Religiöses Wochsublail
Nr. 16.
Kassel, den 15 aprii 1928.
38. )ahrg.
Ausgabe B
ür die katholischen Gemeinden Kassels.
eben Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr extra), gschluß Montag. Anzeigen-Pretse: Colonelzsile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im H 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Osi.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetisndruckerei in Fulda sein.
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Wochenkalender.
Sonnlag, 15. April. Weißer Sonntag.
Montag, 16. April. Vom Tage.
Dienstag, 17. April. Anicetus, Papst, Mart., t 167.
Mittwoch, 18. April. Vom Tage.
Donnerstag, 19. April. Vom Tage.
Freitag, 20. April. Vom Tage.
Samstag, 21. April. Anselmus, Kirchenlehrer, t 1159.
Weißer Sonntag.
Epistel: 1. Joh. 5, 4—10.
Beliebteste! Alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt, und das ist der Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube. -Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, welcher glaubt, daß Jesus der Sohn Gottes ist? Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist, Jesus Christus, nicht durch Wasser allein, sondern durch Wasser und Blut: und der Geist bezeugt, daß Christus die Wahrheit ist. Denn drei Md, die Zeugnis geben im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins. Wenn wir der Menschen Zeugnis annehmen, so ist das Zeugnis Gottes größer. Dies aber ist das Zeugnis Gottes, das größer ist, daß er von seinem Söhne Zeugnis gegeben hat. Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat Gottes Zeugnis in sich.
„3n Brots« und wsmgestallen."
och steht in meinem Gedächtnis jener weiße Sonntag vor zwanzig Jahren. Etwa fünfzehn Kinder- Herzen schlugen in Liebe ihrem Heiland entgegen. Jetzt treten sie paarweise herein in den Chor- der
sesannuckten Kirche; Mit Kleidern wie ein blühender Kirschbaum, mit Seelen gleich den Engeln. Die Gemeinde steht auf dem Gipfelpunkt der Erwar- wie wenn beim Theaterspiel der Vorhang h» X- Mit heiligem Ungestüm eilen die Seelen <5 Kinder den langsamen Schritten voraus. „Jesu, komm zu mir". Jetzt ist ein Paar am Altar "gelangt. Dort stehe ich, das schneeweiße Him- melsbrot in der Hand. Da sehe ich ein Mädchen, jJ,®3 r , paradiesisch reinen Kinderaugen zur erhebt und eine Kniebeugung macht, iinfn, c? dis in den Abgrund der Erde ver- AnM»' ^™ war ein Glaube, eine Demut, eine bK q.u"6- wie sie ausgedrückt sind in den Worten
â Stofs- und Weingestalten
Jesu Fleisch und Blut, â Sakrament enthalten Das höchste Seelengut."
Frage on^k aber in den Tiefen der Seele die scheu- imhG- ?Ium hat denn jener göttliche Men- Sßeit ein« r^^ sich unter uns verborgen?
' l'chtbare, sinnenfällige Gegenwart uns
das Verdienst des Glaubens rauben und die Vereinigung mit dem Heiland zur Unmöglichkeit ma= chen würde. Das war ja auch der Grund, weshalb er bei feiner Geburt in die Gestalt eines kleinen Kindes sich hüllen wollte. Selbst die armen, schüchternen Hirten haben sich da ein Herz gefaßt, sind nahe zum Gotteskind hingetreten, haben es auf ihre Arme genommen, ans Herz gedrückt und geküßt. Und weshalb hat der Heiland gerade die Gestalten von Brot und Wein gewählt, um darin s ine Gegenwart aufzuschlagen? Warum nicht in Gestalt einer Wolke, eines Dornbusches, einer Feuersäule wie einst im alten Bunde? Um anzudeuten, daß er unsere Seelenspeise, unsere Kraft, unser Trost und unsere Freude sein will. O heilige Gaben von Brot und Wein, welche die Erde hervorbringt, um sie durch die Vermittlung des Priesters mit der Gegenwart des Schöpfers und Erlösers zu erfüllen. O gesegneter Stand der Land- leute, die den Weizen säen, schneiden, dreschen und mahlen, die den Weinstock pflanzen, die köstlichen Trauben »schneiden und keltern. Ehre dem Landwirt, der sozusagen die Rohstoffe liefert für den Altar, für das hl. Opfer, für die hl. Kommunion. Landwirt und Priester müssen Hand in Hand arbeiten und geborene Freunde sein und bleiben. Ihr Landwirte und Winzer, erfüllet stets eure schwere Arbeit mit dem Gehalt so großer Gedanken. Entehret sie nie durch Mißmut, Verärgerung und Fluchen. Haltet euch stets in Berührung mit den großen Gedanken unserer hl. katholischen Religion.
Fürsten und Regenten haben es sich schon zur Ehre angerechnet, zur Bedienung der hl. Eucharistie etwas beizutragen. So baute der hl. Wenzel, König von Böhmen, mit eigener Hand den Weizen, von dem das Mehl für die hl. Hostien, und die Reben, aus denen der Wein für den Kelch sollte gewonnen werden. —
Nahrung bedeuten die Gestalten von Brot und Wein. Als Seelennahrung ist die hl. Kommunion zunächst bestimmt. Vielfach ist aber die hl. Kommunion auch Körpernahrung geworden. Es ist ja eine Tatsache der Geschichte, daß verschiedene Heilige der katholischen Kirche kürzere oder längere Zeit ausschließend von der hl. Eucharistie das irdische Dasein fristeten. Der liebe Gott, der Leib und Seelk erschaffen hat, kann beide durch die nämliche Nahrung auch erhalten und ernähren. Wer kennt nicht das Wunder aus dem Leben des hl. Nikolaus von der Flue, dieses merkwürdigen Einsiedlers aus der schönen Schweiz, der 20 — zwanzig — Jahre lang ohne jede andere Nahrung zu- aèbracht hat, einzig und allein durch die hl. Eucharistie gestärkt? Aufpasser und Spione, die Tag und Nacht seine Zelle bewachten, konnten mit den schärfsten Augen niemals entdecken, daß er auch nur die geringste Nahrung zu sich genommen hätte. Als bnvërkritische Kinder des 20. Jahrhunderts sind wir aeneiat solche Erzählungen als Legenden, als > Phantastereien einer hypergläubigen Zeit abzutun. I
Da kommt die Vorsehung unserm Glauben zu Hilfe durch die Tatsachen der Gegenwart, durch die Tatsache von Konnersreuth, die kein Arzt, kein Professor, kein wahrheitsliebenderMensch leugnen kann. Vier vom Bischof vereidigte barmherzige Schwestern haben ausgesagt, daß sie vierzehn Tage lang die Visionärin bei Tag und Nacht aufs strengste überwacht und nicht die Spur einer Nahrungsaufnahme feststellen konnten. Und diese Jungfrau empfängt nichts Anderes als die hl. Kommunion in einigen Tropfen von Wasser. Wie es der Allmacht Gottes möglich ist, einen Menschen ein Jahr lang ohne Speise zu erhalten, so ist es ihr auch möglich. ein Menschenleben 20 Jahre lang ohne körperliche Nahrung zu erhalten. Das kostet Gottes Allmacht tausendmal weniger Mühe, als es uns Mühe kostet, auf ebener Erde einen Schritt zu machen oder unsern Namen auf ein Blatt Papier zu schreiben.
Ihrer Einsetzung nach aber und ihrer Vestim» mung nach ist die hl. Eucharistie Seelen-Nahrung. Die Seele bekommt dadurch die Kraft, das übernatürliche Leben zu bewahren, die Schädigungen durch Versuchungen zu überwinden, die Pflichten des Berufes zu erfüllen, das Kreuz zu tragen, sogar zu heroischen Werken sich aufzuschwingen. Und wie die irdische Speise sich mit dem Leibe verbindet und ganz in unser Fleisch und Blut übergeht, so werden wir auch durch die hl. Kommunion mit Christus vereinigt. Unsere Seele wird Christus, dem Herrn, einverleibt. Drum der begeisterte Ruf des Völkerapostels: „Ich lebe: doch nicht mehr ich» sondern Christus lebt in mir". Und wie viele Körner das eine Brot, viele Tropfen den einen Wein geben, so sollen auch die vielen Christen, die hundert tausend, die Millionen Katholiken, die an der Kommunionbank sich einfinden, ein Herz und eine Seele werden, Brüder und Schwestern werden, eine hl. Bruderschaft bilden zu allseitiger Hilfe in geistigen und leiblichen, in irdischen und himmlischen Anliegen. Möge der „Weiße Sonntag“ wieder zum Sonnenschein werden, an bem unsere Herzen sich erwärmen in frommer Liebe zum großen Geheimnis der hl. Eucharistie.
Der Burgpfarrer.
Inge.
Von Betty Schneider.
„Ist der Vater noch nicht da?"
Große, fragende Kinderaugen, die in einem weißen Gesichtlein stehen, spähen ins Zimmer, und als die blasse Frau am Fenster seufzend verneint, schiebt sich die chmächtige Gestalt eines Mägdleins durch die halb- leöffnete Tür.
„Noch nicht hier? D Mutter!"
Heiße Angst läßt die klare Kinderstimme erbeben.
Die Frau blickt nach der Uhr. \
„Ja, es ist ein Kreuz, Inge. Er wird wohl wieder in der „Roten Laterne" sitzen und dort sein Geld vertrinken. Wenn er doch an Frau und Kind denken