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Ausgabe B
Nr. 18.
Kassel, den 29. April 1928.
58. Iahrg
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-P seimig B 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Teb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
Oral und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei Deriagsort Fulda.
Wochenlialender.
Sonntag, 29. April. 3. Sonntag nach Ostern. Petrus, Mart., t 1252. Ged. der Oktav des S ch u tz f e st s s des hl. Joie pH.
Montag, 30. April. Katharina von Siena, Igfr.. t 1380.
Dienstag, 1. Mai. Philippus und Jakobus, Apostel, Beginn der Maiandachten.
Mittwoch, 2. Mai. Oktav des Festes des hl. JosspH. Athanasius, Kirchenlehrer, 4 373.
Donnerstag, 3. Mai. Auffindung des hl. Kreuzes. Alexander I., Papst, Mart.
Freitag, 4. Mai. Monika, Wwe., Mutter des hl. Augustinus, 4 387.
herz Iefu-Freitag. Godehard, Bischof von Hildesheim, Bek.
Dinstag, 5. Mai. Pius V, Papst, Bek., 4 1572.
Dritter Sonntag nach Ostern.
Epistel: 1. Petr. 2 .11—19.
Geliebteste! Ich mahne euch als Fremdlinge und vilger, enthaltet euch der fleischlichen Lüste. die wider die Seele streiten. Führet einen guten Wandel unter den Heiden, damit die, welche Schlimmes von euch reden, ms wäret ihr Uebeltäter eure guten Werke sehen und dann Gott preisen am Tage der Heimsuchung. Seid daher untertan jeder menschlichen Ordnung um Gottes willen, sei es dem Könige als dem Oberherrn, iei es
Statthaltern als 'olchen, die von ihm abgeordnet und zur Bestrafung der Uebeltäter und zur Betonung der Guten. Denn ost ist es der Wille Gottes, daß hr durch ^Gutestun die Unwissenheit törichter Menschen Mm schweigen bringet, als freie und nicht ass solche, ßie die Freiheit zum Deckmantel ihrer Bosheit m.y- vrauchen, sondern als Knechte Gottes. Ghret alle, E alle Brüder, fürchtet Gott, ehrst den König! Ihr r seid in aller Ehrfurcht den Herren untenan. a‘*cm den gütigen und sanften, sondern auch den Summen; denn das ist wohlgefällig in Christus Jesus, unserem Herrn.
Evangelium: Joh. 16. 16—22.
Eine -ornenreiche Rose.
oie Oster zeit ist eine Freudenzeit. Schau hinein in die Liturgie des heutigen Sonntages, des dritten nach Ostern, ob da nicht alles blüht von eitel Freude und Wonne wttrbo. . , ' wie eine gesegnete Landschaft, auf und ^?""!^â von Apfelbäumen ihre weißen Nur wi!^m ^-uten im Sonnenlichte baden Lies Koitus“, â'snierksamkeit folgende Gebete des „3n- 8farmU^^f ^Et, die ganze Erde; Alleluia! einen Thr° c.^t seinem Namen; Alleluia! Gebet Da "” L^b; Alleluia, Alleluia. Alleluia!" Dölklein von Jn ^^ «anöen Ostcrzeit kein hen himmo? Versuchung, Krankheit und Drangsal wäre °er Freude trüben! Nicht wahr, das ^eudsn^i^^^wwfcht; eine lösche leidensarme, ^ett könnte man sich gefallen lassen
nicht bloß bis Pfingsten, nein auch bis zum nächsten Osterfest und darüber hinaus.---
Aber lausche nun einmal den Worten des Heilandes im heutigen Evangelium. Da tönt schon eine anders Schalmei. „Wahrlich, wahrlich", spricht der Herr zu den Jüngern und durch sie auch zu uns, „ihr werdet weinen und wehklagen. . .“
Immer wachsen eben wieder D-ornen an den Rosen der Freude. Aber auch diese Dornen sollen nach dem Willen Gottes zu Rosen erblühen. Darum setzt der Herland den vorigen Worten noch folgende hinzu:
„Eure Traurigkeit wird In Freude verwandelt werden " — Durch diesen Schluß hat der Herland die Dissonanz wieder aufgelöst und durch einen Akkord der reinsten Freude ersetzt. Die Traurigkeit, die durch Versuchungen und Trübsale hervorgerufen wird, soll nur ein Durchgangsstadium sein. Die Endstation aber ist Freude, ewige, unermeßliche Freude. Aber auch während der Zeit, in der wir dieses Durchgangsstadium durchlaufen, sollen unsre Leiden keine eigentlichen Leiden sein, sondern Freuden; keine Dornen, sondern Rosen. —
Darüber vernimm die Lehre des hl. Apostels Jakobus, die wie eine Musik aus einer andern Welt klingt:
„Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihn in mancherlei Prüfungen geratet: wisset, daß die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt; und die Geduld hat ein vollkommenes Merk; so werdet ihr vollkommen, ohne Tadel und ohne Fehler." —
Um diese Worte zu erläutern, will ich zunächst eine Geschichte erzählen. Auf den heutigen Sonntag fällt das Andenken des hl. Märtyrers Petrus von Mailand. Gerade auf diesen Tag vor einem Jahr stand ich an seinem Grab in der Hauptstadt der Lombardei. Es war schon bald Zeit, am Bahnhof in den Zug einzusteigen: aber ich wollte um jeden Preis noch das Grab des hl. Petrus besuchen. Kurz entschlossen nahm ich ein Auto und ließ mich durch die „volkbelebten Gassen" zur Kirche S Eustorgio fahren. Ich trat ein. Was ist dort vorn am Altar für ein Gedräng? Fast erdrückt ist der Altar von der Fülle der Blumen und von der Armee strahlender Kerzen. Ein Bischof, vom Volk umringt, bringt das hl. Meßopfer dar Männer und Frauen gehen um den Altar herum, berühren mit der Hand den kalten Marmorstein und machen das Kreuz. Am 6 April 1252 wurde dieser Held des Glaubens, Missionär aus dem Dominikanerorden. von seinen Feinden vor den Toren der Stadt Mailand grausam ermordet. War nun sein Leben nur mit den Lorbeeren der Anerkennung und Bewunderung angefüllt? Nein; es fehlten auch nicht die Dornen, die aber zu Jwfen erblühten. Der Heilige wurde öfter mit Gunstbezeigungen des Himmels beglückt und empfing in seiner armen Zelle Besuche von Engeln und Hei
ligen. Vom Neid aufgestachelt, lauschte einst ein Mitbruder an der Türe und sah durch einen Spalt Männer und Frauen in der Zelle. Sofort machte er dem Obern Anzeige, Petrus habe im Widerspruch zur Regel Besuche weiblicher Personen eni» gegengenommen. Die Demut verbot es unserm Petrus, seine himmlischen Beziehungen an die große Glocke zu hängen. Er verzichtete auf die Rechtfertigung und schwieg. Dieses Schweigen wurde als Schuld ausgelegt. Petrus wurde seiner Aemter entsetzt und das Predigen wurde ihm verboten. Demütig fügte sich der Ordensmann der schweren, unverdienten Strafe. Doch nach einiger Zeit beschlich ihn die Kleinmtu, er warf sich vor einem Kruzifix in der Kirche nieder und sprach:
„Ach, mein Heiland, weißt du denn nicht. daß ich schuldlos bin? Muß ich denn für die Gnadenbezeigungen, deren ich gewürdigt wurde, wie ein Verbrecher büßen? Willst du denn nicht reden und wenigstens nach so langer Zeit meine Verteidigung übernehmen?"
Und nun vernahm er, wie die Legende erzählt vom Bilde herab deutlich die Worte:
„Und was habe denn ich verschuldet, Petrus, daß man mich an dieses Kreuz schlug? Lerne von mir Geduld in deinen Leiden, welche mit den meinigen nicht zu vergleichen sind."
Diese Rede beschämte den Heiligen, erfüllte ihn aber zugleich mit Trost, und er verlangte von jetzt an. noch mehr zu leiden. Aber der Herr beendigte jetzt in feiner unermeßlichen Güte die harte Prüfung und offenbarte die Unschuld des Verkannten. Petrus wurde in seine Aemter wieder eingesetzt und ließ die Kirchen Italiens widerhallen von der Macht seines Wortes.---
Nun zurück zum hl. Jakobus. „Haltes es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Prüfungen geratet". Petrus geriet in eine Prüfung, eine Verleumdung, eine' Zurücksetzung, eine Entehrung, Aber diese Prüfung wurde ihm zur Freude, nach* dem er sie bestanden. Sie hat ihm zum Glücke ausgeschlagen. Vielleicht wäre er ohne solche Prüfung dem Hochmutsteufel zur Beute geworden und hätte alle seine Verdienste verloren So aber blieb er infolge der Prüfung und Schmach auf dein Wege der Demut, fand Anerkennung und Him- melslohn.
Auch uns können „Prüfungen" nicht erspart werden Wo sollen wir sonst die Tugenden und Verdienste hernehmen? Höre den hl. Augustinus: „Unser Leben kann auf dieser Pilgerfahrt nicht ohne Prüfung sein; denn von der Prüfung härmt unser Fortschritt ab; niemand kennt sich, der nicht geprüft und versucht wurde; niemand t^nn gekrönt werden, der nicht gesiegt hat; niemand rahn fieaen, der nicht gekämpft hat; niemand kann kämpfen, der n'cht einen Feind hat". — Gewinne also jiuch du deinen Prüfungen und Leiden diese gute Seite ab und sie werden zu köstlichen Rosen erblühen.
Der Burgvfarrer.