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wenn Iemanö eine Helfe tut . . .

Daß mich mein alleweil schlapper Geldbeutel zwingt, nun schon jahrelang seßhaft zu sein das will mir gar nicht gefallen. Die Reiselust sitzt mir nun mal im Gebein, wie meinem Nachbar der Reißmatismus". Nur, daß es ihn mehr im Winter zwickt und mich im Sommer. Kommt nun gar der Juli heran, dann juckts in allen Gliedern, es ist kaum auszuhalten. Wenn ich auch nicht viel behalten habe von dem, was man mir früher mit Mühe und Not eintrichterte, das weiß ich noch, daß es hieß:Im Juli haben alle anständigen Leute auf Reisen zu gehen!" Und zu den Anständigen rechne ich mich immer noch trotzalledsm! Viel muß ich sehe n^biel erleben, damit es mir gar nicht zum Bewußtsein kommt, daß ich eigent­lich gar keinerichtige" Reise mache, sondern nein, das sage ich nicht.

Ich muß gestehen, früher, als ich noch richtige Reisen machte, da war's nicht halb so amüsant. Man mußte natürlich zweiter Klasse fahren, die Polster waren heiß, alles drum und dran kalt. Man war zp vornehm, um mit dem Nachbar zu reden, falls man einen hatte. Als dann nach und nach die Geldtaschen immer größer wurden und die Armut auch, da fühlte man sich bald selbst in der zweiten Klasse nicht mehr heimisch und schließ­lich fuhr manstandesgemäß" nur noch 2 mal 2. So bitter es im Anfang war, so anregend fand man es dort mit der Zeit und Jedem, der unter­wegs etwas erleben will, rate ich stolz: nur vierter Güte nehmen. Meist ist man da in aller­bester Gesellschaft. Diesmal empfingen mich fah­rende Schüler, die froh waren, daß ihnen jemand die Gegend, die sie nicht genug loben konnten, erklärte. Wie sog ich das Lob unseres Ländchens ein, wurde beinahe größer, gerade als ob ich unser Eichsfeld gemacht hätte. Lacht nicht über den aufgeblasenen Gauch ich stellte fest, daß man das philosophisch ausdrückt:Verwachsen sein, Cinsjcin mit der Heimat" nennen kann. Aus diesen Be­rtachtungen wurde ich bald herausgerissen. Ein ganzes Regiment Frauen drängte ins Abteil und , jetzt beginnt das Erleben" dachte ich. Von weit­her waren sie gekommen, zum großen Teil zu dem berühmten Wunderdoktor. Alle waren sie jetzt guter Dinge, die heute morgen mit vergrämter Miene, einem Buckel voll Sorgen und einem Fläschchen wohlgehütet, hier ausgestiegen waren Wie bedauerte ich, nicht stenographieren zu kön­nen! Was hätte ich jetzt Gelegenheit, viel Geld zu verdienen, wenn ich all die medizinische Weisheft, die da verzapft wurde, hätte zu Papier bringen können. Wie schnell und einfach kurierten diese Frauen! Die armen Professoren, die so viel stu­diert und probiert haben, können einem in der Seele leid tun, wenn sie trotzdem noch zugeben müssen,daß wir nichts wissen können". Wenn ich nun diese Broschüre oder das Buch, das ziem­lich umfangreich geworden wäre, wenn ich von all den Krankheiten geschrieben hätte, herausgebracht hätte, hu, was wäre ich da berühmt geworden! Der zweite Doktor Faust! Aber dem Teufel hätte ich mich nicht verschrieben, dazu hätte ich nach dem, -was ich auf dem Jberg sah, nicht die Kourage gehabt. Cs wäre ja auch nach dem die Weiber das Ihrige getan, gar nicht mehr nötig gewesen. Das eine weiß ich: gleich wenn meine Reise be­endet ist, muß ich die neue Stenographie lernen (die alte wollte nicht in meinen Kopf, noch weni­ger in meine Finger), um bei der nächsten Reise mir nicht wieder so viel Weic heit entgehen zu lassen.

Da sind wir schon in Eichenberg und müssen raus. Als ich kaum im anderen Zug sitze, merke ich, daß zwei meiner Reisegefährtinnen auch wie­der da sind. Ich überschlage sie, um Zeit zu haben, zum Studium der vielen neuen. Sie haben sich, -ganz von selber, in zwei Lager geteilt. Ich halte mid) in der Mitte, denn der Schwur von Heiligen- fk bt, im Volk fürs Volk zu arbeiten ist noch ganz lebendig in mir. Eigentlich müßte ich mich ent­schieden auf die linke Seite stellen, aber es zieht doch sehr nach dein anderen Fenster. Links erzählt die^-rau, die heute morgen diese Strecke fuhr mit ihrem Leiden und ihrem Fläschchen, mit vielen Gesten, hohen: und tiefem Pathos, daß der Zug, ihr Zug, eine Frau überfahren habe, ja, ganz hier in der Nähe. Sie sollten nur aufpassen, sie müß­ten denBlutsee" noch sehen vielleicht lägen auch noch ein paar Arme und Beine da. Ja, sie sei ganz zerrissen gewesen, die Aermste und wei­tere grausige Beschreibungen folgten. Die ganze linke Seite hängt an ihrem Munde, wie sie dann

' weiter erzählt von der zerruri^^»? xn/v ve» -ctWu und schließlich um der Sache erst den richtigen Ef­fekt zu geben, ihrer ganz fremden Nachbarin et­was in Ohr flüstert, zwischendurch immer die Mah­nung:Ihr am Fenster, paßt ja auf, gleich muß der Blutsee kommen." Und jedesmal stürzte alles was zur linken Seite gehört, noch energischer zum Fenster hin. Auf der anderen Seite ein noch jun­ges Ehepaar mit zwei strammen Buben, die wohl zum ersten Male einen Ruckjack tragen. Einige frische braune Gesellen bedauern, daß sie diese male­rische Gegend nicht unter die Füße nehinen kön­nen, sondern wie dieSpießer" durchfahren müssen, da sie so schnell wie möglich daheim sein müssen. Sie stellen sich, gleichsam wie eine Mauer, zwischen rechts und links, als sie sehen, wie die sorgeiide Mutter bemüht ist, ihre Kinder von dem Grausigen abzulenken, das die Frauen immer wieder heroor- holen, bis der Ludwigstein in Sicht ist, und auch hier als Rettung winkt. Jetzt sind die Buben ganz Aug und Ohr, als ihnen der Vater erzählt von sei­nen Wanderfahrten mit lustigen Brüdern, Wim­peln und Klampfen. Und wie sie auf dem hohen Meißner alle die Begeisterung umschloß die Tau­sende von Jungmannen zu einer Einheit und wie darin das Meißner Programm ausgestellt wurde und sie dessen Ziele hinaustrugen in die Lande. Wie hatten sie damals suchen müßen nach einem Obdach, denn die Landleute wußten noch nicht, daß nicht nur Landstreicher in Scheunen schlafen wollten und daß damals der Wunsch lebenoig wurde, den Ludwigstein als Jugendherberge aue= zubauen. Und morgen wollte er sie ihnen zeigen. Ordentlich glühen taten die Kinderaugen vor Be­geisterung, während das Gesicht der Eltern von Sehnsucht nach Vergangenem sprach Da plötzlich ein schrilles Kreischen wir waren an dem Blut vorbeigefahren. Nur wenige hatten den Flecken sehen können, so sehr die H'ntenstehenden auch ver­suchten, die Glücklichen von ihren Fensterplätzen wegzuziehen, sie sahen nichts mehr und die Ge­sichter waren so voll Enttäuschung, daß man die Menschen hätte bedauern können, hätte man nicht gewußt, um was es sich handelte.

Zwei Welten im kleinen Abteil vierter Klass? Ich war so in Gedanken, daß ich beinahe über­hörte daß der SchaffnerAllendorf-Sooden" rief, und daß beunruhigte Kinder am Zuge entlang lie­fen und ängstlich meinen Namen riefen. Aber ich kam doch noch zur Zeit raus. Das wurde eine Freude! Bald hieß es:Nun, aber erzähle erst mal, was du wieder alles erlebt hast!"

Aus der Heimat.

Eichsfeldische Rundschau. An rode. Die Ver­handlungen mit der Stadt Mühlhausen wegen des An­kaufes des Klostergutes Anrode stehen vor dem Abschluß. Sie bedürfen lediglich noch der Zustimmung der städti­schen Körperschaften. Das Wohngebäude soll in ein städtisches Erholungsheim umgewändelt werden. Als Kaufpreis werden 650 000 RM. genannt. Birkun­gen: Der älteste hiesige Einwohner, der Wegewärter a. D. Jakob Große, ist im Alter von 80 Jahren gestor­ben. Breitenbach: Der Landwirt Johannes Eckardt feierte mit seiner Ehefrau das Fest der golde­nen Hochzeit. Deuna. Die älteste Einwohnerin un­serer Gemeinde, Fräulein Emilie Koch, eine Tochter des Rittergutsbesitzers Adam Koch, feierte bei bester Rüstig­keit ihren 94. Geburtstag. Diedorf: Ein sehr großer Trauerzug geleitete den verstorbenen Fabrikan­ten Emund Mehler zur letzten Ruhe. Dieterode. Beim Holzfällen verunglückte der Holzhauer Franz Herold dadurch, daß ihm ein vom Baume fallender Ast eine leichte Gehirnerschütterung beibrachte. Geis­leden! Die Arandsche Scheune amSchingelleich" brannte nieder; durch Niederreißen des brennenden Ge­bäudes wurde das Wohnhaus gerettet. Geismar. Den 80. Geburtstag feierte der weithin bekannte Ni­kolaus Krefeld. Heiligen st adt. Frl. Regine Fiedler aus Volkerode ist seit 30 Jahren im Dienste der Familie Konrad Gaßmann. Am 22. März können folgende Eichsfeldische Psarrherren ihr silbernes Prie- sterjubiläum begehen: Alois Fick-Birkenfeldc, Ludwig Kalbhenu-Vickenriede, Adolf Ostendorsf-Küllstedt, Eugen Wand-Wittenberg, Bruno Werner-Diedorf; Pfarrer Otto Buch-Rustenfelde kann diesen Tag am 14. August feiern. Das 40jährige Priesterjubiläum begehen die Herren De­chant Jobannes Kahlmeyer-Ershausen und Ehrendomka­pitular, Geistlicher Rat und Bischöflicher Kommissarius Karl Poppe-Heiligenstadt am 24. März. Das goldene Priesterjubiläum feiert Herr Dechant Alois Beck-Günte- rode am 10. Juni 1927. Bei den winterlichen Aus­flügen der hiesigen Einwohnerschaft macht sich das Fehlen eines Saales beim Forsthause unangenehm bemerkbar; die städtischen Körperschaften würden sich ein Verdienst erwerben, wenn sie in dieser Hinsicht den berechtigten Wünschen der Hetligenstädter entgeaenkämen In fei«

ner testen yaupwerfamnnung hat der Vorstand de- ®c, sellenvereins die Errichtung eines Saales beim Gesetlen- Hause beschlossen; die Ausführung wurde dem Architekten Cordier übertragen. Unter größter Teilnahme wurde der Rechnungsrnt Johannes Rhode zu Grabe getragen.

Kirchgandern. Bei einem hier wohnenden Obermonteur wurde eingebrochen; die Diebe, die haupt­sächlich Dauerware Mitnahmen konnten

spruchnahme eines Göttinger Polizeihundes nicht ennit« tslt werden. L e n g e n f e i b. x,m ^m . ........ konnte beim vergeblichen Ausweichen vor einem Ge­spann auf der abschüssigen Straße Lengenfeld-Struth ein Motorradfahrer sein Gefährt zum Stehen bringen. Auch hier hat die Grippe viele Leute aus das Kranken­lager geworfen. Lenterode. Den 80. Geburts­tag konnte die hier wohnende Witwe Wilhelm Gunkel geb. Jünemann begehen. Niederorschel: Den 80. Geburtstag kann Fräulein Pauline Waldmann be. gehen. Auf dem Edawerk fiel der Arbeiter Friedrich Wirth in einen mit kochendem Wasser gefüllten Bottich; er konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Der Veteran Karl Beykirch wurde zur letzten Ruhe be­stattet. Schachtebich. Ein Beispiel opferwilliger Nächstenliebe gab der Kriegerverein Burgwalde, indem er zugunsten einer bedürftigen Kriegcrrmtwe auf sein Wintervergnügen verzichtete. Sickerode. Infolge Versagens der Steuerung fuhr ein Auto oberhalb der Wiesenbachbrücke gegen einen Baum; der Führer kam mit dem Schrecken davon, während der neben ihm sitzende Reisende tiefe Schnittwunden erlitt. Tastun­gen: Der Schweizer Jordan von hier fiel im Keller und zog sich mehrere Rippenbrüche und Verstauchungen zu. Uder: Beim Abspringen vom Pferde fiel der Sohn Christoph des Bäckers Senge zu Boden; ein ge­rade vorbeifahrender Kraftwagen zersplitterte ihm durch Uebersahren den linken Arm. Vollenborn. Im Alter von 80 Jahren wurde der Veteran David Wittels- bach zu Grabe getragen. Wendehausen. Der Scharfloher Wald soll verkauft werden; als Interessen­ten werden die Gemeinden Diedorf und Treffurt ge­nannt; als vermutlicher Kaufpreis find 65 000 Mk. ge­fordert. Wingerode. Die goldene Hochzeit feier­ten die Eheleute Hermann Brodmann und Frau Su­sanne, geb. Wehling Breitenworbis: Die älteste Frau unserer Gemeinde tritt in ihr 90. Lebens­jahr ein. Es ist die Witwe Margarete Sander, die sich heute noch einer recht guten körperlichen und geistigen Rüstigkeit erfreut. Ein Bruder der Greisin, der Vete­ran Martin Ignaz Heddergott hat das 80. Lebensjahr überschritten. Diedorf: Durch eine auswärtige Firma wird in dem Saale des Schulzen Schröter durch eine Zigarrenfab. erwüchse Arbeitsgelegenheit geschaf­fen. Dingelstädt: Das Fest der goldenen Hoch­zeit feierte das Ehepaar Schuhmacher Johannes Schä­fer. Duderstdt: Einer auswärtigen Stellenver­mittlerin war es gelungen, durch Vermittlung des preu­ßischen Ministeriums für Kunst und Wissenschaft hier Anstellung als Lehrerin zu finden. In der vergangenen Woche wurde dieselbe verhaftet. Rektor a. D Karl Wüstefeld konnte bei bester Gesundheit seinen 70. Ge­burtstag feiern. Unermütlich ist er noch heute als Orga­nist der Cyriakuskirche tätig; außerdem wirkt er weiter­hin verdienstvoll als heimatkundlicher Schriftsteller. Unter dem Vorsitz des Rektors Wüstefeld wurde hier ein Verkehrsverein gegründet Durch den vagabun­dierenden Josias wurde der Sohn des Westeröder Gast- nstrts Mecke verletzt. Effelder: Die Firma Leonhardi aus Minden i. W. errichtet hier eine Zigar­renfabrikfiliale. Eichstruth: Beim Auslichten einer mächtigen Buche glitt der Holzhauer Ewald Haus­mann von dem hohen Baume; der herbeigerufene Arzt Dr. Müller aus Uder stellte eine Rückgratverstauchung fest. Geismar: Einer der ältesten hiesigen Ein­wohner, der Landwirt und Kriegsveteran Simon Kapp, feierte seinen 80. Geburtstag bei bester Gesundheit. Seit dem Jahre 1875 bekleidet er das Amt eines Kir­chenrendanten und Altaristen bis heute. Heiligen- stadt: Auf Antrag des Verkehrsvereins wurde ein städtisches Verkehrsamt eingerichtet. Die 90jährige Heimensteinerin, Frl. Christina Gutbier, ist gestorben.

Ans ®idietel&i|d)$n Vereinen

Aulda. Der hiesige Verein der Eichsfelder hielt feine erste Generalversammlung ab. Dem Jahresbericht war zu entnehmen, daß seit dem Bestehen des Vereins m Versammlungen, 12 Vorstandssitzungen. 2 Festverannal- tungen und Ausflüge stattgesunden haben. Besonders erwähnenswert sind die Lichtbildvorträge über die Schön­heiten der eichsfeldische« Heimat und der Ausflug zum Hülfensbergs An auswärtigen Tagungen beteiligte M der Verein an der Bundestagung und der Jubelfeier des Erfurter Vereins, an der Fahnenweihe in Kassel und an der Bundestagung in Gelsenkirchen. Da der bisher g verdiente Vorsitzende, Geheimrat Marx, mit R'icksM «»' sein hohes Alter eine Wiederwahl ablehnte, wurden gewählt- zum 1. Vorsitzenden Heinrich Häng-GeiS- lcden, Wiedemann zum 2. Vorsitzenden, Küh^r zu, 1. Schriftführer, Geibel zum 2. Schriftführer Bötticher zum 1 Kassierer. Frl. Hartmann zum 2. Kassierer ms Beisitzer bleiben bestehen: Frau Witwe Trappe, Lehrer Bachmann-Marbach und Nolte-Gersfeld. Ä» den Rech nungsausschuß wurden gewählt die Landsleute Di» 3- Heimbrodt und Zehrt.