Religiöses Wochenblatt
Ausgabe B.
L ElWeth-Mt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr extra).
Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile tm Rèkiameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofs.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda fein.
9mit und Verlag der Fuldaer Actieudrulkerei. Berlagaart gulda. -
wochsnkalendsr.
L-nnllag, 13 Mai. 5. Sonntag nach Ostern Vitt sonntag.
Montag, 14. Mai. Erster Dittag. Bonifatius, Mart. 1 307.
Dienstag, 15 Mai. Johannes Baptist de la Salle, Stifter der Schulbrüder, t 1719. Zweiter B! ttag.
Miiiwoch, 16. Mai. Johannes Nepomuk, Mart., t 1393. Dritter Bittag. Ubaldus, Bischof tll 60 Vigil des Festes Mariä Himmelfahrt.
Donnerstag, 17. Mai. F s st Christi H - m m j l = fah r t.
Freitag, 18. Mai. Benantius, Mart.
kamstag. 19. Mai. Petrus Coelestinus, Papst, t 1296 Pudentiana, Jgfr., t 159.
Züuffer Sonntag nach Ostern.
Epistel: Jak. 1, 22—27.
Geliebteste' Seid Vollbringer des Wortes und nicht bloß Hörer, sonst betrügt ihr euch selbst. Denn wenn temand ein Hörer und kem Vollbringer des Wortes ist. ber gleicht einem Manne, der 'ein natürliches Angesicht ™ Spiegel beschaut: er betrachtet es, geht kort und ver- E sogleich, wie er aussah: wer aber eitrig geschaut hat in das vollkommene Gesetz der Freiheit und dabei beharrt und kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Voll' Finger des Werkes ist, der wird durch sein Tun selig werben.. Wenn jemand glaubt, gottesfürchtig zu sein, aber seine Zunge nicht im Zaume hält, sondern fein täuscht, dessen Religion ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist bie- w: Waisen und Witwen in ihrer Trübsal zu Hilfe form und sich unbefleckt bewahren von dieser Welt.
Evangelium: Joh. 16, 2.5—30.
Eine Kunst, in der man nicht auslernt.
or einigen Wochen ging ich an einem schönen Vorkrühlingstag durch die Reben einer bekannten Weingegend. Da traf ich einen Rebmann, der sich mit der Pstege tèn „ , ,~w seines Weinberg allerhand Arbsi- G»i„$$ ließ mich mit demselben in ein u^ vernahm, daß er im Verlauf der uw^ ^°ld dieses, bald jenes Mittel probiert habe. fe\ Weinstock eine immer größere Fruchtbar- ikinsn m^^"Eabilität zu entlocken. Und er beschloß nK ^ ^t^ "E'n Rebmann beste Gk^r^ ,eine andere Kunst, in der auch der hotiaer th "^^als auslernt. Eine Kunst, die viel Kunst hJ m L ?'e Kultur der Rebe. Das ist die Kunst --in»« ^^' Wenn der Rebmann in seiner ber Weinll^e wacht, was liegt daran, wenn tert? deshalb einige Trauben weniger lie- un aber, dein Gebet minderwertig und
fehlerhaft ist, so ist der Nachteil weit schlimmer und reicht hinüber bis in jenes Leben, das kein Ende nimmt
Nun finde ich im Brief des hl. Jakobus, und zwar gleich zu Beginn des ersten Kapitels eine köstliche Anweisung zur Ausübung der genannten Kunst. Heute am Sonntag „Rogate", am Bittsonntag, ist ja der geeignete Termin, uns über das Gebet zu unterhalten und in dieser Kunst uns weiter auszubilden. Hören wir also die Worte des hl. Apostels Jakobus:
„Wenn es einem aus Euch an Weisheit gebricht, so bitte er Gott, der allen einfach gibt ohne ein hartes Wort. Nur bitte er mit Glauben, ohne zu zweifeln. Denn wer zweifelt, gleicht einer Meersswoge, die vom Winde getrieben und hin und her geworfen wird. Ein solcher Mensch bilde sich nicht ein, etwas vom Herrn zu erlangen, — der Mann mit zwei Seelen, unbeständig auf all seinen Wegen. —
Zunächst nennt uns der hl. Jakobus den wichtigsten Gegenstand des Gebetes: die Weisheit. So lesen wir von Salomon, daß er beim Antritt der Regierung gebetet hat. Und der Herr hatte Wohlgefallen an dieser Bitte und sprach: „Wenn Du um Weisheit gebetet hast und nicht um Reichtum oder um langes Leben oder um den Untergang Deiner Feinde, so habe ich Dir Weisheit verliehen in einem Maße, wie sie keinem Menschen vor Dir zuteil geworden ist; aber auch die Dinge, um welche Du nicht gebetet hast, will ich Dir schenken."
Ja, Weisheit ist uns allen im höchsten Grad notwendig, die praktische Lebensweisheit, die richtige Auffassung vom Leben; die Ueberzeugung, daß die höchste Lebenskunst darin besteht, dieses kurze, vergängliche Leben, das einem Traum gleicht, das wie ein Luftschiff vorübersaust, so anzuwenden, daß es zu einer Quelle und Wurzel eines andern, be*= seren und ewigen Lebens wird. Diese Weisheit ist der christliche Glaube, ist wahre, gediegene Got- tesfurcht, ist treue Pflichterfüllung, ist die richtige Einschätzung der Leiden und Prüfungen, die nichts anderes sind als Sprossen an der Himmelsleiter, ist Geduld und Standhaftigkeit in allen Widerwärtigkeiten dieser kurzen Verbannung.
Was sollen wir nun tun, um diese himmlische Weisheit zu erlangen? Wir sollen sie als kostbares Geschenk von Gott erbitten etwa mit den Worten:
„Gib mir, o Herr, die Weisheit, die an Deinem Throne steht, damit sie mit mir sei und mit mir arbeite, damit ich weiß, wie ich leben muß, um Dir zu gefallen und mein Heil zu wirken."
Und was wird Gott tun? „Er gibt allen ein- fad) und ohne ein hartes Wort". Ganz anders oft bie menschlichen Geber und die menschlichen Scken- ker Oder haben wir es mcht manchmal im Brauch, die Bittsteller au beschämen oder gar zu beschimv-
fèn? Hört man da nicht Worte folgenden Inhalts: „Kommst Du wieder, Du Plaggeist? Ihr seid aufdringliche Leute, die mit nichts zufrieden sind; Ihr solltet lieber arbeiten als betteln."
Und später halten wir den Menschen die Wohltaten, die wir ihnen vor drei oder fünf Jahren erwiesen, wieder vor und sprechen: „Ist das der Dank dafür, daß ich Dir vor drei Jahren aus der Patsche geholfen habe?" — Ganz anders der himmliche Geber — er gibt „einfach", aus Freude am Geben, aus Liebe zu uns armen Menschen; er rückt uns die Wohltat nicht vor Augen und legt uns damit keine Schlinge.
Jakobus macht uns dann auf einen Umstand des Gebetes aufmerksam, der den Ausschlag gibt: das Vertrauen. „Nur bitte er mit Vertrauen"« Du weißt, daß unser Heiland feine Hilfe vom Vertrauen abhängig gemacht hat. Zu den Blinden hat er gesagt: „Glaubt Ihr, daß ich Euch das Gesicht geben kann?" Und als sie freudig sprachen: „Herr, wir glauben", da hat er ihnen die Augen geöffnet. Zum Vater jenes unglücklichen Knaben, der, vom Teufel besessen, bald ins Wasser, bald ins Feuer fiel, hat er gesagt: „Kannst Du glauben?" und auf die bejahende Antwort hat der Herr den Knaben befreit. Zu allen Apostel aber sprach er die bekannten Worte: „Wenn Ihr Glauben habt nur so groß wie ein Senfkorn und Ihr sagt zu diesem Berge: Hebe Dich weg von da, so wird es geschehen und nichts wird demjenigen unmöglich sein, welcher glaubt" Der Wurm des Glaubens ist der Zweifel, das Mißtrauen. Ein saldier Beter hat „eine doppelte Seele", eine gläubige und eine ungläubige. Bald denkt er: ich werde erhört; bald aber wird dieser Gedanke wieder verschlungen von dem andern: Ach was, ich werde doch nicht erhört; was nützt denn alles Beten? Und so bringen wir uns törichter Weise um den Erfolg des Gebetes Das Vertrauen ist der Schlüße! des Erfolges. Das Vertrauen ist das Maß der göttlichen Gaben. Als Bramante den Plan zur Peterskirche dem Papst überbrachte, hatte er daran großes Gefallen. Um dem Künstler eine Freud? zu machen, sprach der Hl. Vater zu dessen Söhnlein: „Bub, da greife in diese Eoldbörse hinein und nimm daraus, so viel Du fassen kannst." Der Kleine schaute den Hl. Vater pfiffig an und sprach: „Heiliger Vater, greif Du hinein, Du hast eine größere Hand!
Wohlan, liebe Christen; die Bittwoche hat ihre Tore geöffnet: schreite hinein in diese Woche mit Beten und Bitten. Bitte um die Fruchtbarkeit der Felder, bitte noch mehr um die Weisheit, um die Fruchtbarkeit der Seele, um Eifer in der Tugend, um Eiker in guten Werken. Vervollkommnen mm uns alle wieder in der großen, einträglichen Kunst des Gebetes. Die Frucht des guten Gebetes ist das glückliche, das heilige, das ewige Leben. „Wer rech» zu beten weiß, der weiß auch recht zu leben.
Der Buravfarrer.