Ausgabe B
$ Kassel, den zy. Februar ^928
Wochenkalender.
Sonntag, 19. Febr. Sonntag Quinpuageftma.
Montag, 20. Febr. Vom Tage.
Dienstag, 21. Febr. Vom Tage.
Mittwoch, 22. Febr. Aschermittwoch. Petri Stuhlseier zu Antiochien.
Donnerstag, 23. Febr. Petrus Damianus, Kirchenlehrer, f 1072.
Freitag, 24. Febr. Vom Tage. Vigil des Festes des hl. Matthias.
Samstag, 25. Febr. Matthias, Apostel.
Sonntag Aumquagesima.
Epistel 1. kor. 13, 1—13.
Wenn ich die Sprachen der Menschen und Engel rede, aber die Liebe nicht habe, bin ich wie ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich die Eabe der Weissagung habe und alle Geheimnisse kenne und alle Wissenschaft besitze, und wenn ich alle Glaubenskraft habe, so daß ich Berge versetzen könnte, habe aber die Liebe nicht, so bin ich nichts. Und wenn ich all meine Habe den Armen zur Speisung austeile, und meinen Leib zum Verbrennen hingebe, aber die Liebe nicht habe, so nützt es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, ist gütig, die Liebe beneidet nicht, handelt nicht unbescheiden, bläht sich nicht auf. Sie ist nicht ehrgeizig, nicht selbstsüchtig; sie läßt sich nicht erbittern, sie denkt nichts Arges; sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, hat aber Freude an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles. Die Liebe vergeht nie, wenn auch die Weissagungen aufhören, wenn die Sprachen ein Ende nehmen und die Wissenschaft vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen und Stückwerk unser Weissagen. Wenn aber kommt, was vollkommen ist, wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, hatte Einsicht wie ein Kind, dachte wie ein Kind; als ich aber Mann ward, legte ich ab, was des Kindes war. Jetzt sehen wir durch einen Spiegel rätselhaft, dann aber von Ange- Ücht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, so wie auch ich erkannt bin. ^etz' bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei; aber das Größte unter diesen ist die Liebe.
Evangelium: Luk. 18, 31—43.
Cm rentables Grundstück.
it dem Aschermittwoch hebt
die
hl. Fastenzeit an. Ihre 40 Tage kommen mir vor wie ein großes Grundstück von 40 Morgen, das uns die Kirche zur Anpflanzung und Bewirtschaftung überläßt. Allerdings sollen wir nicht We>- seii oder Kartoffeln oder Rüben oder Hanf darauf vsianzen, sondern Güter einer anderen, übernatür
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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
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lichen Ordnung, die Früchte tragen für die Kammern der Ewigkeit. Und damit du nicht lange hin und her ratest, was für geistige Güter und Werke ich meine, will ich sie dir gleich nennen in einer Antiphon, welche wir Priester in der Sext des Fastsnoffiziums zu sprechen haben:
„Wir wollen uns Gott empfehlen mit vieler Geduld, mit vielfältigem Fasten, durch Werke der Gerechtigkeit."
Also zunächst mit vieler Geduld sollen wir die hl. Fastenzeit anpslanzen. O schau, unsere Kirche, die auf eine Erfahrung von bald zwei Jahrtausenden zurückschaut, weiß wohl, wo die Menschen der Schuh drückt, daß du bisweilen Mangel leidest an notwendigen Dingen, an Wohnung, Kleidung lind Nahrung; weiß wohl, daß allerwärts ein Kreuz in der Stube hängt in Gestalt von Krankheiten bei Kindern und Eltern und Dienstboten; weiß wohl, daß du viel auszustehen hast, um in Frieden und Verträglichkeit zu leben mit deinen Hausgenossen, deinen Nachbarn, deinen Kollegen, deinen Mitarbeitern, deinen Feinden, deinen Freunden. O da kannst du reich werden. Da kann dein Acker tausendfältige Frucht hervorbringen, wenn du bei all diesen Verhältnissen und Fährlichkeiten Geduld und Gleichmut bewahrst und zu allem hin ein fröhliches, heiteres Gesicht machst, als hättest du soeben dein Lieblingsgericht verspeist.
Soll denn aber die Geduld nur in der Fasten- aeit Trumpf sein? Dürfen und sollen wir an Ostern, Pfingsten und in der übrigen Zeit des Kirchenjahres der Erregung, der Leidenschaft und dem Zorn freien Laufpaß lassen? Das wäre fehlgeschossen. Alle Tage des ganzen Jahres ohne eine einzige Ausnahme sollst du dieses heilsame Kräutlein pflanzen. Würdest du auch nur an einem einzigen Tage, auch nur zu einer einzigen Stunde den Zorn überlaufen lassen, würdest du damit vielleicht die Arbeit von zehn Jahren zerstören. Indes für die Fastenzeit ist die Geduld von doppeltem Nutzen und von der Kirche eigens empfohlen. Also auf zur Tugendübung der Geduld, und der Heiland garantiert dir einen schönen Erfolg mit den Worten: „Ihr werdet Früchte bringen in der Geduld".
Die zweite Uebung ist „vielfältiges Fasten". Da sehe ich nun schon ein griesgrämiges Gesicht, als wolltest du den Mund auftun und sagen: „Jetzt hören Sie mir aber auf; jetzt ist es genug; das Fasten ist doch überhaupt nicht mehr modern und ohnedies kann es kein Mensch aushalten!" Gemach, liebe Freunde. Einmal haben viele Menschen durch vernünftiges Fasten ihren Leib gesund erhalten und ein langes Leben erreicht. Da lese ich von einem gewissen Crispinus, daß er ^on als Knabe mit strenaen Fasten sich plagte und abmagerte. Die besorgte Mutter konnte es nicht mehr länger an- sehm und machte dem Buben Vorwürfe und leg ihm alle Tage in den Ohren, er solle doch essen und
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trinken. Schließlich, als sie nichts erreichte, steckte sie die Sache hinter ihren Bruder, einen ehrsamen Metzgermeister. Doch dieser war nicht auf den Kopf gefallen und sprach zu der Mutter: „Lassen wir ihn nur fasten; es ist doch schließlich besser, wir haben einen mageren Heiligen als einen fetten Bösewicht!" Und was geschah? Der Knabe fuhr mit dem Fasten unbeirrt weiter und trat später in den Franziskanerorden und blieb gesund und erreichte ein Alter von 82 Jahren. Wird nicht mittlerweile mancher „Lebemann" ins Gras gebissen haben?---
Nun will dir aber die Kirche, die eine gute, besorgte Mutter ist, gar kein strenges Fasten auflegen oder aufzwingen. Schau nur oben nochmals tue Worte an, wie sie heißen. Es heißt nicht umsonst: „Mit vielfältigem Fasten". Damit scheint die Kirche anzudeuten, daß du bei deiner Schwächlichkeit, bei deinem erschöpften, nervösen Zustand, bei deinen Arbeiten und stechenden Sorgen kein richtiges und eigentliches Fasten vertragen kannst, daß du aber immerhin „vielerlei" Fasten, will sagen vielerlei und mannigfache Abtötung dir auferlegen kannst, wenn du überhaupt noch einen guten Willen hast und nicht soweit heruntergekommen bist, daß bet die die Fastenzeit bloß noch auf dem Papier steht, An solchen kleinen Abtötungen und Opfern, di« niemand etwas schaden, nenne ich: Entzug oder Verringerung des Zuckers (brr!), des Alkohols, des Tabaks/ der Zigarren, der Zigaretten, der Eutsel, des Wirtshauses, des Kinos, des Theaters, des Tanzes, des Sportes, der Musik, des Romanlesens und anberer Liebhabereien oder Vergnügungen und Zerstreuungen.
Eines ist sicher, ohn» den Geist der Abtötung gibt es so wenig einen Christen als es eine Biene gibt ohne Stachel, eine Rose ohne Dornen. Vernimm den Ausspruch des Völkerapostels: „Die Christus angehören, also die richtigen Christen, haben ihr Fleisch gekreuzigt samt seinen Lastern und Lüsten." Wenn du nun in der Abtötung etwas tun willst, während der hl. Fastenzeit so ist wahrlich das Feld der Möglichkeiten unbegrenzt. —
Endlich die Werke der Gerechtigkeit. Darunter verstehe ich das Gebet. Denn es macht uns gottgefällig und verbürgt uns feine Hilfe und Gnade zu den Siegen über das Fleisch, den Satan und die. Welt. Ich empfehle dir da namentlich den Besuch der hl. Messe, der Fastenandachten, der Fastenpredigten, das Beten des schmerzhaften Rosenkranzes, die Verrichtung des Kreuzweges. Meinst du nicht, daß die göttliche Vorsehung in der wundengeschmückten Jungfrau von Konnersreuth der Welt einen Wink geben wollte, das Andenken an den leidenden Erlöser wieder emsiger zu pflegen? —
Wohlan denn, mein Christ, laß dieses große Grundstück der Fastenzeit nicht brach liegen, sondern mache es rentabel durch fleißige Bestellung' „Wie die Saat, so die Ernte". Der Burgpfr. .