Einzelbild herunterladen
 

ven ^me-ae» e,â rèm messingen ooer reugMs ver­flachten Weltnufjasjuüg; heißt sie dem niüt'hrrensen und zersetzenden Milieu eines Unterrichts- und Crzieh- ungssystems überantworten, in den, für die Pflege, für das freudige Wachstum des katholischen Gedankens kein Platz ist; heißt in das geistige und seelische Wachstum der Jugend Spannungen und Gegensäße hineintragsn, denen sie auf die Dauer nicht gewachsen ist; heißt zwi­schen Schule und Elternhaus Klüfts aufreißen, die keine Erziehungsarbeit der Familie, keine Gegenwirkung der Kirche zu überbrücken vermag. Auf die konfessionelle Schule verzichten heißt dem deutschen Katholizismus Wege weisen, an deren Ende eine Generation stände, ohne Bekennermut und heroischen Geist, ohne Tiefe undJnnerlichkcit, eine Generation, in deren Händen wir nur mit bekümmerter Sorge das heilige Erbe lassen könnten, das unsere Väter uns überkommen haben.

Zum Frieden geneigt, zum Kampf entschlossen geht das katholische Deutschland in die schulpolitischen Aus­einandersetzungen der kommenden Wochen und Monate hinein. Mit heiligem Ernst in Wahrung seiner Rechte. Aber auch mit dem aufrichtigen Willen zur Refpektie- rung anderer Rechte.

In dem geistigen Ringen um die endgültige Gestal­tung des Schulgesetzentwurfs werden wir bereit sein, der inneren Befriedigung unseres geistig und religiös zerklüfteten Volkes j edes verantwortbare Opfer' zu bringen. Ein Gesetzentwurf aber, der beherrscht wäre von dem Gedanken der rechtlichen und fachlichen Deklas­sierung der Bekenntnisschule und der gewaltsamen For­cierung der anderen Schularten wird von uns mit uner­bittlicher Festigkeit zurückgewiesen werden.

Niemals stand die katholische Kirche unseres Vater­landes vor solchen gigantischen Ausgaben

und sagen wir es offen auch Schwierigkeiten äuße­rer und innerer Art, wie heute. Als die Revolution im sinkenden Jahre 1918 den Weg durch die deutschen Lande nahm, stürzten die Throne und die Fürsten. Unerbitt­liches geschichtliches Geschehen vollzog sich in der Sphäre des Staatlichen. Aber es gibt keine Revolution, die im rein Staatlichen ihr Genüge fände. Mit unentrinnba­rer Raturnotwendigkeit greift sie über in die Domäne des Geistigen und Sittlichen, des Religiösen und Kirch­lichen. Die Krisis des Autoritätsgedankens, die bei dem Uebergang von Monarchie zur Republik automatisch alle Bereiche des Politischen erfaßt, läßt sich ihren Weg ebensowenig vorschreiben wie die Laoastrome des Aetna. Die seelischen Abfallprodukte solcher Krisen sind auch innerhalb des deutschen Katholizismus nicht zu verken­nen. Kein Bertufchungssystem, keine Interpretations- künste find imstande, das schmerzliche Minus aus der kacholischen Bilanz der letzten Zeit auszumerzen. Ich halte es für ritterlicher und segensreicher, diese Dinge zu sehen, als sie zu bestreiten.

Erste und lebensnotwendige Voraussetzung für die Erfüllung der Aufgaben, die heute vor der katholischen Kirche Deutschlands ausgebreitet liegen, ist die

Konzentration unserer seelischen Einheitsfront, die Aktivierung derjenigen, die sich zur Jnaktivitas zur- rückgezogen haben, die Wiedergewinnung derer, die den lebendigen und tätigen Zusammenhang mit dem Leben und Fühlen der Kirche verloren haben.

Niemals hatte das deutsche Volk, niemals der deut­sche Staat die starkmütige und opfersrohe Mitarbeit des katholischen Menschen, die ausgleichende und versöh­nende Funktion des katholischen Gedankens nötiger als in dem tobenden Chaos, das zwischen der Welt von gestern und der von morgen brodelt und gärt. Wollen wir die Formung des neuen Deutschland den christen­tumsfernen und christentumsfeindlichen Gewalten über­lassen? Sie werden es nach dem Ebenbild ihres Gei­stes tun, der nicht unser Geist ist. Ist es nicht unsere heilige, selbstverständliche, religiöse Pflicht, zu ringen um die Seele des deutschen Menschen, des deutschen Volkes, des deutschen Staates, um ihnen ein Gepräge aufzudrücken, das mit dem Namen eines christlichen Deutschland nicht allzu schmerzlich kontrastiert? Noch klafft zwischen Namen und Wirklichkeit ein Abgrund, der jeden Tieferblickenden schreckt. Und wenn nicht alles täuscht, ist die Bewegung von Christus weg in beäng­stigend anschwellender Kurve begriffen. Die Religions­statistik der letzten Jahre dröhnt wie Sturmgeläut an unser Ohr. Sie redet die Sprache, vor deren erschüt­ternder Predigt jeder unzeitliche Optimismus erröten rrüßte. Was soll aus diesen Entwicklungen werden, wenn hier nicht die katholische Aktion starke und heilende Gegenkräfte mobilisiert? Je lauter das Evangelium des Diesseits seine Stimme erhebt, um so unentbehrli­cher ist die Kirche als berufene Künderin des Ewigkeits- Gedankens. In einer Menschheit, die auf staatlichem Ge­biete dem Autoritätsgedanken immer mehr entwächst, obliegt der Kirche als Siegelbewahrerin des übernatür­lichen Autoritätsgedankens eine doppelt verantwortliche Sendung. In einer Gesellschaftsordnung, die in gi­gantischen Klassenkämpfen sich zerfleischt, hat die Kirche die Mission, das

Evangelium der sozialen Gerechtigkeit und Brüderlichkeit

zu predigen und seine unbequemen Wahrheiten auch de­nen einzuhämmern, die Christi Namen tragen möchten ohne die Pflichten zu erfüllen, die diesem Namen fol­gen. In einer Welt, in der auf den Massengräbern des vergangenen Krieges sich langsam schon wieder die La­ger zusammenfinden für einen neuen noch furchtbareren Zusammenstoß, haben wir katholische Menschen die dop- »elt ernste Pflicht, mit lauter und unerbittlicher

i Stimme Das yoyre «cywerrcyruienwm zu bekämpfest, dessen verlogene Romantik vergebens in dem Evange- lium Unterschlupf sucht, und alles daran zu setzen, um ; den Friedensgedanken bei uns und anderen die ihm gebührende Achtung und Förderung zu erkämpfen.

Je mehr die Not der Zeit uns zwingt, unseren Ka­tholizismus hinauszutragen aus Kirche und Sakristei, ihn wirksam werden zu lassen, auch in den großen Menschheitsfragen des öffentlichen, staatlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens, je zwingender die Notwen­digkeit und je drängender die Pflicht ist, in dem Kampf um die Aufwärtsführung unseres Volkes unsere Kräfte brüderlich mit den Händen anderer zu vereinen, die außerhalb unseres Glaubens, ja sogar Gegner unseres Glaubens sind, um so gebieterischer erhebt sich allerdings auch für uns

die Pflicht, dafür Sorge zu fragen, daß wir über dem Gemeinsamen das nicht trüben und verdunkeln lassen, was uns eigen ist, bie. Reinheit und Unmittelbarkeit, die Stärke und grad­linige Klarheit katholischen und kirchlichen Denkens und Fühlens, katholischen Glaubens und Wollens und ich füge mit Bedacht hinzu katholischen Handelns und Gehorchens.

Als gottgesandte Lehrmeisterin und Führerin in das übernatürliche Reich der Gnade kann die Kirche auf die autoritäre Geltendmachung ihrer Sendung nicht ver­zichten in einer Zeit stürmischer und umstürzender Entwicklungen weniger als je. Der wahrhaft katholisch empfindende Mensch ist sich des Segens dieser Autori-

An unsere Leser.

Der Bezugspreis des Vonifatiusboten beträgt ab 1. Oktober

vierteljährlich 1.25 NM.

Von dem Bestreben ausgehend, den Katholiken der Diö­zese Fulda ein gut geleitetes Sonntagsblatt zu nie­drigem Preis zu bieten, haben wir die seit drei Jahren unaufhaltsam gestiegenen Kosten für Materialien, Löhne usw. selbst getragen. Die neuerdings an uns gestellten Anforderungen, zu denen auch die Porto--Erhöh- u n g zählt, zwingen uns zu einer kleinen Preiserhöh­ung. Wer auch jetzt noch wird man bei Vergleich des Bezugspreises mit anderen Sonntagsblättern finden, daß der Bonifatiusbote seinem Grundsatz, den Katholiken der Diözese Fulda ein gut geleitetes Sonntagsblatt bei niedrigem Bezugspreis zu liefern, treu bleibt. Deshalb

Treue um Treue!

des MWMM.

tät so bewußt, daß die Schatten, die gelegentlich ihre Schritte streifen, ihn nicht schrecken. Die Kirche führt, aber sie gängelt nicht, sie mahnt und warnt, aber sie nörgelt nicht. Sie ist sich bewußt, daß ihre Autorität ein Korrektiv der Freiheit ist, aber kein Ersatz. Sie gebraucht diese Autorität nur dann, wenn sie sich vor Gott dazu verpflichtet glaubt. Sie macht aus ihrer Autorität keine Fanggrube für den Geist gesun­den und besonnenen Fortschritts. Sie ist keine Gou­vernante, sondern eine Mutter. Eine Mutter, bei der auch die herben und strengen Seiten ihres Waltens im- merdar umstrahlt bleiben von dem beherrschenden Le­bensprinzip des Reiches Christi: der Liebe; einer ver­stehenden, gütigen, unter Umständen aber auch fordern­den und heroischen Liebe.

Die glorreichsten und erfolggesegnetsten Zeiten des deutschen Katholizismus in der Vergangenheit sind ge­zeichnet durch ein vorbildliches Treuverhältnis zwischen Führerschaft und Massen, durch ein jedem außerkirchli­chen Einfluß trotzendes Band starkmütigen Vertrauens und unerschütterlicher Einigkeit, vor allem zwischen den Trägern des kirchlichen Autoritätsgedankens und denen, die 'dieser übernatürlichen Autorität anvertraut waren. Aus diesem Verhältnis erwuchsen die Kräfte, die in den Zeiten der kulturpolitifchen Kämpfe der deutschen Ka­tholiken Herzen und Hände des gesamten katholischen Volkes aller Berufe und Schichten, aller Stände und Klassen in einheitlicher Kampffront sammelten und zum Siege führten. Mögen heute die Zeiten andere sein. Mögen die Probleme, die uns heute belasten, in ihrer Größe die Kämpfe von ehemals weit übersteigen.. gen die Methoden und Wege der Führer von ehedem heute nicht mehr ohne weiteres anwendbar sein.

Ihr Geist, der ein katholischer Geist war, muß auch unser sein.

Die religiösen und kirchlichen Ideale, aus denen die Aktionen früherer Tage hervorwuchsen, müssen unver­brüchlich auch unsere sein und bleiben. Mag der- rende Uebergangscharakter unserer Zeit die unvermeid­liche Auswirkung haben, daß auch katholische Menschen vorübergehend politisch verschiedene Weae wanvetn, ne­ben und über all dem, was Gegenstand der politischen

i Tageskämpfe ist, gibt es ein unantastbares repositium j an Grundsätzen und letzten Zielen, in deren Bejahung ; und Verteidigung es für uns keine Unterschiede geben kann. Dieses kostbaren katholischen Erbgutes und der Verantwortungen, dis auf ihm ruhen, uns bewußt zu werden und dieses Bewußtsein in denen wachzurütteln, wo es ansängt nachzulassen, ist nicht die letzte Aufgabe, die der jährlichen Heerschau der deutschen Katholiken obliegt.

Was Ketteler dem Katholizismus seiner Tage zurief, was an Windthorsts Grabe einst der Mund des Bres­lauer Kardinals mahnend aussprach, das hat heute der Vertreter der höchsten kirchlichen Gewalt in feierlichster Form und mit beschwörender Eindringlichkeit wieder- holt: Den

Ruf zur Einigkeit.

Von der Größe und Bedeutung dieser Mahnung bis ins Innerste durchdrungen, greifen wir sie auf und ge­ben sie weiter an alle Brüder und Schwestern im gan­zen kacholischen Deutschland: Laßt uns einig sein, wie die Väter es waren. Laßt uns einig werden, wie sie es gewesen sind. Mögen Tagesprobleme politischen und wirtschaftlichen Denkens von uns verschieden geschaut und verschieden beurteilt werden. Wir leiden darunter, aber wir tragen es. Tragen es in brüderlichem Geiste und murren nicht. Aber in denjenigen Grundfra­gen und Lebensfragen, die der geheiligten Sphäre des Religiösen und Kirchlichen angehören, gibt es für uns nur eine Meinung, nur ein Ziel, nur ein Wollen. In Zeichen solcher Einigkeit haben unsere Väter gesiegt In diesem Zeichen allein wird es auch uns gelingen, die riesenhaften Aufgaben zu meistern, die auf dem Wege der Zukunft liegen. Nur im Zeichen erneuter und wachsender Einigkeit werden wir imstande sein, einem Deutschland die Wege zu ebnen, über dem das versöh­nende und heiligende Zeichen des Kreuzes steht, einem christlichen Deutschland, in dem diejenigen, die nach uns kommen, in Freuden und gesichertem Frieden ernten, was wir in Leid und Tränen säen.

(Fortsetzung folgt).

Diejenige Dölherbunvstag^ f ist die 8. Vollversammlung des Völkerbundes. Bei der Eröffnung machte der seitherige Präsident Ville­gas mit Nachdruck auf die 3 Leitgedanken des Völ­kerbundes aufmerksam: Schiedsgerichtsbar­keit, Sicherheit und A b st u n g. Bezüglich des Abrüstungsproblems wies er auf die großen Schwierigkeiten hin, die eine auf alle Nationen sich erstreckende Lösung finden werde: die Arbeit müsse etappenweise vollbracht werden.

Zum Vorsitzenden der neuen Tagung wurde G u a n i, der Delegierte Uruguays, gewählt; auf ihn entfielen 24 Stimmen; sein Gegenkandidat, der Vertreter Oesterreichs, Graf Menzdorf, erhielt 21 Stimmen. Guani erklärte, die Wahl anzunehmen als einen Vertrauensbeweis des Völkerbundes für Lateinamerika.

Es find diesmal 47 Staaten vertreten. Es feh­len von den Mitgliedern des Völkerbundes: Spa­nien und Brasilien, deren Austritt erst im nächsten Jahre rechtskräftig wird, sowie Bolivia, Honduras, Argentinien und Peru. Es scheint, daß gerade in Lateinamerika (Süd- und Mittelamerika) kein be­sonderes Interesse für die Tagung besteht.

Das polnisch-deutsche Problem steht im Vordergrund des Interesses. Die gänzliche Halt­losigkeit und innere Unmöglichkeit der polnisch-deut­schen Erenzregulierung, namentlich die Unnatür­lichkeit des Korridors, der Ostpreußen vom übrigen Reiche völlig abschneidet, macht offenbar den Polen ernste Sorge, zumal es genug Leute und Staaten im Entente-Lager gibt, dis die Korridor,,! ö f u n g eben als keine Lösung ansehen, und deren Re­formbedürftigkeit offen aussprechen.

Als die Erörterung der bezüglichen polnischen Forderungen auf dem höchsten Punkte Iser Jopan« nung angelangt war, hielt der deutsche -"eicy-,- außenminister Stresemann eine viel beachtete Rede, die im wesentlichen über dieSchwierigkeiten hinweg­führte. Er erklärte, daß Deutschland die obligato­rische Schiedsgerichtsbarkeit des Haager Gerichts annehme. Seine Rede war eine klare Absage oer Möglichkeit eines Angriffskrieges rm Osten. Emen formellen Nichtangriffspakt gegenüber Polen lehnte er ab. Polen erklärte sich schließlich bereit, die Resolution anzunehmen, die zwischen Deutschland und den übrigen Mächten vereinbart werde. Ein sog. Ostlocarno ist damit definitiv aufgegeben. Auf­fallend war der warme Ton, mit dem Briand m sei­ner glänzenden Rede (Briand ist ein hervorragen- der Parlamentsredner) die Worte Stresemanns anerkannte. .

Reichstagsabgeordneter Prälat Kaas, der zur deutschen Delegation in Genf gehört, ist alsbalo nach feiner großen Rede auf dem Dortmunder Ka­tholikentag zur Völkerbundstagung gefahren. Dorr