Kassel, den 6. November 1927
Nr. 45.
Ausgabe U
6t ElWeth-Mt
Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ».-Pfennig 3 45 ».-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzelle im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Aeb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
Druck uad Verlag der Fuldaer XcHenlruieret V-rlagrort Fulda.
wochenkalender.
Sonntag, 6. Nov. 22. Sonntag nach Pfingsten.
Montag, 7. Nov. 7. Tag der Oktav von Allerheiligen.
Dienstag, 8. Nov. Oktav von Allerheiligen. Ged. der 4 HH. gekrönten Brüder, Mart, zu Rom.
Mittwoch, 9. Nov. Fest der Weihe der Erlöserbasilika. Theodos, Mart., f 303.
Donnerstag, 10. Nov. Andreas Avallinus, Bek., f 1608.
. Tryphon u. Gen., Mart.
Freitag, 11. Nov. Martinus, Bischof, Bek., f 400.
Mennas, Mart., f 304.
Samstag, 12. Nov. Martinus, Papst, Mart., f 655.
22. Sonntag nach Pfingsten.
(Ev. Matth. 22, 15.—22.)
In jener Zeit ging die Pharisäer hin, und hielten Nath, wie sie Jesus in einer Rede sangen könnten. Und sie 'chickten ihre Schüler mit den Herodianern zu ihm, und sagten: Meister, wir wissen, daß du wahrhaft bist, und den Weg Gottes nach der Wahrheit lehrest, und dich um Niemand kümmerst: denn du siehst nicht auf die Person der Menschen: sag uns nun, was meinest du wohl: Ist es erlaubt, dem Kaiser Zins zu geben, oder nicht? Da aber Jesus ihre Schalkheit kannte, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Zeiget mir die Zinsmünze. Und sie reichten ihm einen Denar hin. Da sprach Jesus zu ihnen: Wessen ist dieses Bild und die Ueberschrift? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: Gebet also dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.
Ein Hoffnungsstrahl.
ovember! Totenmonat!
Große, schwarze Prozession hinaus auf den Gottesacker. Ge bete und Gesänge zwischen den Gräberreihen. Heiße Tränen aus frische Grabhügel.
Ist ein Hoffnungsstrahl in dieser dunklen Nacht des Todes?---
Schlage das Buch Job auf, das Buch des großen Patriarchen, des hartgeprüften Dulders. Schwer ist er vom Schicksal getroffen; Herden und Reichtum verloren; sämtliche Kinder verloren; die Gesundheit verloren; vom Aussatz geschlagen, abgemagert bis auf Haut und Knochen, schmerzdurchwühlt; verspottet, verhöhnt, verleumdet von seiner 8r.au und seinen drei Freunden. Sitzend auf dem Düngerhaufen, mit einer Scherbe den stinkenden Elter abschabend, schaut er in die grausige Nacht seines unbegreiflichen Geschickes. —
Doch auf einmal ein Hoffnungsstrahl wie ein Blitz von fernem Himmel. Ihm kommt ein Gedanke, so groß, so leuchtend, so herrlich, so beglückend, daß er wünscht, ihn zu verewigen in Buch und Stein.
„Wer gibt mir, daß meine Worte ausgeschrieben werden?
Wer verschafft mir, daß sie in ein Buch eingezeichnet werden?
Daß sie mit eisernem Griffel oder mit dem Meißel eingegraben werden in den Felsen?---
Denn ich weiß, daß mein Erlöser lebt;
Und ich werde am jüngsten Tage von der Erde ausersiehen
Und werde wieder umgeben werden mit meiner Haut;
Und werde in meinem Fleische meinen Gott schauen.
Diese meine Hoffnung ruht in meinem Dusen."
Job 19.
Jobs Hoffnungsstrahl im Dunkel seiner Lei- d.ensnacht ist also der Glaube an die künftige Auferstehung. Sollte er selbst von Tod und Grab verschlungen werden, ihn trägt, erhebt und ermutigt eine selige Gewißheit. Sein Auge wird erleuchtet vom hl. Geiste, dem die Zukunft offen steht wie ein Buch; und er schaut den Erlöser, seine Ankunft im Fleische, sein Leiden, sein Sterben, sein Begräbnis; aber auch seine wunderbare, glorreiche Auferstehung aus dem Reiche der Toten. Dielen Erlöser sieht er als Haupt der gesamten Menschheit. Mit ihm stehen also auch seine Glieder, die Menschen, auf. Er sieht die künftige Auferstehung als eine allgemeine, die auch auf ihn selber sich erstreckt. Die Seele wird sich mit dem Leibe wieder vereinigen; der Leib mit all seinen Sinnen, Organen und Gliedern wird neu erstehen, von allen Wunden, Narben, Krankheiten, Schwachheiten, Fehlern, Unvollkommenheiten frei in ewiger Gesundheit, Fülle, Kraft, Frische und Lebenslust prangen und blühen. —
Unsere hl. Mutter, die Kirche, hat diesen Hoffnungsstrahl herübergenommen in ihre Liturgie und verbreitet damit beim Gräberbesuch hellen Sonnenschein. Vier Stationen werden an Allerheiligen und Allerseelen auf dem Friedhof gemacht. Gleich bei der ersten erhebt der Priester feine Stimme zu den Worten:
„Credo, quod Redemptor meus vivit: Ich glaube, daß mein Erlöser lebt, und ich werde am jüngsten Tage von der Erde auferstehen und in meinem Fleische werde ich meinen Heiland schauen".
Auch der Dichter hat sich diesen Gedanken zu eigen gemacht und ihm in der „Glocke" herrlichen Ausdruck verliehen:
„Noch köstlicheren Samen bergen
Wir trauernd in der Erde Schoß;
Und hoffen, daß er aus den Särgen
Erblühen wird zu schönerm Los." —
Kein anderer als Christus selber ist es, die ewige Wahrheit, die unbeschränkte Allmacht, die unveränderliche Treue, der diese selige Hoffnung feierlich bestätigt mit den Worten: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, die Stimme Des Sohnes Gottes hören werden; und es werden her- vorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferste
hung des Lebens; die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichtes." Joh. 5.
Kein Windzug des Zweifels möge diesen Hoffnungsstrahl gefährden oder erlöschen. Die Macht und Weisheit Gottes, die Jahr für Jahr aus den erstorbenen Bäumen Blätter, Blüten und Früchre hervorbringt, welche das kahle Feld mit Gräsern, Kurven und Früchten schmückt, welche die kriechende Raupe in einen, fliegenden Schmetterling 'erwandelt, welche den Vögeln das ausgefallene Gefieder erneuert, sollte nicht imstande sein, einen toten, zerfallenen, verwesten oder verbrannten Leib wieder aufzubauen? Und was die Bibel des Alten und Neuen Testamentes, was die Apostel, die Märtyrer, die Kirchenväter, die Bischöfe, was )ie Denker und Völker aller Zeiten glaubten und esthalten, das solltest du in wahnwitzigem Stolze n Zweifel ziehen oder leugnen dürfen? Uns genüge es, die Tatsache einer künftigen Auferstehung zu kennen und zu wissen; das Wie wollen wir demütig der göttlichen Allmacht überlassen.
Oder sollten dir die unverdauten, von der Straße aufgelesenen Phrasen: tot ist tot; und: es ist noch keiner von dort zurückgekehrt, mehr imponieren als die Aussprüche der Bibel, die wir als Gottes Wort verehren? Mehr als die Lehre der unfehlbaren Kirche seit bald zwei Tausend Jahren? Das wäre doch Wahnwitz und Torheit. Und was hättest du von der Leugnung der Auferstehung und der Ewigkeit? Nichts als dumpfe Resignation und Verzweiflung.
Laß also den Hoffnungsstrahl aufleuchten auf dem Friedhof über den Gräbern der Eltern, Kinder, Gatten und Freunde; denn wir sind nicht wie die, welche keine Hoffnung haben; laß diese Hoffnung hineinleuchten in deine Stube, deine Kammer und alle Verhältnisse deines Lebens. Solltest du mit deiner Leiblichkeit, Gesundheit und Schönheit zu kurz gekommen sein, der Tag der Auferstehung macht alles wieder gut. Denn dein Körper wird in Gesundheit und Wohlsein auferstehen; leuchten über den Leib und alle leine Glieder. Halte ihn in Ehren, in Zucht, Ehrbarkeit, Mäßigkeit; vergreife dich nicht an seiner Würde durch Unzucht oder Unmäßigkeit. Denn, jenachdem wir im Körper Gutes oder Böses getan, darnach werden wi- auferstehen. Der Burgpfarrer.
Kirchweihfest im Fuldaer Land.
Wir haben allen Grund, das Gedächtnis der Kirchweihe nach altem Brauch und als ein Freudenfest ersten Ranges zu begehen. Durch sie ist der Gemeinde Heil widerfahren. Sie ist das ers»e Glied in einer unabsehbaren Kette von Gnaden für die Gesamtheit wie für jedes einzelne Gemeindemitglied. Ob wir wohl das Glück, ein Gotteshaus zu haben, zu schätzen wissen? Fragt die- jenigen, welche schon in der Fremde an Orten gewesen sind, wo keine katholische Kirche mit Kanzel, Beichtstuhl und Altar zu finden war. Wenn sie