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Kassel, den 25. Oktober 1927.
Ausgabe B
V 6t. EWeth-AM
Religiöses Wochenblatt
für die kalholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ZL-pfennig B 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzelle im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunst und Off.-Zeb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
Druck und Verlag Dir Fuldaer Actiendruckerei. Verlag-ort Fulda.
Wochenkalender.
Sonntag, 23. Okt. 20. Sonntag nach Pfingsten.
Montag, 24. Oktober. Raphael, Erzengel.
Dienstag, 25. Okt. Chrysantheus und Daria, Mart., t 284.
Mittwoch, 26. Okt. Evaristus, Papst, Mart., f 112.
Donnerstag, 27. Okt. Vigil der Apostel Simon und Juda.
Freitag, 28. Okt. Simon und Judas Thaddäus, Apostel.
Samstag, 29. Okt. Marien-Samstag.
20. Sonntag nach Pfingsten.
(Cvang. Joh. 4, 46—54.)
In jener Zeit lebte ein Königlicher, dessen Sohn zu Kapharnaum krank lag. Da dieser gehört hatte, daß Jesus von, Judäa nach Galiäa gekommen sei, begab er sich zu ihm, und bat ihn, daß er hinabkomme, und seinen Sohn heile; denn er war daran, zu sterben. Da sprach Jesus zu ihm: Wenn ihr nickt Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königliche sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe mein Sohn stirbt. Jesus sprach zu ihm: Geh' hin, dein Sohn lebt. Und der Mann glaubte dem Worte, welches ihm Jesus getagt hatte, und ging hin. Und da er hinabging, begegneten ihm seine Knechte, verkündeten ihm, und sagten, daß sein Sohn lebe. Da erforschte er von ihnen die Stunde, in welcher es mit ihm besser geworden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da erkannte der Vater, daß es um dieselbe Stunde war, in welcher Jelus zu ihin gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.
Frühling im Herbst.
war ist der Frühling des heurigen Jahres längst vorüber; bereits ist der Herbst in die Lande gezogen. Die letzten Kastanien sind von den Bäumen gefallen, die letzten Trauben von 'den Stöcken geschnitten.
Die Blumen haben ihren Urlaub angetreten, und die treue Aster rüstet sich, die Grabhügel der Toten zu schmücken
Und sieh, in diesen Herbst soll ein Frühlingslag Hmeingepflanzt werden, ein Frühlingstag für tue Heidenwelt, ein Frühlingstag für die Christenwelt. Und das ist der heutige Sonntag, der vom hl. Vater als „Mjssionssonnkag" bestimmt wurde und als Kicker zum erstenmal heute gefeiert wird.
der heutige Sonntag soll den Heiden ein âuizlingctag werden, ein Tag des Sonnenscheins, lag der Aussaat, ein Tag froher Hoffnung. , sm heutigen Evangelium vom 20. Sonntag _?ch Pfingsten im kleinen geschehen ist, soll ein dmbol werden zu einem großen Weltgeschehen: c"5 Raubte der künstliche Beamte und sein ganzes yaus . Welch ein Trost, welch ein Glück. Ein
Haus, eine ganze Familie mit Vater und MIter. mit Eltern und Kindern mit kverrlckokt
und Dienstboten, alle ohne Unterschied nehmen den Glauben an, den Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, den großen Wundertäter, den Heiland der Seelen.
Es soll der heutige Sonntag der Auftakt werden zur Bekehrung der ganzen Welt. Bilden doch die Menschen aller Zonen, der alten und der neuen Welt, der Festländer und der Inseln, der Kulturvölker und der „Barbaren", ob sie auch durch Grenzpfähle, Mauern, Zollschranken, Besetzungen, Sprachunterschiede getrennt sind, eine einzige, große Gokkassamilie, das eine große Haus der fa= tholischen Kirche. Die HeidM, die setzt der Kirche noch nicht angehören, sind wenigstens zu dieser Zugehörigkeit berufen.
Unser Gesichtskreis soll sich heute erweitern. Ein neuer Horizont mit unzähligen Sonnen und Sternen soll sich uns erschließen: die Welt der Heiden. Aber nicht mit den Augen kühler Berechnung sollen wir hinüberschauen zu unsern Mitbewohnern, sondern mit den Augen der Teilnahme, der Güte und Hilfsbereitschaft. Verlangt denn nicht schon die Liebe zu Gott, daß wir in der Heidenmission mitarbeiten? Muß nicht.derjenige, der Gott wahrhaft liebt, auch mithelfen, seine Absichten zu erfüllen, seine Herrlichkeit und sein Lob zu vermehren? Nun will aber Gott, wie der hl. Paulus schreibt „daß alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Wenn allo wahre Liebe zu Gott in dir ist, so mußt du dazu beitragen, daß der Wille Gottes mit Bezug auf die Heiden in die Tat umgesetzt wird. Spielen wir nicht jenen selbstsüchtigen Priester und jenen steinharten Leviten, die an dem verwundeten Juden teilnahmlos vorübergingen. Uebernehmen wir lieber die Rolle des barmherzigen Samaritans, der sich über den Unglücklichen niederbeugte, ihn mit Wein und Des labte, ihn zur Herberge führte. In jenem Gleichnis hat der Heiland mit großem Nachdruck gezeigt, daß nicht bloß Stammes- und Religionsgenossen, sondern alle Hilfsbedürftigen unsere Nächsten sind, denen wir ein teilnehmendes Herz und eine hilfreiche Hand bieten sollen. Und welch größeres Glück könnten wir den armen Heiden verschaffen als das Glück des wahren Glaubens und der ewigen Seligkeit? O, seien wir darauf bedacht, daß immer neue Millionen von Menschen mit dem Blut des Lammes besprengt werden und in der Ewigkeit einstimmen dürfen in den Apokalyptischen Lobgesang: „Würdig bist Du, o Herr, zu empfangen das Buch und zu lösen seine Siegel; denn du bist getötet worden und hast uns Gott erkauft aus allen Völkern und Stämmen und Sprachen und Nationen."
Es ist der ausdrückliche Wille des hl. Dakers daß alle Katholiken sich am Missionswerk beter- ligen. Zwar haben schon die früheren Päpste für die Propaganda des Christentums manches getan. Der gegenwärtige Papst Pius XI. steht aber -im i begriff" alle seine Vorgänge an Missionseifer zu I nhorHitnoin 3mot rtomrtftim> ^lanfmnsör ssrn^
Missionseifers hat er bereits errichtet: die Missionsausstellung in Rom, die zu besuchen ich das Glück hatte, und die Missionsenzyklika vom 28. Februar 1926, die anhebt mit den Worten: „Rerum eccls- siae". Darin läßt uns der Hl. Vater einen Blick tun in fein sorgenerfülltes Herz: „So lange es mir beschieden.ist, das Licht der Sonne zu schauen, so habe ich iüier diesen Teil meiner Apostolischen Tätigkeit weder Rast noch Ruhe. Immer wieder muß ich erwägen, daß die Zahl der Nichtchristen rund tausend Millionen beträgt, und da kommt mir das Wort des Propheten in den Sinn: „Rufe unaufhörlich; wie eine Trompete erhebe deine Stimnie".
Priester und Laien fordert Seine Heiligkeit eindringlich auf, ihm zu helfen im Werke der Heidenmission. Dürfen wir den Hl. Vater in seinen Erwartungen betrügen? Sage nicht, wir haben schon Bedürfnisse genug in der eigenen Pfarrei, in der Diözese und in der Diaspora. Da gilt das Wort des Herrn: „Ihr sollt das eine tun und das andere nicht unterlassen" Wer viel hat, gebe viel, wer wenig hat, gebe wenig, aber von Herzen. Ich empfehle dir vor allem die Mitgliedschaft im Franz Xaveriusverein, dessen Missionshaus in Aachen ich voriges Jahr zu meiner Freude besichtigt habe. Deinen Kindern aber sei der Kindheit-Jesu-Verein ans Herz gelegt. Bedenke, daß zehn Pfennige monatlich mehr' als eine Reichsmark im Jahre machen. Wenn zehn Millionen deutsche Katholiken jeder nur eine Mark spenden würde in einem Jahr, dann schwellen die Beträge auf zehn Millionen Mark, und damit läßt sich schon etwas machen Am wirksamsten sind jene Beträge, die man durch irgeno ein Opfer ersparen muß. Wie aber alle Wärme bald zur Stube hinausgeht, wenn man nicht immer wieder Brennstoff nachlegt, so ist auch aller Mij- sionseifer bald verflogen, wenn wir nicht in den Zeitschriften immer wieder etwas über die Missionen lesen. Wir haben ja geradezu prächtige Missionszeitschriften. Ich nenne nur die „katholischen Missionen" und die „Stadt Gottes".
Möge also der Missionssonntag ein Frühlir-gs- tag werden für die Hsidenwelt, aber auch ein Frühlingstag für uns, ein Tag der Aussaat, der uns eine reiche Ernte garantiert.
Der Burgpfarrer.
Ro'en^ranj und Sterbekreuz.
Ein Erlebnis von Wilh Gries.
Unter meinen Bekannten verehrte ich einen Mann von 75 Jahren. Seine Beine waren etwas wacklig geworden und er sah nicht mehr recht gut, sonst aber hatte er keine Altersgebrechen. Er war der älteste Mann in meinem Wohnort; trotzdem war er an jedem Morgen zuerst in der Kirche, um die heilige Messe zu hören. Da saß er schon immer an dem Platz, den er sich selber gewählt hatte, wenn ich zur Kirche kam; mit einem Sam» tnsllfÄiinc4irtn hrtfin or fottt ?rtM<»ft (rtrtlint Finnin fÉt.