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Zahrg. 37

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 35 Goldpfennig B 40 Soldpfennig (frelbl.) Redakttons- lchluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzsile im Anzeigentell 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung RabaL Auskunft und Ojf.-Aeb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzügen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerel in Fulda sein.

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Wochentzalender.

Sonntag, 10. Juli. 5. Sonntag nach Pfingsten. Sieben Brüder, Mart., f 150.

Montag, 11. Juli. Pius I Papst, Mart., 's 157.

Dienstag, 12. Juli. Iohannes Gualbertus, Abt, $ 1073. Nabor und Felix, Mart.

Mittwoch, 13. Juli. Anakletus, Papst, Mart., ft 99.

Donnerstag, 14. Juli. Bonaventura, Kirchenlehrer, Bek., t 1274.

Freitag, 15. Juli. Heinrich II., Kaiser, ft 1024.

Samstag, 16. Juli. Maria vom Berge Karmel. Stapu- lierfest.__

das nicht bloß über die Angeklagten, sondern auch über die Richter das letzte Urteil spricht. Diesem Gericht hat der königliche Sänger eines seiner Lie­der geweiht; es ist der Psalm 81.

Psalm 81: Gottes Gericht über die Richter.

1. Jehova steht im Kreis der Richter

Und klagt sie an ob schwerer Frevel.

2. Wie lang verkehrt ihr Recht in Unrecht?

__ Ergreifet die Partei des Sünders?

3. Verschaffet Recht dem Unterdrückten, Den Witwen helfet und den Waisen.

Für uns alle ist dieser Psalm eine Mahnung, jede Art von Ungerechtigkeit zu meiden und uns gegen jedermann der Gerechtigkeit zu b efleißen. Jedem das Seine. Das ist der goldene Wahl­spruch der Gerechtigkeit.Jedem das seine", das sei unsere Losung. Den Eltern und Vorgesetzten sind wir Ehrfurcht und Gehorsam schuldig. Die Eltern aber und die Vorgesetzten sollen für das leibliche und seelische Wohl ihrer Kinder, Dienst-- boten, Angestellten, Untergebenen, Bediensteten be­sorgt sein. Denn, so sagt der Apostel, wenn je­mand für seine Hausgenossen nicht Sorge trägt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Heide.

Fünfter Sonntag nach Pfingsten.

(Evang. Matth. 5, 2024.)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen^ Jüngern: Wenn eure Gerechtigkeit nicht vollkommener sein wird, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Ihr habt ge­hört, daß zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichtes schul­dig sein. Ich aber sage euch, daß ein Jeder, der über seinen Bruder zürnet, des Gerichtes schuldig sein wird. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka! wird des Rates schuldig sein; und wer sagt: Du Narr! wird des höllischen Feuers schuldig sein. Wenn du daher deine Gabe zu dem Altare bringest, und dich daselbst erinnerst, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß deine Gabe ällda vor dem Altare und geh zuvor hin, und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm, und opfere deine Gabe.

Der oberste Gerichtshof.

- ein Staatsbürger nicht ein- verstanden ist mit dem Urteil, ^âlff/E^M das ein Gericht über ihn gefällt bat, so legt er Berufung ein an die nächsthöhere Instanz. Die endgültige Entscheidung steht dem obersten Gerichtshof zu. So erwähnt auch der Heiland im heutigen Evangelium den Jn- stanzenZug bei den Israeliten; zuerst das Gericht sOrtsgericht), dann den hohen Rat in der.Haupt­stadt Jerusalem. Bei den menschlichen Gerichten glbt es eine letzte und höchste Instanz, deren Ur­teil maßgebend ist, von der eine weitere Berufung undenkbar ist.

. Es gibt aber über dem menschlichen Gericht noch em anderes, das über allen steht, ein Gericht, dem bloß die Tatsache sondern auch die Ursache, me Motive, die Umstände einer Handlung bis ins bis in die letzten Anfänge und bis in die selnsten Auswirkungen bekannt sind, ein Gericht, vèl dem jeder Irrtum, jede Täuschung, jede Be- rzugung, jede Parteilichkeit ausgeschlossen ist. n,?5 ist das göttliche Gericht, das Gott selber, der uwlßende, allmächtige, allgerechte handhabt und

4. Seid Anwalt der bedrängten Unschuld, Entreißet sie der Faust des Mächtgen.

5. Es herrschen Unrecht und Gewalttat;

Da wankt die Erde, sttirzt die Ordnung.

6. Entthronen wird der Herr die Richter, Die gutes Recht für Geld verschachern.

7. Sie werden rühmlos untergehen. In Satans Lügenreich verstoßen.

8. Besteige du, o Herr, den Richtstuhl, Denn dir gehört die ganze Erde.

Es ist ein gewaltiges Bild, das der Psalmsän­ger mit wenigen Strichen zeichnet: die Richter nicht bloß einer Stadt oder eines Landes oder eines Reiches, nein, die Richter der ganzen Welt sieht er versammelt, die Männer, unter deren Ur­teil die Welt sich beugt. Und nun tritt Jehova selber, die ewige Weisheit und unbeugsame Ge­rechtigkeit, in ihren Kreis, und die Rollen werden vertauscht. Die Richter sitzen jetzt auf der Anklage­bank, ganz klein und wortlos. Alle diejenigen, die den reichen, den mächtigen, den einflußreichen Ver­brecher freigesprochen, die den Unschuldigen, der sich wegen seiner Armut und Machtlosigkeit nicht helfen und nicht wehren konnte, verurteilt haben, werden jetzt zur Verantwortung gezogen und der gebührenden Strafe übergeben. Wer schuldig ist, mag er mit der Krone gesckMückt sein, mag er auch auf einem Throne sitzen, mag er auch auf seinen Geldsack pochen, empfängt unerbittlich seine Strafe, und die freigesprochenen Bösewichte wandern in den Kerker, und die verurteilten Unschuldigen er­halten die verdiente Genugtuung, Ehrenrettung und Belohnung.

An diese Wahrheit erinnert der Psalmist in erster Linie die Richter, die Gesetzgeber, die Ge­walthaber, die Aristokraten des Geistes und des Blutes, die Männer des Geldes und der Macht. Mögen sie ihr wissenschaftliches, gesellschaftliches, amtliches, politisches oder soziales Uebergewicht nie­mals mißbrauchen,- um den Schwachen zu unter­drücken, zu knechten, auszubeuten. Sonst fallen sie in die Hände der göttlichen Gerechtigkeit, und wäre es auch erst nach dem Tod und am jüngsten

Laß dir nicht einfallen, jemand zu Übervortei­len oder zu betrügen durch schlechte Arbeit, durch minderwertige Ware, auch wenn vor Gericht kein Unrecht nachgewiesen werden kann. Ist ja einer, der alles weiß und dich zur Rechenschaft ziehen wird. Unrecht Gut bringt keinen Segen. Der ungerecht erworbene Pfennig wird rostig und frißt auch den redlich erworbenen Taler.

Mußt du selber Unrecht leiden, leiden unter einer unbegründeten, ungerechten Beurteilung, Vermutung, Verdacht, unter einer ungerechten Be­schimpfung oder Behandlung, oder unter einem un­gerechten Urteil von feiten einer privaten oder amt­lichen Stelle, so wirst du schwer daran tragen; aber du kannst dir dein Schicksal wesentlich erleich­tern, indem du das Unrecht geduldig leidest und : ohne Böswilligkeit und ohne Verbitterung und : ohne Rachsucht wartest, bis die Sonne deine Un- i schuld an den Tag bringt oder bis Gottes Urteil : die Nebel zerreißt und dir eine Ehrenkrone auf das i Haupt setzt. Was ratet der Heiland feinen Jün- - gern an?Wenn jemand Dich auf die rechte ; Wange schlägt, so reiche ihm auch die linke dar". - Wie erhaben war doch der Völkerapostel Paulus ' über menschliche Meinung und menschliche Beurtei- t lung und Kritik! Einige verzollten ihn als einen , Schwätzer, Schwächling und Aufschneider. Hat er : sich darüber besonders aufgeregt und entrüstet? . Nein. Hören wir seine eigenen Worte:Mir ) liegt wenig daran, von Euch oder von einem l menschlichen Richterkollegium beurteilt zu werden: , der mich richtet ist der Herr." Die Hauptsache ist t ein gutes Gewissen. Dann kannst du das Urteil - ruhig der göttlichen Instanz überlassen. Dieser I Gedanke war Trost und Anker für Susanna. Als man sie wie eine gemeine Dirne oder Ehebrecherin i zur öffentlichen Steinigung hinausführte, da schaute , sie auf den Stern der göttlichen Allwissenheit und 5 den unerschütterlichen Fels der göttlichen Gerech­tigkeit und rief:Mein Gott, Du weißt, daß sie ein falsches Zeugnis gegen mich abgelegt haben, und ' daß ich sterbe, ohne etwas Böses getan zu haben". - Verlaß dich auf den obersten Gerichlshof. Wirst l du ungerecht beurteilt, ungerecht behandelt, so fei ) dir Balsam der Gedanke:Gott weiß es, und Goü l richtet es". /

Der Burgpfarrer. i