aber Rußland nicht mehr, es ist Sowjet-Rußland. Was geschieht mit dem Geld, das man für diese Glocken löst? Die russischen Bolschewisten finan- zieren damit ihre revolutionären Bestrebungen in den verschiedensten Ländern, um auch sie zu bol- schewisieren.
Mexiko.
Eine grausige und erschütternde Tragödie hat sich in Vera Cruz abgespielt. Auf Befehl des Präsidenten Calles wurden zwei Geistliche, die des Landes verwiesen, aber zurückgekehrt waren, erschossen. Im letzten Augenblick stürzten die Brüder und Schwestern der zum Tod Verurteilten in die Schußlinie, als die Gewehre schon im Anschlag lagen. Der Offizier ließ trotzdem feuern, und neun Menschen büßten ihre Treue und Liebe zu ihren gleichfalls unschuldigen Blutsverwandten mit dem Tode.
Amerika.
Ein Unterseeboot der amerikanischen Marine wurde von einem großen Schiffe gerammt und ging mit Mann und Maus unter. Wie durch Taucher festgestellt wurde, leben noch 6 Matrosen im Schiffsrumpf. Ob sie gerettet werden können, ist fraglich.
Sierra Leone.
Eine erfreuliche Weihnachtsbotschaft kommt aus Afrika. Im britischen Schutzgebiet von Sierra Leone (Westafrika) ist jetzt, wie der Osservatore Romano meldet, die Sklaverei durch Gesetz vollständig abgeschafft worden. Bisher sahen die gesetzlichen Bestimmungen nur eine stufenweise Beseitigung der Sklaverei vor; so konnten sich Sklaven durch Geld loskaufen lassen, oder sich ihr durch die Flucht entziehen, wobei die Behörden die Flüchtlinge vor dem Zugriff ihrer Herren schützten. Die eingeborenen Häuptlinge wollten auch jetzt, daß in dem neuen Gesetze für die Sklaveneigentümer ein Schadenersatz gewährleistet würde, doch haben die Mitglieder der gesetzgebenden Körperschaft diesen Antrag verworfen, um die Befreiung der Sklaven nicht noch weiter hinauszuschieben. Das einstimmig angenommene Gesetz bedeutet einen weiteren Fortschritt in der Beseitigung des Sklaventums im tropischen Afrika.
China.
In einem furchtbaren Blutbad wurden in Kanton bei 3000 Menschen getötet oder verletzt. Es handelt sich um ein Vorgehen gegen die gewalttätigen Kommunisten. Man sieht, wie trostlos und unsicher noch immer die Verhältnisse in China sind.
Kleine Kirchliche Aachrichten.
Rom. Zum päpstlichen Legaten für den Eucharistischen Kongreß in Sidney hat der Papst Kardinal Cerretti bestimmt. Bekanntlich hat dieser seine amtliche Laufbahn als Apostolischer Delegat in Australien begonnen. Ein Charakteristikum des nächstjährigen Kongresses wird eine starke Teilnahme der eingeborenen Katholiken des australisch-insularischen Missionsgebietes sein.
Rom. Der Benediktiner P. Seredy, der als langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter Kardinal Gasparris den Sprung zur Höhe des erzbischöflichen Primatial- stuhles von Gran (Ungarn) und in Verbindung damit zum Kardinalate macht, wird am 8. Januar vom Papst selbst in der Sixtinischen Kapelle die bischöfliche Weihe empfangen.
Rom. Zwischen dem Kardinalstaatssekretär Gaspari und dem litauischen .Gesandten beim Heiligen Stuhl Saulys, hat jetzt der Austausch der Ratifikationsurkunden über das zwischen dem Heiligen Stuhl und Litauen abgeschlossene Konkordat stattgefunden.
Bamberg. Erzbischof Dr. v. Hauck hat auf die erledigte Stelle im Metropolitankapitel den Pfarrer von Trunstadt, Heinrich Ames, zum Domkapitular ernannt. Der neuernannte Kapitular ist 1877 in Burgebrach geboren und war in der Hauptsache — 20 Jahre lang — Seelsorger in Trunstadt, wo er mit großer Aufopferung die schwierige Pfarrei pastorierte. — Akademieprofessor Caspar hat die Ausmalung der Ostapsis des Domes vollendet.
Eichstätt. Die Acta Apostolicae Sedis (Nr. 12) veröffentlichten ein Dekret derKonsistorialkongregation, durch das die Gemeinde Bergstetten, die bisher zur Pfarrei Kaisheim in der Diözese Augsburg gehörte, von der Pfarrei und dem Bistum ab getrennt wird und der Pfarrei Buchdorf in der Diözese Eichstätt zugeteilt wird. Mit der Ausführung des Dekretes wird der Apostolische Nuntius in Bayern, Titularerzbischof Vassallo de Torregrossa beauftragt.
Aachen. Dem Musikseminar am Gregoriushause in Aachen wurde durch Verfügung der Regierung die Befugnis erteilt, sich als staatlich anerkannt zu bezeichnen.
Johanneshaus Unterhaching bei München. Hier besteht unter der Leitung erfahrener katholischer Ordensschwestern ein Erholungsheim für schwachsinnige uno pathologische Knaben und Mädchen, in das seither Kin
der vom 8. bis 10. Lebensjahr ausgenommen wurden. Ab Ostern 1928 steht es auch für ältere Knaben und Mädchen zur Verfügung.
Düsseldorf. Vom 27.—29. Dezember 1927 findet dahier im Wittelsbacher Hof die Fertentagung und Haupt- Versammlung des Vereins kath. Religionslehrer an höheren Lehranstalten statt.
Wien. Dr. Friedrich Schreyvoal wurde vom Bundesminister für Unterricht zum Professor an der hiesigen Akademie für Musik und darstellend« Kunst ernannt. Derselbe hat sich als dramattscher Dichter und als Leiter der literarischen Schule der Oesterreichischen Leo-Gesell- schaft sowie als Theaterkritiker in der Wiener und in der reichsdeutschen Presse einen angesehenen Namen gemacht. Als Publizist entfaltet er auf kulturpolitischem Gebiete eine vielseitige Tätigkeit. Er ist u. a. auch Mitherausgeber der führenden katholischen Zeitschriften „Das Abendland" und „Der Gral". Seit mehreren Jahren ist er Hauptvertreter der „Köln. Volkszeitung" in Oesterreich.
London. Da die Zahl der Kacholiken in England stark zunimmt, macht Kardinal Bourne auf die Notwendigkeit neuer Kirchenbauten aufmerksam. Allein in der Umgebung von London sind acht Kirchen notwendig.
Aus Thüringen. (Eine Trauung aus Keula umsonst erwartet.) Ein junger Pose hat sich eine evangelische Braut gewählt. Weil er mit der Braut nach dem Brautunterrichte beim kath. Pfarrer die kath. Trauung und die kath. Kindererziehung schriftlich und eidlich versprach, be
sorgte der Pfarrer in 9 Monaten mühsamer Schreibereien die Heiratsdokumente — und dann ließ sich das Paar evangelisch trauen I — Der Fluch der gemischten Bekanntschaften! Vor Gott und dem Gewissen ist es keine gültige Ehe, weil der kath. Teil das Sakrament der Ehe nicht empfangen hat. Welche Verantwortung! Warum will so mancher junge einheimische oder auch fremde Mann nicht auf feine Kirche hören! Warum meidet er nicht grundsätzlich das Anbändeln mit einer Andersgläubigen! — Ganze Generationen der Diaspora werden einmal im Weltengerichte sich erheben und gegen ihren ungetreuen Ahnvater sich mit der bitteren Anklage wenden: „Dieser ist es, der uns um das kostbare Erbe des wahren Glaubens gebracht hat."
Gera. Hier erhöhten bei der Krankenkassenwahl die christlichen Verbände die Zahl ihrer Sitze im Ausschuß von 5 auf 7, sie erhalten einen Sitz im Vorstand. Der Kampf wurde von der roten und kommunistischen Presse mit einer unglaublichen Rohheit und Niedrigkeit gegen ihre christlichen Arbeitskollegen geführt. Der Verlust von 2 Mandaten ist die Quittung dafür. — Durch den Erfolg der christlichen Verbände zieht auch ein katholischer Arbeiter und eine katholische Arbeiterin in den Ausschuß der Krankenkasse ein.
Reifet Priester bilden!
Iu Frankreich fand jetzt bereits zum drittenmal ein Nationalkongreß zur Mehrung der Priesterberufe statt. Kardinal Dubois von Paris und 13 andere Erzbischöfe und Bischöfe nahmen teil. Drei Tag lang dauerte der Kongreß. Alljährlich findet er statt: 1925 in Paris, 1926 in i Marseille, 1927 in Rouen. Ein ständiges Komitee bereitet die jährlichen Tagungen vor. Eine besondere Zeitschrift hält den Gedanken im katholischen Volke wach. Der diesjährige Kongreß war von 600 Teilnehmern besucht. So hofft das kath. Frankreich in einigen Jahren die Zahl der Priester auf das notwendige Mindestmaß zu steigern.
Und wir? Dürfen wir müßig zusehen, daß die Zahl der Priester zurückgeht? Ist es nicht ein sehr bedenkliches Zeichen, wenn die übrigen Berufe überfüllt sind und der Herr der notwendigen Arbeiter in seinem Weinberge entbehrt?
Katholische Eltern! Bon euch hängt es in erster Linie ab, ob genügender Nachwuchs an Priestern vorhanden ist. Die treu katholische Familie ist das erste und beste Priesterseminar. Das kernkatholische. Beispiel des Vaters, die tiefe Frömmigkeit der Mutter erzeugen Priesterbsrufe im Schoße der christlichen Familie. Und solche Eltern, die durch ihr Beispiel und Gebet die priesterlichen Neigungen im Herzen ihres Sohnes mit der Gnade Gottes geweckt und dann ihren Sohn für den Dienst des Herrn geopfert haben, werden es nie bereuen, im Gegenteil: sich und ihren übrigen Kindern sichern sie den besonderen Segen Gottes, der priesterliche Sohn aber wird die Freude ihres Alters werden.
Und ihr anderen, die ihr kein Kind dem Altar weihen könnt, helfet mit, daß jenen, die dem hohen Ziele zustrebeü, nicht die äußeren Mittel fehlen. Spendet nach Kräften für den Iosephspfen- Nkg und für das Priesterseminar; es ist das beste apostolische Werk. Wir können auf die Dauer das Priesterseminar im heutigen Stande nur erhalten, wenn die ganze Diözese es als ihre bevorzugte Aufgabe betrachtet, mittellosen Studenten das Studium der Theologie zu ermöglichen. Sollte es nicht eine ganze Reihe von Katholiken unter unseren Lesern geben, die einen monatlichen Beitrag für den Unterhalt eines Alumnus stiften? Sollte es nicht auch einige solche geben, die eine „Studienpatenschaft" und damit vielleicht die ganze Unterhaltung eines mittellosen Theologiestudierenden übernehmen? Wenn „Freunde der Universität I" sich organisieren, sollten wir nicht genug opferwillige Katholiken finden, die einen „Verein der Freunde des Fuldaer Priesterseminars" bilden. Damit ist die Diskussion über eine für die Zukunft unserer Diözese Fulda sehr wichtige Frage eröffnet. Nun hat der Leser das Wort. Sch.
„Vision".
Weihnachtsmür aus dem 14. Jahrhundert.
Von Justus Pfeiffer.
Ueber die Höhen der rauhen Rhön fegt eisig kalt«! Nordlandsluft. In Frost erstarrt, krachen die jchncebe- ladenen Aeste der winterlichen Waldfichten. Ein scheues Reh huscht leichtfüßig durchs Geäst und späht die Lichtung hinan, ob nicht Gesa!)r ihm drohe.
Dunkel liegt über den Kuppen; dunkler noch im Forst unter dem dornigen Dickicht breitet sich die Nacht. Sturmumtobt ragen die beiden Zwingtürme der trutzigen Bergfeste, ragt die Stammburg derer von Edersberg schweigend in das nachtschwarze Grauen.
Umtobt von heulendem Nordsturm trutzt sie in bas Land. Doch kein Hauch des Lebens umweht die Feste. Lange schon erstarb hier freies Kinderlachen. Längst verklungen sind die innigen Weisen, welche einstmals kündeten die süße Weihenacht hier auf der Burg.
Jetzt brechen matte Strahlen durch das zackige Gewölk und des Mondes fahler Schein belichtet geisterhaft die schneeübergossenen Kuppen der Rhön. Wild jagt Der Sturm das Gewölk zu Haus.
In solchen Weihenächten kämpfen die Asen gegen den Fänriswolf, so raunen einige Alten in dumpfen Stuben. Manch einer, der auszog den Wehwalbern zum Trutz habe anderen Tages mit gebrochenen Gliedern am T e u« f eis ft ein gelegen. So zünden sie, den Schutz des himmlischen Schutzgeistes zu erflehen, Lichtlsin an Bäumchen sich an in der geheiligten Macht, dieweil ein Mutterlein erzählst die liebliche Mär vom geborenen Christ.
Knirschen tappen heimliche Schritte die Lichtung hinan durch den frostigen Schnee. Eine müde Gestalt schleppt sich taumelnd durch das weit offene Burgtor. . .; bleibt gebannt, starrt auf das dunkle Gebäu. Der müde Wan- dersmann stehet stumm. Nun fährt die Rechte, die seither den derben Stock umkrallt, über die hochgewolbte Stirn, als wolle sie eine auftauchende Erinnerung festhalten, und der heulende Sturm fegt Eisspitzen in das wetterharte Antlitz des schweigenden Mannes
Hohl, dumpf bricht sich Windesrauschen in den leeren Hallen der Burg. Vergeblich harrt der Schweigsame auf Schellengeläut, das dieselben einst füllte. Freili^ auch stumm liegen die tiefen Kerker, sonst Hüter kostbarer Pfänder. Des stummen Mannes Gedanken weilen bei den Opfern dieser Kellergewölbe, Welche Schreie voll Qual, herausgeboren aus diesen dunklen Kerkertiefen, durchschnitten voreinst die frostklaren Nächte.
Verklungen das Einst --! So sinnet der sich den Räumen zögernd Nähernde. Schon ein Menschenalter ist dahin, seit sein Schritt in dem Burghof widcrhallte; seit das Lachen froher Jugend, durch das Gewölb der Räume schallte.
Friedrich, der Ebersberger, taumelt auf den mad)* tigen Felsblock, den Hochsitz im Wappensaal. Ihm 414