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Kassel, den 22. Juli (928.

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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 Ä.-pfennig B 45 R.-Pse»nlq (Zustellgebühr extra).

Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzelzenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens Im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerel in Fulda fein.

Druck und Berlag der Fuldaer Actlsndruckerei. Verlagsort Fulda.

Wochenkalender.

Sonntag, 22. Juli. 8. Sonntag nach Pfingsten. Maria Magdalena.

Montag. 23. Juli. Apollinaris Mart., f 81. Liborius, Bischof, Bek., i- 397

Dienstag, 24. Juli. Vigil des Festes des hl. Apostels Jakobus. Christina, Jungfr., Mart., + 303.

Mittwoch, 25. Juli. Jakobus. Apost., t 43. Christophorus, Mart., t 250.

Donnerstag, 26. Juli. Fest der hl. Anna, Mutter der leligsten Jungfrau Maria.

Freitag, 27. Juli. Pantaleon, Mart., t 303.

Samstag, 28. Juli. Notarius und Celsus, Mart., t 68.

Victor I., Papst, f 272.

Echter Sonntag nach Pfingsten.

Epistel: Röm. 8, 1217.

Brüder! Wir sind nicht Schuldner dem Fleische, daß As vach dem Fleische leben. Denn wenn ihr nach dem MWe lebet, werdet ihr sterben; wenn ihr aber durch oen Geist die Werke des Fleisches ertötet, werdet ihr ie= f alle, die sich vom Geiste Gottes treiben las- Kinder Gottes. Ihr habt nicht wieder den Geist 2er .vechtschaft empfangen, um euch zu fürchten, son- 'F habt den Geist der Kindschaft empfangen, in rufen: Abba, Vater! Denn der Heilige Geist r k unserem Geiste Zeugnis, daß wir Kinder Got- m^xNd. Wenn aber Kinder, dann auch Erben, Erben und Mitevben Christi in seiner Herrlichkeit.

Evangelium: Luk. 16, 19.

Eine Um^anöstür.

etze eine Tür des Umstandes

ts verlangen.

eine Tür des Umstands? Weil wir eine Mr bald öffnen, bald ) schließen, je nachdem die Umstände

an den

meine Lippen". So höre ich Psalmisten beten. Warum denn

solche Tür soll auch an unsern Lippen, eiln r 3unge, an unserm Mund sein. »Es scbni-i»^^" ^ reden und es gibt eine Zeit zu ^ ' sleht geschrieben. Richt aufs Geröte­ten k^ n^ Lmme sollen wir reden und schwei- nicht stach Vernunft und Gewissen. Es ist wie 'â^u"ge immerfort klappern zu lassen Äuna» , âhlrad und es ist ebensowenig gut, die ®ne ar 6 ^Mrn Stillschweigen zu verurteilen, steht V», ^J^ ^nne ich, wenn jemand es ner= 3eit' L/ . en 3rit zu reden und zur rechten fordern ^ je nachdem die Umstände es er- gen. "leoen wir zuerst vom richtigen Schwei- d'e^»^»'"^â)weigen der Pflicht. Denke an ^ichtaeVepfl'cht der Priester, besonders das ^ichtgebe 2" den früheren Märtyrern des Uinujes kommen in neuerer Zeit

Priester von Mexiko hinzu. Denke auch an das Amtsgeheimnis der Aerzte und vieler Beamten auf der Post, bei der Regierung und in mancherlei Stellungen. Welch unermeßlichen Schaden kann die Verletzung eines Geheimnisses zur Folge haben. Wer ein solches Geheimnis besitzt, soll es treulich hüten wie ein Kleinod. Nicht bloß aus Liebe zur Pflicht, nicht bloß aus Liebe zum Beruf, sondern auch aus Liebe zur Tugend, aus Liebe zu Gott. Der Mensch, welcher schweigen kann, auf den kann man sich verlassen. Das ist ein Charakter. Sind auch dir aus Freundesmund Geheimnisse anver­traut worden? Hüte sie im Schrein deines Herzens. Sonst verdienst du, eine Klatschbase oder ein Klatschvetter genannt zu werden, aber nicht eine Freundin und noch weniger ein Freund.

Es gibt ein Schweigen der Ehrfurcht. Vorge­setzten und Eltern gegenüber ist es oft am Platz. Warten, bis man gefragt wird und dann in Be­scheidenheit Rede und Antwort stehen; keineswegs aber sich vordrängen und feine Kenntnisse und seine Weisheit vorher auskramen. Solches Schweigen der Ehrfurcht ist am besten am Platze Gott gegen, über. Er ist der Herr der Herren, der König der Könige. Darum gerne schweigen, wenn wir mit Gott verkehren, wenn wir beten, wenn wir eine Betrachtung, eine religiöse Uebung anstellen. Be­sonders schweigen in der Wohnung des Herrn der Heerscharen, im Gotteshaus, in der Kirche. »Der Herr ist in seinem heiligen Tempel; es schweige vor ihm die ganze Erde!" Schweige bei der hl. Messe, bei sonstigen Andachten in der Kirche, beim Empfang der hl. Sakramente. Auch wenn kein Gottesdienst gerade abgehalten wird; wenn wir eine Kirche, in der das heiligste Sakrament aufbe­wahrt ist. betreten, um sie etwa nur anzuschauen, ihren Stil ihre Bilder, ihre Denkmäler *11 besich­tigen. Auch da zieht der Katholik das Schweigen vor. Notwendige Bemerkungen sollen ledentaNs nur mit der nötigen Ehrfurcht und mit leiser Stimme gemacht werden. Vor einiger Feit kniete ich in Turin am Grabe des seligen Kotkolenge, dieses Engels der Kartias. So vertraut dieser Mann auch im Umgang mit Gott genesen 'st, ver­gaß er doch niemals die Ehrfurcht. Wenn Leute ihn im Gotteshause sprechen wollten, bedeutete er ihnen, mehr durch Zeichen als durch Worte sie möchten mit ihm hinausgehen ins T^ie Selbst hochgestellten Personen gegenüber beobachtete er diese Praris. Das Schweigen der Ehrfurcht und der Andacht dehnte er auch nach der heiligen Mesie und nach der hl. Kommunion gewöhnlich Anlange aus Nnmal hatte er damit selbst eine Weltdame etwas beleidigt Sie war in der Frühe gekommen, den Priester zu sprechen und berief sich darauf, einen Auftrag vom König zu haben. Kottolengo l est sich aber in feiner Danksagung nicht stören, nachher die Dame es wagte, sich 31t bes agen, gab der Diener Gottes zur Antwort: »Ich war bei

der göttlichen Majestät in Audienz!" Zur Erhei­terung will ich noch aus dem Leben dieses edlen Priesters Kottolengo eine Anekdote beifügen, die ans Wunderbare grenzt.

Im Hofe des Asyls nämlich wurden von den ehrwürdigen Schwestern einige Gänse unterhalten, die Fett und Federn und schmackhaftes Fleisch für die lieben Kranken liefern sollten. Run geschah es, daß die Tiere auf dem Wege zur Tränke an der Kirche vorbeigehen mutzten. Und wie eben Gänse sind, verübten sie bet ihrem Gänsemarsch mit hoch­gerecktem Hals und offenen Schnäbeln ein ungeheures Geschnatter, so daß die Andacht in der Kirche gestört wurde. Da regnete es nun Klagen auf Klagen bei dem guten Vater Cottolengo. »Je nun," sprach er, »ich werde dem Geflügel ein paar Worte sagen und die Sache in Güte abmachen."

Eines Morgens rief er die Tiere nach der hl. Messe. Mit erhobenem Finger sprach er zu ihnen: »Das Geschnatter, welches ihr hier macht, stört unser Gebet; das ist kein schönes Benehmen; außerdem lauft ihr, wenn ihr zum Wasser geht, bald rechts, bald links, und das ist keine Ordnung. Ich bitte euch, das aufzugeben. Wollt ihr in den Teich gehen, so geht den Weg, welchen ich euch zeige, zwei und zwei, ohne Lärm und ohne Ge­schrei. Ihr werdet euch des Morgens baden, wenn wir in dis Kirche sind; und ebenso abends, wenn wir zum Gebete zusammenkommen."

Während der Mann Gottes also sprach, blickten ihn die Gänse an, als wollten sie sich seine Worte gut merken. Und von dem Tage an konnte das ganze Haus sich überzeugen, daß sich die Gänse genau an ihre Vorschriften hielten. Man versuchte, sie einen anderen Weg gehen zu lassen; aber um­sonst

Mag nun diese Geschichte wahr sein oder erfun­den oder wenigstens ausgeschmückt, eines können wir alle daraus merken; die Zucht des Schweigens im Heiligtum und in dessen Nähe.

Der Burgpfarrer.

Das Husteiten des Weihwassers am Sonntag.

Alle gottesdienstlichen Gebräuche sollen nach Absicht der Kirche dazu dienen, den Geist des Christen zum Himmlischen emporzuheben, ihm die erhabenen Wahrheiten der Religion stets gegen­wärtig zu erhalten, das Herz dafür zu erwärmen, damit so der religiöse Sinn auch ins tägliche Leben übergehe und Früchte echter Gottesfurcht trage Soll aber diele Absicht erreicht werden, so muß man den wahren Sinn und die rechte Bedeutung dieser Gebräuche kennen. Daher hat die Kirche auch vorgeschrieben, daß die Gläubigen öfters über