„Na, sag's doch, wie heisst Du Denn 7* quM « ganz • unvermittelt aus ihm heraus: „Onkel Pater, gib mir deinen Mantel!"
„Ha, ha," lachte herzhaft der Rotbart, J)er sollte Dir wohl gefallen. Aber den kann ich dir jetzt nicht neben. 3d) muß gleich predigen und da brauche ich ihn selbst."
„Aber nachher, gibst du ihn mir dann?"
„Ja, gewiß, mein Junge.
„Ich heiße Fritz," kam es jetzt auf einmal bedeutsam aus ihm heraus.
„Jetzt weiß er seinen Namen. Dieser Schlingel!" Man sollte nie im Leben leichtsinnige Versprechungen machen. Ob P. Mauritius wohl die Tragweite eines so leicht hingegebenen Wortes bedacht hatte? Fritz hatte es jedenfalls furchtbar ernst genommen.
Am anderen Tage, als feine Mutter sich gerade zum Besuch der Predigt fertig machte, fragte er sie: „Mutter, predigt der Pater mit dem roten Barte?"
„Ich glaube nicht, mein Kind. Sieh, da geht gerade -er schwarze Pater in die Kirche."
Gut, wenn der Pater mit dem roten Barte nicht predigt, so mußte er ihm den versprochenen Mantel geben. Und Fritz machte sich auf zum Pfarrhaus. Als alter Butterbrotfreund der Haushälterin, die schon lange mit Kennerblick etwas Geistliches in ihm gewittert hatte, ging Fritz durch die hintere Tür ins Haus. Niemand bemerkte ihn. Er selbst wunderte sich nur, daß der Pater nicht schon dastand, ihm den Mantel zu geben. Er wartete und wartete. Schließlich stand Fritz auf einem Stuhl, arbeitete den Mantel herunter und legte ihn um.
Wie ihm der stand! Es kam etwas ganz Feierliches über ihn. Da sah er auch den Schirm des Paters stehen, Marke „Söndflut." Er dachte nicht anders, als daß der Schirm zum Mantel gehöre, wie der Mantel zum Pater. So hatte er ja auch die Patres ins Dorf einziehen sehen, den Schirm in der Hand. Er nahm also auch ihn ruhigen Gewissens an sich und verließ, still, wie er gekommen, das Pfarrhaus. Und der Mantel hinter ihm her. Fritz war — das sagte jeder, der ihn kannte — trotz seiner vier Jahre, schon ein Mann von ausgeprägter Eigenart, eine innerlich gradlinig gewachsene Persönlichkeit, die alle Umwege verschmähte. Und so ging er auch heute seinen geraden Weg durch dick und dünn. Da es nun just vor einer Slunde noch kräftig geregnet hatte, geschah es, daß er mehr durch dünn als durch dick kam. Und der Mantel hinter ihm her. Sein fettes Braun nahm unten am Rande allmählich eine leichte Tönung in Grau an.
Auch war Fritz nicht gewohnt, Hindernissen aus dem Weg zu gehen. Es störte ihn deswegen auch nicht, daß kurz vor ihm eine Herde Kühe dieselbe Straße wie er gezogen war. Unbeirrt schritt er über die Begleiterlchei- niinaen des ländlichen Lebens hinweg. Und der Mantel hinter ihm her. Sein grauer Rand schimmerte nun bald in gedämpftem Grün.
Als echter Junge nahm Fritz sonst jeden Stecken, der am Wege lag, mit, und verhinderte ihn auch heute der ebriurchtgebietende Mantel, sich nach all den prachtvollen Darnenzweigen zu bücken, so strich er doch ganz unwillkürlich nahe an ihnen vorbei. Und der Mantel hinter mm her. Die Stecken und Zweige, gewohnt, nicht ohne mitz durchs Dorf zu gehen, hingen sich an seinen Mantel und gingen mit. Auch ein beschäftigungslos. Heckendraht müaß sich ihnen an. Diesem wieder hatte sich ein alter Pumpen in den Arm gehängt, und die beiden konnten nicht mehr von einander los kommen, So zogen sie wn die Dorfstraße hinunter: Fritz, der Schirm, der Mantel, die Stecken, der Draht und der Lumpen. Da o>e Frauen und Jungfrauen in der Predigt waren, konnten sie unbehindert ihres Weges gehen. Die Männer sahen wohl die eigenartige Erscheinung des kleinen Mönches, aber die Würde und Andacht, mit der sie ein- herichritt, verbot ihnen jeden Eingriff. Sie lachten sich ems und ließen ihn ziehen.
. Allmählich hatte sich ihm eine Schar Kinder ange- schtosfen. Sie lachten ihn aus und riefen in einem fort: guck mal der Fr'tz!" Fritz war aber gewohnt, dem Spotte mit kalter Stirn zu begegnen und schritt schnür- Itratfs auf eine kleine Feldkapelle zu, die in der Nähe Der Mantel, die Stecken, der Draht mit den Lum- P^n unb die Kinder hinter ihm her.
Inzwischen war im Pfarrhaus eins nicht gerinne Be- iwrzung entstanden: P. Mauritius luchte seinen Mantel. --Kaufend noch einmal, auch der Schirm ist weg. Ja, g1’5 'st denn das? So etwas ist mir doch niemals vor- serommen. Und nun habe ich doch erst heute morgen gepredigt: Siebtens, du sollst nicht stehlen!"
Sie alle, der Pfarrer, die Haushälterin, der Pater. J^ 'm besten Zuge, sich die Köpfe zu zerbrechen, als Eldung eintraf, der Mantel fei mit dem kleinen L!Vurd,s Dorf spaziert und predige augenblicklich in Feldkapelle. s^âoâurenz!" rief Pater Mauritius. „Das muß ich ''Das muß ich sehen!" rief auch Frau Schreiner, die „^s kleinen Fritz, — allerdings mit schmsrz- fiel8n "Ertönen, — als dieselbe Kunde in ihre Stube BerM^5 °^nen& von Dem Verhängnis, das nun von Dost. £ ■ en Blüten ihm und seinem Mantel drohte, »ritz ganz kräftig seine Predigt von der Hölle be
gonnen. Er war schon mitten km besten Feuer: und seine kleine Zuhörerschaft folgte seinen Ausführungen ganz hingerissen von der Macht seines kraftvollen Wortes.
„Wenn ihr nicht brav seid," rief er, „holt euch der Teufel und steckt euch in die Hölle. Da ist es sehr heiß drin, und wer einmal drin ist kommt nicht wieder raus."
Ja, was war denn das? — Die Zuhörerschaft, die bisher so andächtig gelauscht hatte, fuhr plötzlich auseinander, und Fritz fühlte eine feste Faust am Kragen, als wcnn's der Teufe! selber wäre. Und heiß wurde es ihm an den verschiedensten Stellen feines Körpers. Und wie eine Stimme des letzten Gerichtes klang es nun: „Du Lümmel von 'nem Jungen, ich will dir helfen!"
Aber nein, die Stimme kannte er ja. Richtig, er schaute in das aufgeregte Gesicht seiner Mutter. __
„Junge, wo hast du den Mantel her?"
Eben wollte er sagen: „Don dem Pater mit Dem roten Dart," da kam mich schon P. Mauritius Herzu.
„Aber, liebe Frau, da haben Sie mich um einen herrlichen Genuß gebracht. Das war doch ein zu köstliches Bild, den Kleinen predigen zu sehen."
„Ach, Hoch,würden, ich muß mich ja zu Tode schämen."
Aber P. Mauritius ließ es nicht gelten und bekannte sich selbst als den Schuldigen, der dem Kleinen leicbtsinnigerweije den Mantel versprochen. Und den kleinen Fritz tröstete er: „Später bekommst auch du so einen Mantel."
So kam Frau Schreiner zu der Immerhin seltenen Auszeichnung, einen Kapuzinermantel putzen zu Dürfen. Und so kam Fritz Schreiner zu dem Beinamen: „Der kleine Pater."
Er führte ihn mit einem gewissen selbstbewußten Stolze, ohne sich eigentlich viel dabei zu denken. 2Hb mählich aber wuchs der neue Titel ganz in seine Gedanken hinein, und fragte man ihn, wie man so gerne die Kleinen fragen pflegt: „Was willst du werden?" so fam es wie ganz selbstverständlich heraus: „Pater".
So setzte es sich immer mehr in seiner Seele fest. Und während die anderen Düben seines Alters bald dies bald jenes werden wollten, bald Offizier, bald Lokomotivführer und bald Zuckerbäcker, kannte Fritz keinen anderen Wunsch, als Pater zu werden. Uno nach diesem Ziele wuchs feine ganze kleine Seele. Und diesen Wunsch behielt sie auch bei, selbst als die unruhigen, polternden Jahre über ihn kamen, die so manchen Jungen aus Der rechten Bahn werfen. Immer wieder stand das kleine Erlebnis seiner Kindheit leuchtend in seiner Seele. Es mar, wie wenn von dem Mantel des P. Mauritius eine geheimnisvolle Kraft ausgegangen wäre, die sich schützend und kennend um den großen Gedanken seines Lebens gelegt hätte: ,,3d) will Pater werden."
Nun ist er Pater geworden! Und so oft er in der Hl. Schritt den Bericht lieft über den Mantel des Propheten Elias, mit dem Dessen Schüler Elisäus die Wogen zerteilte und trockenen Fußes Durch das Walser mag und dazu die Worte der Prophetenföhne: „Der Geist des Elias hat sich aus Elisäus niedergelasten," denkt er: „Einen ähnlichen Mantel hab ich auch einmal getragen,"
P. H u m p e r t, Köln.
Eine Mutter von fünf Priestern.
Am 27. Juli 1927 feierte der Icsuitenpater Heinrich Klein in der Jgnatiuskirche in Rom am Grabe des hl. Aloysius seine Primiz. Dem Primizianten stand als Assistent sein ältester Bruder zur Seite. An der Kommunronbank kniete die 70jähr. Mutter des Primizianten. Trotz ihres hohen Alters hatte sie im heißen Sommer die weite Reise aus der Gegend von Trier in die Ewige Stadt gemacht, um der Priesterweihe und Primiz ihres jüngsten Sohnes. ihres fünften Priestersohnes beizuwohnen Eine Mutter von fünf Priestern! Eine solche Mutter muß jedem gläubigen Herzen tiefe Ehrfurchi einflößen. Und welches Glück mag das Mutterherz beim ersten hl. Meßopfer ihres fünften Sohnes ar. heiliger Stätte empfunden haben! Am Annatage dem Tage vor Der Primiz, hatte die edle Prester- mutter Audienz beim Heiligen Vater. Papst Pius XI. redete sie in gütiger, väterlicher Weise in deutscher Sprache an, beglückwünschte sie zu ihren fünf Priestersöhnen und dankte ihr im Namen der Kirche für die großen Verdienste, die sie sich um die Sache Gottes dadurch erworben habe, daß sie ihm für seinen Weinberg fünf Priester erzogen habe. Glückstrahlend erzählte die Mutter nach ihrer Rückkehr aus dem Vatikan: „Der heilige Vater hat mit mir gesprochen und mir gedankt." Aw Abend des Primiziages selbst empfing sie P. Ledo- cbowski, der General der Gesellschaft Jesu. Auch er beglückwünschte herzlich und liebevoll die Mutter und dankte ihr, daß sie von ihren fünf Priester - föhnen vier dem Jesuitenorden geschenkt habe. Zur Srinneruna überreichte ihr der Pater General
einen kostbaren Rosenkranz, dessen Ketten von echtem Gold sind und der von P. Martin dem 1906 verstorbenen Jesuitengeneral, stammt Man hatte ein eigenes Primizbildchen drucken lassen, auf dem alle Pciestsrsöhne brüd>erlich vereint sind. Es sind vier Jesuiten, der älteste Bruder ist Weltpriester, gegenwärtig Bistumssekretär in Trier Ihm solgt P. Wilhelm Klein. Im Kriege war er Dwisions- geistlicher bei einer rheinischen Infanteriedivision und wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. 1918 wurde er bei den Kämpfen an der Westsront schwer verwundet. Er hatte am Hauptverbandsplatz gehört, daß vorne an der Front Schwerverwundete nicht abtransportiert werden konnten, weil die Autos den Weg nicht kannten. P. Klein fuhr mit vor, um den Weg zu zei- gen. Unterwegs krepierte dicht bei ihm eine schwere Granate. Sie brachte ihm eine^schwere Rückenwunde und lähmte ihn für zwei Stunden vollständig. Während er dalag, kam eine zweile Granate, die ihn am Kopf verletzte. Ein kleiner Splitter war ins Gehirn eingedrungen. Diele Monare mußte er in Lazaretten und Spitälern zubringen und sich mehreren schwierigen Operationen unterziehen Er wirkte später als Professor der Philosophie in Valkenburg in Holland und ist jetzt dort Spiritual der Studierenden des Ordens. — Bei der Priesterweihe des nächsten Bruders, P. August Klein, 1925 in Valkenburg, waren zum erstenmal • wieder seit vielen Jahren sämtliche Geschwister um die ehrwürdige Mutter geschart. P. Klein ist jetzt in der Seelsorge in Deutschland tätig. Der nächste Bruder, Karl Klein stand zwei Jahre mit der Waffe im Feld — er war im Krieg zum Leutnant befördert worden — und wurde 1924 als Ger- maniker in Rom zum Priester geweiht. Zur Zeit ist er an der philosophisch-theologischen Lehranstalt St. Georgen in Frankfurt a. M. tätig. Möge Gott unserer Kirche recht viele fromme und opferfreudige Mütter schenken, die für den Weinberg des Herrn gute Priestersöhne erziehen.
Beuge dein Un'e!
Bor einiger Zeit wohnte ich in einer Kloster- kapelle dem heiligen Meßopfer bei. Ein ehrwürdiger Jubelgreis las die heilige Messe. Auf zwei Meßknaben gestützt, schritt der alte, zittrige Herr die Stufen empor. Es war ein ergreifender Anblick. Noch mehr aber bewegte es mich, zu sehen, mit wie heiliger Andacht und tiefer Ehrfurcht, mit wie unsagbarer Mühe und Bedürftigkeit er jedesmal, so oft es die heiligen Zeremonien vorschrieben, feine Knie beugte. Man sah, er war tiefdurchdrungen von der Heiligkeit seiner Handlung. Das Wort der Heiligen Schrift: „Löse Deine Schuhe von den Füßen-, denn der Ort, wo Du stehst, ist heiliges Land", war ihm in all den langen Jahren in Fleisch und Blut übergegangen. Ich war erbaut und beschämt. — Das Erlebnis einer Sonntagsmesse kam mir wieder ins Gedächtnis. Es war in den Fenen. Die Sonntagsmesie hatte längst begonnen. Da kam eine junge Frau mit einem zweijährigen Stümpchen hsrangescho- ben. Ehe sie in der Bank Platz nahm, machte sie so etwas wie eine Kniebeuge. — Das kleine Kind, das glaubt, seine Mutter sei gestrauchelt, ruft laut und erstaunt: „Hoppla!" Daran mußte -ch denken und an all die vielen, vielen, die im Leben vor go'denen Kälbern kriechen und knien, sich in untertänigen Bücklingen nicht genug tuen können, die sich aber schämen, vor hem besten Heiland niederzuknien. An all das muß ich denken, was man heute in der Kirche als Kniebeugen an- 'ieht, dies aller Ehrfurcht und Demut bare Knicksen eines Knies. Kennt ihr die Stelle der Heiligen Schrift, die da sagt: „Erschreckend ist biepr Ort! Hier ist Gottes Haus und des Himmels Pforte"!
G Muttertted'.
O Mutterlieb', du heilig Amt,
Vom Herrn der Ewigkeit verliehen,
Die Seele, Die vom Himmel stammt,
Dem Himmel wieder zu erziehen!
O Mutterlieb', du strengste Pflicht,
Der Ewigkeit gehört dein Walten!
Die Rechenschaft, vergiß sie nicht, Laß deinen Eifer nicht erkalten!
O. v. Nedwitz.