Zahrg. 51.
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Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35®oföpfennig B 40 Goldpfennig (freibl.) Redaktions- chluß Montag. Anzeigen-Preis«: Tolonelzelle tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Tolanelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aeti-ndruckerei in Fulda sein.
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Menschen, Gerechten und Sündern, Eltern und Kindern, Erziehern und Erziehungsbedürftigen, das Kreuz als nützliches Buch in die Hände drük- ken, um darin immer wieder zu lesen und daraus immer wieder zu lernen.
Mag auch das Kreuz aus holz fein, so ist es doch ein treffliches Büchlein, zumal für Erzieher in der schweren Kunst der Erziehung. In einer Lobrede auf das hl. Kreuz nennt der redegewaltige Ehrysostomus das Kreuz den Stab der Lahmen den Trost der Armen, den Zügel der Reichen, die Freiheit der Sklaven, die Philosophie der Könige, den Ruhm der Märtyrer, die Abtötung der Mönche, die Freude der Priester, die Grundmauer der Kirche und den Erzieher der Jugend. Diesen herrlichen Titeln möchte ich noch einen weiteren hinzufügen: das Kreuz ist nicht GGGGG G GGGGG
Wochenkalender.
Sonntag, 8. Mai. 3. Sonntag nach Ostern. Erscheinung des Erzengels Michael. Schulsonntag.
Montag, 9. Mai. Gregor von Nazianz, Kirchenlehrer, t 311.
Dienstag, 10. Mai. Antonius, Bischof, t 1459. Gor- dianus u. Epimachus, Mart., f 362.
Mittwoch, 11. Mai. Oktav des Schutzfestes des hl. Joseph.
Donnerstag, 12. Mai. Versus u. Gen., Mart., t 304. Freitag, 13. Mai. Vom Tage.
Samstag, 14. Mai. Mariensamstag. Bonifatius, Mart, zu Tarsus, t 307.
Dritter Sonntag nach Ostern.
(Ev. Joh. 16, 16—22.)
In jener Zeitsprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen; und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen; denn ich gehe zum Vater. Da sprachen einige von
seinen Jüngern unter einander: Was ist das, daß er zu I uns sagt: Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen: und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen, und:. Denn ich gehe zum Vater? Sie sprachen also: Was ist das, daß er spricht: Noch eine kleine Weile? mir wissen nicht, was er redet. Jesus aber wußte, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Ihr fraget unter euch darüber, daß ich gesagt habe: Noch eine kleine Weile, so werdet ihr mich nicht mehr sehen: und wieder eine kleine Weile, so werdet ihr mich wieder sehen. Wahrlich, wahrlich, sag' ich euch, ihr werdet weinen und weheklagen: aber die Welt wird sich freuen. Ihr werdet traurig sein: aber eure Traurigkeit wird in Freude verwandelt werden. Das Weib, wenn es gebärt, ist traurig, weil ihre Stunde gekommen ist: wenn sie aber das Kind geboren hat, so denkt sie nicht mehr an die Angst wegen der Freude, daß ein Mensch zur Welt geboren worden ist. Auch ihr habet jetzt zwar Trauer, aber ich werde euch wieder sehen, und eure Freude wird niemand von euch nehmen.
aus Holz
5 der hl. Philippus Benetius aut dem Sterbebette lag, verlangte er „sein Buch". Man reichte ihm verschiedene; doch der Sterbende schüttelte müde das Haupt. Endlich kam jemand auf den Gedanken, ihm ein Kreuz mit dem Heiland daran zu reichen. Und
Hell der Kopf, Fest der Muk, Fromm das Herz, Dann steife gut
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siehe, dieses nimmt er freudig in die Hände, hebt es triumpfierend in die Höhe, bedeckt es mit Küssen und spricht: „Das ist mein Buch".
Es ist nicht lange her, da haben wir in der hl. Fastenzeit, besonders in der Karwoche und am Karfreitag, dieses Buch aufgeschlagen, das hl. Kreuz. Kaum aber sind wir in die Osterzeit eingetreten, da befürchtet die Kirche, wir möchten das Zeichen der Erlösung, seine Lehren und Wohltaten, wieder vergessen und bringt es darum übermal in Erinnerung durch das Fest „kreuzauffln- ^'ma" am 3. Mai. Die Kirche möchte eben allen
p Schuttnschrift
des armen, oft verführten, gequälten irregeleiteten verhetzten Volkes. So werden wir gern nach dem französischen Sprichwort handeln: „Alles verstehen heißt alles verzeihen". —
Der Heiland übte am Kreuz Beharrlichkeit. Hörst du die Herausforderung feiner Feinde: „Bist du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuze, und wir wollen an dich glauben". Glaubst du nicht, es wird dieser Ruf — menschlich gesprochen — eine große Versuchung für den Heiland gewesen sein, nun wirklich sich vom Kreuze loszureißen, mitten vor feine Feinde zu stehen im Stande her Gottheit und sie zur Anbetung auf den Boden zu zwingen? Und dennoch, der Heiland hat dieser Versuchung widerstanden. Er ist am Kreuze geblieben. So hat er eine heroische Beharrlichleit geübt, uns zum Vorbild. Der Erzieher kommt auch bisweilen in Versuchung, sein Werk vorzeitig abzubrechen, da er keine Erfolge wahrnimmt. Doch wir dürfen nicht verzagen, nicht die Flirte ins Korn werfen, nicht die Jugend sich selbst überlassen. Beharrlich und unverdrossen wollen n-ir unser schweres Amt verwalten und den Erfo'g
Gott überlassen.
Und wlech eine Geduld hat der Heiland ant Kreuze geübt. Welche Stelle seines Leibes blieb denn unverletzt und schmerzlos? Welche Qual der Seele wurde ihm erspart? Aber hat er sich vielleicht beklagt? Nein; wie ein Lamm, das schweigend zur Schlachtbank geführt wird, wie ein Wurm, der stumm in seinen Schmerzen sich windet, so hat das Gotteslamm gelitten. Was bleibt dem Erzieher anders übrig als zu leiden? Seine Kinder, feine Zöglinge, seine Pflegebefohlenen, seine Schäflein werden ihm immer vieles zu schaffen machen. Wie oft werden deine besten Absichten oder Handlungen falsch verstanden, verdreht und übel aufgelegt. So hatte der hl. Gregor von Nazianz als Bischof viel zu leiden unter der Unduldsamkeit der Arianer. Doch konnte ihn nichts aus der Fassung bringen. Er hielt den unüberwindlichen Schild der Geduld über seine Schultern. Er rechnete sich sogar solche Leiden zur Ehre und Freude. Weit entfernt, sprach er, die Leiden als ein Uebel zu betrachten, halte ich im Gegenteil dafür, daß es ein Uebel fei, nicht zu leiden, besonders seit der Zeit, wo ich erfahren habe, wie süß es ist, für Christus sich Bedrängnissen auszusetzen."
Gleich einer Sonne strahlt am Kreuze des Heilandes Uneigennützigkeit und Selbstlosigkeit. Wie die Sonne nicht für sich selber hell ist und warm macht, sondern für die Erde und für uns Menschen, so hat auch Christus in seinem Leiden und Sterben nicht seine eigene Ehre im Auge gehabt, sondern seines Vaters Ehre und unser Heil. So müssen auch wir Eltern, Lehrer, Geistliche, Meister und Erzieher jeder Art, es machen. Wir wollen unsere Pfleglinge betreuen und vorwärts brin- gen nicht aus Eigenliebe oder Selbstsucht, nicht um unseren Obern zu gefallen, nicht um unser Lob singen zu hören, noch weniger um einen guten Gehalt zu verzehren, sondern eben etnüa und
èGGGD ® GOGDD bloß ein Erzieher der Jugend sondern auch ein Erzieher der Erzieher, ein Handbuch der Erziehung für Eltern, Lehrer, Vorgesetzte und alle, in deren Hände die göttliche Vorsehung die Pflicht der Erziehung niedergelegt hat.
Fünf Dinge sind einem Erzieher besonders nötig, die wie Edelsteine am Stamme des Kreuzes glänzen: Einfühlung, Beharrlichkeit, Geduld, Selbstlosigkeit und gutes Beispiel.
Der Heiland hat sich hineingedachk in die Seele und Stimmung derjenigen, die unter dem Kreuze standen, die seine unerträglichen Schmerzen noch mit dem Salz ihres Spottes steigerten. Er sah in ihren Seelen eine schier unüberwindliche Verblendung und Finsternis. So hat er ihre Lieblosigkeit nach Kräften entschuldigt und sich zum Vater gewandt mit der Bitte: „Vater, verzeih' ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." — So soll auch der Erzieher sich hineindenken In die Seele und die Verhältnisse der Erziehungsbedürftigen, der Kinder, der Schüler, dèx Jugend und