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Religiös«« Wochenblatt

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Ausgabe B

Kassel, den u< Dezember 1927.

6t. EWeth-MN

für die katholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Psennig B 45 R.-Psennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Osf.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.

Druck und Berlag der Fuldaer AeNendruckerei. Verlagsort Fulda.

Wochenkalender.

Sonntag, 11. Dez. 3. Adventssonntag. Damahls I., Bek., Papst, t 384.

Montag. 12. Dez. 5. Tag der Oktav von Unbefl. Empfängnis.

Dienstag, 13. Dez. Luzia, Jgfr., Mart., f 304.

Mittwoch, 14. Dez. Quatembermittwoch. 7. Tag der Oktav von Unbefl. Empfängnis.

Donnerstag, 15. Dez. Oktav von Unbefl. Empfängnis.

Freitag, 16. Dez. Ouatemberfreitaq. Eusebius, Bisch., Mart., f 370.

Samstag, 17. Dez. Quatembersamstag. Stur­mius, Abt zu Fulda, Bek., f 779. _ ,

Dritter Kdventsonntag.

Epistel: phil. 4, 47.

Brüder! Freuet euch allzeit im Herrn; noch einmal freuet eurf)! Cure Sittsamkeit werde allen Menschen kund. Der Herr ist nahe. Seid nicht ängstlich besorg^ sondern laßt in all eurem Beten und Bitten eure Wunsche mit Danksagung kund werden vor Gott. Uno der Friede Gortes, der jeden Begriff übersteigt, bewahre euch Herz und Sinn in Christus Jesus, unserem

Evangelium: Joh. 1, 1928.

Unser aller Bruder.

eihnachten rückt näher, und unser aller. Augen sind aus den Er­löser gerichtet. Jenes Kind in der Krippe ist umstrahlt von göttlichem Licht und wird an­gebetet von Engeln. Dieses Kind

wächst und wird ein Mann und ist groß in Wort und Werk, wie ein Mensch noch nie gewesen ist noch fürder sein wird. Durch den Tod geht er ein zur Unsterblichkeit, herrscht zur Rechten des Balers, kommt zum Gericht und spricht das un­umstößliche Urteil, das entscheidet über das Los einer Ewigkeit. Mit Thomas sinken wir nieder und rufen:Mein Herr und mein Gott!"--

ttnd trotzdem! Dieser Heiland, von dessen Got­teswürde eine unendliche Kluft uns trennt, ist mit bl ns verbunden durch das zarteste Band der Blutsverwandtschaft. Mit einer gewissen Ver­traulichkeit dürfen wir vor ihn treten und ihn Bruder" nennen.

Bruder ist der Herr dem Fleisch nach, in seiner wahren und eigentlichen Menschennatur, die er durch die Abstammung von Adam mit uns ge­mein hat Lukas zeichnet am Schluß des dritten Kapitels feines Evangeliums den Stamm­baum Jesu mit folgenden Worten:

Jesus war zu Beginn seines öffentlichen Wir­kens etwa 30 Jahre alt und wurde für einen Asaphs gehalten Dessen Vorfahren waren: Heli, Mathal, Levi, Melchi, Janne . . . .; zu­letzt kommt er auf Noe, Lamech, Mathusala, He­

noch, Jared, Malaleel, Kainan, Henos, Seth, Adam; dieser stammt von Gott." Matthäus führt gleich zu Beginn seines Evangeliums den Stammbaum Jesu auf Abraham zurück, der wie­derum den Adam zum Stammvater hat und steigt empor bis auf Joseph,den Mann Mariä, von der geboren ward Jesus, der genannt wird Chri­stus". Vielleicht wirst du einwenden, daß sowohl bei Matthäus als auch bei Lukas Josephs Stamm­baum aufgestellt ist. Was kann denn dieser Stammbaum beweisen, da doch Joseph nicht der eigentliche, sondern nur der Pflegevater Jesu ist? Die Antwort darauf ist aber kinderleicht. Einmal stammen überhaupt alle ziiMifdjen von Adam ab; also auch Maria. Die Hauptabsicht der Evangelisten geht dahin, daczutun, daß Jesus ein Nachkomme Davids ist. Dieser Nachweis ist erbracht, wenn der Stammbaum Josephs auf Abraham zurück­reicht. Als Erbtochter mußte nämlich Maria nach Vorschrift des Gesetzes einen Mann des gleichen Stammes zur Ehe nehmen. Stammt also Joseph von David, dann auch Maria. Ausdrücklich schreibt noch der hl Lukas, daß bei der Volks­zählung unter dem Statthalter Cyrinus Joseph von Nazareth sich nach Bethlehem, der Stadt Da­vids, begab, weil er aus dem Geschlechte Davids stammte. Beide also, sowohl Joseph als auch Maria, führten ihren Stammbaum auf den ge­rneinsamen Vater David zurück. David wieder stammte von Abraham, dieser von Gott. Durch Maria stammt Christus seiner Menschheit nach von Adam; und auch wir alle stammen von Adam Mithin ist Christus dein und mein und unser al­ler Bruder.

Sowohl die Evangelisten als auch Sankt Pau­lus legen auf diese Tatsache großen Wert. Im zweiten Kapitel seines Hebräerbriefes nimmt Pau­lus mit großem Nachdruck auf diesen Umstand Bemg.Derjenige, welcher heiligt und diejenigen, welche geheiligt werden, sind einer Abstammung. Darum schämt sich Christus nicht, uns feine Brü­der zu nennen und zu sagen:

Ich will deinen Namenmeinen Brüdern" verkünden und inmitten der Gemeinde dich preisen.

Beim hl. Markus wird eine interessante Epi­sode erzählt:Es kamen zu Jesus seine Mutter und seine Verwandten und ließen ihn rufen. Und es saß um ihn herum eine Menge, und sie spre­chen zu ihm: siehe, deine Mutter und deine Bru­der sind draußen und suchen dich! Er aber schaute auf diejenigen, die um ihn herumsaßen, und sprach: siehe, das ist meine Mutter, und das sind meine Brüder; wer nämlich den Willen meines Vaters tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter". Mr. 3,31.

Matthäus aber berichtet von den Frauen, die den Heiland nach .seiner Auferstehung gesehen und begrüßt haben. Zu ihnen sagte der Herr:Gehet und verkündiget meinen Brüdern, daß sie nach

Galiläa gehen; daselbst werden sie mich sehen." Mt. 28,10.

Diejenigen nun, die durch ihre Zustimmung und Vermittlung diesen herrlichen Bruder uns geschenkt hat, ist Maria, die reinste Jungfrau, die hochgebenedeite Gottesmutter, das bevorzugte Ge­fäß der Gnade, die unbefleckt empfangene. Sie ist die Mutter Jesu; sie ist aber auch unsere Mut­ter, da Jesus unser Bruder geworden ist. Ver­ehren wir sie mit besonderer Hochachtung in die­sen Tagen des Advent, in dieser Oktav der unbe­fleckten Empfängnis und weihen wir uns ihr mit den Worten:

O meine Gebieterin, o meine Mutter; dir bringe ich mich ganz dar und, um dir meine Hin­gabe zu bezeigen, weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mich selber ganz und gar." Ebenso fromm als geistreich schreibt darüber der hl. Bischof Alphons v. Li­guori:Bei der Erzählung von der Geburt Jesu bedient sich der hl. Lukas des Ausdruckes: sie gebar ihren erstgeborenen Sohn. Wenn nun der Evangelist sagt, Maria habe ihren erstgeborenen Sohn geboten, so muß sie notwendig noch andere Söhne gehabt haben; nun ist aber Glaubenswahr­heit, daß Maria keine andern leiblichen Söhne, hatte außer Jesus; sie muß also geistlicher Weise noch Kinder haben, und diese sind wir."

Ist Jesus unser Bruder, so sollen wir über diese Würde uns freuen, daß wir seine Blutsver­wandten sind: aber diese Ehre auch zu schätzen wis­sen. Wir müssen nämlich seine Brüder sein nicht nur der Blutsverwandtschaft nach, sondern auch der Tugend nach. Schreibt ja Sankt Paulus: Zieht den Herrn Jesus Christus an". Röm. 13 14. So wollen wir alle Unähnlichkeit, die uns von Christus trennt, alle Sünde und Unvollkom­menheit, durch reumütige Beicht abstreifen und durch die hl. Kommunion, durch Gebet, durch Sanftmut, durch Barmherzigkeit, durch Keuschheit, durch Tugend und Charakterbildung Abbilder Christi werden, die der ewigen Herrlichkeit sicher sind. Der Burgpfarrer.

Freuet euch!

Wir haben uns als Kinder lange vorher auf Weihnachten gefreut. Wohl blieb die Christbaum- stube verschlossen. Aber mitunter kam die liebe Mutter heraus und lächelte uns an: Bald kommt das heilige Christkind! So steht heute die Kirche als wissende Mutter vor uns und ruft in unser Harren und Sehnen: der Herr ist nahe! Freuet euch, freuet euch im Herrn! Diese Eingangs- und Epistelworte sind unser Freudenprogramm. Gott der Herr ist die Ursache unserer Freude, -und seht, dieser Gott wird bald kom­men und uns retten. Der Herr ist nahe, so nahe, wie einstens im Heiligen Land, wo von ihm der Täufer im Evangelium klagt: Er steht in eurer