6t ElWeth-Aalt
Religiöses Wochenblaki
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe â 40 R.-Pfennig B 45 R.-Psennig (Zustellgebühr èxlra). Redaktionsschluß Montag. Anzelgen-Prelse: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunsi und Ofs.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
---- Sruit und Sirtag der Fuldaer ActiendruSerri. Aerlagsart Fulda. ------------
Nr. ^7. ^| Kassel, den 20. November 1921.
Wochenkalender.
Sonntag, 20. Nov. Letzter Sonntag nach Pfingsten.
Felir von Valois, Stifter des Trinitarierordens, + 1212.
Montag. 21. Nov. Mariä Opferung.
Dienstag, 22. Nov. Caecilia, Jgfr., Mart., + 230.
Mittwoch, 23. Nov. Klemens I., Papst, Mart., t 100.
Felizitas, Märtyrin t im 2. Ihrh.
Donnerstag, 24. Nov. Iohannes vom Kreuze, Bek., + 1591. Chryfogonus, Mart, im 3. Jhrh.
Freitag, 25. Nov. Katharina, Jgfr., Mart., f 307.
Samstag, 26. Nov. Silvester. Abt, J- 1267». .Petrus,
Bischof, Mart., f 311. : . . .
.......... „„,
Letzter Sonntag nach Pfingsten.
' (Ev. Matth. 24, 15—35).
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr den Greuel der Verwüstung, welcher von dem Propheten Daniel vorhergelagt worden, am Heiligen Orte stehen sehet: — wer das lieft, der verstehe es wohl! — dann fliehe, wer in Judäa ist, auf die Berge: und wer auf dem Dache ist, der steige nicht herab, um etwas aus seinem Hause zu holen: und wer aut hem Felde ist. kehre nicht zurück, um seinen Rock M holen. Und wehe den Schwängern und Säugenden in jenen Tagen! Bittet aber, hast' eure Flucht nicht im Winter oder am Sabbathe geschehe. Denn es wird alsdann eins große Trübsal ;ein, dergleichen von Ansang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist, noch fernerhin sein wird. Und wenn dieselben Tage nicht abgekürzt würden, so würde kein Mensch gerettet werden: aber um her Auserwählten willen werden jene Tage abgekürzt werden. Wenn alsdann Jemand zu euch 'agt: Siehe, biet ist Christus, oder dort! so glaubet es mäht. Denn es werden fabche Christi und stäche Propheten aufstehen, und sie werben große Zeichen und Wunder tun: so daß auch die Auserwählten lwenn es möglich wäre) in Irrtum geführt würden. Siehe, ich habe es euch vorhergesagt! Wenn sie euch also sagen: Siehe, er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus: siehe, er ist in den Kammern, fo glaubet es nicht Denn gleichwie der Blitz vom Aufgangs ausgeht, und bis zum Untergänge leuchtet: ebenso wird es auch mit der Ankunft des Menichemobnes fein. Wo immer ein Aas ist, da versammeln sich die Adler. Sogleich aber nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond leinen Schein nicht mehr geben, * e ^*e ®ierlle werden vom Himmel fallen, und die Strafte des Himmels erschüttert werden Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel er» Wernen, und dann werden alle Geschlechter der Erde r 'klagen, und sie werden den Menschenlohn fommen heen in den Wolken des Himmels, mit großer Kraft uno Herrlichkeit. Und er wird feine Engel mit der 4oiaune senden, mit großem Schalle: und sie werden äserwählten von den vier Winden, von einem vnoe des Himmels bis zum andern zusammenbringen. Feigenbäume aber lernet das Gleichnis: Wenn HHweig schon zart wird, und die Blätter hervorge- chsen sind, so wisset ihr, daß der Sommer nahe ist °uch, wenn ihr dies Alles sehet, so wisset, daß es G°t^s^- der Türe ist Wahrlich, sag' ich euch: Dieses stimm6, rmr^ nicht vergehen, bis dies alles geschieht. - umel und Erde vergehen, aber meine Worte werden vergeben.
Eine wohIbearün-eLe Warnung. . ty&X^gSeiig/ in Schiff in voller Fahrt über bin; brausenden Ozean; zwei Hundert Passagiere an Bord. Da plötzlich! '^^^^^^ eine Katastrophe, eine Explosion,! ein furchtbarer Knall; ein Loch in: «jtc Schiffswand — und gierig dringt das Wasser in das Innere. Entsetzen packti die Fahrgäste; denn das Schiff treibt dem Unter-; gang entgegen. i
Diesem Schiff gleichen Menschen, die der Un- ■ Mäßigkeit fröhnen und dadurch Gefahr laufen, ewig verloren zu gehen. Wird unser Heiland ruhigen Blutes zusehen, daß wir in diesen Abgrund hinab- taumeln? Nein; sein Herz blutet und sein Mund öffnet sich zu einer lauten, wohlbegründelen Warnung.
»Hütet euch, daß Eure Herzen nicht beschwert werden von Fraß und Völlerei, damit nicht jener Tag unvermutet wie eine Schlinge über Euch hereinbreche." Luc. 21, 34.
Welchen Tag hat denn der scharfsehende Heiland im Buge? Eben jenen, den er heute mit don- nergewaltigen Worten im Evangelium verkündet, den Weltuntergang und damit den Tag des Gerichtes, den Tag des unwiderruflichen Urteils und damit zugleich den Tag des Todes, an dem die Entscheidung füllt, die das letzte Gericht nicht aui- heben, sondern bestätigen wird.
Der Gedankengang des Heilandes ist dieser: Da der Tag des Weltuntergangs, wie auch der Tag des Todes und des Gerichtes unbekannt sind und keinem einzigen Menschen geoffenbart werden, so verlangt es gebieterisch die Klugheit, sich vor der Unmäßigkeit sorgfältig zu hüten.' Denn, wer überrascht wird von der Trunkenheit, der ist verloren
Deshalb die Erziehung zur Mäßigkeit in allen Büchern der hl. Schrift. Wozu ward wohl den Stammeltern das Gebot gegeben, vom Genuß des einen Baumes sich zu hütèn'? Nicht bloß zur Prüfung, sondern auch zur Abtötung, dieser Vorschule der Müßigkeit. Weshalb wurde den Israeliten der Genuß von Schweinefleisch für das ganze Leben so streng untersagt? Um das Volk Gottes immerfort in der Mäßigkeit zu üben. Denn, wer gewöhnt ist, auf eine Speise, zumal eine so delikate, für immer zu verzichten, der wird auch imstande sein, im Genuß von Speise und Trank die Grenzen der Mäßigkeit zu beobachten.
Und wer zählt die Empfehlungen der Müßigkeit im neuen Testament? Nur zwei will ich herausgreifen. Da finde ich die energischen Worte des Apostelfürsten Petrus:
„Brüder, seid nüchkern und wachsam; denn Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher, suchend, wen er verschlinge".
Sankt Petrus hat wohl gewußt, wo der Teufel seine fetteste Ernte hält: unter den Opfern der Unmäßigkeit, unter den Sklaven des Alkohols.
Der hl. Paulus aber hat ein Wort hinterlassen, das alle Edelsteine der Welt an Wert übertrifft:
„Ein großer Schatz ist Frömmigkeit, verbunden mit Mäßigkeit". Betrachtet die Weisheit dieses großen Mannes. Mit Recht hält er die Frömmigkeit, so großes Lob sie auch verdient, noch nicht, für eine ausreichende Garantie des Heils. Denn, was würde es nützen, viel zu beten, die Gottesdienste zu besuchen, die hl. Sakramente zu empfangen, und dabei ein lockeres, unabgetötetes Leben zu führen, dem Trinken zu huldigen, ganze Abende regelmäßig in Wirtshäusern hinter dem Glase zuzulumgen, die Pflichten des Berufes und der Familie zu vernachlässigen? Die Frömmigkeit für sich alein, sagt unser Paulus, genügt noch nicht. Sie muß immer in Verbindung bleiben mit der Mäßigkeit, mit der Geirügsamkeit, mit der Vorsicht und Abtötung besonders gegenüber jenen rei» zenden Getränken, die wir als „Alkohol" bezeichnen. —
Und wahrhaftig, der Teufel und die Trinksitten stellen Fallen in Massen auf, um manches arglose Menschenkind zu fangen. Manchmal ist der Zahltag der Verführer. Eine ganze Woche, sagt der Teufel, einen ganzen Monat hast du gearbeitet und dich abgeplagt; nun hast du eine Abspannung nötig. Und willig folgt so mancher Arbeiter, Taglöhner, Beamter diesem Lockruf, verschwindet hinter der nächsten Wirtshaustür und kommt mit leerem Beutel nach Haufe zum Schaden und Aerger- nis der ganzen Familie. Da lobe ich mir jene Lohnempfänger, die, ihren Lohn in der Tasche, aufrecht an allen Wirtschaften und Vergnügungs- lokalen vorübergehen und ihn unversehrt auf dem Tisch der Familie ausschütten.
Ein anbermal gibt es einen Freftrunk. Da sagt der Teufel: es kostet nichts, laß dirs wohl fein. Und manch einer wankt betrunken nach Haust. Merke dir, daß jeder Rausch unwürbig ist, abscheulich ist, unverantwortlich ist, gesundheitsgefährlich ist, sündhaft ist, mag er nun mit oder ohne Geld erworben sein. Wer aber feinem Nächsten ein Bene tun will soll ihn mit solchen veralteten, gemeingefährlichen Methoden verschonen, ihm einen Bar betrag verabfolgen oder seinem Kinde ein Paar Schuhe, feiner Familie einen Haushal- tungsartikei schenken.
Etwas ganz Schmerzliches muß ich noch sagen, wobei bem" Priester sich das Herz im Leibe zusammenkrampft. Sogar religiöse Anlässe werdet! zur Unmäßigkeit mißbraucht und müssen herhalten, die Trunkenheit mit einem frommen Mäntelchen zu verbräumen. Kann man nicht am Tage der Erstkommunion, am Tage der Firmung, am Tage der Hochzeit, am Tage einer Beerdigung manchmal Betrunkene sehen, die den Tag dèr Freude oder Trauer benützt haben, um ihrer Leidenschaft zu fröhnen? Ist,das nicht der Gipfel der Geschmacklosigkeit? Grenzt das nicht an Gotteslästerung?
Mein Christ, wende dich heute, am letzten Sonntag des Kirchenjahres, mit Abscheu vom Laster