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Kassel, den 9. Oktober 1927.

57. Zahrg

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-pfennig B 45 R.-Psennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag Anzeigett-Prelse: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Toldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofs.-Teb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.

. - Druck und Beüug Dar Fuldaer Actiendruckerei. Berlagsort Fulda. - .

Wochenkalender.

Sonntag, 9. Oktober. 18. Sonntag nach Pfingsten. Dionysius Arepagita u. Gef. Mart, t 272.

Montag, 10. Okt. Franz Borgias, Bek., t 1572.

Dienstag, 11. Okt. Vom Tage.

Mittwoch, 12. Okt. Vom Tage.

Donnerstag, 13. Okt. Eduard, König, Bek., t 1066.

Freitag, 14. Okt. Kallistus, Papst, Mart., f 223. Burk­hard, Bischof, Bek., f 752.

Samstag, 15. Okt. Theresia, Jgfr., f 1582.

Achtzehnter Sonntag nach Pfingsten.

" (Cv. Matth 9, 19.)

Sn jener Zeit stieg Jesus in ein Schifflein, fuhr über, und kam in seine Stadt (Kapharnaum). Und siehe, sie brachten zu ihm einen Gichtbrüchigen, der auf einem Bette lag. Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn, deine Sunden sind dir vergeben. Und siehe, einige von den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott! Und da Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denket ihr Böses in euern Herzen? Was ist zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandle umher? Damit ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe, die Sün. den zu vergeben auf Erden, sprach er zu dem Gicht­bruchigen: Steh auf, nimm dein Bett, und geh in dein Haus! Und er stand auf, und ging in sein Haus. Da aber das Volk Mes sah, fürchtete es sich, und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.

Die Nachtigall.

ls Meistersängerin im Chor unserer Singvögel gilt Ne Nachtigall, die ihre melodienreichen, weithinschal­lenden Lieder zur Nachtzeit er­tönen läßt.

Ich kenne eine andere Nachti» gall, einen Zugvogel von köstlicher Art, die nicht bloß am Tage, sondern auch bei Nacht heilige Lie­der anstimmt und nach dem Sommer des Lebens thren Flug in die ewige Heimat nimmt. Das ist die fromme Menschenseele, die auch bei Nacht ihren Herrn und Schöpfer lobt.

Diese Gepflogenheit war dem Propheten Da­niel eigen, der im 118. Psalm davon Zeugnis ab* Es ist im 4. Abschnitt des genannten Psalmes enthalten, den wir heute behandeln.

Psalm 118, 4. Abschnitt: Nächtliches Gotteslob.

* O Herr, gedenke deines Wortes, Ich baue fest auf dein Versprechen.

2. Ich finde Trost in meiner Prüfung An deinem Wort, das mich belebet.

81 §b auch die Stolzen mich verlachen: -cXy welche nicht von deiner Satzung.

4. Ich denke an der Frevler Strafe: trottet mich in allen Nöten.

5. Mich faßt ein Mitleid mit den Sündern, Die dein Gesetz mit Füßen treten.

6. Von deiner Satzung will ich singen, So lang ich Pilgrim bin auf Erden.

7. Des Nachts gedenk' ich deines Namens Und halte dein Gesetz in Ehren.

8. Dein Trost ist mir zuteil geworden, Weil ich dein Zeugnis, Herr, durchforsche.

9. Mein Anteil, Herr, mein Glück und Reichtum Ist die Erfüllung des Gesetzes.

10. Mit Beten tret' ich vor dein Antlitz, Nach deinem Wort erbarm' dich meiner.

11. Ich überdenke deine Wege Und richte mich nach deiner Wahrheit.

12. Ich bin bereit und unverdrossen, Stets deinen Willen zu vollziehen.

13. Der Sünder Stricke mich umgarnen, Doch dein Gebot sich nicht vergesse.

14. link Mitternacht ich mich erhebe. Dir, Herr, für dein Gesetz zu danken.

15. Ich weiß mich eins mit allen Frommen In treuer Liebe zum Gesetze.

16. Von deiner Huld ist voll die Erde, Herr, hilf dein Gebot mir halten.

Zwei Stellen sind es, in denen der Psalmist von seiner Gewohnheit spricht, als Nachtigall den Herrn zu preisen, nämlich Vers 7 und 14.

Des Nachts gedenk' ich deines Namens Und halte treulich deine Satzung. Um Mitternacht ich mich erhebe, Dir, Herr, für dein Gesetz zu danken.

Der Prophet erhob sich also regelmäßig oder wch häufig von seinem nächtlichen Lager, durch- orschte das Gesetz in allen Einzelheiten, prüfte ich über die Erfüllung und erneuerte seinen Enl- chluß, die göttlichen Gebote auch in heidnischer Umgebung bis zum kleinsten Strichlein zu er- rillen.

Auch unsere Seele soll bisweilen eine Nachtigall sein. Auch wir sollen die ganze Nacht Gott wei­hen und einen Teil der Nachtruhe durch Gebet unterbrechen. Oder soll die Nacht vom Dienste Gottes ausgenommen sein? Soll die Nacht an Verdiensten leer sein? SoA ein Drittel unseres Lebens wertlos sein für die Ewigkeit? Oder soll der Fürst der Finsternis, der Teufel, die Nacht mit Beschlag belegen? Manchmal will es so scheinen. Siehe, während die Apostel schliefen, hat Judas ge­wacht, um die größte Verbrechen der Weltgeschichte ernzufadeln. Ist nicht auch heute noch die Nacht das Eldorado der Wüstlinge, der Trinker, der Diebe, der Einbrecher, der Mörder, der Verbrecher? Sollten nicht hochgemute Seelen bereit sein, für solche Orgien der Nacht der beleidigten göttlichen Majestät Genugtuung zu leisten durch fromme Nachtwachen? Sollten nicht opferwillige Herzen für die verblendeten Brüder einspringen, für sie büßen und ihnen die Gnade der Rückkehr erbit- ten?---/

Haben wir für solchen Nachtigallendienst nicht auch das Vorbild unseres Heilandes? War nicht die Oelbergsnacht eine Gebets- und Opfernacht? Hat nicht auch Paulus manche Nacht dem Gebete und der Seelenrettung gewidmet? Allgemein empfiehlt der hl. Ehrysostomus den Christen von Konstantino. pel, unter denen gewiß viele Weichlinge waren, das nächtliche Gebet. Betrachte, sagt er, den Chor der Sterne, das tiefe Schweigen, dis große Ruhe, dw wundersäme Anordnung des Schöpfers. Da ist deine Seele reiner, leichter, beweglicher. Gerade die Finsternis und das wohltuende Schweigen regen zur Zerknirschung an. Beuge also die Kniee und bitte den Herrn, er möge dir gnädig sein.

Sieh, auch unsere Zeit, obwohl wegleidig, obwohl leichtfertig, obwohl vergnügungssüchtig, zählt See- len genug, die es mit der Nachtigall aufnehmen. Da sind vor allem die Benediktiner und die Bene­diktinerinnen, die Trappisten und Trappistinnen, die Eucharistiner, die Franziskaner und viele andere Ordensmänner und Ordensfrauen, die nächtlichen Chordienst und nächtliche Anbetung haben im Sommer und im Winter, bei Hitze und Kälte. Selbst in der Welt finden sich strebsame, gottlie- bende. apostolische Seelen, welche Teile der Nacht s dem Gebete weihen. Ich denke da vor allem an die ansehnliche Schar derer, die regelmäßig die heilige Stunde" halten, indem sie in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag eine Stunde wachen und beten, sei es in der Kirche oder auf dem Zim- mer. Ausdrücklich bemerke ich, daß es sich dabei nicht um Pflichten handelt, sondern um freiwillige Uebungen, die ihren Ursprung in der sühnenden Liebe haben.

Eines aber verlangt unser Herrgott von allen ohne Unterschied, und auch von dir, christliche Seele: daß du nicht die Nacht dem Teufel weihst, der Sünde und Ausgelassenheit. Gott mußt du die Nacht weihen vor allem durch das Abendgebet und durch die gute Meinung:

Alles meinem Gott zu Ehren, Gottes Lob und Ehr zu mehren In der Arbeit, in der Ruh!"

Solltest du infolge von Kränklichkeit, Schmer­zen und Sorgen bisweilen schlaflos sein oder er« wachen, dann hast du die allerbeste Gelegenheit, eine Nachtigall Gottes zu sein.

Der Burgpfarrer.

Der heilige Rosenkranz.

Gedanken von Kardinal Faulhaber.

Im Rosenkranzgebet versenken wir uns mit der ganzen Seele in die Geheimnisse unseres Glau- bens; im Rosenkranzgebet geht unsere Seele wall, fahren zu dem, der vom Heiligen Geist empfangen, der von der Jungfrau geboren und im Tempel aufgeopfert wurde. Da treten wir in die Fußtapfen dessen, der für uns am Oelberg Blut geschwitzt hat, der für uns aeeißelt und mit Dornen qe.