KbMßgebet um mehr Priester!
Papst Pius X. hat schon 1912 einen Ablaß von 100 Tagen gewährt für das kleine Gebetchen:
O Herr Jesus, vermehre die Zahl der Priester deiner Kirche.
Möchtest du nicht, lieber Leser, diese Bitte auf ein Bildchen schreiben, dasselbe in dein Gebetbuch legen, um beim hl. Meßopfer und beim Empfang der hl. Sakramente oft daran erinnert zu werden. Wer viel um gute Priester betet, tut ein großes gutes Werk für Heimat und Heidenland.
Kindesliebe.
Wild wirbeln die Schneeflocken in der Luft, während sich die Dunkelheit auf die Erde senkt. Immer schrecklicher wird das Treiben, und laut ächzt das Holz an den Bäumen, ob dem starken Froste. Durch die mächtigen Schneewehen stampft der alte Mathes mit feiner Tochter. In Gersfeld haben sie gebettelt, und nun wollen sie über die hohe Rhön nach dem Flecken Oberelsbach. Beide beben vor Frost und Kälte, aber der alte Mathes kennt heute keine Ruhe. Da ergreift die bisher stille Marie das Wort, und bittet den alten Vater mit dringenden, rührenden Worten, doch wieder umzukehren, da sie ja hier umkämen. Dem arten Mathes schneiden diese Worte wohl tief in's Herz, aber wollen sie vor Mitternacht unter Dach sein, da müssen sie eilen. Doch von neuem beginnt die Tochter, ihn zu bitten aber er schüttelt den Kovf und sagt, daß es jetzt kein Zurück mehr gäbe, da sie ja auf der Höhe seien. „Und wie sollen wir uns in der schier unüberblickbaren Gegend zurecht finden?" fragt die Tochter. „Nachher'führen uns ia die Pfähle", meint die Alte beruhigend. Unter dessen wird das Wüten des Schneesturmes immer starker, dichter fallen die Flocken, — aber kein Pfahl ist zu sehen, kein Baum oder Gesträuch. Die Tochter schluchzt, der Alte keucht schwer, denn dieser Marsch ist für seine alten Beine zu viel. Jedoch schneller gehn sie weiter. Nach einer Weile sinkt der Mathes in den Schnee. — er kann nicht mehr Die Tochter steht wie versteinert, als der Alte sich zu erheben sucht und erschöpft wieder zurücksinkt, steht ihr das Grausige des Augenblickes klar vor den Augen.
Sie wirft sich zu dem Liegenden nieder, und, wahrend sie laut um Hilfe ruft, sucht sie das Ge- tW des Vaters zu erwärmen. Doch kein- Antwort, als Sturm und Echo, wird ihr gegeben Da plötzlich ziehen die Schauer wea, und'hèl! tnitb es' Der Mond erscheint, und die Sterne lugen freundlich auf dis winterweiße Rhön. Da schaut sich das zitternde Mädchen um, und sofort kennt sie sich wieder aus Hier ist die Teufelshütte, dort unten liegt. Ginolfs und Weißbach, in deren A^nf^rn E Licht brennt. „Gerettet, gerettet! ruft sie dem '' ater tn^ Ohr, der aber hört es niAt ^a »-eißt ihre Kleider vom Leibe und deckt den Vater 3u ,um ihn zu erwärmen. Jedoch, der rührt fiA rL ungeachtet der Kälte, wirft sie sich auf die Knie, und ruft ihm schluchzend ein R-ue-
5 ^^' Dann aber vergehen ihr die Sinn- sie sinkt tief in den Schnee ein, ihren Vater fest in den Armen haltend. Sie träumt von wal- lenhen Frauen, die in Nonn-mtracht vom Ganaosts- klosèer kommen, und von Wotan, der mit einem Een Heere durch die Berge jagt. Dann liegt sie still. — Ueber zwei Tote ab-r jagen die Stürme und treibt der Schnee hin. Dem treuen Mädchen aber gebe Gott den Preis der Kindesliebe. A. E.
Kus der Diasporaschule.
Skizzen von Joseph Gutberlet.
Nri^^^'no^Eu Zettel, aus Heften gerissen oder ^Espapierstücke: Briefe von Eltern an den Leh- plv HM,möchte hier > ,r,)8 auführen, die melle Schlaglichter auf die Not der D-wpora werfen:
Lehrer Ich möchte mich entschuldigen wegen meiner Tochter, ich habe sie sehr
notwendig gebraucht, weil ich den ganzen Tag auf arbeit mußte." — „Sehr Geherter Herr Lehrer! Muß nochmals in Karl entschuldigen, hatte gestern in Schlosser, ich konnte leider die Arbeit nicht versäumen. Also bitte haben Sie nochmals Nachsicht .... Frau M. N. — Herrn Lehrer A. Möchte meine Tochter Anna entschuldigen, daß Sie gestern Ihre Schularbeiten nicht machen tonte, da Sie durch Arbeit verhindert war." — „Werter Herr Lehrer Ich möchte mich entschuldigen wegen meiner Tochter M. sie mußte mir Cartofel haken weil ich ihmer arbeiten mußte. Grus von Frau M." — „Der Schüler A. B. wird hiermit entschuldigt, das er diese Tage seit Schulbeginn zu Hause bleiben muste, weil sein kleiner Bruder krank war, und wir auf Arbeit gehen, können wir doch die Arbeit nicht versäumen, und bitten deswegen um Entschuldigung. Achtungsvoll mit Gruß L. B." — Bitte um Entschuldigung weil gestern meine Tochter nicht zur Schule gekommen ist, Sie mußte mit Aehren lesen."
„Wehrter Herr Lehrer! Ich möchte mich entschuldigen meiner Tochter, ich habe sie nicht jchik- ken können, weil sie keine Schuhe hat."
„Herr Lehrer sind sie bitte so gut und laßen meine Tochter mitt Gwägern."
Diesen Beispielen könnte man noch viele hinzufügen. Das Lächeln, das sich einem wegen der orthographischen und sprachlichen Fehler der Schreiben aufdrängen will, erstirbt, wenn man zwischen den Zeilen liest. Welches Elend grinst einem daraus entgegen! Die Mutter, die Witwe oder nicht verheiratet ist, muß von morgens früh bis spät arbeiten gehn. Der Junge ober das Mädchen, die gerade schulpflichtig sind, müssen den Haushalt führen, kleine Geschwister beaufsichtigen usw. und können die Schule deshalb nicht besuchen. Und wie nötig gebrauchen sie den Unterricht, der ihnen die Grundlage für ihr späteres Fortkommen, und ganz besonders den Religionsunterricht, der ihnen ein sittliches Rückgrat geben soll. Das Kind kann nicht zur Schule gehen, weil es keine Schuhs hat, ein anderes hat keine Schularbeiten gemacht, weil „wir keine Tinte haben und erst heute Geld bekommen".
. Ems Mutter fleht, ihr Kind an den Quäker- sPLlsungen teilnehmen zu lassen. Trotzdem sie zur Arbeit geht, reicht es vielleicht nicht einmal zum notwendigsten Lebensunterhalt.
Noch Schlimmeres könnte man anführen, doch es gibt wohl schon ein klares Bild von der wirtschaftlichen Not in der Diaspora. Gewiß mag es auch Zustande in katholischen Gegenden geben aber dort fehlt die seelische Not. Der Druck, täglich allein unter fast nur Andersgläubigen leben zu müssen. Deshalb hat der Bonifatiusverein eine hohe und schwere Aufgabe. Möge es ihm get-n- gsn, sems Hilfsmaßnahmen, in einem der Größe ber Not entsprechendem Maße auszubauen, und mögen ihn bei diesem edlen Werk die Katholiken tatkräftig unterstützen!
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coco Mszefe FttlöSt WM
Aeftakademèe im Prieslerseminar.
Ehren des hl. Thomas von A a u i n, Paironsder katholischen Philosophen- und Theolvgen-Schulen, wurde am 7. März, seinem Ee- dachtnlstage, im hiesigen Priesterseminar eine F e ft= afabemie gehalten. Zahlreiche Vertreter des Welt- und Ordensklerus hatten sich mit dem Hocbw. cherrn Bischof dazu eingefunden. Herr Professor w in lateinischer Sprache einen wissenschaftlichen Vortrag: „Ueber die Rechtskraft st a at licher Gesetze vor dem kirchlichen Fo- rum. Der Vortragende erörterte darin die Frage, unter welchen Bedingungen und inwie- ?^i. 0!e staatlichen Gesetze im kirchlichen Rechtsbereich Geltung erlangen konnten und erlangt hasten: Die Kirche als autonome Gesellschaft kennt eine Reg-lung der innerkirchlichrn Angelegenhei- ^n.jyir ^d) kirchliche Gesetze. Staatsgesetze über kirchliche Angelegenheiten erlangten vor dem Forum
der kathol. Kirche nur insoweit Rechtskraft, als letztere sie in irgend einer Form annimmt und damit zu Kirchengesetzen, zu Bestandteilen des kanonischen Rechtes macht. Das hat die Kirche gegenüber vielen Gesetzen des alten römischen Rechtes getan, sie hat sogar letzteres ausdrücklich das ganze Mittelalter hindurch und bis in die neueste Zeit hinein als subsidiäre Quelle für das kanonische Recht anerkannt. Auch das neue kirchliche Gesetzbuch, das Pfingsten 1918 in Kraft getreten ist, verweist in einer Reihe von Fällen für den kirchlichen Rechtsbereich aus die Zirülgesetzgebung der einzelnen Länder, so zum Beispiel in bezug auf Verjährung, Verträge, gerichtlichen Vergleich, Schiedsgerichte, Ehehindernis der gesetzlichen Verwandtschaft, und verleiht damit ausdrücklich den betreffenden staatlichen Gesetzen Rechtskraft vor dem kirchlichen Forum.
Die Festrede umkränzten vorzügliche mufitalifdje und gesangliche Darbietungen, aus denen wir nur die Romanze für Klavier und Violin von Svend-? son und die Motette „O salutaris hastia" in der stimmungsreichen Vertonung von Franz Liszt her- vorheben. So hatten sich 2Biffen[d?aft und Kunst zu einer würdigen Huldigung für den „Doctor anaelicus" vereint.
Kurhesfischs Zenkrumspaciei.
Am Montag den 7. März tagte in der „Hac* monie" zu Fulda der Landesausschuß der Zentrumspartei im Regierungsbezirk Kassel unter dem Vorsitz des Herrn Direktors P a r z e l l e r. Aus " allen Teilen des Regierungsbezirkes waren Vertreter in stattlicher Anzahl erschienen. U .a. wohnten auch die Landräte der Kreise Fulda, Hünfeld und Gersfeld den Verhandlungen bei. Herzliche Begrützungsworte widmete der Vorsitzende dem zu der Tagung erschienenen Veteran der Zentrums- sache in unserem Heimatsbezirk, dem Herrn Fabrikanten Richard Schmitt sen. Das Hauptreferat über die Politik im Reiche erstattete Herr Reichs- tagsabgeordneter Schwarz- Frankfurt. Er gab einen sehr interessanten Einblick in die Abwicklung der letzten Regierungskrise und erläuterte die Beweggründe für die Haltung der Zentrumssraktion in der überaus schwierigen politischen Situation am Jahreswechsel. Der Redner legte die Verhältnisse so überzeugend dar und machte auch für die namentlich auf bent Gebiet der Wirtschaftspolitik gelegenen Probleme so treffliche Ausführungen, daß er einheitlichen Beifall erzielte.
Ueber die Politik in Preußen sprachen In fesselnder Weise die Landtagsabgeordneten R h i e k Fulda und Schmitt- Fulda. Kommunallandtagsabgeordneter Oberbürgermeister Dr. Antoni berichtete besonders über die Frage der Neubesetzung des Kasseler Regierungspräsidèums.
An die dankenswerten Darlegungen ber Abgeordneten schloß sich eine sehr anregende Aussprache. Die Debatte, in die auch die Abgeordneten wiederholt eingriffen, berührte die verschiedensten Gebiete des politischen, kulturellen and wirtschaftlichen Lebens. Namentlich zu den Sieuer- fragen wurde eingehend gesprochen und beionbers auch von landwirtschaftlicher Seite Stellung genommen. Der Verlauf der Tagung bot ein er« treuliches Bild politischer Aktivität in der Zentrumspartei des Regierungsbezirks Kassel. Nichts zu spüren war von politisier Müdigkeit. Die Führer aus den verschiedenen Teilen des Regierungsbezirkes gaben namens ihrer Wähler bas Versprechen ab, daß überall mit neuer Freude und Hingabe an den Aufgaben der deutschen Zentrumspartei zum Wohle des deutschen Vaterlandes gearbeitet werden soll.
Folgende Resolutionen, die einstimmige Annahme fan« den, bilden den Niederschlag der Beratungen:
I.
Die in Fulda zur Landesausschutzsitzung versammel teil Vertrauensmänner der Zentrumspartei im Regierungsbezirk Cassel billigen nach einem Vortrag des Reichstagsnbgsordnelen Schwarz-Frankfurt die Haltung der Zentrumchraktion bei der Neubildung des Neichs- kabientts. Die Fraktion besitzt das volle Vertrauen des Landesausjchusies. Er ist der festen Ueberzeugung, daß