Ausgabe B
6t. EWeth-Aw
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R. -Pfennig B 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzetle im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile Im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens Im Besitz der Fuldaer Acliendruckerei in Fulda sein.
Dmt und 8 erlag der Fuldaer Actisndruckerel. Berlagrart Fulda.
Koffel, den P, Juni (928.
Wochenkalender.
Sonntag, 10. Juni. Sonntag in der Fronleichnams- oktav. Margareta, Königin, Ww., f 1095. Kollekte für den Vonifatiusverein.
Montag, 11. Juni. 5. Tag der Oktav von Fronleichnam. Barnabas, Apostel.
Dienstag, 12. Juni. 6. Tag der Oktav von Fronleichnam. Johannes a. St. Facundo, f 1479. Basilides u. Gen., Mart.
Mittwoch, 13. Juni. 7. Tag der Oktav von Fronleich- Mm. Antonius von Padua, Bek.^ f 1231. Felicuta, Jungfr.
Donnerstag, 14. Juni. Oktav von Fronleichnam. Basilius d. Gr., Kirchenlehrer, t 379.
Freitag, 15. Juni. Fest des hl. Herzens Jesu.
Eanistag, 16. Juni. Marien-Samstag.
Fronleichnamsfest. Epistel: 1. Kor. 11, 23—29.
Brüder! Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe, daß der Herr Jesus in der Nacht, in der er verraten wurde, das Brot nahm und dankte, es brach und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird; dies tut zu meinem Andenken. Desgleichen nahm er nach dem Mchle auch den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der lteue Bund in meinem Blute. Tut dieses, so ost ihr wnkt, zu meinem Andenken! Denn so oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, verkündet ihr den , ^d des Herrn, bis er kommt. Wer nun unwürdig die-
Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig des Leibes und Blutes des Herrn. Der Mensch aber prüfe sich selbst und esse so von diesem Brote und mnke aus diesem Kelche. Denn wer unwürdig ißt und der ißt und trinkt sich das Gericht, inbem er den
des Herrn nicht Unterscheidet.
Zweiler Sonntag n. Pfingsten. Epist. 1. Joh. 3, 13—18 , -G^Meste! Wundert euch nicht, wenn die Welt euch
Wir wissen, daß wir vom Tod ins Leben versetzt weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, ’m Tode. Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein äschenmörder, und ihr wißt, daß kein Menichcn- hl)1, r ewiges Leben bleibend in sich hat. Daran ha- h J ^ir we Liebe erkannt, daß er sein Leben für uns hund auch wir sollen für die Brüder das Leben ^ngeben. Wer die Güter dieser Welt hat, und doch, er seinen Bruder notleiden sieht, sein Herz vor wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? K ^slâm, laßt uns nicht lieben mit Worten und °er Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.
Ein^piegel der Vollkommenheit.
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A reue dich, Fulda, altehrwürdige, ruhmgekrönte Bischofsstadt: du besitzest einen Schatz, um oen dich viele beneiden. In der treuen Hut deines doppelbetürmten Domes
< ^'nes ooppekbeturmten Zornes öcnriri, u‘= m'fffnnim„nflpit Stackel des Seelen-
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lands in aller Munde ist, dessen Fest in allen Diözesen mit Glans begangen wird, dessen Name zur Losung geworden ist für die Erweckung und den Fortschritt der katholischen Bewegung in den Gegenden der „Diaspora". Freue dich, Stadt des hl Bonifatius, die du mit frommem Eifer auch die Kleider jenes Elaubenshelden hütest, die er in seinem Leben getragen, und den Dolch, der seinen Lebensfaden zerschnitten hat. Und noch einen Schatz bewahrt Hessen-Thüringens Hauptstadt, b'e Bibel und das Evangelium, jene Bücher, die dem erfolgreichen Glaubensprediger zur Quelle der Offenbarung, des Apostolates und der Heiligung geworden sind.
Diese Bibel des hl. Bonifatius soll heute den ^Gegenstand unserer Aufmerksamkeit bilden.
Welche Bedeutung dieses heilige Buch für Deutschlands großen Glaubensboten hatte, das deutet der hl. Jakobus an in seinem Brief an folgender Stelle:
„Legt ab allen Schmutz und allen Hebertest der Schlechtigkeit und nehmt mit Sanftmut das eingepflanzte Wort auf, das eure Seele retten kann. And seid Befolget des Wortes, nicht bloß Hörer, indem ihr euch selbst betrügen würdet. Denn, wenn jemand Hörer des Wortes ist und nicht auch Besolger, der gleicht einem Manne, der sein Aussehen im Spiegel betrachtet und sogleich wieder vergißt, wie er aus- gesehen hat. Wer aber hineinschauk in das vollkommene Gesetz der Freiheit und dabei bleibt, wer nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern auch ein Vollbringer des Wortes ist, der wird selig werden in seinem Tun." (Jak. 1,21-25).
Diese herrliche Anweisung des hl. Jakobus war für unsern Helden Richtschnur und Inhalt seines ganzen Lebens, wurde ihm Glück und Lohn für Zeit und Ewigkeit. Jakobus versteht nämlich unter dem „Work", das der Mensch aufnehmen soll, das Wort Gottes. wie es rein und lauter wie Gold in der ganzen hl. Schrift und im Evangelium insbesondere fließt und glänzt. Bonifatius, mit herrlichen Talenten ausgestattet, war ein „Bibelforscher" in des Wortes ursprünglicher Deutung, eine Biene, die von Jugend auf täglich und emsig sich versenkte in den Text und in den Geist der hl. Schrift. Darum sind ihm die guten Gedanken niemals ausgegangen, darum konnte er ein Licht des Glaubens werden, darum konnte er Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, Fürsten und Gelehrten Führer und Ratgeber sein. Indessen war Bonifatius weit entfernt, bloß ein „Forscher ein Theo- -etiker zu fein in den Bibelwissenschaften. Er war kein bloßer Leser und „Hörer", sondern ein Täter" ein Praktiker. dem die Lehren der hl Schrift die Lehren und Beispiele des Meisters
er hatte nicht nötig, erst die Bosheit und die Ueberreste der Schlechtigkeit aus seinem Herzen wegzuschaffen, wie Jakobus vorschreibt. . Der Apostel hatte nämlich in erster Linie Iudenchristen im Auge, die voll Stolz und Selbstgerechtigkeit gewesen sind. Bonifatius aber hatte das Christentum mit der Muttermilch eingesogen und hatte sein edles Herz von frühester Jugend an Gott geweiht. Darum hat bei ihm das Samenkorn des göttlichen Wortes, ganz nach der Lehre des Meisters, sechzig, ja sogar hundertfältige Frucht getragen. Das Wort Gottes, die Bibel ist ihm ein Spiegel der Vollkommenheit geworden.
Was er gelesen, das hat er nicht vergessen und hat nicht alles beim alten gelassen; nein, er hat es überlegt und betrachtet und anqeivandt. Nenne ich Beispiele. Der Heiland spricht: „Wer nicht allem entsagt, der kann mein Jünger nicht sein." Bonifatius lieft es. Ist er zufrieden? Ruht er aus in der Kenntnis dieser Schriftstelle? Nein; er geht über zur „Befolgung". Er verläßt Vater und Mutter und Heimat und Freunde und Verwandte und Elternhaus und geht ins Kloster, um in Vollkommenheit, ohne irdische Bande, Gott allein zu dienen.
Er liest die Worte: „Gehet hin und lehret alle Völker". Ist er nicht zufrieden, diesen Auftrag zu wissen? Nein. Er geht daran, ihn auch seinerseits zu erfüllen. Er verläßt den stillen Frieden seines Klosters, die beschauliche Ruhe, die süße Beschäftigung mit der Wissenschaft und zieht übers Meer zu Heiden und Barbaren und predigt ihnen das Evangelium.
Er lieft die Worte des Herrn an Petrus: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe". Genügt ihm diese Lesung? Nein. Ex erkennt im Nachfolger des hl. Petrus das Oberhaupt aller Lämmer und Schafe, der Herde und der Hirten. Er bringt es nicht über sich, auf eigene Faust bin Mission zu betreiben. Einmal, zweimal, dreimal geht er nach Rom, wirft sich dem hl. Vater zu Füßen, bittet um seinen Segen, empfängt und befolgt seine Weisungen.
• Er lieft die Worte: „Der gute Hirt gibt sein Leben für seine Schafe". Genügt ihm diese Lesung?
Nein. Mit 79 Jahren macht er sich noch auf den Weg nach Friesland, wo die Religion in Gefahr steht, empfängt aus der Hand der Empörer den Dolchstoß und wird ein Märtyrer. — Heil dir. großer Glaubensbote, dem das Buch der Bucher zur Quelle der Vollkommenheit, zur Türe der Missionstätigkeit, zum Schlüssel des Himmels geworden ist. —
Folgen wir ihm nach! Viel ist schon über die Vorzüge der Bibel geschrieben und gesprochen worden. Hast du denn eine Bibel? Liesest du dann: Betolast du ihre Lehren? Dann wird sie auch für dich ein Spiegel der Vollkommenheit, eine Quelle der Verdienste. Ick will dir heute nur ein ein-