I 58. Zahrg. §
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Kassel, den 24, Juni 1928.
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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
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Wochenkalender.
Sonntag, 24. Juni. 4. Sonntag nach Pfingsten. Fest der Geburt des hl. Iohannes des Täufers.
Montag, 25. Juni. Wilhelm, Abt, f 1142.
Dienstag, 26. Juni. Johannes und Paulus, Mart., 's 362.
Mittwoch, 27. Juni. 4. Oktavtag des hl. Iohannes Les Täufers.
Danerstag, 28. Juni. Srenaeus, Bisch., Mart., f 202.
Freitag, 29. Juni. Fest der hl. Apostel Petrus u. Paulus.
Samstag, 30. Juni. S. Pauli Gedächtnis.
Vierter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel: Röm. 8, 18—23.
Brüder! Ich halte dafür, daß die Leiden dieser Zeit »icht zu vergleichen sind mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar wird. Denn die Erwartung der Schöpfung harrt auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Die Schöpfung wurde der Eitelkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern um defsentwillen, der sie unterworfen in der Hoffnung, daß auch das Geschöpf von der Dienstbarkeit der Verderbtheit befreit wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir missen, WB alle Geschöpfe seufzen und in Geburtswehen liegen Mnner noch. Aber nicht allein sie, sondern auch wir, die wir die Erstlinge des Geistes besitzen, auch wir seufzen m uns und warten auf die Kindschaft Gottes und auf ms Erlösung unseres Leibes in Christus Jesus, unsrem Herrn.
Evangel.: Cut 5, 1—11.
Ein Paragraph im königlichen Gebot.
rmut ist mit Verachtung verbunden, sagt ein alter Philosoph. Nach diesem Grundsatz richtet sich im allgemeinen die Welt bis zum
_ heutigen Tage. Ganz anders der
liebe Heiland: die höchste Stelle eJ® er Xu vergeben hat, wem hat er sie gegeben? vrage das heutige Evangelium, und du bist da- N klaren. Von nun an wirst du Menschen- sprach der Herr zu Petrus. Und wer iw« Aw dieser Petrus, der ein Fischer und Hirte v ,. ânschen und Völkern werden sollte? Bis ?ur ein gewöhnlicher Fischer. Und der KM ist ein armer Leute Beruf. Er wirft
$ aus iw den Wassern und verkauft die fr^.I?u ^dem Markt. Vom kärglichen Erlös Und Uscher mit seiner Familie sein Leben, der R™Cn Elchen Vertreter der Armut hat nun wnbb,,^""^?elesen und hochgeachtet und auser-
D erhoben zur höchsten Würde. — ^inihil x ?tum übt auf uns einen so berückenden Arine ®'r immer Mühe haben, Reiche und faj slâ^?, ""parteiisch zu behandeln. Der Geld- Cs brauA^k5 immer einen gewissen Respekt ein.
darum eine ziemliche Portion von Er- zu
leuchtung und Seelenkrast, über die sozialen Unterschiede wegzublicken und die Menschen als solche, ohne nebensächliche Merkmale, zu beurteilen.
Schon der hl. Apostel Jakobus hat deshalb in seinem Briefe gegen die Parteilichkeit eine Warnungstafel aufgerichtet. Hören wir seine wahrhaft zeitgemäße Lehre, die den Anfang des zweiten Kapitels ausmacht.
„Meine Brüder! Zeigt bei eurem Glauben an unfern glorreichen Herrn Jesus Christus keine Parteilichkeit. Wenn in eure Versammlung ein Mann mit goldenem Ring in prächtigem Gewände eintritt, und dann ein Armer in unsauberer Kleidung kommt, und ihr eure Blicke auf den mit prächtigem Gewände richtet und zu ihm sagt: setz dich hierher auf den bequemen Platz! Zu dem Armen aber: Stell dich dahin! Oder: setz dich unten an meinen Fuß-Schemell — Macht ihr da nicht in eurem Inneren einen Unterschied und urteilt nach falschen Grundsätzen?
Hört, meine lieben Brüder: hat Gott nicht die Armen dieser Welt auserwählt zu Reichen im Glauben und zu Erben des Reiches, das er denen verheißen hat, die ihn lieben? Ihr aber habt den Armen mißachtet. Sind es denn nicht die Reichen, die euch vergewaltigen und vor die Gerichte schleppen? Lästern sie nicht den hehren Namen, der über euch angerufen ist und nach dem ihr benannt
tDCtbfcf? —
Wenn ihr dagegen das „königliche Gesetz" erfüllt, das nach der Schrift lautet: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", so tut ihr gut daran. Wenn ihr aber parteiisch seid, so tut ihr Sünde, und das Gesetz erklärt euch für Uebertreter. Denn wenn auch einer sonst in allem das Gesetz befolgt, aber in einem Stück fehlt, so versündigt er sich gegen das ganze. Denn der gesagt hat: du sollst nicht ehebrechen, hat auch geboten, du sollst nicht töten. Wenn du nun zwar nicht die Ehe brichst, wohl aber tötest, übertrittst du das Gese^ Redet also und handelt als solche, die durch das Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen. Denn das Gericht ist ohne Erbarmen gegen den, der keine Barm- herzigkeit übt. Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gesetz."---, _
Achten wir also auf das „königliche Gesetz .Es ist das Gebot der Liebe, das über die übrigen Gebote hervorragt wie ein König und Regent über die Untertanen. Es ist das beherrschende Gesetz, das Haupt- und Grundgebot unserer hl. christlichen Religion: Denn daran werden alle erkennen ob -br meine Jünger seid, wenn ihr einander hebet — Vergessen wir bei diesem wichtigen Gesetz nicht einen bedeutungsvollen Paragraphen: ich meine die Unparteilichkeit, wie sie uns m obiger Mahnung des hl Jakobus ans Herz gelegt wird. Ein Unrecht wäre es die Reichen, die Besitzenden, die Millw- X die Gebildeten, die Aristokraten zu achten und ' bevorzugen, und zwar aus dem Grund, weil sie
eben einer sozial höheren Schicht angehören. Ja- kobus macht darauf aufmerksam, daß zu seiner Zeit sich die Reichen allerhand Uebergrisfe gegen die Christen, die zumeist den untersten Ständen angehörten, erlaubt haben; daß die Reichen die Christen vor Gericht geschleppt haben, also Kulturkampf getrieben haben; endlich daß diese Reichen unter denen wahrscheinlich rabiate Juden zu verstehen sind, den Namen Christi, diesen „guten, herrlichen" Namen gelästert haben. Wäre es nicht Unsinn, eine solche Menschenklasse noch zu bevor» zugen? Ungerecht und lieblos wäre es, die Armen, die Ungebildeten, die einer sozial geringeren Stufe ■ angehören, gerade deshalb zu verachten, weil sie eben zur Armut und zu schwerer Arbeit verurteilt sind.
Sollten wir nicht lieber, sagt der hl. Jakobus, die Armen dieser Welt bevorzugen, wenn es gute Christen sind? Breite über sie den Glanz des Glaubens, und du siehst sie im herrlichsten Lichte erstrahlen. Ist nicht Christus, der Herr, selber uns zulieb arm geworden? Hat er nicht in seinem Leben stets die Armen, die Geringen bevorzugt? Hat er nicht aus ihnen die Apostel erwählt und sie als seine Freunde betrachtet? Ist nicht gerade ihnen der Weg zum Himmel geöffnet? Ist nicht ihnen die erste der Seligpreisungen gewidmet: selig die Armen im Geiste?
Hüten wir uns vor dem großen Unrecht, den Armen mit Geringschätzung oder gar mit Verachtung zu begegnen. Das gerade erfüllt das Herz des Arbeiters, des Proletariers mit solcher Verbitterung, wenn er sich als Menschen zweiter Ordnung betrachtet sieht. Welche Würde haben doch die Armen, sagt der hl. Johannes v. Damaskus: denn sie sind Stellvertreter Gottes; es ist zwar der Arme, der seine bittende Hand ausstreckt; aber Gott selbst, der die Gabe in Empfang nimmt und belohnt. Die Armen sind meine Herren, pflegte Iohannes, der Almosengeber, zu sagen; diese allein können mir helfen beim Gericht. — Den höchsten Triumpf wird die Barmherzigkeit im Urteil und Geben feiern an jenem Tage, wo der Richter zu uns sprechen wird: „Besitzet das Reich, das euch von Grundlegung der Welt an bereitet ist; denn: was ihr dem geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan."
Der Burgpfarrer.
Majestät Gottes.
Wenn heut oder sobald der Himmel heiter ist so schau ganz alleinig in die-Nacht hinaus und an den Himmel. Es glitzern in der Sternennacht ,o viele tausend und tausend Sternlein dort droben, man meint schier, sie müßten einander drucken und stoßen und einander auf die silbernen Fußlein treten vor Menge und Gewimmel. Und doch, wenn eine Schwalbe ohne zu rasten von einem Stern