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Ausgabe B.

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Nr. 25.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35 Goldpfennlg 3 40 Goldpfennig (freibl.) Redaktions- schluß Montag. Anzeigen-Preis«: Tolonelzeile lm Anzeigenteil 0,15 Goldmark, TolonelzeUe im Neklametsil 0,S0 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Asb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens km Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.

Dank nnb 8 erlag der Fulda» lleNeudruckerel.

wochenKalender.

Sonntag, 19. Juni. 2. Sonntag nach Pfingsten. Sonntag in der Fronleichnamsoktav. Juliane Falkonieri, Jgfr., t 1341. Gervasius und Protasius, Mart., f 80.

Montag, 20. Juni. 5. Tag der Oktav von Fronleichnam.

Silverius, Papst, Mart., f 539. •

^^^^^' 2^‘ ^^E. 6. Tag der Oktav von Fronleichnam. Aloisius von Gonzaga, Bek., Patron der Ju­gend, f 1591.

Mittwoch, 22. Juni. 7. Tag der Oktav von Fronleich­nam. Paulinus, Bischof, f 431.

231 2uni. Oktav von Fronleichnam. Vigil des hl. Johannes des Täufers.

Freitag, 24. Juni. Fest der Geburt des hl. Jo­hannes des Täufers.

Samstag, SS Juni. Fe st des hl. Herzens Jesu. Wilhelm, Abt, t 1142.

Zweiter Sonntag nach Pfingsten.

(Ev. Luk. 14, 15—24.)

An jener Zeit trug Jesus den Pharisäern folgendes Gleichnis vor: Ein Mensch bereitete ein großes Abend­mahl, und lud Biele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht zur Stunde des Abendmahls, um den Geladenen zu sagen, daß sie kämen, weil schon alles bereit wäre. Und sie fingen alle einstimmig an, sich zu entschuldigen. Der Erste sprach zu ihm: Ich habe einen Meierhof ge­kauft, und muß hingehen, ihn zu sehen; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Und ein anderer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und gehe nun hin, sie zu versuchen! ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Und ein anderer sprach: Ich habe ein Weib genommen, und darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zu­ruck, und berichtete dieses seinem Herrn. Da ward der Hausvater zornig, und sprach zu seinem Knechte: Geh schnell hinaus auf die Gassen der Stadt, und führe die Armen, Schwachen, Blinden und Lahmen hier herein And der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, wie du be­fohlen hast; aber es ist noch Platz übrig. Und der Herr Mach zu seinem Knechte: Geh hinaus auf die Land­straßen und an die Zäune und nötige sie, hereinzukom- men damit mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, oatz keiner v den Männern, die geladen waren, mein Abendmahl verkosten soll. â^â

©eibäume. •

ie junge Oelbäume seien die Kin­der der Kirche rings um den Tisch des Herrn.

Einer der nützlichsten, belieb­testen Bäume des Orients und Gektokk M der Südländer ist der Oelbaum. den Äi w er zwar unansehnlich und beschei- nicht- königlichen Wuchs der Palme;

nichtZ von h»rr behaglichen Breite der Platane; von der dusteren Pracht der Zeder. Sein

Stamm ist von mittlerer Höhe, die Blätter schmal und spitz, die Krone von mäßigem Umfang, die Blüten klein und unscheinbar. Doch all diese Män­gel werden reichlich entschädigt und ausgewogen durch die Frucht des Oelbaums, die Olive, die ent­weder roh genossen oder zu dem kostbaren Oel verarbeitet wird. Die vielseitige Verwendung des Oels zur Beleuchtung, zur Zubereitung der Spei­sen, zur Heilung und Linderung von Wunden ist bekannt.

Und nun findet der Oelbaum ein Plätzchen im Garten der Aronleichnamslikurgle.

Es ist eine der lieblichsten, sinnreichsten Anti­phonen der Fronleichnamsvesper, die sich des Lel- baums bedient, um großen Gedanken ein würdi­ges Kleid zu geben:

„Wie junge Oelbäume seien die Kinder der Kirche rings um den Tisch des Herrn".

Im alten Bund wird das Volk Israel dem Oel­baum verglichen. „Es wird Deine Herrlichkeit sein wie die des Oelbaums", spricht der Herr zu Israel durch den Mund des Propheten Osee. Mit Recht wird dieser schöne Vergleich auf das Volk Gottes im neuen Bund, auf die katholische Kirche über­tragen. Ein Oelbaum ist die Kirche in der Tat durch ihre wunderbare Fruchtbarkeit.

Unzählige Heilige hat ja die Kirche hervor­gebracht im Lauf von bald zwei Jahrtausenden. Und diese Heiligen, wie fruchtbar waren sie in Werken der Tugend und Heiligkeit, in Werken der Gottes- und Nächstenliebe, in Werken des verbor­genen und des öffentlichen Lebens.

„Wie junge Oelbäume sollen die Kinder der Kirche sein rings um den Tisch des Herrn". Nicht bloß die Kirche im ganzen, auch jedes einzelne Glied und Kind der Kirche soll einem jungen Oel­baum gleichen, soll fruchtbar werden an Gesinnun­gen und Taten, die Gott wohlgefällig und den Mit­menschen nützlich sind.

Wo finden wir aber die Quelle, die geheime Triebkraft? Unsere Antiphon deutet es an mit den Worten: „rings um den Tisch des Herrn". Was für ein „Tisch" aber damit gemeint ist, das sagt uns das Fronleichnamsfest und seine Oktav, in der wir uns befinden. Siehst du nicht in der Kirche einen geheimnisvollen Tisch, der aus Steinen ge­baut und mit weißen Tüchern bedeckt ist? Auf dem e-n Kreuz steht? Auf dem die Leuchter auf­gepflanzt sind? Der strahlt im Schmuck der Blu­men und Lichter? Aus dessen Mitte der Taber­nakel aufragi? Worin das heiligste Sakrament aufbewahrt wird? Worüber ein Thron sich wölbt? Auf dem das höchste Gut ausgesetzt wird in der wonnigen Monstranz? Wo das heilige Opfer dar­gebracht wird? Der beim Festgottesdienst von Priestern und Ministranten umgeben und in Weih- rauchwolken eingehüllt wird? Vor dem die Augen nicht satt werden vom Schauen und die Gedan­ken zur Ehrfurcht und Liebe fortgerissen werden?

Es ist der Altar des neuen Jerusalem, der Sa- kramentsaltar unserer Dome, Pfarrkirchen und'

Kapellen, auf dem das geheimnisvolle Brot be­reitet, aufbewahrt, genossen und gespendet wird.

Wie junge Oelbäume mögen die Kinder der Kirche sein rings um den Tisch des Herrn. Merkst du das Geheimnis der geistlichen Fruchtbarkeit, deren Sinnbild dem Oelbaum entnommen ist? Um den Tisch des Herrn sollst du aufgepflanzt sein, dort sollen die Wurzeln deiner Kraft eingesenkt sein, dort sollen dein Glaube und deine Liebe ver­ankert sein. — Dann wird dein Leben nicht nutz­los hinschleichen wie eine Schnecke, sondern über­fließen von Heiligkeit und Heldentaten wie eine Wolke, die zur Zeit einer Dürre einen wohltätigen Regen ausgießt.

Betrachte das Leben des hl. Aloisius, dessen Fest mit dem Sommeranfang zusammenfällt. War dieser Prinz von Gonzaga nicht um den Tisch des Herrn gepflanzt? War nicht der Altar des Herrn der Heerscharen seine Lieblingsstätte? Perharrte er nicht regungslos, andachtversunken in Anbetung der hl. Hostie? War nicht die öftere hl. Kom­munion das Mark seines Lebens? Rankten sich nicht alle seine Anmutungen, all seine Studien, all seine Gebete, all seine Gespräche, all seine Freu­den wie ein Aehrenkranz um den Tabernakel? War er nicht ein Engel im Angesicht der heiligsten Eucharistie? War nicht durch die Verbindung mit dem Engelbrot sein Leben reich an Tugenden und guten Werken wie ein junger Oelbaum? Hat er nicht eine Reinheit, eine Jungfräulichkeit, eine Ab­tötung geübt, die ans wunderbare grenzt? War nicht sein Herz von opfervoller Nächstenliebe durch­glüht? Sieh, da schreitet er zur Zeit einer an­steckenden Krankheit durch die ewige Stadt. Da gewahrt er einen Kranken, den die schreckliche Seuche zu Boden gestreckt hat. Gleich dem barm­herzigen Samaritan beugt sich der mitleidige Für- stensohn über ihn und bringt ihn mit Hilfe eines Mitbrüders in ein Krankenhaus, holt sich dabei selbst eine Ansteckung, legt sich auf das Kranken­lager und opfert sein Leben als Märtyrer der Liebe!---

„Wie junge Oelbäume sollen die Kinder der Kirche sein rings um den Tisch des Herrn".

Meins lieben Katholiken, wir stehen in der Fronleichnamsoktav, wir stehen an der Schwelle des Herzjesufestes. Da sei auch dein Platz rings um den Tisch des Herrn, um dem hl. Meßopfer bei­zuwohnen, um die hl. Kommunion zu empfangen. Und wenn es noch nicht geschehen ist, so genieße wenigstens einmal jene Speise, von der wir im Liede singen:

„Dies Brot macht Menschen Engeln gleich". Ge­hörst du zur Ehrengarde katholischer Männer, so nimm dir den Spruch zu Herzen:

„Wenn die Flammenzeichen rauchen, Wird die Kirche Männer brauchen: Nur beim Heiland wachsen sie". —

Der Burapfarrer,