Kassel, den 20 März 1921
Jatzrg. 37.
Nr. 12
Religiöses Wochenblatt
für die kakholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35 Äoldpfennig S 43 Goldpfcnnlg (freibl.) Redakttons- Schluß Montag. Anzeigen-Prsise: Tolonelzeile Im Anzeigenteil 0,15 Noldmark, Colonelzeile im Reklametei! 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Osf.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda lein.
— , - Druck Md B erlag 6er Fuld« StdtaibruJereL -———
wochenkalender.
Sonntag, 20. März. 3. Fastensonntag.
Montag, 21. März. Benedikt, Ordensstister, + 543.
Dienstag, 22. März. Vom Tage.
Mittwoch, 23. März. Som Tage.
Donnerstag, 24. Mürz. Gabriel, Erzengel.
Freitag, 25. März. Fest Mariä Verkündigui!g.
Samstag, 26. März. Vom Tage.
NB. Sonntag, 27. Mürz. Beginn der öjteriichcr Zei,
Dritter Zastensonntag.
(Evang. Lukas 11, 14—28.)
Ruf den wegen der Liebe.
ist gerade das Fest des hl. Io- MsB^^iä! Hannes von Gott, wo ich diese Le- sung niederschreibe. Sein Leben, i/tSSSsW® das er im Jahre 1550 beschloß, war ganz eingerichtet nach der Mah- nung des hl. Apostels Paulus, der in der Epistel des heutigen Sonntags schreibt: „Brüder, wandelt in der Liebe".
Nach einem bewegten Jugendleben kam Johannes durch Gottes Vorsehung in die schöne und große Stadt Granada in Spanien. Einst hörte er dort eine Predigt des feurigen Johannes von Avila und wurde durch dieselbe derartig erschüttert, daß er laut seine Sünden bekannte, sich die Brust zerschlug und unter Jammern und Seufzen die Straßen der Stadt durchzog. Der Pöbel unter Spott und Vorwürfen ihm nach. Johanns hörte davon und besuchte den Tiefzerknirschten. Er ermahnte ihn, sein Leben der Nächstenliebe zu weihen und dadurch seine Sünden wieder gut zu machen. Unter den Worten des frommen Priesters erkannte der verirrte Johannes seinen künftigen Beruf und weihte sich ihm mit Einsatz seiner ganzen Arbeitskraft. Er mietete ein Haus und richtete es zu einem Spital. Um die nötigen Mittel zur Krankenpflege zu erhalten, durchzog er persönlich die Straßen der Stadt, einen Korb auf dem Rücken, unter jedem Arine einen Topf und rief mit lauter Stimme: „Seib barmherzig gegen euch selbst, Brüder, und tut euch gutes." Das war eine ganz neue Empfehlung der Caritas. Barmherzigkeit sollten die Leute üben nicht so sehr aus Liebe zu Gott oder aus Liebe zum Nächsten, sondern aus wohlverstandenem eigenen Interesse. Die Almosen flossen von goch und nieder, von Weltleuten und von der Geistlichkeit so reichlich, daß Johannes bald ein neues Spital bauen und mit allen Bequemlichkeiten ausstatten konnte. Für seine lieben Kranken ging er buchstäblich durchs Feuer. Eines Tages war nämlich durch Gottes Zulassung nn Spital ein Feuer ausgebrochen. Mit Todes- verachtung stürzte sich der Krankenvaier mitten in
die Flammen, trug die Kranken und die Betten heraus, ohne des Rauches und der Hitze zu achten. Eine halbe Stunde war er den Augen der entsetzten Zuschauer verschwunden, die glaubten, der Tollkühne sei ein Opfer der Flammen geworden. Endlich kam er wieder zum Vorschein. Nur die Augenbrauen waren versengt, die übrigen Glieder, sogar die Kleider waren unversehrt geblieben, lind so hatte es sich gezeigt, daß in der Schule Christi das innere Feuer stärker und siegreicher war als das äußere. Noch mehr als die Pflege der kranken Körper lag unserm Johannes die Pflege der kranken Seelen am Herzen. Wie manchen Sünder hat er mit Gott wieder ausgesöhnt. Mit dem Kreuz in der Hand ging er in unsittliche Häuser und beschwor die Dienerinnen des Lasters, ihrem schändlichen Gewerbe zu entsagen. Um seinen lieben Kranken keinerlei Mangel auflegen zu brauchen und um für die geretteten Sünder und Sünderinnen den Lebensunterhalt zu übernehmen, machte Johannes manchmal bedeutende Schulden. Als er nun auf dem Todesbette lag und seinem letzten Stündlein entgegensah, hate er noch drei Anliegen, die er dem Bischof von Granada unter Tränen offenbarte, daß er nämlich erstens fürchte wegen seiner Sünden, daß er zweitens für den Unterhalt der Bekehrten nicht mehr aufkommen und daß er drittens die für das Spital gemachten Schulden vor seinem Ausscheiden nicht mehr bezahlen könne. Bezüglich des ersten Wunsches verwies ihn der Bischof auf die göttliche Barmherzigkeit, und die Sorge für die Bekehrten und für das Spital nahm der Bischof auf seine eigenen Schultern. Nun umfaßte der Sterbende das Kreuz und enipfahl seine Seele in Gottes Hände, um jenen Lohn zu erhalten, den der Heiland in Aussicht stellt mit den Worten: „Selig sind dir Barm- herzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen."
Da siehst du wieder an einem herrlichen Beispiel, daß am Baum der katholischen Kirche die köstliche Frucht der Larilas gedeiht. Das ist auch ganz natürlich. Hält sich doch unsere Kirche grundsätzlich an das Hauptgebot ihres göttlichen Stifters: „Das ist mein Gebot, daß ihr einander liebet, und daran wird man erkennen, ob ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebet. Zur Beförderung der praktischen Nächstenliebe hat die Kirche schon durch dir Apostel die Einrichtung des Diakonates getroffen. Als es nämlich in Jerusalem Un- stimmigkeiten gab, indem einige Arme sich zurückgesetzt glaubten, traten die Apostel zusammen und sprachen zur Gemeinde: „Es ist nicht recht, daß wir den Dienst des Wortes, der Predigt und Sakramentenspendung verlassen, um den Tischen und der unmittelbaren Krankenpflege zu dienen; stellet Männer auf aus euren Reihen, die ihr mit der Kran- kensorae betrauen möget. Es wurden damals lieben Männer ausgestellt, denen die Apostel die Hände auflegten und ihnen dadurch die Weihe mii- teilten. Diese^Diakone hatten Kirchen- und Armem
dienst. In der Kirche mußten sie beim hl. Meßopfer den Bischof unmittelbar bedienen und aus den Kelchen das hl. Blut austeilen. So hat der hl. Laurentius, als sein Bischof Tystus zum Martyrium geführt wurde denselben angeredet mit den Worten: „Wohin gehst du ohne deinen Diener? Niemals pflegtest du das hl. Meßopfer darzubrin- gen ohne deinen Diakon; prüfe nun, ob du einen würdigen Diener erwählt hast, dem du die Austeilung des göttlichen Blutes anvertraut hast?" Noch wichtiger und bedeutungsvoller war aber für die Diakone der Armendienst, die Sorge für die Armen und Kranken, für die Witwen und Waisen. Staat und Gemeinde haben damals diese Sorge der Kirche, der Religion, der Frömmigkeit überlassen. Ueberdies gab es in den ersten Jahrhunderten auch weibliche Krankenpflegerinnen, die im Namen der Kirche ihr Amt ausübten die Diakonissen. Cs waren fromme, gottgeweihte Jungfrauen, die bei der Taufe und Firmung der Frauen hilfreiche Dienste taten und in der Krankemund Armenfürsorge überall da hilfreiche Hand anlegten, wo ein Mann weniger geeignet schien. Der Dienst der Diakonissen ist mit der Zeit eingegangen. Dafür sind in der Kirche die Mönner- orden und Frauenorden aufgesproßt, die im Dienst der Armen, der Kranken, der Kinder der Waisen und Hilfsbedürftigen um Gotteslohn sich betätigen.
Wenn heute Staat und Kirche in löblichen: Wettstreit dem Massenelend zu steuern suchen, so bist du deshalb als Einzelperson vom Wohltun nicht disspensiert. Auch du sollst „Nachahmer Gottes" sein und auf den Wegen der Liebe wandeln wie der barmherzige Samaritan. Drum geht meine Bitte dahin: Spende in diesen Tagen, wo überall „die Caritaswoche" gehalten wird, ein „Fasten- almosen", das nach den: Maß deiner Kräfte und nach den: Maß der Liebe sich richten möge.
Der Burgpfarrer.
Zum Feste des h!. Joseph.
Der heilige Joseph, der Patron der Sterbenden
In katholischen Kirchen und Kapellen, in kath- lischen Familien sieht man sehr ost Darstellungen des Todes des Heiligen Joseph.
Die neuere christliche Kunst hat sie erst geschaffen; sie ist dadurch einem Bedürfnis vieler Herzen entgegengekommen und hat die Andacht zum heiligen Nährvater des göttlichen Heilandes in Unzäh- ligen angeregt und »erliesst.
Kostbar ist in den Augen des Herrn der Tod seiner Heiligen. (Psalm 113, 15.) Dieses Wort des Heiligen Geistes gilt wohl von keinem Heiligen in dem Grade wie vom heiligen Joseph.
Sehen wir, wie der Heilige, nachdem er Jesus und Maria so treu gedient hatte, im Hause Na» zareth auf dem Sterbebette liegt! Engel umschweben ihn unsichtbar; der König der Engel kW