Kajs el, den 26. Februar |928.
58. Zahrg.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ».-Pfennig B 45 ».-Pfennig (Zustellgebühr exira) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Osf.-Teb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda le n
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Wochenkalender.
Sonnlag, 26. Febr. 1. Fastensonntag.
Montag, 27. Febr. Vom Tage.
Dienstag, 28. Febr. Vom Tage.
Mittwoch, 29. Febr. Quatembermittwoch.
Donnerstag, 1. März. Dom Tage. Beginn des St. Josephs-Monats.
Freitag, 2. März. Quatemberfreitag. Her z- I e s u - F r e i t a g.
Samstag, 3. März. Kunigunde, t 1040. Quote in - der- Samstag.
Erster Fastensonntag.
Epistel: 2. Kor. 6, 1—10.
Brüder! Wir ermahnen euch, daß ihr die Gnade Gottes nicht fruchtlos empfanget. Denn er spricht: Zur gnadenreichen Zeit erhör' ich dich, und am Tage des Keiles helf ich dir. Sieh, jetzt ist die Zeit der Gnade; sieh, jetzt ist der Tag des Helles! Wir geben niemand irgendwie Anstoß, damit unser Amt nicht gelästert werde; sondern wir erweisen uns in allen Stücken als Diener Gottes durch große Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Aengsten, bei Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhr, in Mühen, in Nachtwachen, in Fasten, durch Keuschheit, durch Weisheit, durch ßangmut, durch ^Freundlichkeit, durch den Heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe, durch das Wort der Wahrheit, durch die Kraft Gottes, durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, bei Ehre und Schmach, bei schlechtem und gutem Rufe, als Betrüger betrachtet und doch rvahrhaft, als Unbekannte und doch wohlbekannt, als Sterbende, und sieh, mir leben, als Gezüchtigte und doch nicht getötet, wie betrübt und doch immer freudig, die arm sind und doch viele bereichern, die nichts haben und doch alles besitzen.
Evangelium: INakkh. 4, 1—11.
n der Geschichte des Jonas wir die seltsame Begebenheit, daß zu Häupten des Jonas ein Gewächs auffchoß, welches ihm behaglichen Schatten spendete, und wie
Drei Todfeinde.
lesen
über Nacht ein Wurm die Wurzel
*^Kte, daß der Baum verdorrte. —
.. weiß noch einen anderen Baum, der nicht
®®ter hat, sondern auch köstliche Früchte, welche die Seele laben und stärken und zum ewigen "ben vorbenciten. Und dieser edle, segenspen- dende Baum ist das Gebet. Und heute siehst du le,en Baum leuchten inmitten der dürren, brennenden Wüste. Denn es hat unser Herr bei fet- MWlf™ Aufenthalt in der Wüste nicht bloß : sondern auch bei Tag und Nacht gebetet, fch s n hat aber dieses Gewächs drei Würmer, es nagen, will sagen drei Todfeinde, die firn stumpf und Stil aus der Menschheit ver- möchten.
der erste Todfeind ist der Unglaute. Es ‘ Erwn Gott, höhnt der Unglaube, und darum
ist das Gebet Unsinn! Nur langsam mit solcher Behauptung. Sieh zu, ob nicht eher der Unglaube selber ein Unsinn ist, so groß wie ein alter Misthaufen, eine Gedankenlosigkeit so stumpf wie ein Wiesenbaum. Trägst du nicht einen lebendigen Gottesbeweis in deiner Hand? Sieh doch, was für ein wundervolles Werkzeug sie ist, zum Staunen geschickt, ein Werkzeug, das den Pflug führt und die Feder, das Maschinen und Häuser baut, ein Werkzeug, das malen kann und sticken und über die Tasten des Klaviers hingleiten, daß himmlische Musik aus dem stummen Kasten ertönt. Wer hat denn diese Hand gebildet? Hast du sie etwa selbst erschaffen mit ihren Gelenken und Nerven und Nägeln und Muskeln und mit ihrer Beweglichkeit? Oder haben etwa die Eltern unsere Hand gebildet so wie ein Künstler eine Hand aus Stein meißelt? Das alles ist nicht der Fall. Die Natur hat sie mir geschenkt, sagst du. Das ist gerade so klug, als wenn ich sagen würde: die Orgel bringt diese prächtigen Akkorde hervor! Nein; nicht die Orgel, nicht das tote Gehäuse, nicht die stummen Pfeifen, sondern der Künstler, der die Orgel baut und der Musiker, der so geschickt die Tasten greift. Und so hat auch ein großer Künstler mit unbegreiflicher Weisheit unsere Hand gebildet, und dieser Künstler ist der allmächtige Gott. Darum sollst du auch diese Hände nicht bloß ausstrecken zur Arbeit, sondern auch falten zum Gebet, um Gott zu danken, um ihn zu verherrlichen, um ihn um seine Gunst anzuflehen.
Hüte dich sorgfältig, diesem Todfeind des Unglaubens die Tore zu öffnen. Gern treibt diese Bestie ihr Unwesen in schleckten Büchern, Zeitschriften, Blättern, Theatern Kinos und gottlosen Gesprächen. Hat dir der Unglaube deinen Gott gestohlen, stiehlt er dir auch das Gebet und damit den größten Trost und die mächtigste Waffe. —
Der zweite Todfeind des Gebetes ist die Menschenfurcht. Wohl täte mancher gern beten, aber er fürchtet, es könnte es einer sehen und ein schiefes, höhnisches Gesicht machen und dich einen Narren oder Betbruder heißen! Du wirst nun gewiß nicht behaupten, daß eine solche Kreatur mit besonderem Mut oder besonderer Gescheitheit aus- ftaffiert wäre. Im Gegenteil. Ein solches Ge- bahren riecht nach Feigheit und Unverstand. Betrachte den Daniel. Er war gescheit und hat den ganzen Trotz heidnischer Theologen und Magier ausgestochen. Aber er war auch mutig und hat seinen' Glauben nicht in den Kamin gehängt, als seine Haut in Gelabr kam. Da hatte nämlich der groß- mächtige König Darius einen Befehl ergehen lassen' wer immer innerhalb eines Monats zu einem andern Gott betet als zu Darius, der hat das Leben verspielt und wird den,Löwen als Leckerbissen vorgewo-fen. Daniel hörte es und betete dennoch mit aller Seelenruhe weiter zu seinem Sott Jehova. Ja. er sperrte sogar die Fenster seines Palastes wagenweit auf, damit ledermann Zeuge wäre, wenn er mit ausgestreckten -armen
sich nach Jerusalem zuwendet. Die Neider Daniels trugen schnell die Botschaft zu Darius Ohr. Wohl oder übel mußte dieser den Daniel hinabstürzen lassen in den grausigen Löwsnzwinger. Doch das Gebet war mächtiger als der Rachen der Löwen.
Schäme dich also des Gebetes nicht, mein Christ. Ich sage noch lange nicht, daß du jedes Gebet an die große Glocke hängen sollst. Aber das eine darf ich erwarten, daß du auch vor deiner Frau, vor deinen Kindern, vor deinen Kollegen dich nicht schämst, zu Hause dein Gebet zu sprechen, in der Kirche die Knie zu beugen, dort zu beten unb zu singen mit der Gemeinschaft der Gläubigen.
Der dritte Todfeind des Gebetes ist der Welksinn, der immerzu sagt: ich habe keine Zeit! Morgens muß ich ins Geschäft gehen, mittags muß ich wieder ins Geschäft, abends ins Stammlokal zu einem Glas Bier, zu einem Kartenspiel, zu einer Bereinsversammlunq, ins Kino. Sonntags muß ich die Kundschaft besuchen oder das Bett hüten oder einen Ausflug machen. Wo soll ich Zeit hernehmen zu Gebet und Gottesdienst? Er der Tausend! Da könntest du gerade so gut sagen: ich habe keine Zeit zu schnaufen; ich habe keine Zeit zu essen! Denn was ist das Gebet anders als ein Atemholen der Seele, eine Speise des Herzens? Ueberdies, Hand aufs Herz! Wenn wir Zeit haben, in das Wirtshaus zu gehen, Zeit haben, uns zu frisieren, Zeit haben unser Blatt zu lesen, Zeit haben in der Fastnacht Stunden und Nächte lang uns als Narren zu gerieren, dann sollten wir keine Zeit haben, einige Augenblicke unserm Herrgott und unserer armen Seele zu widmen im Gebet?
Thomas Morus, bekanntlich Kanzler des Kanias Heinrich von England, ein Mann von ausgezeichnetem Talent und ungeheurem Fleiß, der doch die wichtigsten Geschäfte zu besorgen hatte, an denen das Wohl des ganzen Landes hing, nahm sich doch Zeit, jeden Morgen der hl. Messe beizuwohnen. Auch letzt noch gibt es Bauersleute unb Arbeiter und Beamte und Parlamentarier, die ebensoviel und mehr arbeiten wie andere ihres- gleichen und dennoch eine schöne Zeit dem Gebet« widmen und täglich den Weg zur hl. Messe finden.
Wohlan, liebe Freunde, taffen wir die drei Gebetsfeinde nicht einmarschieren in unser Haus oder Herz. Die hl. Fastenzeit soll uns wieder das Wort des Herrn zu Gemüte führen: „Ihr sollt au- zeit beten und darin nicht nachlassen."
Der B u r g p f a c r e r.
KschermiLtwoch-Gedanken.
Von Hrah.nn a Sankt« Ciara.
Mein Gott, was ist doch der Mensch? — wie ist doch der Mentck — wer ist doch der Mensch?
Der Mensch ist ein Sckauw der bald ab flicht; eine Blume, die bald abschlicßè.