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Kassel, den 5 August M8.
M Nr. 52
für die katholischen Gemeinden
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-pfennig B 45 R.-pfennig (Zustellgebühr exlra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldinark, Coloneizeile im Reklameteil 0,60 Doldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Acliendruckerei in Fulda fein.
Druck und Bering der Fuldaer Lctisndruckerst. Berlagaort Fulda — - -
wochenbalender.
Sonntag, 5. August. 11. Sonntag nach Pfingsten. Maria Schnee.
Montag/ 6. August. Fest der Verklärung Christi.
Dienstag, 7. August. Cajetan, Stifter der Theatiner, 1 1547. Donatus, Mart., f 361.
Mittwoch, 8. August. Curiacus, Largus und Smarag- dus, Mart., t 303.
Donnerstag, 9. August. Vigil des hl. Laurentius. Fir- mus und Rufticus, Mart. Domanus, Mart.
Freäag^lO. August. Laurentius, Erzdiakon, Mart.,
Samstag, 11. August Von der Oktav des hl. Laurentius. Tiburtius und Susanna, Mart.
Zehnter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel: 1. Kor. 12, 2—11.
Brüder! Ihr wißt, daß ihr euch, als ihr noch Heißen wäret, zu den stummen Götzen führen ließet, wie man wollte. Darum mache ich euch kund, daß niemand, der im Geiste Gottes spricht, „Fluch über Jesus" sagt, niemand kann sagen: „Herr Jesus", außer im Hei- Geiste. Cs gibt aber verschiedene Gnadengaben;
« derselbe Geist (von dem sie stammen). Es gibt ^M^ne Aemter; aber es ist derselbe Herr. Es gibt chchièdene Krafterweisungen; aber es ist derselbe Gott, Lr âd in allen wirkt. Jedem aber wird die Offen- Ä des Geistes zum gemeinsamen Rutzen gegeben.
wird durch den Geist verliehen das Wort dem andern das Wort der Wissenschaft ^f^ben Geist, einem andern Glauben in dem- reiste, einem andern die Gabe zu heilen durch m», 1, ^eist, einem andern Wunder zu wirken, einem âeu^^^^kfcheidung der Geister, einem andern man= ^p^chen, einem andern Sprachenauslegung. Dies ied-n ""^.bewirkt ein und derselbe Geist, der einem Zuteil wird, wie er will.
Evangelium: Luk. 18, 9—14.
Zweierlei Weisheit.
er Heiland erzählte einst eine merkwürdige Geschichte. Es war einmal ein Bauersmann mit vielen Besitztümern. Seine Ernte war reich gesegnet. Die Fruchthalle erwies Mop na—T sich Zu klein. Da sprach er bei sich gen sänge ich nur an? Meine Aecker tra- gar niL ° ",^i. Früchte, daß die alte Scheune sie fauae- '^hr fassen kann; ich weiß, was ich an- M ein» « Sitzen will ich die alte Scheuer und niir aè^^d bauen. Darin will ich alles, was beele Inno» aufspeichern und dann zu meiner ®Mr nnf V , Seele! Du hast jetzt sehr viele $ und tri«? Te? ^ahre aufgespeichert; darum sein!" r nnd schmause und laß es dir wohl ^°"â hui^6”- aber sprach zu ihm: „Du Tor!
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dir fordern; und was du zusammengeschachert hast, wem wird das gehören?" —
War denn dieser Bauersmann nicht ein Schlaumeier bester Sorte? Warum wird er trotzdem ein Tor genannt?
Gewiß, er hatte Klugheit und Weisheit; aber nur die irdische, die weltliche, die zu guter Letzt versagt und den Menschen betrügt; es fehlte ihm aber die wahre, die übernatürliche, die himmlische Weisheit.
Von dieser doppelten Weisheit gibt uns der hl. Jakobus im dritten Kapitel seines Briefes folgende Beschreibung:
„Wer von euch ist weisennd verständig? Der zeige in sanftmütiger Weisheit durch guten Wandel, was er leisten kann. Wenn ihr aber Eifersucht und Rechthaberei in eurem Herzen hegt, so rühmt euch nicht lügnerisch entgegen der Wahrheit. Das ist nicht die Weisheit, die von oben kommt, sondern die irdische, sinnliche, teuflische. Denn wo Eifersucht und Rechthaberei regieren, da ist Unordnung und jegliche Verkehrtheit. Die Weisheit, die von oben kommt, ist vor allen Dingen lauter, dann friedfertig, milde, folgsam, dem Guten zugänglich, voll Erbarmen und voller guten Früchte, unparteiisch und ohne Heuchelei. Frucht der Gerechtigkeit erwächst in Frieden denen, die Frieden halten." —
Greifen wir zwei Eigenschaften der Weisheit heraus. Die Weisheit ist lauter und friedfertig.
Lauter bedeutet Freiheit von Eigennutz. Die wahre Weisheit ist selbstlos und hat nur den Vorteil der andern im Auge. Denket an den König Salomon. Nachdem er auf den Thron erhoben war. ist der Herr ihm erschienen und hat ihm erlaubt, zu wünschen, was immer er wolle. Und Salomon sprach: „Gib mir ein weises Herz, daß ich imstande bin, mein Volk in Gerechtigkeit zu regieren und zum Glück zu führen". Dieser Wunjch hat dem Herzen Gottes sehr gefallen und er sprach zu Salomon: „Weil du nicht gebetet hast um Reichtum oder langes Leben oder Herrschaft über deine Feinde, sondern um Weisheit, darum habe ich dir Weisheit gegeben, wie kein Mensch vor der batte und keiner nach dir haben wird; aber arm, die Dinge, um welche du nicht gebeten hast, Reichtum und Herrschaft will ich dir dazugeben.
Das war selbstlose Weisheit. Salomon hatte nur den Vorteil des Staates, den Vorteil des Volkes das Glück seiner Untertanen im Auge. Und j dabei ist er nicht zu kurz gekommen.
■ Die Weisheit der Welk ist anders. „Selber essen mrâ fett", so lautet die Parole der Weltmenschen.
führt diese Selbstjucht vorübergehend zum Ziele aber zuguterletzt ins Verderben. Darum ^m ân heute im Wirtläktsleben alles drunter
und drüber, weil jeder nur seinen eigenen Geld» beutel, seine eigene Bequemlichkeit im Auge hat.
Der Heiland hat, wie ihr wißt, dieser selbstsüchtigen Klugheit den Krieg angesagt. „Sammelt euch nicht Schätze für die Erde, wo sie Rost und Motten verzehren, wo sie Diebe ausgraben und stehlen; sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo sie weder Rost noch Motten verzehren, wo sie weder Diebe ausgraben noch stehlen". Darum sehen wir die wirklich klugen Menschen darauf bedacht, Schätze für den Himmel zu gewinnen durch Mitteilung an die Bedürftigen, durch soziales Verständ- nis, durch Entgegenkommen an die unteren Gesellschaftsschichten. „Machet euch Freunde mittels des manschen herum Die irdische Weisheit ist streitsüchtig, unnachgiebig. Sie geht lieber auf Unrecht aus, als daß sie nachgibt. Sie fädelt eine lange Kette von Prozessen ein, um Recht zu behalten. Anders die Anweisungen des Heilandes, der sagt: „Lieber Unrecht leiden, als Unrecht begehen" und abermals „Liebet eure Feinde". Und wiederum: Sieben mal siebzig Mal sollst du verzeihen." Und wiederum: „Versöhne dich mit deinem Bruder". Und ferner: „Wenn jemand mit dir streiten will wegen des Rockes, so laß ihm auch den Wankel; und wenn jemand dich nötigen will, eine Meile mitzugehen, so geh deren Zwei mit". Du mußt gestehen, würden die Menschen nach solch himmlischen Rezepten handeln, würden sie von der himmlischen und nicht von der irdischen Weisheit sich führen lassen, dann wäre das goldene Zeitalter nicht mehr ferne und wir könnten die unerquickliche Debatte über die „soziale Frage" ein für allemal schließen. Der Burgpfarrer.
Unsere Mutter, die Uirche.
Glücklich der katholische Christ, daß er eine geistige Mutter hat. Kraft Christi Einsetzung strahlt die Hoheit der Mutterwürde von der Stirn unserer Kirche. Das ist ihr Diadem. — Mit wenigen Worten rufe ich euch in Erinnerung, wie die Kirche als Mutter unter uns waltet.
Unsere heilige katholische Kirche ist es, die uns in der heiligen Taufe kraft Christi Einsetzung das übernatürliche Leben verliehen, den Adel der Gotteskindschaft unserer Seele aufgeprägt. Daher stammt ihre Mutter würde. So hoch das übernatürliche Leben über dem natürlichen steht, so hoch steht die Mutterwürde der Kirche über der Mutterwürde unserer leiblichen Eltern.
Und wie har diese geistige Mutter für uns gesorgt! Hat uns gelehrt von Kindheit an nicht irdisches Wissen, sondern die ewigen beglückenden Wahrheiten, die Christus vom Himmel zur Erde getragen hat. Mit Muttersorge hat sie uns zu christlicher Sittsamkeit erzogen, mit Mutterfreude