11 Kleine politische Nachrichten.
Reichswehrminisker Geßler, der auch dem neuen Kabinett wieder angehört, hat seinen Austritt aus der demokratischen Partei erklärt, da die demokratische Frak- tion an einer Regierungsbildung sich nicht beteiligte.
Die Berufung Dr. Lafarels zum Staatslehrer nach Würzburg. Wie nunmehr amtlich bekannt gegeben wird, wurde vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus vom 1. Febr. ab der Ministerialrat im Staats- minifterlum des Innern Dr. Wilhelm Laforet zum ordentlichen Professor für allgemeines deutsches und bayerisches Staats- und Verwaltungsrecht in der juristischen Fakultät Würzburg in etatmäßiger Weise ernannt. — Zugleich wurde dem Professor Dr. Laforet der Titel Geheimer Justizrat verliehen. — Der neue Professor ist katholisch und Mitglied des C. V. der farbentragenden katholischen, Verbindungen. Wird der neue bayr. Kultusminister nun auch mal weiter dafür sorgen, daß gläubige Katholiken endlich in größerer Zahl auf die Lehrstühle der Universitäten berufen werden?
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Belgien.
Am 19, Januar starb die vormalige Kaiserin Charlotte von Mexiko, eine Tante des Königs von Belgien. Damit hat ein Leben von ungeheurer Tragik ihr Ende gefunden. Mit 17 Jahren hatte sie im Jahre 1857 dem Erzherzog Maximilian von Oestereich die Hand zum Lebensbunde gereicht. Maximilian ließ sich von Napoleon Hl. überreden, die Kaiserkrone von Mexiko anzunehmen. So reiste das mexikanische Kaiserpaar Maximilian-Charlotte nach der neuen Welt. Aber bald brach das Ver- Hängnis herein. Der Bürgerkrieg bedrohte das neue Kaisertum, Napoleon ließ den mexikanischen Kaiser im Stich, Charlotte reiste nach Europa, um Hilfe von den Höfen zu erbitten, aber sie fand nur kalte Abweisung. Da brach sie in der Nacht des Wahnsinnes zusammen. Kaiser Maximilian aber wurde am 19. Juni 1867 in Querentaro mit mehreren seiner Generale von den Mexikanern nach kriegsgerichtlicher Verurteilung erschossen. In get= kiger Umnachtung hat die Exkaiserin Charlotte ihren Gemahl um zwei Menschenalter überlebt — wie ein vom Schicksal vergessenes Ueberbleibsel riner längst untergegangenen Zeit.
England.
Eine Rompilgerfahrt, die den bisherigen Rekord schlägt, ist in England für den nächsten Mai geplant. In Rom ist bereits Unterkunft für 2000 Personen gesichert. 2 Kanaldampfer sind gemietet und 4—5 Extrazüge vorgesehen. Kardinal Bourne wird den Pilgerzug anführen, an dem noch mehrere Bischöfe teilnehmen werden. Alle katholischen Vereine und Gesellschaften sind aufge- -ordert worden, einen Vertreter zu entsenden, um in besonderer Audienz dem hl. Vater einen Bericht über die Tätigkeit ihrer Organisation zu unterbreiten, wodurch der Papst einen Ueberblick über die katholische Tätigkeit in England in allen Tinezlhcitcn erhalten soll.
Amerika.
Die Katholiken der Vereinigte.» Staaten haben im Laufe der letzten 5 Jahre die Zahl ihrer höheren Mädchenbildungsanstalten um 23 erhöht. Es gibt heute 77 katholische Mädchenkottegien auf dem Gebiete der Union.
Die Familie der Frau Anna F. Raskob in Wilmington hat 75 000 Dollar für den Neubau der Ursulinerinnen-Hochschule gestiftet, wodurch die Unkosten nun vollkommen gedeckt sind. Der Hörsaal wird den Namen „Anna F. Roskob-Gedenk- halle" erhalten.
Ein Kaufmann der Stadt Nashville hat testamentarisch 8 Kirchen je 2000 Dollar vermacht. Außerdem vermachte er 10 000 Dollar dem Waisenhaus in Hoyleton.
(Guatemala.
Die Republik Guatemala (Mittelamerita) hatte, dem Beispiel Mexikos folgend, ebenfalls eine erbitterte Kirchenverfolgung eingeleitet. Nach dem plötzlich erfolgten Tode des Präsidenten Orrelang wurde nun L._ Chacon zum Präsidenten gewählt. Eine der ersten Verfügungen des neuen Präsidenten war die Widerrufung der religionsfeindlichen Verordnungen feines Vorgängers. So sieht die Kirche in Guatemala wieder ruhigeren Zeiten ent- veaeu
Mexiko. - ■ - —
Der Kulturkampf geht in aller Schärfe weiter. Die Zahl der vom Unterrichtsminister ihres Amtes enthobenen katholischen Lehrer in Mexiko ist so gewachsen, daß der katholische Episkopat einen Aufruf erlassen hat zwecks Unterstützung dieser armen Opfer. 20 000 Pesos sind monatlich ^erforderlich, um sie vor dem Hungertode zu bewahren.
China.
Wegen der ewigen Unruhen und Bürgerkriege im „Reich der Mitte" hat sich England veranlaßt gesehen, zum Schutze seiner Landsleute und seiner Handelshäuser militärisch einzugreifen und Truppen an der chinesischen Küste zu landen.
Kleine Kirchliche Nachrichten.
Rom. Die Gesellschaft Jesu hat in diesem Jahre ungefähr die stattliche Zahl von 20 000 Mitgliedern erreicht. Seit der Gründung des Ordens im Jahre 1540 sind 750 000 Mitglieder im Orden gestorben. Davon wurden 14 heilig und 201 selig gesprochen, darunter ein heiliger und 23 selige Laienbrüder. In den fernen Missionen sind heute mehr als 4000 Jesuiten tätig. Der Jesuitenorden ist der zahlreichste unter den männlichen Orden der Gegenwart. Er wird vom Franziskanerorden nur überflügelt, wenn man dessen verschiedene selbständige Zweige zusammenfaßt.
Rom. Nachträglich wird berichtet, daß bei der Vi- schofsweihe der ersten sechs chinesischen Bischöfe jedem von ihnen durch den Heil. Vater ein geschlossener Briefumschlag ansgehändigt wurde. Der Inhalt bestand je aus einer 1000-Franc-Note, der Gabe eines französischen Priesters, der damit Zeugnis geben wollte von der Brüderlichkeit, die alle Priester der ganzen Welt im Namen Jesu, der Römisch-Katholischen Kirche und der Mutter Gottes eint.
Mainz. Unter den 394 Geistlichen der Diözese Mainz leben noch 12, die am 13. Juli 1877 vom f Bischof von Ketteler geweiht worden sind und dieses Jahr ihr goldenes Jubiläum feiern können, darunter Domkapitular Engelhardt unb Prälat Weckerle-Seligenstadt.
Speyer. Domkapitular Geistl. Raè Christian Kast ist in verflossener Nacht im Alter von 66 Jahren plötzlich gestorben. Er war schon längere Zeit krank. Der Verstorbene war zu Edenkoben geboren und wurde im Juli 1884 in Speyer zum Priester geweiht.
Freiburg i. Br. Pfarrer Münch (Mingolsheim) konnte, Söjährig, das seltene Wjähkige Priesterjubiläum begehen. Er ist der älteste Pfarrer der Diözese und immer noch rüstig.
Bayern. Der bayerische Episkopat beschloß nach Verhandlung mit dem Apostolischen Stuhl, daß das Fest der Patrona Bavariae (Maria, die Patronin Bayerns) jeweils auf den ersten Samstag im Monat Mai angesetzt werde. Die äußere Feier aber soll auf den folgenden Sonntag verlegt werden.
Mindelheim. In dem herrlich gelegenen Mindelheim^ zwischen Augsburg und Memmingen gelegen, haben die' Marisien-Schulbrüder jetzt eine staatlich genehmigte Realschule mit Knabenerziehungsinstitut eingerichtet.
Maria-Laach. Am 26. Januar verschied in der Bene- diktinerabtei Maria-Laach, der Senior des Klosters, P. Karl Mattes O. S. B. im 78 Lebensjahre, im fast vollendeten 50. seines Profeß, und im 48. seines Priestertums. P. Karl war der erste, der 1892 die alte Abtei am See bezog und ist durch seine seelsorgliche Tätigkeit in der Umgebung und als 28jähriger Leiter der Guts- verwaltung eine bekannte Persönlichkeit in der Nachbarschaft.
Köln. Kürzlich wurde von allen Kanzeln der Kölner Erzdiözese der Beginn eines Seligsprechungsprozesses verkündet. Es handelt sich um Schwester Emilie Schneider aus der Genossenschaft der Töchter vom hl. Kreuz. Geboren am 6. September 1820 in Haren b. Heinsberg, Regierungsbezirk Aachen, trat sie nach einer glücklich verlebten Jugend (sie war das dritte von acht Kindern der Familie) zu Lüttich in die Genossenschaft der Töchter vom hl. Kreuz ein. Nach sechs Jahren wurde sie in ihre Heimatdiözese Köln zurückgesandt und glründete eins der schönsten Hospitäler Düsseldorfs, das jetzige Theresien- Hospital. Dort starb sie nach einem an Mühen und Leiden, aber auch an Segen überaus reichen Leben im 39. Lebensjahre, im 14. des Ordenslebens im Rufe der Heiligkeit, die sich mit auf die ungewöhnliche Bereinigung von ständiger apostolischer Tätigkeit und tiefer mystischer Begnadigüng gründet. Ein schönes Leben schrieb über sie Pater Richstätter (bei Herder in Freiburg i. Br.): „Eine moderne deutsche Mystikerin, Leben und Briefe der Schwester Emilie Schneider, Oberin der Töchter vom hl. Kreuz zu Düsseldorf."
Bünde. Ein vorbildlicher Katholik der Diaspora. In Bünde in Westfalen starb der Fabrikant Kan Thiele.
Seniorches der Firma Kessing u. Thiele. Er kam nach dem Kriege 1871 nach Bünde und trug zu dem Entwicklungsgänge der jetzigen Zigarrenindustrie wesentlich bei, indem er die Bänder Zigarilloindustrie begründete. Karl Thiele war einer der erpen Knryotilen uer westfälischen Diaspora und stand der aufblühenden katholischen Gemeinde in guten und bösen Tagen ebenso unbeirrt und treu zur Seite wie der Zentrumspartei. Mit ihm schied ein aufrechter, kerniger Westfale.
Paderborn. Ein katholischer deutscher Bäderverein. Mit Zustimmung des Episkopates wurde in Paderborn der „Katholische Bäderverein" gegründet. Aâß zur Gründung bot der Mangel jeglicher religiöser Versor- gung der katholischen Badegäste in vielen Bädern in der Diaspora. Hierin Abhilfe zu schaffen, ist die Ausgabe des Vereins, die Geschäftsführung liegt in den Händen des Pfarrers Dr. Timmen in Eutin (Oldenburg).
Erzdiözese Freiburg. Im Stift Neuburg bei Heidelberg zogen am 1. Dezember die Benediktiner ein. Vor Weihnachten sand der völlige Umzug- vom Michelsberg bei Bruchsal nach dort statt. Der Erzabt von Beuron ernannte den Subprior der aufgehobenen Niederlassung, Pater Lukas Bischof, zum Prior des Priorats. Bor 120 Jahren wurde das Benediktinerstift Neuburg aufge- hoben.
Prag. Die theologische Fakultät der deutschen Universität hat den Bischof Groß in Leitmeritz aus Anlaß seines 60. Geburtstages zum Ehrendoktor der Theologie ernannt.
Paris. Dom Konzertsaal ins Priesterseminar. Das Verschwinden eines der berühmtesten Sterne der Pariser Konzertsäle, Syrval, das ganz Paris in Aufregung versetzte, fand dieser Tage seine Aufklärung, indem man den Sänger in einem Priesterseminar in den Alpen entdeckte, wo er sich für den Pricsterberuf vorbereitet.
Agay (Südsrankreich). Durch Zufall wurde in dem Organisten des kleinen Dorfes Agay am Mittelländischen Meer der berühmte Meister Vincent d'Jndy, der Direktor der Schola Contorum von Paris, erkannt. Vincent d Indu, der auf dem Felsen von Agay ein kleines Besitztum sein eigen nennt, stellt jedesmal, wenn er dort zur Erholung eintrifft, sein Talent dem Dorfpfarrer zur Verfügung, indem er den Gottesdienst auf dem alten Harmonium begleitet und den kleinen Chor im Kirchengesang unterrichtet-.
England. Die Blutzeugen der englischen Katholiken- versolgung unter Heinrich VIII;, der Bischof John Fischer und der Lordkanzler Thomas More, waren bisher nur selig gesprochen worden. Nun soll das Ver> fahren für ihre Heiligsprechung in Rom eingeleitet werden. Der Hl. Vater zeigt ein warmes Interesse für die Verherrlichung der englischen Blutzeugen. Man hofft, daß das Heiligsprechungsverfahren bis zum Jahre 1929 vollendet sein wird, wenn die Jahrhundertwende der Emanzipation der englischen Katholiken und zugleich das goldene Priester-jubiläum des Hl. Vaters gefeiert werden soll.
Irland. Der Kardinal O'Donnell ist zum ständigen Mitglied des Eucharistischen Kongresses erwählt worden, was zu der Annahme berechtigt, daß in nächster Zeit ein Kongreß in Irland in Aussicht genommen ist.
Amerika. Der Bischof Amigo von Southwart hat einen eigenen Priester, Arthur Dudler, mit der Aufgabe betraut, die zerstreuten Katholiken an den Orten, wo es keine katholische Pfarrei gibt, regelmäßig zu besuchen und die Seelsorge bei ihnen zu versehen. Die bewegliche Pfarrei dieses Diasporapfarrers besteht aus einem Automobil, das einen Tragaltar und alle nötigen kirchlichen Geräte enthält und dessen Rückseite so ausgemacht werden kann, daß sie förmlich dem Hochaltar einerlei- kapelle gleicht. Die neue Einrichtung wurde bisher überall mit der größten Genugtuung ausgenommen.
Amerika. In Denver, Newyork, wurde ein interessanter, einzigartiger Funkspruch aufgegeben. Ein sterbender Baptist beauftragte kurz vor seinem Tode einen kathou- schen Geistlichen, durch Funkspruch der Welt bekannt zu geben, daß er von ganzem Herzen bedaure, zu Lebzei e verleumderischen Reden gegen die kathol. Kirche Gey gegeben zu haben. Immer wieder wird von "frten über den außerordentlichen Erfolg berichtet, den die v kirchlicher Seite verbreiteten Funksprüche zeitigen. Hoa)p geistliche Würdenträger, wie z. B. der Weihbischof - Newyork, stellen sich in den Dienst dieser Sache.
Mexiko. In Hormosilla verlangte die todkranke B u ' ter des Generals Edoardo Carcia nach einem Priei - Der General ging unverzüglich in die Wohnung Pfarrers Porten und bat ihn, seiner Mutter die Sa ’ mente zu spenden. Einige Augenblicke nach Epen s der Sakramente starb die Frau. Präsident Calle , nun den General abgesetzt, „weil er die bestehenden setze gröblich verletzt habe".
China. Zi-ka-wei bildet nicht bloß den M.tt lpun - katholischer Wissenschaft im fernen Osten mit W J«, ^erfifät und Observatorium, sondern ist auch ein