Ausgabe 8°
Zahrg. 37.
Nr. I«
für die katholischen Gemeinden Kassels.
erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 35 Soldpfennig 3 40 Doldpfennig (freibl.) Redaktionschluß Montag. Anzelgen-Pcelsr: Tolonelzeile Im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Tolonelzeile Im Re'lameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft and Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen jpüiestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda sein
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Wochenkalender.
Sonntag, 6. März. 1. Fastensonntag. Felizitas und Perpetua, Mart., t 203.
Montag, 7 . März. Thomas von Aquin, Kirchenlehrer, Bek., f 1274.
Dienstag, 8. März. Johannes von Gott, Stifter der Barmherzigen Brüder, f 1550.
Mittwoch, 9. März. Franziska Româna, Witwe, f 1440. Quatcmbermittwoch.
Donnerstag, 10. März. Vierzig Märtyrer zu Seba sie, T 320.
Freitag, 11. März. O u a t e m b e r f r e i ta g.
Samstag, 12. März. Gregor d. Große, Papst, Kirchenlehrer. 4- 604. Quatembersamstag.
Erster Zastenfonntag.
Ev. Matth. 4, 1—22.)
In jener Zeit ward Jesus vom Geiste in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Und als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, darnach hungerte ihn. Und es trat der Versucher zu ihm, und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: Nicht vom Brote allein lebt der Mensch, sondern von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt. Da nahm ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, und stellte ihn auf die Zinne Les Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so stürze dich hinab; denn es steht geschrieben: Er hat seinen Engeln deinetwegen besohlen,'und sie sollen dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stoßest. Jesus aber sprach zu ihm: Es steht wieder geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen! Abermal nahm ihn der Teufel auf einen sehr hohen Berg, und zeigte ihm alle Königreiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbe. test. Da sprach Jesus zu ihm: Weiche Satan! denn es steht geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, anbeten, und ihm allein dienen. Alsdann verließ ihn der Teu- sei, und siehe, die Engel traten hinzu, und dienten ihm.
Eine
Eroberung aus der „weißen Woche".
X ine Frau vom Lande kehrte aus der ' Stadt zurück, einen ansehnlichen Korb im Arme. Anfang Januar hatte sie ihren 75. Geburtstag gefeiert, schritt aber noch rüstig des Weges an der Seite ihrer jugend- , lichen Begleiterin. Und was meinst va, nahm die Greisin das "ßort, was ich wohl in ö Korbs habe? Auf der „W s i ß e n W o ch e" m ea^en u?k habe mir mein Totenhemd H um In meinem Alter kann man nicht wis- sen, wann es zu Ende geht!
hat sich wieder einmal das Wort der ZMt bewahrhE, daß „die Weisheit auf der •^ iâigt . Wahrend die meisten Menschen in
der „Weißen Woche" an den Staat, an allerlei Firlefanz, an die Fastnacht oder an praktische Dinge des Lebens denken, hat diese brave, einfache Frau dem Volke an ihr Sterbestündlein gedacht und vorgesorgt, daß dereinst ihr Leichnam nach christlichem Brauch bekleidet werden könne.
Und dieser Gedanke steht auf dem Tor der hl. F a st e n z e i t, das am Aschermittwoch still und ernst sich aufgetan. Und wer im die Kirche ge« C "lgen ist, hat sich dort das A s ch e n k r e u z geholt und sich die Mahnung des Priesters zu Herzen genommen: „Memento homo" — Gedenke, o Mensch, daß du Staub bist und wieder zu Staub werden sollst. Und wer der Fastnacht zugesprochen hat, ist froh, daß der verrückte Traum vorüber ist; und wer sie nicht aktiv, sondern nur passiv mitgemacht hat, wer genötigt war, all den Trubel und all die Geistlosigkeit zu sehen und zu hören, ist auch froh, daß die Possen wieder aufhören und das Leben wieder seinen gewöhnlichen, vernünftigen Takt geht. Und wie eine Prophetin steht die Kirche vor uns, mit grauem Mantel und weitschauenden Augen, die rückwärts und vorwärts blicken, und streut Asche auf die denkende Stirn wie eine Medizin gegen die Krankheiten des Gehirns und gegen die Verkehrtheiten des Lebens.
Und ist es denn so schwer, die Mahnung der Kirche zu befolgen und dem Tod ein Anden- k e n zu widmen? Muß man denn diesen Gedanken an den Haaren herbeiziehen? Müssen wir ihn aus China oder aus dem Sudan beziehen? O nein. Der Gedanke an den Tod ist uns so nahe wie die Haut unseres Leibes, so nah wie das Herz in der Brust, das jetzt noch regelmäßig schlägt, einst aber still stehen wird wie eine Uhr, die abgelaufen ist. Der Gedanke an den Tod begegnet dem denkenden Merüchen auf Schritt und Tritt. Schau diesen ehrwürdigen Dom, diese Kirche deiner Hei- niat. Wo sind denn die Meister, die den Bauplan entworfen? Wo die Steinmetzen, Maurer, Zimmerleute, Maler und Künstler, die das Gebäude aufgerichtet, vollendet und geschmückt haben? Niedergestiegen sind sie vom Baugerüst und hinabgestiegen in die Gruft des Todes. Wo sind die Bischöfe, Aebte, Prälaten, Mönche, Pfarrer, die einst dort oben auf der Kanzel standen und zu unsern Vorfahren gesprochen haben? Herabgestiegen sind sie von der Kanzel und hinabgestiegen in die Gruft des Todes. Wo sind unsere Väter, Mütter, Großeltern, Ahnen und Vorfahren, die einst in dieser Kirche getauft wurden, darin ihre Erstkommunion gehalten, darin im Ehesakrament sind verbunden worden, die darin dem Gottesdienst so oft beigewohnt haben? Verlassen haben sie ihre Plätze und sind ausgewandert in die kühlen Grüfte. Betrachte die Paläste, die Villen, die Häuser in Stadt und Land. Wo sind die Leute, die einst darin arbeiteten, schliefen, aßen, weinten und lachten, Gutes und Böses taten? Der Tod hat sie aus ihren Wohnungen herausgeholt und ihnen ein anderes, enges Bretterhaus gezimmert und ihnen eine Woh
nung angewiesen einen Meter unter dem Erdboden.
Mache auch die Augen auf und siehe zu, daß in jeder Stadt und in jedem Dorf noch eine zweite Stadt, ein zweites Dorf sich ausdehnt. Zur Stadt der Lebendigen kommt die Stadt der Toten, der Friedhof. Und wenn die Gemeinde einige hundert Jahre alt ist, dann ist die Stadt dec Toten größer als die der Lebendigen. Und Bürger dieser Stadt wirst auch du werden, der du dies liesest und ich, der ich es schreibe.
Aber nicht bloß natürlich ist es, an den Tod zu denken, sondern auch nützlich und heilsam. Der Gedanke an den Tod ist Balsa m. Bist du Proletarier? Hast du weder Haus noch Acker, noch Vieh? Ueber kurz oder lang, und der Kapitalist ist ein Proletarier wie du. Wer wird es einmal einem Totenschädel ansehn, ob er einem Proletarier oder einem Kapitalisten gehört? Und der Großgrundbesitzer bekommt einst so ein enges Grab wie der Bettler.
Der Gedanke an den Tod ist eine Medizin. Nimm Todesgedanken wie Pillen ein, und du wirst geheilt werden von der ungeordneten Liebe zum Geld, zum Besitz, zur Stellung, zu Frau und Kind, zu Eltern und Freunden, vor allem aber von der sündhaften, leidenschaftlichen Liebe zu irgend einer Person.
Der Gedanke an den Tod ist ein Stachel. Er treibt uns an zu guten Werken. Nach dem Tod ist es ja aus mit jeder Gelegenheit zur Bekehrung und zum Gutestun. Es kommt die Zeit, wo niemand mehr wirken kann, die Zeit des Todes. Und mit dem Tod ist nicht alles aus. Im Gegenteil. Der Tod ist der Beginn des heimatlichen, des ewigen Lebens. Der Tod schließt das irdische und öffnet das ewige Leben. Der Mensch geht ein in das Haus seiner Ewigkeit. Hast du es gehört? Nicht der Ewigkeit, sondern seiner Ewigkeit. Jener Ewigkeit, die er verdient durch sein Leben im Diesseits. Hier ist die Aussaat, drüben die Ernte. Ist es da nicht eine Forderung der Klugheit, eine Forderung der Vernunft und des Gewissens, für eine gute, glückliche Ewigkeit Sorge zu tragen? Da heißt es, mit der Sünde brechen und Gutes tun. Da heißt es, an einen Herrgott glauben und sich richten nach seinen Geboten. So lange die Erde steht, hat es noch kein Volk gegeben, das nicht an einen Gott und ein Fortleben geglaubt hätte! Da heißt es, sich der Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche anschließen, beten und dem Gottesdienst dein ihnen. Da heißt es, Feindschaften aufheben, Aergernisse beseitigen, Gelegenheiten abschneiden, fremdes Gut erstatten, Schulden bezahlen, Frieden schließen, Nächstenliebe üben in Wort und Tat. Da heißt es, die F a- st e n z s i t benützen zum Heil der Seele, sich einen Verzicht aufzulegen in Speise oder Trank, in Alkohol, Tabak, Wirtshaus, Kino, Theater, Vergnügen. Da heißt es, die Herrschaft des Geistes über