Kassel, den 29 Januar ^928.
38. Zahkg.
Religiöses Wachenblail
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R.-Pfsnnig (Zustellgebühr exira). Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Preise: Eolonelzeile fm Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aeilendruckerek in Fulda sein.
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ryschenkslender.
Sonntag, 29. Jan. 4. Sonntag nach Erscheinung des Herrn. Franz von Lales, Kirchenlehrer, f 1622.
Montag, 30. Jan. Martina, Jgfr., Mart., t 222.
Dienstag, 31. Jan. Petrus Nalascus, Bek., t 1266.
Mittwoch, 1. Febr. Ignatius, Bisch., Mart., t 107.
Donnerstag, 2. Febr. Fest Mariä Li ch t m e ß.
Freitag, 3. Febr. Blasius, Bisch., Mart., f 316. Herz- I e s u - F r e i t n g.
Samstag, 4. Febr. Raban u s Mauru s, Abt von Fulda, f 856. Andeas Corsini, Bisch., t 1375.
Vierter Sonntag nach Erscheinung.
Epistel: Röm. 13. 8—10.
Brüder! Bleibt niemand etwas schuldig, außer daß ihr einander lieben sollt. Wer den Nächsten liebt, hat das Gefciz erfüllt. Denn die Verbote: Du sollst nicht ehebrechen, nicht töten, nicht stehlen, kein falsches Zeug nis geben, nicht begehren, und alle andern Gebote sind in bietet Vorschrift zusammengefaßt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Licbe tut dem Nächsten nichts Böses: die Liebe ist also die Erfüllung des Gesetzes.
Evangelium: Mslth. 8, 23—27.
Eine große Frage.
s ist sicher eine große Frage gewesen, welche die Männer des heutigen Evangeliums stellten, als sie sahen, daß Jesus von Nazareth mit einer Handbewegung das tobende Meer zur Ruhe gebracht
„®er ist dieser, daß ihm sogar die Winde und das Meer gehorchen?"----
Auch für uns gibt es eine ähnliche, eine große, entscheidende Frage, die wir oft stellen müssen:
Wer ist der liebe Gott? —
Wem diese Frage nicht in den toinn kommt, wein sie nicht auf die Seele brennt, der leidet vielleicht gerade nicht an Blutarmut oder Schwindsucht, wohl aber an Gedankenarmut und Gehirnschwund. Wenn wir doch alle Augenblicke etwas sür oder gegen Gott hören, wo wir doch als gläubige Christen zu Gott beten und semen hochheiligen Namen in den Mund nehmen, mußten wir doch auch eine klare Gotteserkenntnis haben; eine Gor- wserkenntnis, die an Umfang und Tiefe und Warme stets wachsen sollte wie die Sonne vom Aufgang bis zur vollen Mittagshöhe.; eine Erkennt- U's, mit der die Liebe zu Sott und die Liebe zur Fugend gleichen Schritt halten sollte. Das ist der ^wblingswunsch des Völkerapostels, wenn er im Arief an die Kolosser schreibt:
.-Wir hören nicht auf, für Euch zu bitten und «u stehen, daß ihr erfüllt werdet mit der Erkennt
nis des Willens Golles in aller Weisheit und geistlichen Einsicht, bamit ihr Gottes würdig wandelt und ihm in allem gefallet, fruchtbar in jedem guten Werk, daß ihr wachset in der Erkenntnis Gottes, gekräftigt in jeg'icher Tugend nach der Macht seiner Herrlichkeit".
Zu einer vollkommenen Gotteserkenntnis ist freilich unsere Vernunft zu schwach und zu stumpf. Um ein Meer vollständig auszuschöpfen, müßten wir ein Gefäß haben gwäde so groß wie das Meer selbst. Und um Gottes Wesen zu begreifen, müßte unser Verstand ebenso unendlich groß sein wie Gott selber. Deshalb bestehet, auch bei der tiefgründigsten Gotteserkenmnis, wie sie den Heiligen und Theologen eig.n war, immer noch ungelöste Rätsel. Darum böten wir einen Paulus, der doch in den dritten Himmel entrückt gewesen ist, voll Verwunderung aus rufen: „0 Tiefe des Reichtums der Weisheit und Wttjenschaft Gottes"; wie wenn er sagen wollte: der liebe Gott mitsamt seinen Ratschlüssen und seiner Vorsehung ist und bleibt nur ein unergründliches Geheimnis. Kann es denn auch anders birt? Was wäre denn ein Gott, den unser Verstand restlos aufsaugen könnte? Höchstens ein Götze oder ein Phantom und Hirngespinst, keineswegs aber der wahre, unendliche, grenzenlose Sott.
Ausscheiden müßen wir von Gott jede Art von Mangel, Unvollkommenheit und Abhängigkeit und darum auch jede Körperlichkeit. Denn jeder Körper ist begrenzt und abhängig vom Raum; auch ist er in Teile zerlegbar und deshalb der Veränderung und Auflösung unterworfen Alles das müssen wir vom Wesen Gottes abstreifen, da Gottes Wesen das erhabenste und vollkommenste ist, das es gibt und geben kann. Auch die Vorstellung eines menschlichen Körpers und menschlicher Glieder und Organe müssen wir vom Begriffe Gottes ausschalten. Er hat weder Gesicht, noch Augen, noch Hände. Wohl sagt die hl Schrift, daß wir einst Gottes Angesicht schauen werden, daß Gottes Hände den Erdkreis gebildet haben, daß seine Augen heller sind als die Sonne. Erinnere dich aber daran, daß solche Ausdrücke bildlich gemeint find Sein Angesicht ist fein Wesen, seine Hände sind die Allmacht, seine Augen die Allwissenheit. ,
Bleibt nur übrig, daß Gokk ein Geist ist, ein körperloses, geistiges Wesen. Dafür haben wir den Heiland selbst als Zeugen, der zu der Frau am Jakobsbrunnen sprach: „Gott ist ein Geist".
Auch die menschliche Seele und der Engel ist ein Geist. Zwischen einem geschaffenen Seift und Gottes Geist ist aber ein Unterschied wie zwischen einem gigantischen Berg in den Alpen und einem Mau! wurfhausen auf einer Wiese. Gott ist der Geist, der von niemand abhängig ist, der sein Leben sich selber verdankt, dessen Wissen, Macht. Schönheit und Herrlichkeit keine Schranke kennt, der allen Dingen Leben und Dasein aus lauter Wüte geschenkt hat. Was die Engel angeht, so nennt sie die hl. Schrift ausdrücklich Diener Gottes
und meist ihnen die Aufgabe zu, Gott, ihren Schöpfer und Herrn, in tiefster Ehrfurcht anzu» beten und zu verherrlichen und seinen Willen blitzschnell zu vollstrecken.
Einmal hat es Gott gefallen, sein Wesen selbst auszusprechen. Das war in der Wüste, als er dein Moses im Dornbusch erschien, der brannte, aber nicht verbrannte. Als nun Moses den unerquicklichen Auftrag von Gott erhalten hatte, das Joch der Knechtschaft von Israels Schultern zu nehmen, sprach er zu Jehova: „Wenn nun die Israeliten Deinen Hamen wissen wollen, was soll ich dann lagen?" Und der Herr erwiderte:
„Ich bin, der ich bin"; sage also den Kindern Israels: der da ist, hat mich zu Euch gesandt". (Ex. 3 14.) Das eigentliche Wesen Gottes ist also „das Sein“, das er aus sich selber hat, das unendlich vollkommene, einige, glückliche Sein.
Im Geiste schaut der Prophet Jsaias einen „Berg auf dem Gipfel der Berge". In biefem Berg erkennt der hl. Thomas v. Aguin, dieser Fürst der Gotteserkenntnis, den lieben Sott. Mögen die Engel und die Helden unter den Menschen w>e kleine Berge sich erheben: über allen Bergen thront Gott in erhabener Unendlichkeit, in unnahbarer Größe und Majestät. Mit frommer Ehrfurcht laßt uns einstimmen in die Worte des Psalmisten: „Herr. Sott der Heerscharen, wer ist Dir gleich? Du herrschest über den Abgrund des Meeres und stillest den Aufruhr seiner Wogen; Dein ist der Himmel und Dein die Erde; den Erdkreis, und was ihn erfüllt, hast Du gegründet." Ps 88.
Der Burgpfarrer.
Ein Opfer der mexikanischen Verfolgung.
Unter den letzten, die mit dem Glauben und dem Mut der alten Märtyrer der mexikanischen Verfolgung zum Opfer fielen, verdient besondere Erwähnung der Jesuit Augustin Pro, geboren um 19. Januar 1891, erschossen am 23. November 1927, Kaum hatte er in Belgien seine theologischen Stu- dein beendet, wurde er nach Mexiko gesandt, um dort seine priesterliche Tätigkeit auszuüben. Er kam dort gerade an, als die furchtbare Verfolgung ausbrach.
Ein Augenzeuge berichtet im römischen Blatt „Osjervatore Romano" folgendes über ihn.
„Kein Mensch kann sagen, mit welchem Seeleneifer er sich in dieser ganzen Zeit seinem Amt gewidmet hat. Oft verließ die Regierung einen Haftbefehl gegen ihn, doch es gelang ihm jedesmal, den Händen d"r Häscher zu entschlüpfen, ohne jedoch seine Tätigkeit aufzugeben.
Ich war bei ihm als sein Begleiter in der Stadt Mexiko und konnte aus der Nähe die ungeheuren Gefahren beobachten, denen er andauernd ausgesetzt war. Er aber wünschte nichts sehnlicher, al»