Kassel, den (6. Oktober Mr.
57. Zahrg.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pjennig 3 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redakttonsschlutz Montag Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Neklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunst und Off.-Äeb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Acttendruckerei in Fulda sein.
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wochenkalender.
Sonntag, 16 Ost. 19. Sonntag nach Pfingsten. Lullus, Bischof, Bek., t 786.
Montag, 17. Okt. Hedwig, Wwe, f 1243.
Dienstag, 18. Okt., Lukas, Evangelist.
Mittwoch, 19. Okt., Petrus von Alkantara, Bek., f 1562.
Donnerstag, 20. Okt., Johannes von Kanti, Bek., f 1473, Wendelinus, Bek., f 617.
Freitag, 21. Okt., Hilarion, Bek., t 371, Ursula und Gsf. Mart., t 451.
Samstag, 22. Okt., Marien-Samstag.
Neunzehnter Sonntag nach Pfingsten.
(Cvang. Matth. 22, 1—15.)
In jener Zeit trug Jeius den Hohenpriestern und Pharisäern folgende Gleichnisrede vor: Das Himmelreich ist einem Könige gleich, der seinem Sohne Hochzeit hielt Er sandte seine Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu berufen, und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus, und sprach: Saget den Geladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit: kommet zur Hochzeit. Sie aber achteten es nicht, und gingen ihrer Wege; einer auf seinen Meierhof, der andere zu seinem Gewerbe. Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, und taten ihnen Schmach an, und ermordeten sie. Als dies der König hörte, ward er zornig, sandte seine Kriegsvölker aus, und ließ jene Mörder umbringen, und ihre Stadt in Brand l?eb ken. Dann sprach er zu seinen Knechten: Das Hochzeitsmahl ist zwar bereitet, allein die Geladenen waren dessen nicht wert. Gehet also auf die offenen Straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr immer findet. Und seine Knechte gingen aus auf die Straßen, und brachten alle zusammen, die sie fanden, Gute und Böse: und die Hochzeit ward mit Gästen ganz besetzt. Der König aber ging hinein, um die Gäste zu beschauen, und èr iah oaselbst einen Menschen, der kein hochzeitliches Kleid an Jaffe. Und er sprach zu ihm: Freund! wie bist du da hereingekommen, da du kein hochzeitliches Kleid an hast? Er aber verstummte. Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werfet ihn hinaus in die äußerste Finsternis: da wird Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind berufen, wenige aber auserwählt.
Behauene Steine.
n der letzten Zeit wurden in unserer Diözese eine Reihe von Kirchen und Altären vor den Augen von Tausenden van Gläubigen feierlich durch den Hochwürdigsten Herrn Bischof geweiht. Da er-
mnere ich mich an ein Wort des hl. Kirchenlehrers c:"8ustinus, der sagt: „So oft wir, liebe. Bruder, oie Weih? eines Altars oder einer Kirche begehen, Een mir uns zu Gemüte führen, daß alles, was m Dempel körperlich geschieht, an unserer Seele oe^eben soll" Was meint wohl damit je- geistvolle Bischof von Hippo? Wie der £cm= v Um®^n?n gebaut wird, so die Kirche, das ' . oie Gemeinschaft der Christen, aus Seelen; und - die Steine vor tK-brauch geschlagen, gemeißelt
und behauen werden, so müssen auch die Seelen durch mancherlei Prüfungen bewährt und für den Himmel zugerichtet werden.
Vom Nutzen solcher Prüfungen spricht der Psalmendichter im fünften Abschnitt unseres Psalmes 118, den ich heute behandle.
Psalm 118, 5. Abschnitt, heilsame Prüfung.
I.Viel Güte hast du, Herr, erwiesen
An deinem Knecht nach deinem Worte.
2. Lehr Güt» mich und Zucht und Weisheit, Denn deinem Worte schenk ich Glauben.
3. Ich sündigte und ward erniedrigt, Drum will dein Wort ich fürder halten.
4. Viel Güte ist bei vir zu finden, So lehr' mich wieder deine Rechte.
5. Mich hat der Lügner Netz umsponnen; Ich aber suche nach der Wahrheit.
6. Verhärtet ist das Herz der Sünder, Doch ich betrachte deine Wege.
7. Zum Heile ward mit deine Prüfung, Damit die Tugend sich erprobe.
8. Ich liebe deines Mundes Lehren Weit mehr als Gold und Silberschätze.
9. Mich bildeten des Schöpfers Hände; Gib Einsicht mir in deine Satzung.
10. Es sehn mich deine treuen Diener Voll Freude, daß dein Wort Mj’ halte.
11. Ich weiß, o Herr, daß du gerecht bist; Gerecht ist immer deine Prüfung.
12. Mein Trost sei deine Huld und Gnade, Die deinem Knecht du hast erwiesen.
13. Gib mir Erbarmen, daß ich leb». Denn dein Gesetz ist mir zur Freude.
14. Schmach möge deine Hasser treffen, Doch ich will üben deine Lehren.
15. Es halten zu mir alle Frommen Und alle Freunde des Gesetzes.
16 Bewahr mein Herz vor Sündenmcckel, Damit ich nicht vor dir erröte.
Die Stelle, die uns hauptsächlich beschäftigt, ist der Vers 7 unseres Abschnites:
Ium Heile ward mir deine Prüfung, Damit die Tugend sich erprobe.
Welches sind denn die „Prüfungen", die der Psalmsänger auf sich nehmen mußte? Das ist leicht zu erraten, wenn wir uns ins Gedächtnis Zurückrufen, daß als Dichter unseres Psalmes Daniel betrachtet wird. Nun war Daniel ein Jsraelite, der mit schwärmerischer Glut an seiner Heimat hing. Doch was geschah? Er wurde aus der Heimat verbannt und weggeführt. Daniel war ferner von königlichem Geblüts. Doch, was geschah? Sklavendienste mußte er am Hofe des Königs Nabuckodonosor verrichten. Und wurde er auch vom König geehrt, so hatte er doch von Priestern und vom Volk viel zu leiden, seit er dem Götzenkult zu Leibe rückte. Konnten aber diese „Prüfungen" unserm Daniel Schaden ode^
Einbuße bringen? Im Gegenteil: diese Prüfung „ward ihm zum heile". Sie ward ein Glutofen der Läuterung, eine Probe der Bewährung, eine Leiter der Vollkommenheit, ein Hammer zu herrlicher Gestaltung seiner Seele.
Und sieh, das ist immer die Absicht Gottes, wenn er seine Lieblinge mit Leiden 'und Prüfungen beschenkt. Schau dich um in den Blättern der Bibel und der Geschichte, ob es nicht der Hand Gottes gefallen hat, die Menschenseelen durch Hammerschläge zu behauen und zu vervollkommnen. Job glänzte in seinen Leiden hèrrlicker als zuvor in der Festigkeit seines Glaubens. Und hat nicht ein Engel selbst die Absichten Gottes, dis er bei seinen Prüfungen hat, dem Tobias enträtselt? Höre diese köstlichen Worte aus Engelsmund: „Weil du Gott angenehm warst, mußte die Prüfung dich bewähren. Und welche Perspektive wurde denn dem hl. Paulus gezeigt, als ihm die Laufbahn eines Apostels eröffnet wurde? „Ich will ihm zeigen, wie viel er um meinetwillen leiden muß". Diese Leiden bestanden in Schmähungen, Verfolgungen, Mißerfolgen, Versuchungen. Aber seine Seele kam dabei vorwärts wie ein Segelboot im Wind.
Wie kommt es denn, daß unsere Brüder, die ersten Christen. die Welt durch den Schwung ihrer Tugenden in Staunen setzten? Den Grund dafür dürften wir in den vielen Verfolgungen, Bsorük- kungen und Quälereien suchen, denen sie ohne Unterlaß ausgesetzt waren. Und es ist merkwürdig genug, daß mit dem Aufhören dieser Stürme eine Reaktion der Bequemlichkeit eintraf. Höre darüber das Zeugnis des „Goldmundes": „Seitdem wir Frieden genießen, fallen wir zurück, zerfließen in Eitelkeiten und erfüllen die Kirche mit zahllosen Uebeln. Als wir noch verfolgt wurden, waren wir demütiger, bescheidener, eifriger zum Anhören der Predigt". Bom Nutzen der Prüfungen überzeugt, hat sich Augustinus zu jenem wunderbaren Gebet aufgeschwungen, das seitdem die Parole aller leidenedurstigen Seelen geworden ist: „Hier brenne, o Gott, hier auf Erden schneide; aber übone meiner in der Ewigkeit." —
Mögen diese Beispiele genügen. Murren wir affe nicht, wenn Gottes Hände auch für uns zum Hammer greifen, um an uns zu meißeln und zu schlagen. Nur so werden die Ecken und Unebenheiten unserer Seele geglättet und geebnet. Welch große Geschwulst des Stolzes würde sich anietzen, wenn wir immer würden im Glücke schwimmen, mit den Händen im Gelde wühlen und den Erfolg an unsere Fahne heften! Gar bald würden wir in die Rolle der rebellischen Engel verfallen. So aber Armut, Not, Versuchung, Beschämung uni das ganze Geschmeiß der Leiden und Prüfungen uns ständig durch Gottes Zulassung uns umschwirrt, bleiben wir im bescheidenen Rahmen der Demut und Gottesfurcht. Und wenn der liebe Gott einmal besonders stark hämmert und hobelt, io denke an das Wort der hl. Kreszentia: „Ich glaube, Gott schnitzelt gern einen Engel aus mir."
Der Vurgpfarrer.