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Kassel, den (. Januar M8.
38. Iahrg.
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nw'^ Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfenniz B 45 R.-Psennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Moniag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameieil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
1 1 Druck und Berlag Der Fuldaer Artimdruckerei. Derlagsort Fulda. „
wochenkalendsr.
Sonntag, 1. Ja». F c st der Beschneidung I e su. Neujahrstag.
Montag, den 2. Jan. Fest des hl. Namens Jesu. Oktav des hl. Stephanus.
Dienstag, 3. Jan. Oktavtag des hl. Evangelisten Iohannes.
Mittwoch, 4. Jan. Oktavtag der hl. Unschuld. Kinder.
Donnerstag, 5. Jan. Vigil des Heftes Epiphanie. Tc- lesphorus, Papst. Mart., f 139.
Freitag, 6. Jan. Fest der Erscheinung de, Herrn. Kollekte für die asr i k a n i s ch en M i s s i o n e n.
Samstag, 7. Jan. 2. Tag der Oktav von Epiphanie.
Beschneidung ö?$ Herrn.
Epistel: Til. 2, 11—15.
Gelièbtesterl Erschienen ist die Gnade Gottes, unseres Erlösers, allen Menschen. Sie lehrt uns der Gottlosigkeit und den weltlichen Gelüsten zu entsagen: besonnen, gerecht und fromm zu leben in dieser Welt, indem wir erwarten die selige Hoffnung und die Erichei- nung der Herrlichkeit des großen Gottes, unseres Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns hingegeben hat, damit er uns von aller Ungerechtigkeit loskaufe und sich ein Volk rein erschaffe, das ihm wohlgefällig und eifrig ist in guten Werken. So rede und ermahne in Christus Jesus, unsrem Herrn.
Evangelium: Luk. 2, 21.
Der Christ am Schlüsse des Jahres.
Der letzte Tag im Jahre regt unwillkürlich zu ernstem Nachdenken an. Ein ganzes Jahr hat sich wieder unserem Leben angeschlossen. Nicht alle, welche dasselbe so fröhlich begonnen, haben sein Ende erlebt. Viele, darunter teure Angehörigen und gute Freunde sind abgerufen worden in die Ewigkeit. Jetzt ruhen sie im Grabe, ihre Seele ist in die Ewigkeit eingegangen und uns. die wir am Leben geblieben sind, hat das verflossene Jahr der Ewigkeit näher gebracht.
Die Jahre eilen dahin; gar bald ist jedes derselben, hat es einmal angefangen, auch wieder zu Ende; der Mensch muß sich sagen: Wieder bin ich dem Ende inei- nes ganzen Lebens, dein Tode und dem Gericht so niel- näher gerückt. Und so geschieht es, daß das Ende eines Jahres jenen Ernst, welcher das Lebensende und die daran sich anschließende Stunde des Gerichtes umgibt, in die Seele haucht. Denn, — diese Frage liegt ja so nahe — wo sind nun die Annehmlichkeiten und Freuden und Vergnügungen, welche das verflossene Jahr brachte? Sie sind mit den Tagen und Stunden des Jahres enteilt; und was will's nun mgen, sie gehabt, sie so kurze Zeit genossen zu haben? Wie eitel erscheinen sie an der Neige des Jahres! Dasselbe gilt von den Ehren und Auszeichnungen des Jahres, vielfach auch von den irdischen Gütern.
In der Tat. der Jahresschluß spricht ernst ans Herz! Welchen Nachdruck empfängt von ihm das Wort des hl. Apostels: Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit;" d. i. alles oas, was der Mensch tut für die Welt und ihre Luft,
das vergeht und hat keinen Wert für die Ewigkeit: was er ab’r tut in Erfüllung des göttlichen Willens, was er um Gottes Willen tut', das bleibt; es wird ewig der Grund der höchsten Erhebung und himmlischen Selig» keck sein.
Also was bleibt, das suchen und erstreben wir, dem sei unser Leben und all unsere Kraft geweiht im neuen Jahr.' Dann wird es ein „glückseliges neues Jahr" fein. ________________
„Glück auf!"
Frei und froh ist Sergr inns Art — nimmer drückt jein Los ihn hart. — Fährt er ein in dunklen Schacht, — hellt das Grubenlicht die Nacht. — Irr die finstren Stollen ein — dringet seiner Leuchts Schein. — Und zu des Fäustels hellem Klang, — da tönt der fröhliche Bergmannssang: — Glück auf!
Ein jeder Erdenbürger ist ein Bergmann. Das neue Jahr. das begonnen hat, es ist ein dunkler Schacht. Verborgen liegen in seinem Schoße die heiteren und die dunklen Lose. Werden wir reiche Adern treffen? Werden wir im Schweiße des Angesichtes vergeblich nach Beute graben? Das weiß Gott allein Sollen wir deshalb, weil die Zukunft uns verhüllt ist, grämen und mutlos die Hände in den Schoß legen? Was nicht gar! Wir fahren wie der Bergmann hoffnungsfreudig in den dunklen Schacht mit frohem „Glück auf!"
Fährt der Bergmann in den dunklen Schacht, dann überläßt er sich nicht blindlings einem unbekannten Ort, sondern er bewaffnet sich mit dem Grubenlicht. Mit diesem untersucht er den Ort, wo sein Fuß Halt gewinnen kann, wo sein Fäustel noch Beute suchen soll.
Soll denn nicht auch der Mensch mit einem Licht bewaffnet sein, mit dessen Hilfe er den Boden beleuchten kann, auf dem sein Fuß steht, auf dem er das tägliche Brot gewinnen will?
Dieses Licht ist dem Christen der hl. Glaube. „Lucerna pedibus meis verbum tuum." „Dein Wort ist für meine Füße eine Leuchte", gesteht der Wmift. Und hat nicht der Lieblingsjünger des Herrn seinen Meister „das Licht der Menschen" genannt? Ja, Jesus Christus ist „das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt". Zu diesen Worten jagen Heilige, wie der hl. Johannes Chrnsostomus und der große Augustinus: „Wer nicht erleuchtet wird, trägt selbst die Schuld."
Wie der Stern, den Gott den hl. Drei Königen gesandt hat, daß er sie führe zur Krippe in Bethlehem, den Männern eine Leuchte war, so ist das Evangelium Jestl Christi der Glaube, der im Evangelium niedergelegt ist, für jeden eine Leuchte die ihm den rechten Weg angibt.
Als der Herr in den Himmel auf gefahren war, ist für die Welt durchaus das Licht nicht entschwunden, denn er hat den Hl. Geist gemndt, auf daß er sei das Licht des Herzens. Das Licht
leuchtet noch alle Tage, aber die Finsternis schlieft ihre Augen, und man muß den Heiligen schon recht geben, wenn sie sagen: „Wer nicht erleuchtet wird, trägt selbst die Schuld."
Wie viel Gelegenheit gibt's doch heutzutage, um sich im Glauben zu unterrichten! Bon den Predigten will ich gar nicht reden; aber wieviel wird geschrieben zur Belehrung der Menschen! Wieviel apologetische Schriften! Wieviel Gutes bietet zum Beispiel nur der „Bolksverein" anl Wie viel leisten gut geleitete katholische Vereine! Er ist nicht zum Aussprechen, was doch alles geschieht, daß jenes Licht in die Herzen Eingang gewinne, das wie eine Sonne am Eingang des neuen Jahres steht, und das so gern in alle Herzen Lichl und Wärme senden würde; diese Sonne aber heißi Jesus!
Für den Bergmann gibt's keine größere Gefahr, als daß er durch Verschüttung eines Schachtes von der Außenwelt abgeschnitten wird. Tritt eine solche Katastrophe ein, dann mag der Unglückliche seine Rechnung mit Gott machen; bis Men- schenhilfe kommt, ist meist sein Lebenslichtlein schon erloschen. Es sind ja solch Verschüttete auch in Dutzenden von Fällen schon gerettet worden. Wenn sie dann gefragt wurden, welcher Moment für sie der schrecklichste gewesen sei, geben sie oft als Antwort: es war der Augenblick, wo das Grubenlicht erlosch. Wir hätten gerne Hunger und Durst ertragen, aber ohne Licht sein, in der Finsternis Stunden, ja Tage zubringen müssen das ist zum Verzweifeln.
So ist's auch im Seelenleben. Wenn das Lichl des Glaubens erloschen ist, dann ist's zum Verzweifeln. In solchen Fällen greifen dann solch« Unglückliche zur Mordwaffe; aber sie tauschen sich, wenn sie glauben, daß sie ihre Lage verbessern; denn mit dem Tode ist nicht alles aus. Wie einem Menschen zumute sein muß, der das Licht des Glaubens hat erlöschen lassen, davon habe ich ungefähr eine Ahnung bekommen, als ich einst mit einem Mitbruder im schönen Stubaitale, im Tiroler- lande, die Pfarrkirche in Fulpmes betrat. Da bei Regen uns um eine schöne Tour gebracht hatte, (nieten wir uns nieder, um unser Brevier zu beten. Mein Mitbruder zupfte mich am Arme und mies auf eine Stelle der Bank: ich las folgenden Aufschrei einer Seele, der das Glaubenslicht er» loschen war: „Es gibt kein größeres Unglück au das. daß man Gott verliert! Dies aus Ersah» tung geschrieben."
Ein Bergmann, dem das Giubenlicht erloschen' Wenn das Grubenlicht erloschen ist, dann tönt kein fröhlicher Bergmannssang mehr, kein fröhlich „Glück auf!"
D Menschenkind, wenn dein Glaubenslicht erloschen ist, ruf zum Herrn der Lichter, ruf um Erbarmen und bitte mit dem Blinden im Evangelium: „Herr! mache, daß ich sehend werde!"