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Ausgabe B

Kassel, den 8. M 1928.

M Nr. 28.

für die kakholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda sein.

Druck und Verlag der Fuldaer KeHenbructeret Verlagsort Fulda.

wochenkalender.

Sonntag, 8. Juli. 6. Sonntag nach Pfingsten. Kilian,

Bischof, Mart., t 689. Elisabeth, Königin von Par-

tilget, f 1336.

Montag, 9. Juli. Bonifatius.

Dienstag, 10. Juli.

Mittwoch, 11. Juli.

Usbertragung der Gebeine des

Sieben Brüder, Mart., f 150.

Pius 1, Papst, Mart., t 157.

hl.

Reden allerwärts Freud« und Segen, der andere aber durch seine groben, anmaßenden, lügenhaften, verdrehten, verleumderischen, frechen Worte Zwie­spalt, Unfrieden, Verdruß, Feindschaft und blutigen Krieg? --

Frage den Heiland, und er wird dir sagen, daß es beim Gerichte gerade auf die Worte ankommt: Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt und

Donnerstag, 12. Juli. Johannes Gualbertus, Abt, f 1075 Nabor u. Felix, Mart.

Freitag, 13. Juli. Anacletus, Papst, Mart., t 99.

Samstag, 14. Juli Bonaventura, Kirchenlehrer, Bek., t 1274.

sechster Sonntag nach Pfingsten.

Epistel: Röm. 6, 311.

Brüder! Wir alle, die mir auf Christus Jesus getauft Md, sind auf seinen Tod getauft. Denn wir sind mit ihm durch die Taufe in den Tod begraben, bamit, wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den To­ten auferweckt worden ist, also auch mir in einem neuen Men wandeln. Wenn wir nämlich mit ihm zur Aehn- weit seines Todes zusammengewachsen sind, werden wir es auch zur Ähnlichkeit der Auferstehung sein. Denn wir wissen, daß unser alter Mensch gekreuzigt worden ist, aus daß der Leib der Sünde zerstört werde und wir nicht mehr der Sünde dienen. Wer gestorben m (infolge der Sünde), ist gerechtfertigt von der Sünde, «im wir mit Christus gestorben sind, glauben wir, wir auch mit Christus leben werden: wir wissen ja, Christus, der von den Toten auferstanden ist, n'cht mehr stirbt, daß der Tod nicht mehr über ihn herrscht, vènn da er der Sünde gestorben ist, ist er einmal ge- iwrben: und da er lebt, lebt er für Gott. So sollet auch T euch als solche erachten, die der Sünde erstorben sind, ooer für Gott leben in Christus Jesus, unserem Herrn.

Evangelium: Mark. 8, 19.

Schwelle eines wohlgeordneten Klosters getreten sind.

Von der Tatkraft einer schweigsamen Seele er« zählt uns der hl. Ambrosius folgende merkwür­dige Geschichte:

Vom Tyrannen Hipparch wurde eine Athenerin, namens Leäna in ein peinliches Verhör genommen, um Aussagen zu machen über die Verschwörung des Harmodius und Aristogiton, zu denen sie Be­ziehungen hatte. Doch das tapfere Mädchen ver­weigerte jegliche Auskunft. Um aber gegen eine Anwandlung von Schwäche vorzubeugen, biß sich die mutige Athenerin die Spitze der Zunge ab und spie sie dem Tyrannen ins Angesicht.

aus deinen Worten wirst du verurteilt werden."

Unter den guten und unheilvollen Einfluß hat nun der hl. Jakobus im dritten Kapitel seines Briefes eine köstliche Lehre gegeben. Den Anfang derselben wollen wir uns heute tu Gemüte führen.

Wenn jemand in Worten nicht anstößt, so ist

er ein vollkommener Mensch. Er kann den ganzen! Siehe, welche Lehre für uns Christen; ja sogar Körper am Zügel herumführen. Venn wir ben : reiche Beschämung. Leäna war eine Heidin; und Pferden einen Zügel ins Maul legen, damit sie dennoch kam keine Silbe der Anschwärzung über uns zu Willen sind, so beherrschen wir ihren gan- ihre Lippen; du bist ein Christ oder eine Christin, zen Körper So ist es auch mit den Schisien. Wie und öffnest doch bei jedem Anlaß den Mund, um groß sie auch sein mögen und von welch gewaltigen (deine Mitmenschen anzuschwärzen. Nicht einmal Winden sie auch getrieben werden, sie werden ge- unter der Folter ließ Leäne sich bewegen, etwas lenkt von einem winzigen Ruder. So ist auch die Zunge ein kleines Glied, rühmt sich aber großer

"Zeige mir deine Zunge"!

Dinge."

Jakobus bedient sich zweier Vergleiche, um die Bedeutung der Zunge zu veranschaulichen. Zu­nächst das Pferd. Es ist ein gewaltiges Tier, das den Menschen an Gröhe, Kraft und Schnelligkeit übertrifft. Und dennoch; ein Zügel im Maul ge­nügt. um es dem Reiter gefügig zu machen.

Dann das Schiff. Es ist eine schwimmende Stadt und beherbergt hunderte von Menschen an Bord. Das unermeßliche Meer ist sein Element; rasende Stürme peitschen an seinen Bug. Wer vermag es zu meistern9 Wird es nicht in den Wogen untergehen? Werden nicht die Stürme es zerschellen? Doch siehe; oben steht der Sterier- mann und dreht an seinem Rad und dreht rechts und links und lenkt das Schiff nach seinem Wohl­gefallen und leitet es zur gewünschten Landung.

So ist auch die Zunge ein kleines Glied; und doch kommt auf 'einen Gebrauch gar vieles an Worte lenken eine Familie, einen Vsrem, eine Ge-

Belastendes auszusagen: und du stellst ohne olle Not deine Nachbarn, Mitbürger oder sogar Ver­wandte an den Pranger. Leäna biß sich die Zunge ab, um, um sich jede Möglichkeit einer Offenbarung abzuschneiden. Du aber spitzest mit Fleiß Mund und Zunge, um aus Neid oder Klatschsucht deine Mitmenschen zu verkleinern. Lernen wir von einer

enn ich mich zum Arzt begebe, um t mich mit ihm über meinen ®e= lcllteil ..... ........ ; -

sundheitszustand zu beraten, so Feinde, ein Staatswesen zum Gluck und zur Broyl- 1 höre ich gewöhnlich die Weisung: fuhrt; und Wort« stürzen eine Familie, eine Ge- .,Bitte, zeigen Sie Ihre Zunge!" meinschaft, ein Volk, einen Staat ms Verderben, k-e . " Ist es ja eine bekannte Tatsache, Wie schnell ist so ein Wort dem Gehege der

S UrOm Aussehen der Zunge einen berechtig- -Jzhue entflohen, und läßt sich nimmer zuruck- ^chluß auf das Allgemeinbefinden ziehen. rufen und wälzt sich dahin wie eine Lawine unk L-ib?? 66 sich nicht um die Gesundheit des macht Ruinen und Trümmer Darum haben streb- r t^J^ern um die Seele, wenn es sich um - ""-^- ^ '^^r Mube aeaeben,

lenwns- oder Laster, um ein gottgefälliges oder höl- suva nm ^oben handelt, auch dann ist die Wei-

i Platze:Bitte, zeigen Sie mir die Zunge." ausaPaus den Worten eines Menschen,

Schiuk - Aeußerungen und Gesprächen einen bet ein? u ^en Charakter ziehen Stiftet nicht denen u . e vernünftigen, klugen, beschei- ' wayrheitsentsprechenden, liebenswürdigen

Wie schnell ist so ein Wort dem Gehege der

rufen und wälzt sich dahin wie eine Lawine und

fame Menschen sick unendlich viel Mühe gegeben die Zunge durch Schweigen in ihre Herrschaft zu bekommen Der Abi Pampa trug drei Jahre lang beständig einen Stein in seinem Munde, um selbst ^Versuchungen das Stillschweigen nicht zu bre­chen In unserer lauten, unruhigen, mrvosen wortreichen Zeit ist es oft eine wahre Wohltat, ^en Mllen, wortkargen Menschen zu trerfem Welcker Friede umfängt uns, wenn wir über die

Heidin. . ..

Um aber nicht varteiisch zu erscheinen, will Ich noch zwei Beispiele von Christen anführen, die einen guten und segensreichen Gebrauch von der Gabe der Sprache machten.

Um die Wende des 11. Jahrhunderts ging eine gewaltige Empörung durch die Reihen der Chri­sten. Die Türken hatten sich in den Besitz des hl. Landes gesetzt und sich zu Gewalttätigkeiten gegen die Christen in Palästina Hinreißen lassen. Sie sprachen dem Namen Christi öffentlich Hohn. Da rief Papst UCan die Bischöfe und Fürsten zu einer Kirchenversammlung nach Klermont. In gewalti­gen, hinreißenden Worten entflammte er die An­wesenden mit Begeisterung für einen Kreuzzug wi­der den übermütigen Halbmond, daß alle wie aus einem Munde liefen:Gott will es; Gott will es. Das ist ein Beispiel für Vorgesetzte, für Volks­vertreter, für Abgeordnete, aufzustehen und mit Worten des Geistes und der Kraft aufzufordern für einen Kreuzzug gegen den Unglauben und die Sittenlosigkeit von heute.

Ein zweites Beispiel: die hl. Elisabeth oder Jia» bella von Portugal, deren Andenken die Kirche am 9. Juli begeht. Ihr Gemahl, König Dionys, zog gegen seinen eigenen Sohn, den Jnfanten Alfons, in den blutigen Krieg. Schon waren die Schwer- ter gezückt Da eilte seine fromme Gemahlin Jsa- bella in das lanzenstarren.de Lager und mit dem qanz-n Aufgebot ihrer Beredsamkeit, ihres un- wid-rstehlichen Wortes und ihres mütterlichen fier.