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M. 6

Kassel, den 6 Februar |927

Lahrg. 57.

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und tostet monatlich Ausgabe A 35 Solbpfennig 3 40 Boldpfenniz (freibl.) Redaktion,, 'chlutz Montag. Anzeizen.Preise: Tolonelzeile im Anzetgeniell 0.15 Aoldmirt. Lolonelzelle im Reklameteil »,S0 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off. Bed. 0,10 Goldmark. Porto ejtra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Letiendruckerei in Fulda (ein.

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Wochenkalender.

Sonntag,ß. ivebr. 5. Sonntag nach Epiphanie. Titus, Vrichof, Bek, f !«. Dorothea, Jafr, Mart., f 304. Montag, 7. Febr. Romuald, Adt, f 1027. Richard, Bek. DienStan, 8. Fèbr. Johannes von Matha, Bek, f 1213. Mittwoch, 9. Febr. Cyrillus von Alex indrien, Btichof, Kirchenl., f 444. Apollonia, Iqfr., Mart., f 243.

Donnerstag, 10. Febr. Scholastika, Äebtlsuu, f 513. Freitag, 11. gebr. Gedächtnisfeier der Erscheinung der allerseli >sten Jungfrau Marta in Lourdes.

SamSta'. 12. Febr. Sieden Stifter des -erviten-Ordens. S. Jahrestag der Krönung des Papstes Pius XL

Fünfter Sonntag nach Epiphanie.

(Ev. Matth. 13, 2430.)

3n jener Zeit trug Jesus dem Volke ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich ist gleich ®*nem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker saete. Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind, und saete unkraut mitten unter den Weizen, und ging ba» von Als nun das Kraut wuchs, und Frucht brachte, er- r cfV01^ d"s Unkraut. Und er sprach zu ihm: Herr, yast du nicht guten Samen auf deinen Acker aesäet? Woher hat er denn das Unkraut? Und er sprach zu ihnen: Das hat der Feind getan. Die Knechte aber sprachen: Willst du, daß wir hingehen, und es auf= sammeln? Und er sprach: Nein! damit ihr nicht etwa, wenn ihr das Unkraut aufsammelt, mit demselben zu-

auch den Weizen ausreißet. Lasset beides zu- sammen wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte E den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Um kraut, und bindet es in Bündlein zum Verbrennen: den Weizen aber sammelt in meins Scheune.

Kraft höheren Ruf trag s.

Geschäft?

on Bermittlung, Versicherungen, Reisen und andern irdischen Ge- Höften bedient sich der moderne Mensch mit Vorliebe der A q e n - t e n

Welches ist aber unser größtes

Frage den Heiland.

suchet zuer ft das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit; das übrige wird euch zugegeben."

-.Welche Versicherung ist die wichtigste? Die- jenige, von welcher der Völkeravostel schreibt: Werke/'^ eure Auserwählung sicher durch gute

N V'c ist die letzte, weiteste uild v-Äi' °" *$mlM im suchen di^ün^ts/Ä" bleibende Stätte, sondern für diesesfür diese Versicherung, mal fmb e^ brauchen wir Agenten. Dies- Ageinen , t~s°^recke nicht - schwarze lischeil Kirche. b bie Priester der katho- -"..E ^^ sagt so

^ " Stkawvruk-^ so mancherauf­

geklärte" Arbeiter, so mancher kulturgefütterie Städter. Sind wir nicht mündig und gebildet ge­nug? Können wir die Angelegenheiten mit un­serm Herrgott nicht allein ausmachen? Können wir nicht unsere eigenen Priester sein?

Nein, das können wir nicht. Das Wort vom allgemeinen Priestertum" ist ja eine abge­droschene, leere Phrase. So wenig alle Menschen Professoren sind, so wenig alle Menschen Könige sind, so wenig alle Menschen Minister sind, ebenso wenig sind alle Menschen Priester. Gewiß schreibt der Apostelfürst Petrus an die ersten Christen: -öhr seid e:n Heilig es Priestertum". Das ist aber nicht im eigentlichen, sondern int übertra­genen Sinn zu verstehen. Petrus setzt den Teil für das Ganze. Welches ist denn die Hauptbe­schäftigung deâ Priesters? Das Opfer. Daran sollen aber die La:en in gewissem Sinn teilnehmen. Was sollen sie denn opfern? Nicht den Leib des Herrn in der hl. Messe; das ist den eigentlichen Priestern vorbehalten. Lies nur beim obigen Tert drei Worte weiter, und du wirst erkennen, daß es Petrus so gemeint hat. Ich wiederhole die ganze Stelle; du kannst sie ja in deiner Bibel nachprüfen. Sie steht im ersten Brief des hl. Petrus, am zweiten Kapitel, fünften Vers:Ihr seid ein heiliges Priestertum, um geistige Opfer d a r z u b r i n g e n, die angenehm sind bei Jesus Christus."- Was ist aber dasgeistige Opfer"? Das sind z. B. Almosen, das 'ist der Kampf gegen die bösen Neigungen, das ist die Be­zwingung der Leidenschaften. Diese Opfer muß auch der Laie bringen. Also ist es mit der Idee des logenannten allgemeinen Priestertums nichts.

Und hat denn unser Heiland alle beauftragt, eine Lehre zu verkünden, seine Gebote vorzutra­gen, seine Gnadenmittel zu spenden, die Gläu­bigen auf dem Weg des Heils zu führen? Keines­wegs .Nur einen kleinen Kreis ausgewählter Män- ner hat er dazu bestimmt, die Jünger und die Apostel. Den heiligen Petrus hat er geangelt am Eaulmschen Meer und zu ihm gesagt:Von nun au )oU|t du Menschenfischer sein". Nach der Auf- erftehung sprach er zu ihnr:Weide meine Läinmer, weide meine Schafe". Zu allen Aposteln aber fprach er kurze Zeit vor seiner Himmelfahrt:

Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Geht also in alle Welt und lehret alle Völ­ker und taufet sie im Namen des Vaters und

Sohnes und des hl. Geistes, und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe; und seht, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." . Zu den Aeltesten der Gemeinde Ephesus svrach der Voikcrapostel bei seiner berühmten Abschieds- oredigt:D:e Bischöfe hat der hl. Geist eingesetzt, d^. â^elie Gottes zu regieren." Und was er- zahlt die Apostelgeschichte? Als Paulus und Bar­nabas in Antwchia weilten, sprach der hl. Geist â" den Aposteln:Sendet mir ab den Paulus L^N" iU d"" W-rl, zu d-m ich Jie b-.

Die Ansick/i, daß jeder beliebige Priester sei, ist demnach ein Faustschlag ins Gesicht der Bibel, ins Gesicht der Wahrheit. Und finden wir nicht bei allen Völkern und Staaten ein besonderes Prie­stertum, einen besonderen Priesterstand? Diese Ein- richtung ist ein Bedürfnis der Menschennatur. Da­zu kommt der ausdrückliche Wille Gottes, eine Sanktion des Heilandes, an der niemand etwas ändern kann. Folglich ist die Ansicht der Gnostiker, Katharer und Reformatoren eine leere Einbildung.

Wir haben nach göttlicher Einrichtung einen eigentlichen Priester stand zur Pflege der In­teressen Gottes, zur Führung der Gläubigen auf dein Wege des Heils. Als äußeres Merkmal sei­nes Berufes und seiner Würde trägt der katholische Priester den schwarzen Rock auf seinem Leibe und auf dem Haupte die Tonsur. Aber nicht das Aeußere macht den Priester. Ter Kern und das Wesen des Priesters ist der Besitz der Weihe, der Besitz geistlicher Gewalt, die Befähigung und der Auftrag, zu predigen, Sakrament: zu speiiden, das hl. Opfer darzubringen, zu weihen und zu segnen. Das ist die Würde, das die Aus­zeichnung, das die Kwne des Priesters. We'tliche Herrschaft erstrebt bei Klerus nicht. Seine Parole ist die des Völkerapostels: jeden Verstand gefangen zu nehmen unter den Gehorsam des Glaubens alles zu erneuern in Christus, jede Seele ihrem zeitlichen und ewigen Glück entgegen zu führen. In Anbetracht seiner geistlichen Gewalt und seiner hohen Würde und Aufgabe steht das Priestertum über dem Königtum. Rede mir-da nicht vom Diadem und nicht von Purpurgewäirdern, ruft bei hl. Chrysostomus, Patriarch von KonstaiitinopA, dessen Fest wir am 27. vorigen Monats begangen haben; das alles ist nur Schatten, das finb Früh­lingsblumen; schaust du aber auf die Gewalt, so siehst du den Priester höher trotten als den König Deiin diesem sind nur irdische Dinge auvertra^t, dem Priester aber Himmlische.

, Deshalb, liebe Glaubensbrüder, darf euch der schwarze Agent", darf euch der Priester kein Frenidling sein. Er ist der geborene Eeschäfts- führer in den großes Anliegen der Seele und der Ewigkeit. Suche in seine Nähe zu kominen und von den Strahlen seines heiligen Amtes mög­lichst viele zu erhaschen durch Teilnahme an Pre­digt, Gottesdienst und Sakramentenempfang. Haft du ein besonderes Anliegen, suche ihn' vertrauens­voll auf; kommt er zu deinem Besuche, bereite ihm einen freundlichen Willkommen. Als Mensch kann er irren, als Priester führt er dich den unfehl­baren Weg zum Himmel. Er ist Diener der un­fehlbaren, heiligen Kirche. Obwohl ich, bekennt der Rembrandt-Deutsche, die Risse und Schlacken an deit Katholiken, einschließlich der Geistlichen als Personen wohl sehe, so ist doch die katho- lische Kirche so rein wie ein Tautropfen. Beim besten Willen kann ich keinen Fehler an ihr ent­decken. Von der katholischen Kirch» bringt mich nichts wieder los.

Der Burgpfarrer.