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Ausgabe B

Kassel, den b. Juni 1928.

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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R.-Psennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzrile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aktiendruckerei in Fulda fein.

Brul und Verlag her Fuldaer Actisndrulerei. Verlags»« Fulda.

wochenKalender.

Sonntag, 17. Juni. 3. Sonntag nach Pfingsten.

Montag, 18. Juni. Ephrem, Diakon, Kirchenlehrer.

Marcus u. Marzellianus, Mart., f 267. Dienstag, 19. nuJi. Juliana Falkouieri, Igfr.., f 1341.

Gervasius u. Protasius, Mart.

Mittwoch, 20. Juni. Silverius, Papst, Mart., t 539.

Donnerstag, 21. Juni. Aloisius von Gonzaga,

Bek., Patron der Jugend, f 1591.

Freitag, 22. Juni. Paulinus, Bischof, Bek., t 431.

Samstag, 23. Juni. Vigil des hl. Johannes des Täu­fers.

Epistel: 1. Petr. 5, 611.

Gsliebteste! Demütigt euch unter die starke Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur Zeit der Heimsuchung. All eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wachsam; euer Widersacher, der Tsu- geht ja umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Ihm widersteht tapfer im Glauben, ohr wisset ja, daß eure Brüder in der Welt dasselbe zu leiden haben. Der Gott aller Gnaden aber, der uns durch Jesus Christus berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit, nachdem wir eine kurze Zeit gelitten haben, er wird uns vervollkommnen, stärken und festigen. Ihm

Ehre und Herrschaft immer und ewig! Amen.

Evangelium: Cut 15, 110.

Warnung vor Selbstbetrug!

snn ein feiner Herr daher käme u. würde dir ein Pferd abkaufen und dir 10 000 Mark dafür ge­ben und äussren und davon- rx ---- reiten und wenn du dann das

Genau besiehst, ist es Inflationsgeld, Papier- n knien roten Pfennig wert. O du armer anüwirt, dann wärest du eben das Opfer eines «erruqes geworden.

aber zu, ob wir nun Landleute oder ober n s'nd' Männer oder Frauen, Priester Hare«» daß wir nicht etwa uns selber zum u.. e** Gaben und einer gefährlichen Selbsttäu- fonhoV1»."1 ^kr fallen und nicht etwa ein Pferd n die Seele und das ewige Heil verlieren. Darum: Warnung vor Selbstbetrug!

sorten- ^?^" auf der Welt allerhand Menschen- tfremn'nr v gedeihen manchmal auch solche mit ni»r' E prangen wie ein Rosenbäumchen du aber w^J^n wohlriechenden Blüten. Wenn dien nfrürf^ ^ und daran riechen oder ein Rös- fpiher "Et- so greifst du in eine Menge wenn nn^"»"' ^ deine Finger bluten. Und so ist da- 9J"KF Hbit die Blüten verfallen sind, gerinne sRrxfllm*en ker und hat nur noch einige Ich mein^ keine eßbare Frucht.

^mm FaTL^ die viel beten, einen ksbieiiit h»; » in der Kirche, bei keinem Got- keiner Andacht fehlen, in drei oder

dem hl. Jakobus in allen Ehren bestehen und be< denke sie mit hohen Lobsprüchen. Soll aber diese Frömmigkeit eine echte, eine gediegene, eine gott­gefällige, eine verdienstliche sein, dann müssen drei Eigenschaften dazukommen: 1. Beherrschung der Zunge. Sparsamkeit, Vorsicht, Zurückhaltung im Reden. Wie man ein Pferd am Zügel führt, io sollen wir es mit dec Zunge machen. Wir sollen sie nicht gehen lassen nach Belieben, sondern oft zurückhalten, oft Schweigen üben und Duldsamkeit. Ueberlafsen wir so manches Urteil dem unbestech­lichen Gerichte Gottes. Suche auch deinen Mitbru­der gern zu entschuldigen.Richtet nicht". sagt der Heiland. Und wiederum:Selig die Barm­herzigen!"

2. Uebe gute Werke, so viel du kannst. Sich der Witwen und Waisen annehmen, heißt Jakobus eine solide Frömmigkeit. Bloße Geldspenden ge­nügen da nicht. Persönliche Dienstleistung ist vor­zuziehen, wo die Möglichkeit vorliegt. Nicht das Gebet, sondern die Liebe ist das Hauptgebot unseres Heilandes Vom heiligen Franz Regis, jenem gewaltigen Missionär, dessen Anden­ken gerade auf den heutigen Tag fällt, lese ich m der Legende folgende schöne Einzelheiten:Als er zu Monpellier auf der Kanzel und im Beichtstuhl sich abmühte, besuchte er in der Zwischenzeit und am Abend die Gefängnisse und Spitäler; um dürf­tigen Kranken ärztliche Hilfe verschaffen zu kön­nen, sammelte er Almosen von Tür zu Tür. Für verkommene Frauenspersonen baute er ein eignes Haus und übergab die Bekehrten der Obhut von Klosterfrauen." . .

Siehe, das nenne ich ein fruchtbares, ein kari­tatives Wirken. Suche nach Kräften Werke dex Liebe zu üben, und du wirst deine Frömmigkeit von allen Schlacken befreien und zu echtem Golde gestalten.

3 Abtötung.Sich unbefleckt bewahren vor der Welt." Das ist etwas Großes. Denn der Schmuß der Welt spritzt uns beinahe ins Gesicht wie der Kot von einem vorübersausenden Auto. Der Modeteufel, der Festtrubel, der Vergnügungs- rummel, die ganz irdische Einstellung davon unberührt bleiben, dabei nicht mitmachen, dagegen in Wort und Tat sich stemmen, das, liebe Freunde, verlangt ein kleines Wunder! Wirket es mit Got- tes Kraft und Gnade. DerBurgpfarrer.

fünf Bruderschaften ausgenommen sind und die Aufnahmescheine oder Bildchen sorgfältig aufbe­wahren, deren Zungen aber spitzig sind wie die Dornen am Rosenstrauch, die mit der Nächstenliebe immer auf dem Kriegsfuß leben, deren Zunge durch das ganze Dorf und durch die ganze Stadt spazieren geht, die an der Nachbarin und am Herrn Kaplan und an der Frau Bürgermeister viel zu kritisieren haben und dabei sich einbilben, alle Frömmigkeit allein gepachtet zu haben und im Christentum an der Spitze zu marschieren. Ist das nicht Selbstbetrug? Ist das nicht ein Zerrbild der Frömmigkeit? Darum: Warnung vor Selbst­betrug!

Oder es ist die Sache mit der Zunge in Ord­nung. Aber die Frömmigkeit treibt weiter keine Früchte. Es ist keine Verbundenheit da mit den: Nebenmenschen, kein Erbarmen mit den Unglück­lichen und Hilfsbedürftigen; oder zwar Mitleid, aber bloß in Gefühlen und schönen Worten, aber nicht in hilfbereiter Tat. So kam einmal eine fromme Frau gerade aus der Kirche, das Gebet­buch in der Hand Da stand ein Mann, dessen Frau eben ins Krankenhaus überführt wurde und der nun niemand hatte für die kleinen Kinder und die Haushaltung. In seinem Unglück sprach er die fromme Frau um Hilfe an. Diese aber sagte trocken: ich habe keine Zeit und ging mit dem Ge­betbuch davon. Sieh. das ist nur halbe Frömmig­keit. Zur Andacht gehört auch die Liebe. Darum nochmals: Warnung vor Selbsttäuschung!

Oder es ist nicht bloß die Andacht und die Zunge, sondern auch die Liebe in Ordnung Aber diese Person ist so ganz ein Weltkind; muß alles mitmachen: jedes Fest, jede Mode, selbst die schlüpf­rigste, die von den Bischöfen ausdrücklich verworfen wurde. Diese Person muh überall dabei sein und kann sich nichts versagen mit den Augen, nichts mit dem Gaumen, nichts mit den Sinnen, nichts im Genießen; ja sie schreckt nicht einmal zurück vor sündhaften Entgleisungen auf dem Gebiet der Sitt­lichkeit. Ist das wahre Frömmigkeit? Nein; denn es gehört dazu nicht bloß Beherrschung der Zunge und Uebung der Liebe, sondern auch das Stiefkind der modernen Frömmigkeit: die Abtötung! Darum zum drittenmal:Warnung vor Selbstbetrug!

Aber, sagst du, ums Himmelswillen, Herr Burgpfarrer was gehört denn alles zu einer voll­kommenen, wahren Frömmigkeit? Darauf mtl' ich die Antwort geben mit den goldenen Worten des bl Apostels Jakobus: -

Wenn jemand meint. er sei fromm, aber seine Zunge nicht zügelt vielmehr sein H e r 3 b e - trüal. so ist keine Frömmigkeit Schein? Kew makellose Frömmigkeit vor Golt und dem Vater ist E sich der Witwen und Waisen anne^men in ihrer Bedrängnis und sich unbefleckt bewahren vor

DasGebet, den Empfang der Sakramente, die Bruderschaften, die Wallfahrten lasse ich also mit

Der Pulsschlag des Herzens Jesu.

Der Sänger des alten Bundes pries einst Sion, die Gottesjtadt, gegründet auf heiligten Bergen, die einzige, der Inbegriff all des Großen, das Jahre in seinem Volke gewirkt hatteAlle meine Quellen sind in dir!" ($f. 86, 7.)

Wie ist das Wort wahr geworden im Neuen Bunde, in Christi Kirche! In ihr fliestendie Quellen des Erlösers" (Js. 12, 3), die Springquel«