Kassel, den 10. April 1927.
Layrg. 37.
Kr. 15
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 35 Goldpfennig B 40 Goldpfennig (sreibl.) Sebastians* chluß Montag. Anzeigen-Preise: Tolonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzelle im Keklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft and Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetkendruckerei in Fulda sein.
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Wochenkalender.
Sonntag, 10. April.
Montag, 11. April.
Dienstag, 12. April.
Mittwoch, 13. April.
Mart., t 585.
Palmsonntag
Vom Tage.
Vom Tage.
Vom Tage. Hermenegild,
Donnerstag, 14. April. Gründonnerstag. Kollekte für das hl. Land.
Freitag, 15. April. Karfreitag. Kollekte für das heilige Land.
Samstag, 16. April. Karsamstag.
Palmsonntag.
(Eo. Matth. 21, 1—10.)
In jener Zeit, da Jesus sich der Stadt Jerusalem nahte, und nach Bethphage am Oelberge kam, sandte er zwei Jünger ab, und sprach zu ihnen: gehet in den Flecken, der euch gegenüberliegt, und werdet alsbald eine Eselin angebunden finden, und ein Füllen bei ihr: machet sie los, und führet sie zu mir. Und wenn euch jemand etwas sagt, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer: und sogleich wird er sie euch überlassen. Dies alles aber ist geschehen,, bannt erfüllet würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Sion: Siehe, dein König kommt sanftmütig zu dir, und sitzet auf einer Eselin, auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttieres. Die Jünger gingen nun hin, und taten, wie ihnen Jesus Befohlen hatte. Und sie brachten die Eselin mit dem Füllen, legten ihre Kleider auf dieselben, und setzten ihn darauf. Sehr viel Volk aber breitete seine Kleider aus den Weg: und andere hieben Zweige von den Bäumen, und streuten sie auf den Weg. Und die Scharen, die vorausgingen und nachfolgten, schrien und sprachen: Hosianna dem Sohne Davids; hochgelobt oer da kommt im Namen des Herrn!
Ein schlechter Kaufmann.
och fünf Tage, und das „Hosanna" des heutigen Palmsonntages wird abgelöst durch das „Crucifige" des Karfreitages. Die Karwoche ist angebrochen, die Schmerzenswoche, die Klagewoche, die stille Woche, oie Gnadenwoche. Da versenkt sich die Kirche in das Leiden ihres Stifters und Bräutigams wie ein Cisch in das salzige Meer.
Wer steht aber im Geist der Liturgie neben der geheiligten Person unseres Herrn und Erlösers? Ein Schurke, gezeichnet mit dem Mal des Verrats, Midas, der schlechte Kaufmann. Zumal am Gründonnerstag, der ja mit dem Kuß des Verräters und der Gefangennahme des Lammes so schmählich en- n ^t s'ch die Kirche den Judas ins Auge und x zum abschreckenden Beispiel öffentlich an oen Pranger. Nicht weniger als fünfmal flicht die , Kirche die Gestalt des Judas in die Gründonners- togshturgie. Einmal in der hl. Messe, und vier- ^ in der Matutin.
Schlagen wir also das Meßbuch auf und lesen
das ergreifende Tagesgebek: „!
sowohl Judas die Strafe seiner Schuld als auch der Räuber den Lohn seiner Reue bekommen. Gewähre uns die Wirkung deiner barmherzigen Huld. Möge Christus, der in seinem Leiden jedem den
gebührenden Sold bezahlt hat, die alte Schuld von uns hinwegnehmen und uns die Gnade der Auferstehung schenken."
Welch schroffe Gegenüberstellung in diesem erhabenen Gebet. Der Apostel und der Räuber. Drei Jahre war Judas ein Apostel, ausgezeichnet durch den Auftrag der Predigt und durch die Gabe der Wunder, bekleidet mit dem Vertrauensposten des Kassiers. Auf der anderen Seite der Schächer und Missetäter, der manchen Mord auf dem Gewissen hat. Wie verschieden die Laufbahn, wie ungleich das Ende. Judas wurde zum Verräter und hat damit alles verdorben. Der Schächer aber wurde ein Bekehrter und hat dadurch alles wieder gutgemacht. Der eine stürzte in die Hölle, der andere schwang sich auf zum Paradiese. Bleibe einen Augenblick stehen, liebe Seele, und betrachte Gottes Gerichte, die oft unbegreiflich, immer aber gerecht sind. Solltest du auf dem rechten Wege gehen, so weiche nicht einen Augenblick davon ab. Du könntest noch nach einem Leben des Glaubens und der Tugend elendig zugrunde gehen. Schreitest du aber bereits auf dem Weg des Unglaubens, der Laster und Pflichtvergessenheit, was hindert dich daran, noch heute umzukehren, nach würdiger Beicht ein anderes Leben zu beginnen und ein Bürger des Himmels zu werden? —
Die vier Antiphonen der Gründonnerstagsmette haben folgenden Wortlaut.
Die erste: „Mein Freund hat mich mit dem Zeichen des Kusses verraten. Den ich küssen werde, der ist's, den ergreifet. Dieses schlechte Zeichen hat
er erwählt und durch den Kuß den Mord vollendet. Der Unglückliche warf den Blutpreis weg und erhängte sich zuletzt mit einem Stricke. Es wäre ihm besser, wenn jener Mensch nicht geboren wäre!" —
Die zweite: Judas, dieser schlechte Kaufmann, hat mit dem Kuß den Herrn angegriffen. Als argloses Lamm hat dieser den Kuß des Judas nicht zurückgewiesen. Mit einer Anzahl von Denaren hat Judas Christum verraten. Besser wäre es ihm gewesen, wenn jener Mensch nicht geboren wäre!" —
Die dritte: „Einer aus meinen Jüngern wird mich heute überliefern; weh jenem, durch den ich überliefert werde; besser wäre es ihm, wenn er nicht geboren wäre. Der die Hand mit mir in die Schüssel tunkt, der wird mich den Händen der Sünder überliefern; besser wäre es ihm, wenn er nicht geboren wäre!" —
Die vierte: „Ein einziges Stündchen konntet ihr nicht mit mir wachen, die ihr euch brüstet, für mich zu sterben? Oder seht ihr nicht den Judas, wie er nicht schläft, sondern eilt, mich den Juden auszuliefern? Was schlafet ihr? Steht auf und betet.
". ' " f i damit ihr nicht in der Versuchung fallet; oder seht
,Von dir, o Gott, hat ihr nicht den Judas, wie er nicht schläft, sondern Krbiild nf« nitrh hor eilt, mich den Juden zu überliefern?'---
Judas, fürwahr ein schlechter Kaufmann! Der schlechteste, den es je unter dem Monde gab. Judas hat ein Geschäft gemacht aus dem Verrat; aber
vys» yui viii vw|u/u[i yvmuu/i uuy wm ovv4U4, uw«, ein unrentables Geschäft, ein lasterhaftes Geschäft, ein Höllengeschäft, ein Geschäft ohne Gewinn, ein Geschäft mit unersetzlichem Verlust, ein Geschäft mit
dem Brandmal ewiger Schande und Strafe. An sich schon ist der Verrat eine anrüchige Sache. Was gibt es verachtungswürdigeres als einen Verräter, einen Ueberläufer, einen Deserteur, einen Apostaten? Das alles war Judas; dabei diese abstoßende Maske der Freundschaft. Noch beim legten Abendmahle, als schon Satan sein Herz bestrickt hatte, spielte er den Unschuldigen. Des Judas Geschäft war ein Verkauf. Ist es nicht schmachvoll, Menschen wie eine Ware zu verschachern? Welche Ver- demütigung für den Heiland! Welche Niedertracht für den Apostel. Dazu diesen lächerlichen, spottbilligen Preis von 30 lumpigen Silberlingen, just die Summe, die für einen Sklaven erlegt werden, mußte. Siehst du denn nicht, verblendeter Judas, welchen Schatz du verkaufest? Hast du denn nicht gemerkt, wie viel dieser Jesus selbst den Feinden wert ist? Und welche Mühe machst du dir mit deinem scylechlen Handel. Selbst die Nachtrühe opferst du. Wo andere Leute schlafen, bleibst du wach und zählst die Stunden. Mit dem Gesindel der Phari- Per und Schriftgelehrten pflegst du Unterhandlungen und einer mit Knüppeln und Säbeln bewaffneten Rotte gehst du als Führer voraus beim unheimlichen Scheine der Fackeln. Und wenn du wenigstens die 30 Silberlinge behalten oder dir ein Vergnügen damit gemacht hättest. Doch nein; nicht einen Tag bleiben sie in deiner Hand. Du wirfst sie in den Tempel, den hohnlachenden Priestern vor die Füße. Dann der Strick, die Verzweiflung, das Erhängen, der Selbstmord, das Gericht, die Hölle.
Ist Judas nicht ein „schlechter Kaufmann"? Er hat dem Teufel Dienste erwiesen; nun hat er „des Teufels Lohn"!---
Dem Verbrechen des Judas gleicht die unwürdige Kommunion. Welche Mühe macht sich ein sol- cher Kommunikant; geht beichten, geht ein- und zweimal in die Kirche, verrichtet allerhand Uebungen und Andachten. Er geht zur Kommunionbank wie ein Freund; doch ein Heuchler ist er; in ein unreines, sündenbeladenes Herz zwingt er den König der Engel, den Herrn der Herrlichkeit. Seinen Lohn hat Paulus angedeutet mit den Worten: „Er ißt und trinkt sich das Gericht". Mein Christ, lade kein solches Verbrechen auf deine arme Seele- Geh immer würdig, im Stande der Gnade und mit guter Meinung und Vorbereitung zum Tische des Herrn. Diene nie dem Teufel, sondern immerdar bis zum letzten Atemzuge deinem Herrgott, der einem jeden vergelten wird nach seinen Werken.
Der Burgpfarrer.