Ausgabe B
6t. EWüh-Mt
Religiöses WocherrblM
für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R.- Pfennig (Zustellgebühr extra).
Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonsizeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda fern.
Druck und Verlag 9er Fuldaer Aetteiidruckerel. Verlag,»« Fulda.
wochenlialender.
Sonntag, 25. März. Passionssonntatz.
Montag, 26. März. Fest Mariä Verkündigung.
Dienstag, 27. März. Johannes Damascenus, Bek., Kir. chenlehrer.
Mittwoch, 28. März. Johannes von Kapistran, Bek., + 1456.
Donnerstag, 29. März. Dom Tage.
Kreitog, 30. März. Fest der 7 Schmerzen Mariä.
Samstag, 31. März. Vom Tage. .
Pass onssonntag.
Epistel: hebr. 9, 11—15.
Stüber! Christus, der als Hoherpriester der zukünftigen Güter gekommen ist, ging ein durch das höhere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt, nicht von dieser Schöpfung ist, und nicht durch Blut von Böcken und Stieren, sondern durch sein eigenes Blut ein für allemal in das Allerheiligste ein, nachdem er eine ewige Erlösung zustandegebracht hatte. Denn wenn das Blut der Böcke und Stiere und die Besprengungen mit der Asche einer Kuh die Verunreinigten heiligt, so daß sie leiblich rein werden, wie viel mehr wird das Blut Christi, der im Heiligen leiste sich selbst als ein unbeflecktes Opfer Gott dargs- vracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gotte dienen? Darum ist er Mittler des Neuen Bundes, damit durch den Tod, der äw Erlösung von den Usbertretungen unter dem ersten Vunde erfolgte, die, so berufen sind, das verheißene Mige Erbe erhielten, in Christus Jesus, unserm Herrn.
- Evangelium: Joh. 8, 46—59.
Huf der schiefen Svene.
n der Leidensgeschichte des Herrn, die gerade von heute an und in der ganzen Passionszeit der bevor- zugte Gegenstand unserer Betrach- ÖS%£? tung und Lesung sein soll, spielt
K „ - — jener Mann eine klägliche Rolle, Wor"e ^önien wir im Credo aussprechen mit den
»Gelitten unter Pontius Pilatus."
. .^« Mann hat sich auf die „schiefe Ebene" be- hat keinen Halt mehr gefunden und ist in den Abgrund gestürzt.
vl^us “^f der Landpfleger in Judäa, Stell- T ^? Kaisers in Rom, Herr über Leben und w ‘ ihm führten die Juden den verhaßten damit er das Todesurteil über ihn aus* Was tat nun Pilatus?
r untersuchte die Sachlage; er verhörte die hör n <r na^m den Angeklagten ins Kreuzver- fchiiib s das Ergebnis? Die klarerkannte Un- ch»n „"' Angeklagten. Dazu kam noch ein Zei- ftuhlp f”! ^*mmeI- Als Pilatus auf dem Richter- nR und zum Todesurteil ausholte, da kam
von seiner Frau ein „Telegramm", will sagen ein Eilbote mit den Worten: „Habe mit diesem Gerechten nichts zu schaffen; denn ich habe seinetwegen im Schlafe viel gelitten!" —
„Mit diesem „Gerechten". Das ist das Urteil einer Frau, die, von politischen Leidenschaften frei, ein klares Auge hatte für Recht und Unrecht. Vielleicht gehörte sie zu dem Kreis der frommen Frauen, die den Heiland unterstützten und bedienten; vielleicht mischte sie sich nachher unter den Zug der mitleidigen Frauen, die den Heiland auf seinem Kreuzweg beklagten und beweinten. Vielleicht war der Traum auch die Eingebung eines guten Engels, um den Landpfleger zu warnen. „Ich habe Jesu wegen im Schlafe viel gelitten". Wahrscheinlich hat ihr der Engel in schrecklichen Bildern das Schicksal gezeigt, das ihrem Manne, ihr selbst, der Stadt, dem Volke, dem ganzen Lande drohte für den Fall, daß Pilatus sich vergreifen würde an der sonnenklaren Unschuld.
„Habe Du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten, denn ich habe seinetwegen im Schlafe viel gelitten".
Doch auch diese Warnung des Himmels verpuffte. Pilatus begab sich auf die schiefe Ebene. Er sah, daß die Juden den Kreuzestod des Herrn stürmisch wünschten. In einem Atem riefen sie fort: „Ans Kreuz mit ihm". ' Er fürchtete diese Bestie, Volk genannt, Masse genannt, Haufen genannt. Und er wollte sie beruhigen durch einige Tropfen Blut, durch einen fetten Braten. Er machte nämlich zwei schwächliche Versuche, den Heiland aus ihren Krallen zu befreien. Zunächst läßt er Jesus geißeln. Siehst du, wie sich der törichte Mann auf die schiefe Ebene begibt? „Ich finde keine Schuld an ihm", spricht er mit dem Brustton der Ueberzeugung. Ist er also unschuldig, lvarum übergibst du ihn den grausamen Geißel- hieben einer zuchtlosen Soldateska? Warum spendest du ihm nicht lieber Lobsprüche für seine Unschuld, für seinen Mut, für seine Heldengröße, für seine Wahrheitsliebe, für seine Wohltaten? Allerdings läßt er ihn nicht geißeln, um ihn zu quälen, sondern ihn vom Tod zu befreien. Aber es war die schiefe Ebene. Die Soldaten, in ihrer Roheit mit der Geißelung nicht zufrieden, fügen selbstherrlich noch die Verspottung und Dornenkrönung hinzu. In diesem Zustand führt Pilatus den Juden den Heiland vor. Da steht nun der Prophet aus Nazareth, vor wenigen Tagen noch vergöttert und von Jubel umbraust, setzt mit Blut überron- nen, mit Purpurfetzen um die zerrissenen Schultern, die Dornenkrone auf dem blutriesenden Haupt. „Ecce homo", Sebc, welch ein Mensch! Er glaubt, die Juden zu verlohnen; doch er täuscht sich gewaltig. Die Bestie hat Blut gesehen; die Bestie will Blut trinken. „Ans Kreuz mit ihm". —
Und abermals tut Pilatus einen weiteren Schritt auf der schiefen Ebene. Er macht einen
zweiten Versuch. Er gibt ihnen die Wahl zwischen Jesus und Barabbas. Sie haben das Recht, auf Ostern einen Gefangenen loszubitten und zu begnadigen, welchen sie wollen. Pilatus will ihnen die Wahl leicht machen. Drum stellt er Barabbas neben Jesus, die Finsternis neben das Licht, den Wolf neben das Lamm. Barabbas war nämlich „ein berüchtigter Räuber", ein Hochstapler der Verbrecherwelt, der schon lang die Gegend unsicher machte, der manche Frau zur Witwe, manches Kindlein zur Waise gemacht hatte.
„Welchen von beiden wollt ihr, daß ich Euch losgebe? Barabbas oder Jesum, der genannt wird der Christus?" Er glaubte, seinen besten Trumpf; ausgesvielt zu haben, er glaubte, seiner Sache absolut sicher zu fein; er glaubte, die Juden würden durch diese Gegenüberstellung von ihrer Verblendung geheilt werden. Doch abermals eine schreckliche Täuschung.
„Nicht diesen, den Barabbas gib los". „Was soll ich aber mit Jesus machen?" — „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!"
So hatte sich Pilatus auf die schiefe Ebene begeben, wo er keinen Halt mehr fand. Aus dem Netz, das er sich selbst gesponnen, kam er nicht mehr heraus. So mußte er zwangsläufig das Urteil sprechen. „Nehmt ihn also und kreuziget ihn!" Was nützte da die pharisäische Händewaschung? Was nützten die großsprecherischen Worte: „Ich bitt unschuldig am Blute dieses Gerechten". Ist er damit unschuldig? O nein. Pilatus ist und bleibt als Mörder der Unschuld für immer gebrandmarkt.
Und bald entlud sich das Unglück über seinem Haupt. Von den Juden beim Kaiser in Rom angeklagt, fiel Pilatus in Ungnade und wurde ve» bannt. Pilatus hatte nicht die Kraft, feine Schänd- taten durch Buße zu sühnen; er machte seinem Lebrn durch Selbstmord ein Ende.---
Mein Christ, begib dich nicht auf die schiefe Ebene. Du könntest auch den Rank und Halt nicht mehr finden und ewig verderben. Darum tritt bei Schlange auf den Kopf, sagt der hl. Augustinus. Wende dich gleich mit Entschiedenheit gegen das böse Ansinnen, wenn es dir in den Kopf kommt. Widerstehe im ersten Augenblick, im ersten Anfang. Wenn du aber erst mit der Versuchung spielst wie eine Katze mit der Maus, dann liegt dein Glaube, deine Unschuld, dein Glück bald tot am Boden. Denke nicht: ich will wenigstens die Sünde versuchen, wie sie schmeckt; ich will die Gelegenheit wieder aufsuchen ;aber sündigen will ich nicht! 0 wie schlau ist der Satan. Er nimmt zuerst nur den kleinen Finger; dann erst die ganze Hand und die Seele dazu.' Die Leidenschaft begnügt sich nicht mit Abschlagszahlungen; sie geht aufs Ganze.
Den Anfängen sollst du begegnen, Zu spät bereitest du sonst Arznei.
Der Bu 'rg pfarr er.,