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Kassel, den 17 April 192?

oahrg. 57.

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels, rrschrtnt jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35 Solbpfennig 8 40 ®olbpfennig (freibL) Redaktion-- ^luB Montag. Anzelgen-Preis«: Colonelzeile tm Anzeigenteil 0.15 Goldmark, Colonelzeile tm Reklameteil »,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extta. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda sein.

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Sonntag, 17. April. Ostersonntag.

Montag, 18. April. Ostermontag.

Dienstag, 19. April. 3. Ostertag.

Mittwoch, 20. April. Von der Osteroktsv.

Donnerstag, 21. April. Von der Oktav.

Freitag, 22. April. Von der Oktav. Toter u. Casus, Mart.

Samstag, 23. April, Von der Oktav. Georg, Mart., f 303.

Ostersonntag.

Ev. Mark. 16, 17.

» 3 iener Zeit kauften Maria Magdalena, Maria, des Jakobus Amtier, und Salome Spezereien, um hinzu­gehen und Jesum zu salben. Und sie kamen am ersten Tage der Woche in aller Frühe zum Grabe, da die Sonne eben aufgegangen war. Und sie sprachen zu einander: Wer wird uns wohl den Stein vor der Türe des Grabes wegwälzen? Als sie aber hinblickten, sahen Stein weggewälzt war: er war nämlich sehr groß. Und da sie in das Grab hineingingen, sahen sie einen Jüngling zur Rechten sitzen, angetan mit einem weißen Kleide, und sie erschraken. Dieser aber sprach chnen: Furchtet euch nicht! Ihr suchet Jesum von utazareth den Gekreuzigten: er ist auferstanden, er ist nicht hier; sehet den Ort, wo sie ihn hingelegt fy ©el)et aber hm, saget seinen Jüngern und dem

ictten.

----- < "' !*»* iv»»»v« -vMnyci.il Uhu ueni Petrus, er euch vorangehe nach Galiläa: daselbst werdet ryr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

5eil dem Lamme! n der Apokalypse am 5. Kapitel lese ich jene grandiose Vision, in wel­cher dem hl. Iohannes das ge­heimnisvolle Buch gezeigt wurde, innen und außen beschrieben und mit sieben Siegeln versiegelt. Und nd - ^? Engel stößt in die Posaune

etnem Herold ruft er mit weithin schal- lender Stimme:Wer ist würdig, das Buch zu öff- wand lerne Siegel zu lösen?" Und siehe, nie- weder tm Himmel, noch auf Erden, noch Her der Erde konnte das Buch öffnen oder seine Ziegel losen oder auch nur hineinblicken. Und Jo- wemte bitterlich, da niemand würdig befun- zu öffnen. Da trat einer der aefieSM A unö sprach: weine nicht; denn MLowe aus Juda, die Wurzel Davids, siebe h? und seine Siegel zu lösen. Und wie âetßJ^ den 24 Aeltesten ein Lamm Unb9ei Pam 1 l'^en Hornern und sieben Augen, besarnüon ^ nahm das Buch aus der Hand

§ ^on'Ss, ber auf dem Throne saß; und lebendigen g^ffuet hatte, da fielen die vier Ä ni5 ' n "Ud tue 24 Aeltesten vor dem Ä l?er mit Zithern und goldenen Lied und sprachen^ ^' fte sangen ein neues

unb" mU ° Herr, zu nehmen das Buch 31 lwen ferne Siegel; denn du bist gesätes

worden und hast uns Gott erkauft mit deinem Blute aus allen Völkern und Stämmen und Sprachen und Nationen und hast uns zu Königreichen ge­macht und zu Priestern und zu Herrschern."

Verwirklicht sich nicht dieses grandiose Gesicht am heutigen hochheiligen Osterfest? Verwirklicht es sich nicht schon auf Erden ringsum in der gan­zen Kirche Christi? Scharen sich nicht 500 Millio­nen Christen allerKonfessionen, um das gekreuzigte und auferstandene Gotteslamm zu beglückwünschen und zu besingen? Ihm Ehre und Heil und Alleluja zuzurufen?

Der Preis des göttlichen Lammes ist die große, würdige Aufgabe der Kirche am Osterfest und in der -ganzen Osterzeit.

Victimae Paschali taubes immolent Christiani Auf, Christen, in fröhlichen Weisen, Des Osterlamms Ehre zu preisen.

Dem Herrn entgegen! vergeßt die Kinder ber Diaspora nicht!

Der weiße Sonntag naht!

so

Das Lamm erkaufte die Schafe, Christus versöhnte die Sünder/

;fen die Priester und der Sängerchor beim hl. Meßopfer an Ostern und in der Osterwoche.

In der Epistel erhebt dann der hl. Paulus feine Stimme und gibt uns die herrliche Osterlehre:

Brüder, feget aus den alten Sauerteig, damit Gr ein neuer Teig werdet, wie ihr ja ungesäuert seid. Dennunser Osterlamm, Christus, ist ge- opfert worden; darum wollen wir Ostern feiern Nlcht im Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, wubern im ungesäuerten Brot der Einfalt und Wahrheit .

Bald darauf ertönt laut und feierlich die Präfa- tion. Wuchtig und gewaltig wie ein schneebedeckter ällpengtpfel ragt daraus folgende Stelle hervor: Unser Osterlamm, Christus, ist geopfert worden; ?F io bas mafjre Lamm, welches hinwegnimmt die Sunden der Welt; der unsern Tod durch sei- nen Tod besiegt und durch feine Auferstehung ewi­ges Leben uns erworben hat."

Nach der Wandlung aber, wenn schon das Oster- schneeweißen Hostie auf dem Altare uegt, beugt sich bei Priester nieder und wricht die erareifenden Worte:

Agnus Dei, gut pecata mundi mundi" 0 Lamm Gottes, das du wegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser!"

Warum wird nun Christus das Osterlamm ge­nannt? Um diesen Ausdruck in seiner ganzen Schönheit und Kraft zu verstehen, müssen wir zu­rückgehen auf die Einrichtungen des alten Bundes. Erinnerst du dich nicht mehr an den Auszug aus Aegypten? Damals hatte Gott die zehnte Plage angedroht. In jedem Haus sollte der Erstgeborene sterben. Nur die Häuser der Jsraelitei sollten ge­schont werden. An welchem Zeichen sollte nun der Würgengel die Häuser der Israeliten von dener der Aegypter unterscheiden? Tötet ein Lamm, sprach Moses in Gottes Auftrag. Das Lamm soll! ihr schlachten und sein Fleisch genießen; das Blut aber sollt ihr an die Schwelle der Haustüre strei­chen " Und als zur Stunde der Mitternacht der Würgengel wie eine Riesennachteule umherflog, da schlug er mit erbarmungsloser Hand jeden Erst­geborenen aus den Häusern der Aegypter. An den Häusern der Israeliten aber, an denen er das Blut des Lammes bemerkte, ging er schonend vorüber.

Jesus ist nun das wahre Osterlamm, von dem das alte nur ein Schatten und Vorbild gewesen ist. Er ist gestorben für unsere Sünden, geschlachtet am Stamme des Kreuzes, unschuldig und geduldig, aus freier Wahl und reiner Liebe. Und am dritten Tag ist er zum Leben zurückgekehrt und hat dem Werk der Erlösung die Krone aufgesetzt. Darum wird der Sohn Gottes, der Heiland der Welt, als Osterlamm gefeiert im Himmel und auf Erden.

Weil damals der Würgengel gnädig vorüber­ging, wurde das LammPassah", das heißtVor- Übergang" genannt; auch das Fest, das alljährlich von den Israeliten zur Erinnerung an die Befrei­ung aus Aegypten gefeiert wurde, bekam den NamenPassah". So kommt es, daß auch Christus selbst dasPassah" genannt wird, und daß unser Osterfest in der Sprache der kirchlichen Liturgie ebenfallsPassah" heißt.

Schließen wir uns den Huldigungen der Kirche an das Gotteslamm gerne an.Heil dem Lamme" sei die Losung der heiligen Osterzeit. Treten wir auch in die Fußstapfen des Gotteslammes. Töten wir ab die bösen Triebe des Herzens und des Flei­sches, die Regungen der Eigenliebe, des Zornes, des Ungehorsams, des Hasses, der Rachsucht, der Sinnlichkeit, des Stolzes. Laß nicht in der Osterzeit die Laxheit und Lauheit wieder in die Höhe kom­men. Fröhne nicht wieder den Begierden und Lei­denschaften, denen du bei deiner Osterbeicht zu ent* sagen versprochen hast. Das böse, das ungeordnete, das minderwertige, das unvollkommene, das voll­kommene entwickle zum Leben und zur Blüte. So werden wir den Tod und die Auferstehung unseres Herrn nachbilden zu seinem Lob und zu unterm Vorteil. So wird Ostern zu einer Lebensparole. So wird sich erfüllen das merkwürdige Wort bei hl. Cyrillus von Alexandrien:Das ganze Lebe« des Christen soll ein einziges Freudenfest sein."