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für die katholischen Gemeinde« Kassels.
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Nr. 49.
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Die Feier des 150 jährigen Jubiläums.
So ist er denn gekommen, der Tag der Freude, nach dem sich die Katholiken der Stadt Kassel seit Monaten schon gesehnt, an dem sie alle so innigen Anteil nehmen wollten und nun auch genommen haben. Festesfreude im Herzen, Feststimmung über der Stadt Kassel, die der Himmel heute besonders gesegnet zu haben schien. Wahrlich zeigte es sich hier, daß zur Festfreude alle Voraussetzungen gegeben sein müssen, daß der Mensch und seine Umgebung gleichgestimmt sein müssen, soll eben die Freude groß, herzenverbindend und allgemein sein. Schon In der frühen Morgenstunde zeigte der sonst graue Novemberhimmel ein heiteres Gesicht. Die Sonne suchte sich Bahn zu brechen durch die Schwärze der Nacht, die Schwaden des Nebels. Als die Glocken der Jubilarin anschlugen, floh das Gespenst der Nacht vollständig, und ein heiterer Himmel gleißt im Morgensonnenlichte über der jubelnden Stadt.
St. Elisabeth hatte ihr Festgewand angelegt. Lange Fahnen in den päpstlichen und städtischen Farben hingen schwer vom Tau zur Erde nieder, grüne Kränze erinnerten an die Bedeutung des Tages, die Geburt und Weihe der ersten heiligen Stätte im Zeitalter der Aufklärung. Und die Menschen?
Es gab wohl kaum einen Katholiken in der Stadt, der noch mit Stolz sich zu den weiß-gelben Farben bekennt, der nicht äußeren und inneren Anteil an dem Säkularfest genommen hätte. Alls katholischen Gemeinden, die Töchter der Jubilarin, nahmen gemeinsamen Anteil an der Festesfreude; ihre Mitglieder eilten schon in früher Morgenstunde zur Mutter, um in ihren Mauern den hehren Tag begehen zu können. So sah St. Elisabeth im feierlichen Hochamte Tausende katholischer Christgläubigen und Menschen anderer Glaubensrichtung, die sich alle zu dem Erlebnis der Gedenkfeier versammelten, daß vor 150 Jahren nach den Stürmen einer verflossenen Zeit zum ersten Male das Ewige Licht aufleuchtete vor dem Tabernakel des verborgenen Gottes, daß Christus in Brotsgestalt zum ersten Male wieder sichtbar wurde einer größeren katholischen Gemeinschaft. Das gemeinsame Erleben war auch so stark, daß wohl noch nach Jahren Menschenzungen von der glanzvollen Feier in der Mutterkirche berichten werden.
Die kirchliche Feier.
Schon füllten Massen die kleine Kirche, bevor oie Zeit des Hochamtes eingetreten war. Still und feierlich harrten die Gläubigen vor dem herrlich ausgestatteten Altar, en ein Baldachin-Thron, Lorbeerbäume, Nadel uze und Blumen reich umgaben. Auf ber,. .stellten fürstlichen Sesseln batten die geladenen Gäste Blatz aenommen: Die
tum zu bauen, in bem das heilige Opfer gefeiert werden sollte. Da ließ er sich den genialen Baumeister Du Ry kommen, der diese Kirche in ihrer feinsten edelsten Gliederung und Raumwirkung schuf, wie sie im Ganzen Hessenland nicht vollkommener zu finden ist. Kunstkenner gingen ein und aus und priesen das Werk als etwas formvollendetes, ein Gedicht in Stein. Lobpreise meine Seele den Herrn, so rufen wir heute. Auch du, meine Seel lobpreise den Herrn für alle feine Wohltaten. Der Festprebiger kommt nun auf die Zeit zu sprechen, die als schriller Mißton im katholischen Leben Kassels zu deuten ist, wo nach dem Ableben des katholischen Fürsten der Raub am Hause Gottes begann Im Kulturkampf mußten drei Priester ihr Heim verlassen, das ihnen ein Fürst ehemals eingerichtet hatte. Schmerzlich werde heute noch der Schande gedacht, daß ein Priester seines Eides vergaß unb das gläubige Volk aus den Mauern der Kirch» trieb, das solange wartete, bis andere Priester kamen. Die dritte Epoche bedeutet wohl den Höhepunkt in der Schaffung innerer Werts in der katholischen Gemeinde. Die Kurhsssischs Regierung hielt, was sie versprochen hatte, sie förderte in Fulda das neuerstandene Priester- seminar, und wirkte so an der Gestaltung der edlen Priester, die gerade im vorigen Jahrhundert aus diesem Seminar hervorgegangen sind und auch Kassel so reichen Segen gespendet haben. Namen wie Wehner, Müller und Hofmann leben heute noch im Munde all derer, die sie gekannt. Kein Wunder, daß die 60er und 70er Jahre solche Blüten an Frömmigkeit in der kath. Gemeinde in Kassel getrieben haben. „O Herr Gott, du hast diese Gemeinde gekrönt mit Gnade und Erbarmen." (Psalm). Nach außen bin wuchs die Gemeinde: Eine einzige Kirche vor 150 Jahren, heute 5 Kirchen, klösterliche Niederlassungen, Schulen, Krankenhäuser. Wenn wir das alles bedenken, dann müssen wir sagen: „0 großer Gott, du hast dein Werk gefront." Aber wir wollen nicht bei dem stehen bleiben, was bisher geschaffen wurde. Uns tut heute not ein heiliger Entschluß, ein säkularer Entschluß: „Wir wollen alles ein« setzen für die Pfarrgomeinde St. Elisabeth, wollen ihre Arbeit fördern, wollen mithelfen, daß die Gnaden reich strömen über die ganze Stadt." Ihr sollt es empfinden, daß Ihr der Pfarrgemeinde St. Elisabeth angehört, Euch zum Preise, der Pfarrgemeinde zu Nutz und Frommen, dem Ewigen zu Ruhm und Ehre. Denn ihm sei Ehre und Ruhm in Ewigkeit Amen."
Leuchtend stieg nach dieser ergreifenden Fesb- predigt das „Credo" auf und formte sich im „Et incarnatus est" zum Ausdruck der Empfindung, die aller Gläubigen Herzen in diesem Augenblick beseelten. Das „Sanctus" und „Benediktus", die bischöfliche Präfation und das „Pater noster", sie alle einigten sich zu einem gewaltigen, alle und alles verbindenden Lobgesang, der weit hinausging über die blaue Kuppel der Kirche und ihren Gipfelpunkt fanden im hinreißenden „Te Deum Laudamus".
Wie vor 150 Jahren in eine; ■ feierlichen Hochamt der Freude über die neue Kirche Ausdruck gegeben wurde, wie damals ein Oberhirte dem Bau die kirchliche Weihe gab und es zu einem Gottes,
Staatsregierung war vertreten durch S. Exzellenz Herrn Oberpräsident Dr. Schwander, der Regierungsbezirk durch den Herrn Oberregierungsrat Kellner und die Stadt Kassel durch ihr Oberhaupt, den Herrn Oberbürgermeister Stadler.
Unter feierlichem Glockengeläute und unter Vorantritt von Geistlichen der Stadt und der Geistlichen, die früher in St. Elisabth angestellt waren, betrat segenspendend der mitfeiernde Oberhirte der Diözese, unser Hochw. Herr Bischof Dr. Joseph Damian Schmitt das Gotteshaus. Von der Empore schallte das machtvolle „Ecce sacsrdos" des Kirchenchores, begleitet von Orgel und Orchester zur feierlich. Begrüßung herab. Dann begann das Bischöfliche Hochamt, das unser Oberhirte unter der Assistenz des Herrn Pfarrers Herbert und der Herren Kapläne Heim und Vretzler als Diakons und des Herrn Pfarrers Wehner und Pastor Thier- gart als Ehrendiakone zelebrierte. Festlicher Weihrauch stieg auf zur Kuppel, festlich erklang das feinsinnige „Kyrie", festlich rauschten die Akkorde unserer Orgel, die ihr Bestes hergeben wollte zur heutigen Feier. Dann betrat mit oberhirtlichem Segen gestärkt der Festprediger des Tages, der hochw. Herr Dechant Braun, der Stadtpfarrer von Hanau, die Kanzel. Was er sagte, war ein Loblied auf den Segen Gottes für die Gemeinde, ein freudiger Dank an die Glaubenstreue der Katholiken und eins ernste Mahnung, im Geiste der Kirche zu wirken.
„Lobpreise mein Seel den Herrn und vergiß nicht seine Wohltaten". „Welch seltenes Fest, welch großes Erleben in dieser Feierstunde! Heute hat sich das ganze katholische Kassel und besonders dis katholische Gemeinde St. Elisabeth hier versammelt, um Rückschau zu halten auf eine Zeit, die zwischen 1777 und 1927 liegt. Was geschah in diesen 1% Jahrhunderten? Wir haben recht, im Sonnenglanze der Festesfreude dieses Tag zu begehen. Willkommen Ihr alle, Ihr Pfarrkinder von St. Elisabeth Willkommen alle zu dem heutigen herrlichen Feste! Wir lehnen es ab als Katholiken ruhmredrig zu sein. Cs ist nicht von uns gekommen, sondern heute gilt der Psalm 109 Davids „Lobpreise meine Seel den Herrn und vergiß nicht seine Wohltaten". So reißt der Festredner alle in einen freudigen Hymnus auf Gott und seine Wohltaten und drückt aus den herzlichen Dank, das brennende Verlangen, die große Entschlußkraft, die aus dem heutigen Tags ihre Nahrung finden soll und sich zu einem starken Wollen für die Zukunft auswachsen soll, so wie es eine Säkularfeier dieses Formats verlangt. „Dies mögen die Gedanken fein," fährt er fort, „die heute Euer Herz bewegen. O Heiland Jesus Christus, der du 150 Jahre hier unter uns gewohnt hast, dir sagen die Herzen all derer, die von dir reich beschenkt worden sind. Dank. Ach ja, es war eine Wohltat. ein Erbarmen Gottes! Als vor 150 Jahren hier in Niederhessen ein Prinz den katholischen Kult wieder erstehen ließ, als dieser Prinz dann Fürst geworden, brachte ihn Gottes Gnade zu dem Entschluß, ein Heilig