharrlichkeit bis ans Ende, um den Sieg des Kreuzes, um den Mut in Kreuz und Leiden.
Der hl. Jakobus schildert dann die Verwerflichkeit der Weltfreundlichkeit in den düstersten Farben. Er nennt sie eine Feindschaft gegen Gott. Ja, er schreckt nicht davor zurück, die Freundschaft mit der Welt einen „Ehebruch" zu nennen. Denn unsre Seele wurde Gott vermählt, und der liebe Gott duldet keinen Nebenbuhler. Er ist darauf eifersüchtig, unsere Seele, die er erschaffen, die er erlöst, ganz allein zu besitzen und sie mit niemand zu teilen Manche aber wollen auf beiden Schultern Wasser tragen und eine unmögliche Doppelrolle spielen, wovon der Heiland gesagt hat: ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen. Jakobus schließt mit der Aufforderung, die Bande der Welt zu zerreißen, durch wahre Buße, Reue, aufrichtige Demut und Unterwerfung unter Gottes Anordnungen zum lieben Gott zurückzukehren. Es gibt eben, wie der hl. Kajetan -sterbend versicherte, nur zweiWege zum Himmel, den Weg der Unschuld und Buße. Wer vom ersten abgewichen ist, muß notwendig den zweiten einschlagen: sonst ist er verloren.
Zeichnen wir nun das Gegenbild der Welt- freundlichkeit, die reine, brennende Gottesliebe, wie sie uns gerade im eben genannten Heiligen ent- gegenlcuchtet. Bei Venedig um die Wende des 15. Jahrhunderts geboren, vereinigte Kajetan glücklich die Gaben der Natur und Uebernatur, den Adel des Blutes und der Gesinnung, den Reichtum an Besitzungen und den Reichtum an Tugend und Wissen. Wie dem hl. Aloisius hatte der Herr auch dem Kajetan Kot auf die Zunge gestrichen und ihn mit Ekel an den Weltgütern erfüllt. An man- chem krassen Beispiel in der Welt und in dec Kirche sah er das Verderben der Weltliebe, das Verderben des Wohllebens, der Bequemlichkeit, der Genußsucht, der Unsittlichkeit, der Habsucht und des Neldes. Von Schmerz über feine Heimatstadt Venedig entbrannt rief er aus: wie schade um diese herrliche Stadt; man möchte über sie weinen; da ist wirklich keiner, der Christus den Gekreuzigten sucht. Jesus wartet, und niemand kommt! — Kajetan gründete einen Orden, der selbst den Kardinälen und dem Papst zu streng vorkam. Die Sorge um weltliche Dinge hatte darin keinen Platz. Nicht bloß durfte dèr Orden kein Eigentum haben; man sollte im Falle der Not nicht einmal betteln, sondern ruhig abwarlen, ob jemand Almosen bringt. Ein reicher Edelmann bot einmal dem Orden wert7
Da ist es nun her hl. Jakobus, der uns auf die Gefahren der Weltfreundschaft hinweist und uns eindringlich davor warnt mit folgenden Worten:
„Woher kommt Kampf und Streik unter euch? Nicht daher, daß eure Begierden in euren Gliedern mit einander Krieg führen? Ihr begehrt etwas und erhaltet es nicht; ihr mordet und seid neidisch und könnt es nicht erlangen. Ihr erhaltet nicht, was ihr möchtet, weil ihr nicht betet. Bittet ihr um etwas, so empfanget ihr es nicht, weil ihr schlecht betet: ihr wollt in euren Lüsten schwelgen.
Ihr Ehebrecher! Wißt ihr nicht, daß die Freundschaft mit der Welt Feindschaft ist mit Gott? Wer also der Welt Freund sein will, der macht sich zum Feinde Gottes. Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: „Mit eifersüchtiger Liebe verlangt Gott nach der Seele, die er in uns hat Wohnung nehmen lassen? Um so größer ist aber auch die Gnade, die er schenkt. Darum heißt es: „Den Stolzen widersteht -Gott, den Demütigen aber gibt er seine Gnade." Unterwerft euch also Gott. Widersteht dem Teufel, und er wird von euch fliehen. Bringt euch in Gottes Nähe, so wird Gott sich euch nahen. Reinigt eure Hände, ihr Sünder, und macht euer Herz lauter, ihr Menschen mit zwei Seelen! Jammert, trauert und weint! Euer Lachen wandle sich in Weinen, eure Freude in Niedergeschlagenheit. Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen." Jak. 4, 1—11. ■ Zunächst fühlt Jkobus denjenigen den Puls, die im Spital der Wettliebe krank liegen und beschreibt die Symptone u Merkmale dieser Seelenkrankheit. Er redet von Kampf und Streit und gibt den Begierden die Schuld. Und hat er da nicht vollständig Recht? Schon Sallust gibt die Ursache der Kämpfe und Kriege mit folgenden Worten an: „Es ist nur eine einzige und dabei uralte Kriegsursache, die Begierde nach Herrschaft und Geld." Die Religionskriege will ich ausnehmen. Manche von ihnen sind aus Idealismus geführt worden, aus reiner Liebe zur Religion. Die andern Kriege aber sind wohl alle herausgewachsen aus der bittern Wurzel der Herrschsucht und Habsucht.
Und die Streitigkeiten des heutigen öffentlichen und privaten Lebens? Kommen sie nicht aus übertriebener Weltliebe? Handelt es sich fast nicht jedesmal um Geldangelegenheiten und wirtschaftliche, rein irdische Interessen? Um Gehaltsaufbe erun- aen Lohnerhöhungen, Steuerbetreffnisse, Zolle und Abgaben? Und die Kämpfe in den Parlamenten, Rathäusern und Zeitungen, drehen sie sichnicht zumeist um den ©eßlbeutel? Sehen nicht die Kämvfe der Menschen aus wie das Gebaren von Kühen und Ochsen, die. an der Futterkrippe einander stoß-n und treten, um eine möglichst große Portion Futter zu erhaschen? Ist nicht °gar unser Gedet manchmal die verkörperte Weltliebe? Ist