Ausgabe B.
6t. ElWeth-Aiitt
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfennig B 45 R.-Pfennlg (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Oss.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
— ■ Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. Verlagsort Fulda. -
'wochenKalender.
Sonntag, 18. Dez. 4. Adventssonntag. Quartalsandacht um Priester nach dem Herzen Jesu Kollekte für das Priesterseminar.
Montag, 19. Dez. Vom Tage.
Dienstag ,20. Dez. Vigil des hl. Apostels Thomas. Christian, Bek.
Mittwoch. 21. Dez. Thomas, Sipoftef.
Donnerstag, 22. Dez. Vom Tage.
Freitag, 23 Dez. Vom Tage.
Samstag, 24. Dez. Weihnachtsvigil. Adam u. Eva.
vierter Kdventsonntag.
Epistel: 1. Kor. 4, 1—5.
Brüder! So betrachte man uns als Diener Christi und Ausspender der Geheimnisse Gottes. Da verlangt man nun von Verwaltern, daß einer getreu erfunden werde. Mir liegt gar wenig daran, von euch gerichtet zu werden oder von einem menschlichen Gerichtstag: ich richte mich ja auch nicht selbst. Denn ich bin mir nichts bewußt, aber deshalb noch nicht gerechtfertigt; wer mich richtet, ist der Herr. Richtet daher nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das in Finsternis verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Her- zen offenbaren wird. Dann wird jedem sein Lob von Gott zuteil werden.
Evangelium: Luk. 3, 1—6.
Huf der rechten Himmelsstriche.
eihnachten ist ein Himmel im kleinen. Ohne Weihnacht kein Himmel. Hat nicht der Heiland gerade an seinem Geburtstag den ersten Schritt getan, uns den Himmel aufzuschließen? Und in der Brust dieses göttlichen Kindes ist der Himmel enthalten wie das Licht in der Sonne. Denn die Seligkeit des Himmels ist Christus in seiner gan- öen Schönheit, die wir dann schauen, in seiner Sanden Liebenswürdigkeit, die wir dann genießen. Darum hören wir den hl. Paulus ausrufen- »Christus ist mein Leben. Sterben mein Gewinn"
Und setzt sind wir auf dem Wege und auf der Straße nun Himmel der Weihnacht und zum jen- seitigen Himmel. Und diese Straße muß im richtigen Zustand sein. Darum mahnt uns die Kirche mit den Worten des Vorläufers Johannes:
„Bereitet den Weg des Herrn;
Machet gerade seine Pfade;
Jedes Tal soll ausgefüllt,
Jeder Berg und Hügel abgetragen werden." —
. Ich weiß nun ein herrliches Material, womit wir die Himmelsstraße richtig instandsetzen können. Und das find
die guten Werke.
Fort mit jenem wahnwitzigen, öden Gerede, der Glaube allein mache selig! Der Glaube allein
führe zum Himmel; der Glaube allein genüge zur Seligkeit! Ist denn der Himmel so wenig wert, daß er für den bloßen Glauben gewonnen werden kann? Freilich ist der Glaube das erste, das wichtigste, das nötigste, die Wurzel aller Rechtfertigung wie das Tiidentinum sagt. Aber nicht das einzige, noch lange nicht das einzige. Hörst du nicht den Heiland rufen, der da spricht: „Nicht ein jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr", wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut?" Mt. 7,21. Der hl. Jakobus stellt dieser Ansicht wie eine Mauer seine Lehre entgegen: „Ihr seht, daß der Mensch aus den Werken gerechtfertich wixd. njâ allein“.
Jak, 2, 24. Nein, der Glaube allein hilft nichts, und wenn er auch den Gipfel der Vollkommenheit erreichen könnte. Dafür weise ich hin auf das energische Wort des Völkerapostels: „Und wenn ich einen Glauben hätte, daß ich Berge versetzen
I Gute Leser,
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liebevoll des Fuldaer
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könnte, hätte aber die Liebe nicht — so wäre ich nichts." 1 Cor. 13,1.
Freilich macht der Glaube selig; aber nicht der leere, bloße Glaube, das bloße Fürwahrhalten der Erlösung, der bloße sogenannte „Fiduzialglauben": sondern der Glaube, der sich verbündet mit heiliger Furcht vor Gott und seinen Strafgerichten, der in Reue entbrannt wegen der Gott zugefügten Beleidigung, der sich ausreift $tf dem Entschluß, in Zukunft einen gottgefälligen Wandel zu führen, der sich anschmiegt an die göttliche Barmherzigkeit in seliger Hoffnung der Verzeihung, der sich auswirkt in Werken der Andacht, der Abtötung, der Nächstenliebe.
Einest solchen wirksamen, fruchtbaren Glauben hatte die hl. Melanie, deren Andenken auf den 31 Dezember fällt. Als eine der vornehmsten Römerinnen war sie um das Jahr 400 in Luxus und Ueberfluß aufgewachsen. Indessen fragte sie bei ihrer Lebensgestaltung den Glauben und den Heiland um Rat. Da erkannte sie, daß ein armes Leben sicherer in den Himmel führe als ein reiches. Darum veräußerte sie ihr fabelhaftes Vermögen, das aus Grundstücken, Palästen und Einkünften
aller Art bestand. Den Erlös gab sie den Klöstern, den Gotteshäusern, den Bedürftigen, den Armen. Acht taufend Sklaven ließ sie frei, und versicherte ihnen einen auskömmlichen Lebensunterhalt. Sie wußte, daß Gebet und fromme Lesungen dem Heiland besser gefallen als die Eitelkeiten einer putzsüchtigen Kleidung oder die Torheiten des Theaters, der Bäder und anderer Lustbarkeiten. Darum legte sie ihre Kleider aus feiner Seide und ihren Schmuck von Goldgeschmiede und Perlen ab und kleidete sich in grobe Linnen wie eine Bäuerin. Stundenlang oblag sie frommen Lesungen u. studierte mit eisernem Fleiße die Bibel, die sie viermal im Jahre durchlas Dem Fasten war sie in dem Grade ergeben, daß sie an manchen Tagen nichts über dis Lippen brachte als zehn Feigen. Am Abend des Lebens zog sie sich nach Bethlehem, an die Geburtsstätte des Erlösers, zurück und starb dort sechs Tage nach Weihnachten im Jahre 439 im Alter von 56 Jahren.
Siehe, das ist ein Leben, ausgefüllt mit gottgefälligen, übernatürlichen Werken, die geradeaus zum Himmel führen. Welchen Trost wird eine solche Frau in ihrem Sterben gehabt haben; welchen Frieden wird sie jetzt im Himmel verkosten bis in Ewigkeit.
Verwenden wir auch unsere ganze Lebensfrist und insbesondere die paar Tage bis Weihnachten zu guten Werken und sage nicht: ich bin katholisch, ich besitze den wahren Glauben; bei mir kann es nicht fehlen- der Himmel ist mir sicher. Denke vielmehr an das Wort des Apostels: machet eure Auserwählung sicher durch gute Werke. Den Wert unseres Glaubens müssen wir beweisen aus den Werken.
Da sind Werke der Andacht. Fleißig und gehörig beten. Wie wäre es, wenn ihr in den Familien an den Abenden würdet ein Stück Rosenkranz beten oder eine Adventsandacht verrichten mit frommen Liedern? Wenn wir öfter unsers Sehnsucht nach dem Erlöser würden kundtun mit den Worten der Kirche: „Tauet, ihr Himmel, den Gerechten; Wolken, regnet ihn herab; die Erde tue sich auf und sprosse hervor den Heiland?" Hast du noch nicht gebeichtet, so möge dir das Weihnachtsfest die letzte Frist sein. Die hl. Kommunion empfange öfter; gerade aus dieser Himmelsspeise hat unsere Melanie täglich neue Kraft gezogen für, die Anstrengungen des Tages.
Werke der Abtötung. Verzichte freiwillig auf dieses oder jenes Vergnügen oder eine Annehmlichkeit. Alban Stolz erzählt von einem Herrn aus München, der das Rauchen aufgab und dafür jährlich 100 Mark für gute Zwecke aufbrachte.
Werke der Nächstenliebe. Denke an arme Familien oder Kinder, denen du etwas zu Weihnachten bescheren möchtest; an Kirchen, Klöster, Missionen und andere, fromme Unternehmungen, denen du mit einem Beitrag Gutes tun kannst. Befleiße dich der Freundlichkeit gegen Angehörige